the mummy (karl freund, usa 1932)

Veröffentlicht: September 2, 2008 in Film
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Ägypten in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts: Die gut erhaltenen Mumie Imhoteps (Boris Karloff) verschwindet unter rätselhaften Umständen und beraubt den Wissenschaftler Sir Joseph Whemple (Arthur Byron) so seines größten Funds. Ein Jahrzehnt später taucht der mysteriöse Ägypter Ardath Bey (Boris Karloff) an einer neuen Fundstätte auf und initiiert die Ausgrabung einer ägyptischen Prinzessin. Wenig später taucht Bey erneut auf und zeigt auffallendes Interesse an der attraktiven Helen Grosvenor (Zita Johann) …

THE MUMMY zählt zu den unsterblichen Horrorklassikern, die der Universal in den Dreißigerjahren so große Erfolge bescherten. Karloff schlüpfte nach seiner Rolle als Monster in den FRANKENSTEIN-Filmen erneut in eine aufwändige Maske und schuf mit seiner Mumie einen weiteren Archetypen des Monsterfilms; und das, obwohl er nur für wenige Sekunden mit vollem Make-Up zu sehen ist. Dieses Understatement ist typisch für den Film des deutschen Exilanten Freund, der seine Handlung in langen Dialogszenen und Rückblenden vorantreibt und nur wenig Interesse daran zu haben scheint, seinen Stoff exploitativ auszuschlachten. Nach dem stimmungsvollen Auftakt konzentriert sich Freund ganz darauf, die Beziehung zwischen Bey und Helen Grosvenor zu etablieren. Dies gibt Karloff die Gelegenheit, den Dunkelmann zu geben, auf den er reduziert wurde, obwohl er doch so viel mehr zu leisten im der Lage war. In den Rückblenden, die den Film schließlich zur Auflösung und einem den ersten Hammer-DRACULA vorwegnehmenden Finale treiben, kippt der Film aus heutiger Sicht beinahe in heillosen Camp um. Karloff in traditioneller ägyptischer Tracht mit Rock und Turban: Das sieht einfach falsch aus. Das Freunds Film dennoch seine Meriten jenseits des rein historischen Werts hat, ist vor allem der ungewöhnlichen Darbietung Zita Johanns geschuldet, die angeblich selbst an Reinkarnation glaubte und THE MUMMY mit ihrem ungekünstelten, immer haarscharf an der Grenze zu Unbeholfenheit entlangschrammenden Spiel, das mit dem theatralischen Overacting ihrer Zeitgenoss(inn)en rein gar nichts zu tun hat, ihren Stempel aufdrückt. Aus Johanns Gesicht blickt die pure Faszination für diesen Mann, die sie sich selbst nicht erklären kann, die sie im Tiefsten verwirrt und ihr Leben von einer Sekunde auf die nächste komplett auf den Kopf stellt. THE MUMMY ist somit ein Film, der von zwei Augenpaaren bestimmt wird, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Zita Johanns begehrender, aber gleichzeitig fragender und suchender Blick auf der einen, Karloffs beherrschendes und drohendes Starren auf der anderen, das Freund gleich mehrfach in Großaufnahme einfängt und so auch den Zuschauer zu seinem Objekt macht. Aus diesem Spannungsfeld erwächst dann auch der Horror, den THE MUMMY an anderer Stelle vermissen lässt. Mehr noch: Mit dem Duell der Blicke findet Freund ein Bild, das wie nur wenige andere sinnbildlich für sein Genre steht: Horror ist nicht das Bild des Monsters; es ist die Erkenntnis, das wir dieses Monster vielleicht lieben könnten.

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