du rififi chez les hommes (jules dassin, frankreich 1955)

Veröffentlicht: März 5, 2010 in Film
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Dieser Film des amerikanischen Exilanten  Jules Dassin – nachdem sein Freund Edward Dmytryk ihn als Kommunisten denunziert hatte, landete er auf der schwarzen Liste und konnte folglich in den USA keine Filme mehr machen – ist die Blaupause für das auch heute noch beliebte Subgenre des Heist Movies oder – auf Deutsch - “Einbruchsfilms”. Das ist zumindest das, was die Geschichtsbücher sagen, und ich glaube es ihnen einfach mal, da mir auch kein älterer Film einfiele, der eine ähnlich elaborierte Einbruchsszene aufweisen würde. Diese steht im Zentrum von RIFIFI, nimmt eine gute halbe Stunde der Gesamtspieldauer ein und kommt gänzlich ohne Dialoge oder Musik aus, was zum einen ihren Realismus unterstreicht (RIFIFI hatte seinerzeit massive Zensurschwierigkeiten, weil man befürchtete, er könne als “Anleitung” dienen; tatsächlich wurden einige Einbrüche nach seinem Vorbild verübt), zum anderen die Spannung ins Unermessliche steigert. Dassins Inszenierung ist dabei so makellos und überzeugend, das man sich kaum eine andere vorstellen kann: Folgerichtig greifen auch heute noch Regisseure bei der Inszenierung solcher Sequenzen auf die von ihm etablierten Stilistiken zurück (man vergleiche etwa so unterschiedliche Filme wie Melvilles LE CERCLE ROUGE, Soderberghs OCEAN’S ELEVEN oder De Palmas MISSION: IMPOSSIBLE).  

Den Film auf diese eine Sequenz zu reduzieren, wäre jedoch ungerecht, denn RIFIFI ist noch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Ich habe selten einen Film gesehen, der bei einer Lauflänge von zwei Stunden ähnlich kompakt wirken würde. Er zeichnet sich durch eine unglaublich strenge Struktur aus, in der alles seinen Platz hat und nur wenig Raum für Spontaneität bleibt. Jede Szene hat eine Funktion, alles greift ineinander, eins kommt zum anderen. Doch RIFIFI ist dabei nicht etwa leblos, wie man anhand dieser Beschreibung annehmen könnte, vielmehr unterstreicht Dassin mit seiner Inszenierung die Tragik des Stoffes: Seine Protagonisten mögen Profis in ihren zwielichtigen Jobs sein, die nötige Akribie in der Planung ihres Coups aufweisen und das Expertenwissen und Geschick in der Umsetzung mitbringen, doch im Leben sind sie allesamt Amateure. Es bleibt ihnen kaum Zeit, ihren Erfolg zu genießen, weil einem von ihnen schon nach kurzer Zeit ein ebenso dummer wie unnötiger Fehler unterläuft, der ihnen letzlich allen das Leben kosten wird. Das Leben ist kein Schachspiel.

Beeindruckender als den Einbruch selbst fand ich die Schlusssequenz, für die Dassin seinen dokumentarisch-beobachtenden Stil zugunsten einer rauschaft-expressionistischen Inszenierung über Bord wirft. Wenn der letzte der “hommes” tödlich verwundet am Steuer seines Wagens sitzt, das aus den Händen der Bösewichter gerettete Kind auf dem Beifahrersitz, und nur mit Mühe und Not bei Bewusstsein bleibt, um wenigstens noch etwas in seinem Leben richtig zu machen, bevor er sich für immer verabschiedet, die Welt um ihn herum in einen unaufhaltsamen Strudel gerät, dann ist das ebenso ein krasser Gegenentwurf zur Strenge des vorangegangenen Films als auch ein denkbar konsequentes Ende. Am Ende verlieren wir alle unser Pokerface.

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