EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE hat – wie wahrscheinlich für viele Männer meines Alters – eine wichtige Rolle in meiner Kindheit gespielt und meine später aufkeimenden Filmvorlieben ganz entscheidend mitgeprägt. In der Serie steckte aber auch wirklich alles drin, was ein Sechsjähriger damals begehrte. Man könnte sogar fast meinen, sie sei für kleine Jungs erfunden worden, so infantil ist im Grunde das ganze Konzept: Der Held ist ein Stuntman (!!!), der sich nebenbei als Kopfgeldjäger verdingt und aufregende Abenteuer erlebt, bei denen sein fetter Geländewagen stets eine zentrale Rolle spielt. Sein Sidekick Howie ist für den naiven Humor zuständig und repräsentiert den kindlichen Blick auf Colt innerhalb der Serie, ist somit die ideale Identifikationsfigur für einen Heranwachsenden. Nicht zu vergessen die ausgesprochen attraktive Blondine Jody, die einen magischen Reiz auf mich und meine Schulhof-Kameraden ausübte, dessen Hintergründe wir allerdings damals noch nicht so recht verstanden. Jede Folge bot Anlass für lange Exegesen, während derer man die besten Szenen noch einmal unter vollem Körpereinsatz nacherzählte oder im Sandkasten mit den Matchbox-Autos nachspielte. Stuntman war ein paar Sommer lang der Traumberuf schlechthin, dann kam irgendwann TRIO MIT VIER FÄUSTEN und ich wollte lieber einen Roboter haben.
Jetzt also, nach langen Colt-losen Jahrzehnten und inspiriert durch das anstehende Himmelhunde-Serienspecial und den MediaMarkt-Sonderpreis, die Wiederbegegnung. Nach dem Pilotfilm bleibt ein großes Fragezeichen. Richtig aufregend ist das nicht. Man merkt, dass hier eine normale Folge auf Spielfilmlänge aufgeblasen wurde, es dauert ewig, bis die Handlung zum eigentlichen Kern vordringt, die 90 Minuten holpern eher unrhytmisch an einem vorbei. Am Schluss, wenn es eine ellenlange Verfolgungsjagd durch die Wüste gibt und auch noch ein Helikopter zum Einsatz kommt, erkennt man halbwegs, was einen damals so faszinierte, heute mutete das aber alles etwas müde und vor allem viel zu brav an. Howie Munson ist eine nervende Gestalt, auf die man gut verzichten könnte, Jody hat (noch) zu viel an und zu wenig zu tun. Schön sind der kernige Titelsong und die dazugehörige Creditsequenz, Lee Majors macht seine Sache ebenfalls gut und die Gastauftritte von James Coburn und Farrah Fawcett (die mit Majors noch verheiratet war) sorgen für ein bisschen Glamour und Selbstreflexivität. Ich hoffe aber inständig, dass die normalen, kürzeren Episoden mehr Gas geben, es tut schließlich immer weh, wenn Kindheitserinnerungen sich als auf Sand gebaut erweisen.
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