In einem Kaff mit großer indianischer Population rollt der mysteriöse Ryder (Dolph Lundgren) bewaffnet mit einer Bibel auf seinem Motorrad ein, um einem unter rätselhaften Umständen gestorbenen Indianer das letzte Geleit zu geben. Er findet heraus, dass die Indianer von dem fiesen John Reno (Matthew Tompkins) unter Druck gesetzt werden, weil er auf ihrem Land ein Casino errichten will. Weil die Indianer sich weigern ihm nachzugeben, setzt er seine Schergen auf sie an. Seine Mittel werden zusehends radikaler, doch zum Glück ist der Missionary Man da, um den Unterlegenen beizustehen …
Dolph Lundgren hat mit seinem THE MECHANIK vor einigen Jahren die Messlatte für künftige Regiearbeiten extrem hoch gelegt. MISSIONARY MAN wirkt im direkten Vergleich mit diesem Werk, das die Welle grandioser zeitgenössischer Actionfilme alter Recken entscheidend mitprägte, etwas unspektakulärer, aber der Schein trügt. Im vom Vorgänger gewohnten lakonisch-nüchternen Ton hat Lundgren einen Film vorgelegt, dessen Abstammungslinie überdeutlich hervortritt. Von SHANE über THE MAGNIFICENT SEVEN, Eastwoods HIGH PLAINS DRIFTER, BILLY JACK, WALKING TALL bis hin zu PALE RIDER oder meinetwegen auch Seagals ON DEADLY GROUND lassen sich die Einflüsse ausmachen, die Lundgren weder verbirgt noch einer unnötigen Modernisierung unterzieht. MISSIONARY MAN ist kein postmodernen Zitatekino, aber auch kein Retrofilm geworden, obwohl Lundgren mit seiner dritten Regiearbeit in einen sehr eloquenten Dialog mit seinen Filmahnen tritt. Der Konflikt zwischen vergeistigter Spiritualität und körperlicher Aktion zieht sich durch den ganzen Film, am deutlichsten natürlich im Kampf zwischen den hilflosen Indianern und den aggressiven Rednecks um Reno, und damit auch der Konflikt, dem der Actionfilm in den Neunzigerjahren zum Opfer fiel. In MISSIONARY MAN soll nicht etwa der amerikanische Ureinwohner gegenüber den weißen Kapitalisten verklärt werden (wie dies etwa in Seagals erwähntem ON DEADLY GROUND der Fall ist), vielmehr stehen diese für die im Spätkapitalismus unvereinbaren Prinzipien: Wer zuviel nachdenkt hat schon verloren, wer handelt, tötet. Für die Indianer aus MISSIONARY MAN gibt es keine Chance in einer Welt, in der nur noch zählt, was unter dem Strich steht. Damit sie ihre Ziele durchsetzen können, muss erst ein Toter in die Stadt fahren, ein Unbekannter, dessen Herkunft ebenso unklar bleibt wie sein Ziel und der Grund seines Aufenthalts. Lundgren inszeniert sich selbst als wandelndes Axiom. Sein Ryder ist kein Charakter im herkömmlichen Sinn, sondern ein Bild. Er steht für die göttliche Intervention, für die Hoffnung, für die es eigentlich keinen Grund gibt, und natürlich auch für Lundgrens eigene (Film-)Vergangenheit, für eine Zeit, in der die Seiten klar getrennt und an den Abzeichen auf der Brust deutlich auseinanderzuhalten waren. Als man für die Sache einstand, ohne sie zu hinterfragen. MISSIONARY MAN ist von Wehmut und Melancholie durchzogen, seine Farben sind ausgeblichen und sepiafarben wie die Fotos in einem längst vergilbten Fotoalbum. Nicht nur die Welt, die er betrachtet, ist zerstört, auch sein Blick ist schon beeinträchtigt, getrübt. So wird die Gewalt nicht zelebriert, sie passiert in all ihrer Hässlichkeit. Und wenn die Leichen sich auf der Straße stapeln, dann ist das kein Triumph des Guten, sondern lediglich ein Eingeständnis der eigenen Schwäche. Der Missionar muss auf seinen Feuerstuhl steigen und gen Horizont fahren, ohne den Dank seiner Schützlinge entgegenzunehmen. Er darf hier nicht bleiben, in der Welt der Menschen, weil er nur den Tod bringt. Im Blick des Indianermädchens, die ihm hinterherschaut sehen wir Trauer, denn sie weiß, dass sich nichts verändern wird. Und so erkennt auch der Zuschauer am Schluss von MISSIONARY MAN, der ihn in seiner Gewaltexplosion nach gemächlichem Aufbau förmlich überrumpelt, dass er nicht auf ihn zu warten braucht, auf den Missionar, der mit der abgesägten Pumpgun die alttestamentarische Rache und mit ihr die Gerechtigkeit bringt. Die Welt ist so nicht. Nur in den Filmen von Dolph Lundgren, dessen Blick die Frage aufwirft, ob das ein Grund zur Freude ist.
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