28
Jul
09

demoni 2 (lamberto bava, italien 1986)

Über das Fernsehen dringen die Dämonen in ein Hochhaus ein, dessen Bewohner in Folge um ihr Leben kämpfen müssen … meist erfolglos.

demoni_2[1]Das Sequel von Bavas Dämonensplatter hat trotz der sichtbar größeren production values und einer recht ansehnlichen Bildgestaltung mit inhaltlicher Ziellosigkeit zu kämpfen. Wurde der Vorgänger noch durch sein Film-im-Film-Motiv strukturiert, so gelingt es Bava hier einfach nicht, seinen Film zusammenzuhalten. Viel wird angerissen, nichts konsequent zu Ende gedacht/gebracht, was schade ist, weil sich mehrfach das zugrundeliegende Potenzial andeutet. Indem Bava die Dämonenbedrohung aus einem Kino in ein modernes Wohnhochhaus verlegt, als Quelle dieser Bedrohung nicht mehr die Leinwand, sondern der Fernseher fungiert, potenziert er sowohl die Gefahr, als er auch einen latent zivilisationskritischen und technologieskeptischen Ton anschlägt, der seinen Film zunächst in die (thematische) Nähe etwa von Cronenbergs SHIVERS rückt. Das Hochhaus wird mit all seinen Errungenschaften als Todesfalle gezeichnet, alle gebotenen Annehmlichkeiten offenbaren nach und nach ihr wahres Gesicht (Fahrstuhl, Fitnessraum, Tiefgarage) und die Architektur selbst scheint die Zeichen des Bösen zu tragen – man denke etwa an den verspiegelten Flur, der von Bava bedrohlich in Szene gesetzt wird. Damit korrespondiert auch die Verschiebung von der Leinwand hin zum Fernseher als Einfallstor für die Dämonen: Bedenkt man, dass sich in jeder Wohnung des Hochhauses mindestens ein Fernseher befindet, so muss man konstatieren, dass die Durchlässigkeit von der Dämonen- in die reale Welt gegenüber DEMONI ungleich größer ist und die Ausbreitung der Dämonenpest um ein Vielfaches schneller voranschreiten könnte. Hier verschenkt Bava die gebotenen Möglichkeiten: Der Übergriff funktioniert statt über alle tatsächlich nur über ein Fernsehgerät (in einer Szene, die Vergleiche mit Cronenbergs VIDEODROME nicht nur herausfordert, sondern gar erzwingt), die Epidemie folgt also der aus Teil 1 bekannten Dynamik, derzufolge ein Opfer infiziert wird und als Überträger wirkt. Das Motiv des “bösen Mediums” dient nur noch als erstes auslösendes Dominosteinchen, die fruchtbaren Implikationen lässt Bava brachliegen. Die sich bietenden Assoziationen – neben den genannten auch und vor allem die Annäherung an Katastrophenfilme, allen voran natürlich THE TOWERING INFERNO - werden von Bava niemals wirklich produktiv verwertet, was sich im Rahmen eines medienreflexiven Films – der DEMONI 2 zumindest ansatzweise ist – angeboten hätte.Von solchen Aspekten ganz abgesehen stellt sich DEMONI 2 auch hinsichtlich seines Spannungsaufbaus von Beginn an als zerfahren dar: Eine echte Identifikationsfigur kristallisiert sich erst spät heraus, das Augenmerk liegt noch mehr als in DEMONI auf den quantitativ und qualitativ gesteigerten Splatterszenarien, die umso mehr ermüden, als sie nicht mehr von einem einenden Motiv zusammegehalten werden. (Ich muss fairerweise einräumen, dass es hier und da auch durchaus gelungene Sequenzen gibt.) Das Finale, das das überlebende Pärchen in ein Fernsehstudio und also noch einmal in eine längst hinter sich gelassen geglaubte Gefahr (und in Kontakt mit einem von Bava vergessenen Sujet) bringt, rettet DEMONI 2 weniger, als es dessen Scheitern noch deutlicher hervorhebt. Nicht das Medium hat die Kontrolle gewonnen: Bava hat sie verloren.


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