direct contact (danny lerner, usa/deutschland 2008)

Veröffentlicht: August 10, 2010 in Film
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Der ehemalige Special-Forces-Mann Mike Riggins (Dolph Lundgren) sitzt wegen Waffenschmuggels in einem russischen Gefängnis. Dort besucht ihn der amerikanische Agent Clive Connelly (Michael Paré) und bietet ihm einen Auftrag an: Riggins soll eine junge Frau (Gina May) aus der Hand ihrer russischen Kidnapper befreien. Gesagt, getan: Doch nach erbittertem, aber erfolgreichem Kampf  erfährt Riggins von seiner weiblichen Begleitung, dass diese vollkommen freiwillig bei ihren vermeintlichen Entführern lebte. Es stellt sich heraus, dass sie die Alleinerbin eines amerikanischen Großindustriellen ist, dessen Bruder es seinerseits auf die Erbschaft abgesehen hat. Eine wilde Hatz beginnt …  

Nach der formidablen Triple Threat, die Lundgren als Regisseur mit THE DEFENDER, THE MECHANIK und MISSIONARY MAN abgeliefert hat, folgt mit DIRECT CONTACT ein weiterer in Bulgarien abgedrehter Film, der zwar etwas stromlinienförmiger und glatter daherkommt als die genannten Neo-Action-Meisterwerke, aber dennoch als weiterer Treffer in der Filmografie des Schweden bezeichnet werden darf. In seiner von einem Action-Set-Piece zum nächsten galoppierenden Struktur erinnert DIRECT CONTACT nicht wenig an die Bemühungen, jede Form von als lästig empfundener Exposition oder dramaturgischer Ruhepause zu stutzen und gleich zum auf Spielfilmlänge gestreckten Showdown zu kommen, die so charakteristisch für das Actionkino der Neunzigerjahre waren. Lerner, der so ziemlich bei jedem DTV-Actioner und -Horrorfilm der letzten zehn Jahre in der ein oder anderen Funktion seine Finger im Spiel hatte, inszeniert seinen Film dann recht konsequent als neunzigminütige Verfolgungsjagd, die weder mit heftigen Einschüssen noch knalligen Explosionen geizt und dem Zuschauer nur wenig Zeit zum Luftholen lässt. Die Schattenseite dieser ganz auf Überrumpelung und Überwältigung ausgerichteten Strategie ist jedoch, dass dem Zuschauer auch die Zeit dafür fehlt, das Gesehene ins Bewusstsein sinken und wirken zu lassen: Figuren und Konflikte bleiben eindimensional, sind kaum mehr als Anlass für jede Menge Krawumm und Krawall und laden so nur qua Konvention zur Identifikation ein. Am deutlichsten wird das natürlich bei Lundgrens Charakter, der zwar dank der natürlichen Präsenz des Schweden sehr glaubwürdig und auch sympathisch rüberkommt, dessen Abgründe sich aber in zwei, drei in Dialogzeilen versteckten biografischen Hinweisen erschöpfen, die letztlich vollkommen bedeutungslos bleiben. Auch die Liebesgeschichte, die ihm mit seiner weiblichen Begleitung angedichtet wird, ist eher aus dem Stoff, aus dem Standardplots gestrickt sind: Etwas über den Rahmen hinausgehendes Interpretationspotenzial bieten nur die zarten Hinweise auf das Stockholm-Syndrom, das von den Drehbuchautoren zunächst vollmundig eingeführt wird, um den Befreiungsunwillen des Entführungsopfers zu erklären, dann aber lustigerweise komplett vergessen wird, als dieses allzu schnell ihrem “Befreier” verfällt. Überhaupt gibt es die eine oder andere Skriptnachlässigkeit in DIRECT CONTACT zu bestaunen: Der mit allen Wassern gewaschene Riggins trägt die ganze Zeit über ein Handy mit sich herum, bis ihm irgendwann einfällt, dass er damit geortet werden kann, die ganze Erbschaftsgeschichte scheint mir ebenfalls nicht so ganz ausgereift und dass sich eine amerikanische Angestellte einer Gesundheitsorganisation einem russischen “Warlord” anschließt, ohne dabei die geringsten moralischen Zweifel zu bekommen, halte ich auch für unplausibel. Solche Fehler muss man dem Film aber nicht übelnehmen, weil sie auf eine Produktion verweisen, bei der es wohl in allererster Linie um Konsteneffizenz ging: Lerner greift zu diesem Zweck etwa auf reichhaltig vorhandenes Archivmaterial zurück, das allerdings sehr gut eingegeliedert ist und kaum auffällt – einer der ältesten Tricks des Filmgewerbes, wenn es ums Kostensparen geht. Am bemerkenswertesten an DIRECT CONTACT ist jedoch seine wahrlich beeindruckende Härte:  Das Blut spritzt meterweit und literweise, der Bodycount ist immens, Michael Paré wird mit äußerster Konsequenz in tausend kleine Fetzen gesprengt und wie im zuletzt gesehenen WAR DOG müssen auch hier Unschuldige in großer Zahl dran glauben. Da erinnert DIRECT CONTACT dann doch wieder an das neue Actionkino, in dem immer mitkommuniziert wird, dass das Geschäft des Actionhelden ein dreckiges und der Mord kein großer Spaß  ist.

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Kommentare
  1. [...] nicht so mitreißend, wie das etwa bei THE MECHANIK, MISSIONARY MAN, THE DEFENDER  oder auch DIRECT CONTACT der Fall gewesen ist. Orientierten sich diese eher am reduzierten Actionkino der Siebziger- und [...]

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