giant (george stevens, usa 1956)

Veröffentlicht: September 23, 2009 in Film
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„Big stuff is old stuff.“ Man kommt kaum umhin, diese Dialogzeile in Bezug zum Titel von George Stevens’ Film zu setzen, der doch eigentlich genau das Gegenteil zu verheißen scheint. Und zunächst ist GIANT dann auch genau das: gigantisch. Stevens vereint mit Elizabeth Taylor, Rock Hudson und James Dean drei der größten Stars seiner Zeit und erzählt eine Geschichte im Stile des epischen Hollywood-Monumentalkinos, die nicht nur einen Zeitraum von30 Jahren abdeckt, sondern auch große Themen wie Aufstieg und Fall, Tod, Loyalität und familiären Zusammenhalt in Zeiten des Umbruchs behandelt. Der Texaner Bick Benedict (Rock Hudson), reicher Sohn einer erfolgreichen Rinderzüchterfamile, Besitzer eines gewaltigen Anwesens und Ehemann der stolzen Leslie (Elizabeth Taylor), muss erkennen, wie er von der Zeit überholt wird, als sein ehemaliger Angestellter Jett Rink (James Dean) plötzlich Öl auf seiner winzigen Landparzelle findet (die er ironischerweise von Bicks verstorbener Schwester geerbt hatte) und zu einem der reichsten Männer der USA avanciert. Während die Industrialisierung mit riesigen Schritten voranschreitet, erweisen sich auch alte Wertvorstellungen plötzlich als überkommen, muss eine Neuorientierung vorgenommen werden, für die nicht alle bereit sind. Es ist eigentlich wie immer in diesen Filmen: Wenn die Zeiten sich ändern, bleibt auch immer etwas zurück, an dem man gern festhalten, das man gern bewahren würde. Und das Neue verheißt nicht immer nur Gutes: Der langen Tradition der Benedicts, die ihren Reichtum über Generationen aufbauten und vermehrten und mit ihrem Land und seiner Geschichte untrennbar verwoben sind, steht Rink gegenüber, ein verschlossener Eigenbrötler, dem der schnelle Reichtum überhaupt nicht bekommt, weil er keine Zeit hat, langsam mit ihm zu wachsen, sondern von ihm förmlich überrollt wird. Rink kann sich zwar alles kaufen, trotzdem ist er am Ende des Films ein gebrochener Mann: allein, verachtet, verlacht.

GIANT mutet heute beinahe wieder aktuell an mit seinem Wertekonservatismus und der Einsicht, dass ein Kapitalismus, der nicht auf einem zuverlässigen Wertsystem aufgebaut ist, in den Ruin führt. Das liegt eben auch an diesem Satz, der die überraschende Wendung des Films vom ausladenden Epos zum nach innen gewandten Familiendrama markiert: “Big stuff is old stuff.” Dem herrschaftlich-strebenden Blick über die majestätische Weite des Landes folgt in der zweiten Hälfte des dreistündigen Films die Einkehr nach Innen, immer mehr verlagert sich das Geschehen in abgeschlossene Innenräume, wird die Geschichte von den dynamischen Konstellationen innerhalb der Benedict-Familie vorangetrieben anstatt von den kaufmännisch-politischen Entscheidungen der männlichen Protagonisten. Die Schlüsselszene des Films ist nicht etwa der Zweikampf zwischen Bick und Jett (der gar keiner ist), sondern eine vergleichsweise unwichtige Schlägerei zwischen Bick und dem Wirt eines Diners, der sich weigert, einige Mexikaner zu bedienen. Der 60-jährige Bick verliert den Faustkampf, landet blutend am Boden zwischen zerbrochenen Tellern und Stühlen, doch seine Niederlage überstrahlt alles, wird in der den Film beschließenden Dialogszene von der klugen Leslie zum definierenden Ereignis und zum Triumph der Benedicts umgedeutet. Nicht das Geld, der Besitz, der Wohlstand und der Name sind es, die die Benedits zu dem machen, was sie sind: Es ist ihre Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und sich dabei gleichzeitig treu zu bleiben, die sie gegenüber den Jett Rinks dieser Welt auszeichnet und ihnen ihren Platz in der Welt sichert.

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Kommentare
  1. [...] Stoffe aus der Phase des klassischen Hollywoodkinos (man denke an CITIZEN KANE oder an GIANT), sondern den Glücksmoment, von dem man ja weiß, dass er nur flüchtig ist, so lange wie [...]

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