Die beiden Auftragskiller Charlie (Lee Marvin) und Lee (Clu Gulager) haben soeben den ehemaligen Rennfahrer Johnny North (John Cassavetes) in einer Blindenschule erschossen. Ihr Lohn, 25.000 Dollar, ist deutlich höher als alles, was ihnen sonst für einen solch einfachen Job angeboten wurde. Charlie wird skeptisch: Warum versuchte Johnny noch nicht einmal sich zu wehren? Die beiden Killer begeben sich auf die Spuren des unbekannten Auftraggebers (Ronald Reagan in seiner letzten großen Filmrolle) und erfahren dabei mehr und mehr über die Vergangenheit ihres Opfers …
Siegel drehte THE KILLERS nach einer Kurzgeschichte von Hemingway für das Fernsehen, wo der fertige Film dann natürlich nie ausgestrahlt wurde: zu brutal, zu gewalttätig, zu trostlos war er geworden. Schon der Auftakt, das gewaltsame Eindringen der beiden Killer in die Blindenschule – vor der zwei blinde Kinder Töten spielen: da muss man an Peckinpah denken –, ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber den blinden Angestellten, die sadistische Freude, mit der Lee seinen Job ausführt, immer aus einem grotesk verkanteten Blickwinkel gefilmt, gibt die Marschroute vor, die Siegel nicht mehr verlassen wird. Der Weg der Killer wird immer wieder unterbrochen von langen Rückblenden, in denen Charlie und Lee die Vorgeschichte Johnny Norths erfahren, und so selbst zum Strukturelement des Filmes werden: Die Killer schreiben und interpretieren Geschichte und verändern sie schließlich. Mehr als Charaktere in ihrer Geschichte sind Charlie und Lee also narrative Elemente: In ihrer Enthobenheit, ihrer Überzeichnung – man achte nur auf die Stimmen der beiden: Lee Marvin klingt fast wie ein Soundeffekt – sind sie zwei fleischgewordene dei ex machina, mit dem Auftrag, die Gerechtigkeit wiederherzustellen. Doch natürlich sind beide eben auch Killer und haben als solche keine hehren Moralvorstellungen. Das Ende ist also abzusehen. Hemingways kaum zehnseitige Story, von der in Siegels Film nur die Prämisse – das Opfer, das nicht mehr vor seinen Killern wegrennen mag – sowie die brutale Offenheit der Killer übrigblieben, erinnert vage an Dürrenmatt, die Killer wahlweise an Wladimir und Estragon aus Becketts „Warten auf Godot“ oder auch an die Clowns in Shakespeares Dramen und das schlägt sich auch im Film nieder. Die Vorlage im Hinterkopf ist es dann auch gar nicht mehr so erstaunlich, dass Siegel mit seinem unglaublich pointierten und stilisierten Film die angeblichen Errungenschaften der filmischen Postmoderne zu infantilen Späßen degradiert. Auch Boormans POINT BLANK scheint im direkten Vergleich viel weniger revolutionär: Der Brite musste eigentlich nur die Spur aufnehmen, die Siegel mit seinem Film hinterlassen hatte. Dass er das wusste, beweist schon die Wahl seines Hauptdarstellers, dem er mit Angie Dickinson dann auch die kongeniale femme fatale aus THE KILLERS zur Seite stellte.
3 Antworten zu „the killers (don siegel, usa 1964)“