Über diesen Film hatte ich hier schon einmal geschrieben – und dem auch heute nur wenig hinzuzufügen. Es ist mir vollkommen schleierhaft, warum diesem ausgezeichneten Horrorfilm so wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, er stattdessen meist mit Phrasen aus dem Handbuch der Filmkritik - Plotholes, schlechte Schauspielerleistungen und Effekte etc. – abgefertigt wurde. Ja, vielleicht erlaubt er sich hier und da eine Abkürzung, eine dramatische Vereinfachung: Aber das ist ja auch ein Film und nicht das Leben. Und es ist eben Sinn und Zweck von jeder Dichtung, die Komplexität des Lebens einzudampfen und zu verdichten. Das gelingt Darabont perfekt: Ich sehe in THE MIST ein starkes Bild, die Grundlage für einen guten Horrorfilm. Der Nebel ist die perfekte Projektionsfläche, Substitut für die Leinwand selbst, hinter die wir nie gelangen, so sehr wir uns auch anstrengen, durch die Vorbilder mit einer Bedeutung aufgeladen, die sich bis in diesen Film fortsetzt. THE MIST ist ein Musterbeispiel für gelungenes Drama: Einheit von Zeit, Raum und Handlung sind gegeben, Darabont entfaltet seine Geschichte mit unaufhaltsamer Konsequenz vor unseren Augen als wären wir live dabei. THE MIST ist auch ein Kommentar zum gegenwärtigen Status quo unseres hübschen Planeten: Der Kampf zwischen der oftmals unbequemen Vernunft und religiöser Schicksalsgläubigkeit tobt mit erschreckender Vehemenz, das Draußen wird mehr denn je als Bedrohung emfunden. Und wir alle sind wie die Protagonisten dieses Films gefangen, umgeben von Luxusgütern, aber auch unseren Feinden, Menschen, die wir nicht verstehen, mit denen wir aber leben müssen. THE MIST ist aber kein abgebrühtes Thesenkino, sondern ausgesprochen emotional. Er stimmt gleichermaßen traurig, macht wütend und lehrt uns das Fürchten: meist vor unseren Mitmenschen. Die Hölle, das sind die anderen, weiß auch Darabont, und dieser Zynismus lässt ihn sich beim Ende vielleicht etwas versteigen. Dennoch habe ich lange nicht mehr ein solch erschütterndes Finale gesehen. THE MIST geht durch Mark und Bein und hält auch dann noch vor, wenn die Sicht längst wieder klar ist. Ist sie das?
21
Okt
08
Danke für den Verweis auf die Reaktionen der Kritik. Ich hatte mir nach “Cloverfield” einiges verdorben (vor allem die Stimmung), als ich, von mal zu mal fassungsloser werdend, Text auf Text zum Film las. Nun weiß ich, die danach gefasste Entscheidung, zukünftig von breiter Kritikenschau die Finger zu lassen, höchstens zu tasten, war die richtige. Das “The Mist”-Erlebnis weist nicht die Schramme auf, wie “Cloverfield” sie leider abbekommen hat.