libeled lady (jack conway, usa 1936)

Veröffentlicht: Oktober 5, 2008 in Film
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Haggerty (Spencer Tracy), Chefredakteur des Evening Star, hat ein großes Problem: Sein Blatt hat der High-Society-Lady Connie Allenbury (Myrna Loy) fälschlicherweise ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann angedichtet und nun sinnt die Dame auf Genugtuung. Auf 5 Millionen Dollar will sie die Zeitung verklagen, was das sichere Ende des Blattes bedeuten würde. Aber Haggerty hat eine Idee: Er muss dafür sorgen, dass seine Geschichte stimmt. Also engagiert er einen ehemaligen Journalisten, den smarten Bill Chandler (William Powell) und verheiratet diesen kurzerhand mit seiner eigenen Verlobten Gladys (Jean Harlow). Chandler soll nun Connie erobern, während seine “Gattin” eingesperrt in einem Hotelzimmer wartet und gar nicht begeistert von ihrer Rolle ist. Um sie milde zu stimmen, wendet Chandler all seinen Charme an und schafft so noch mehr Komplikationen. Vor allem, weil sich zwischen ihm und Connie langsam, aber sicher eine echte Liebschaft anbahnt …

Veteran Jack Conway – seine erste Regiearbeit datiert auf das Jahr 1912 – inszenierte diese Screwball-Komödie der zweiten Reihe, die den großen Klassikern des Genres zwar nicht das Wasser reichen kann, vom spritzigen Spiel seiner Stars aber dennoch über die Ziellinie getragen wird. Zwischen Powell und Loy sprühen die Funken, beide treiben sich zu immer neuen Höchstleistungen, während Tracy und Harlow für die etwas derberen Töne zuständig sind – eine Aufgabe, die beide mit großer Energie meistern. Die Dialoge sind das Herzstück des Films und wie so oft von einem Andeutungsreichtum, von dem sich heutige Romantic Comedies eine saftige Scheibe abschneiden dürften. Es ist für mich immer wieder erstaunlich wie unspießig und nahezu progressiv diese Screwballs in ihrem Rollenverständnis sind: Auch wenn die Männer den Ton angeben, scheint dies nicht zuletzt daran zu liegen, dass die Frauen ihnen dies gestatten. Der Plan der beiden Männer, die sich überlegen wähnen, wächst ihnen jedenfalls schnell über den Kopf und es ist an den Frauen, den Schlamassel zu bereinigen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Leider mangelt es LIBELED LADY etwas an inszenatorischem Schwung und Esprit: Was zunächst eine turbulente Angelegenheit zu werden verspricht, bleibt plötztlich und unerklärlicherweise stecken. So kann Conways Film leider nie ganz einlösen, was die großartige Prämisse verspricht. Trotzdem: Ein schöner Film, der allein für das Zusammenspiel seiner vier Hauptdarsteller das Ansehen lohnt.

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