01
Aug
08

the sorcerers (michael reeves, großbritannien 1967)

Der alte Hypnotiseur Dr. Marcus Monserrat (Boris Karloff) führt ein bescheidenes Dasein mit seiner Frau Estelle (Catherine Lacey), nachdem er einst als Scharlatan kritisiert und von seiner Tätigkeit als Wissenschaftler entbunden wurde. Nun bietet er in Kleinanzeigen seine Dienste als Schmerztherapeut an – ohne Erfolg. Den erhoffen sie sich von einern von ihnen konstruierten Maschine, die es ihnen ermöglichen soll, sich in einen anderen Körper zu versetzen. Tatsächlich findet Monserrat in dem jungen Mike (Ian Ogilvy) einen Freiwilligen für einen Test. Und siehe da: Das Experiment gelingt! Aber mit dem ideellen Erfolg allein will sich Estelle nicht begnügen …

Der vorletzte Film von Michael Reeves’ tragisch kurzer Regielaufbahn ist auf den ersten Blick nicht viel mehr als ein billig produzierter, ohne spektakuläre Höhepunkte auskommender kleiner Horrorfilm, dessen einziger nennenswerter Schauwert die Anwesenheit des großen Boris Karloff ist. Als solchem sieht man ihm die Grenzen, die ihm durch das knappe Budget auferlegt wurden, jederzeit deutlich an. Aber man würde THE SORCERERS nicht gerecht werden, übersähe seine unverkennbaren Meriten, wenn man ihn vorschnell als No-Budget-Schund abtäte, denn hinter der Fassade verbirgt sich eine clevere Reflexion über die Mechanismen des Horrorfilms, ja des Kinos überhaupt. Der Clou an Reeves Analogie ist sicher, dass sie sich nicht linear auflösen lässt: Monserrat und seine Frau fungieren einerseits als Kinomagier, die Mike mittels der Kraft der Technik in ihren Bann bringen und sich somit unschwer als alter egos des Regisseurs lesen lassen, andererseits wechseln sie nach dem gelungenen Experiment immer wieder die Rolle, verwandeln sich von Regisseuren in staunende Zuschauer, die dem Treiben Mikes folgen als wären sie selbst dabei. Monserrat und seiner Frau ist es gelungen, das totale Kino zu erfinden, die bislang undurchdringliche Fläche der Leinwand zu penetrieren: Sie sind nicht mehr nur zum Zuschauen verdammt, sie bestimmen vielmehr das Geschehen und erleben es gleichzeitig aus der Ich-Perspektive. Somit nehmen Monserrat und Estelle Reeves die Inszenierung von THE SORCERERS aus der Hand: Sie bestimmen den Verlauf des Films, dessen Handlung folglich das Resultat ihrer Wünsche ist. Aber sie erliegen gleichzeitig ihrer Macht, weil sie sich selbst in die bequemere Position des Zuschauers zurückfallen lassen. Somit ist Mike führerlos, was notgedrungen in der Katastrophe enden muss. Für ihn gibt es nämlich keinen Durchgang durch die semipermeable Membran “Leinwand”: Nach seiner initialen Begegnung mit Monserrat und seiner Frau begegnet er beiden nicht mehr, ist er ihrem Treiben hilflos ausgeliefert, auf Regisseure angewiesen, die doch längst selbst die Kontrolle über ihren Film verloren haben. Und weil auch keine Spur zu den Verantwortlichen zurückführt, ist relativ bald klar, welchen Ausgang THE SORCERERS nehmen wird. Reeves bleibt nichts anderes übrig, als das Ehepaar Monserrat am Ende für ihren Frevel zu bestrafen.


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