don’t go in the woods (james bryan, usa 1981)

Veröffentlicht: August 26, 2010 in Film
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Vier kleine Camper gingen in den Wald/Da war es finster und auch so bitterkalt/Sie trafen einen Killer, ein fettes dummes Schwein/Wer mag dieser Killer mit dem Rauschebart wohl sein?

Die Antwort auf diese Frage bleibt der berühmt-berüchtigte DON’T GO IN THE WOODS (der in Deutschland, wo er als AUSFLUG IN DAS GRAUEN firmierte, ebenso beschlagnahmt ist wie in Großbritannien) dem Zuschauer genauso schuldig wie alle weiteren positiven Eigenschaften, die dieser von einem Film für gewöhnlich erwartet. Selbst, wenn man berücksichtigt, dass die meisten Slasherfilme statt einer Geschichte nur ein nacktes Plotgerüst aufweisen, das ihnen lediglich als Anlass für Sex & Crime dient, mutet James Bryans Film fahrlässig und leer an. Wollte man es positiv ausdrücken, so könnte man ihm zugute halten, dass er das Slasherfilm-Konzept noch einmal bis aufs Äußerste radikalisiert, indem er weder einen Spannungsaufbau noch auch nur die geringste Motivation für das mörderische Treiben liefert. Die vier Protagonisten begegnen in den Wäldern Utahs einem motivlos mordenden Waldschrat und a) sterben oder b) überleben & üben Rache. Weil das aber rein quantitativ noch etwas zu wenig wäre, schreibt Drehbuchautor Garth Eliassen eine ganze Schar von tölpelhaft durchs Unterholz stolpernden Opfern in den Film, die keine weitere Funktion erfüllen, als in den läppisch umgesetzten Mordszenen ihrer Bestimmung zugeführt zu werden, sowie zwei unmotivierte Polizisten, die sich von den zahlreichen Vermisstenmeldungen jedoch nicht aus der Ruhe bringen lassen.

DON’T GO IN THE WOODS erinnert irgendwie an die Anfangstage des Kinos, als ein fassungsloses Publikum sich an Bildern von fahrenden Zügen oder reitenden Menschen berauschte und noch keinen Gedanken daran verschwendete, dass man diese bewegten Bilder zu neuen sinnstiftenden Einheiten zusammenführen könnte, zu Geschichten, die berühren und emotional involvieren. Auch hier bekommt man nicht viel mehr als das, was man unmittelbar auf der Leinwand sieht: Menschen, die laufen, Menschen, die sterben, und immerhin einen Menschen, der mordet. Zwischendurch ein paar hübsche Landschaftsaufnahmen, während es dazu von der Tonspur (hoppla!) synthetisch und nervenzerrend hupt, quäkt und furzt. Die Energie, die der Kameramann darauf verwendet hat, halbwegs interessante und ansehnliche Einstellungen zu finden, hat man dafür beim Schnitt gespart, der arhythmisch vor sich hinruckelt und sich auf ein Aneinanderkleben der einzelnen Bilder beschränkt. “Arhythmisches Ruckeln” charakterisiert den Film aber auch als Ganzes: Es gibt überhaupt keine innere Spannung, was selbst die mieseren Slasherfilme noch irgendwie hingebogen bekommen. Theoretisch hätte Regisseur Bryan auch nach jeder Einstellung andere Darsteller einsetzen, eine andere Kamera verwenden und den Drehort wechseln können, der Effekt wäre derselbe gewesen: Nie wird man als Zuschauer auch nur für fünf Cent in das Geschehen involviert oder wenigstens annähernd in die Lage versetzt, DON’T GO IN THE WOODS für seine lausigen 80 Minuten als Parallelrealität akzeptieren zu können und nicht als minderbemitteltes und misslungenes Make-believe völlig untalentierter Flitzpiepen erkennen zu müssen.

Die Rezeption, so wie ich sie via IMDb-Kommentaren und diversen Rezensionen verfolgt habe, schwankt zwischen der Totalablehnung und dem Feiern seines Trashwertes, der ihn angeblich in höhere So-bad-it’s-good-Sphären katapultiere. Klar, DON’T GO IN THE WOOD ist wirklich ranzensschlecht, versucht sich hier und da halbwegs erfolgreich an so etwas wie Humor: In einer seiner absurderen Szenen sieht man einen Rollstuhlfahrer, der ganz allein durch die unwegbare Wildnis rollt und schließlich, nachdem er mehrere Minuten gebraucht hat, um einen Anstieg zu “erklimmen”, vom Killer enthauptet wird. Und unter Zuführung von reichlich Alkohol und im Kreise gut gelaunter und gleich gesinnter Freunde mag der Film auch ein humoriges Potenzial entfalten, dass sich mir bei meiner traurigen Sichtung allein nicht erschlossen hat, aber auch das ändert nix daran, dass es in dieser Kategorie etliche Filme gibt, die fruchtbarer, lustiger und schlicht weniger langweilig sind. Es ist diese Monotonie, die dem Film das Rückgrat bricht.

Dass ich eine gewisse Faszination trotzdem nicht ganz abstreiten kann, ist wohl nicht zuletzt auf die unangemessen brillante DVD zurückzuführen, die den Film in kräftigen Farben präsentiert und ihm eine saftige Unmittelbarkeit verleiht, die gut zu seinem völligen Verzicht auf narrative Auffüllung passt. Irgendwie ist der ganze Film seinem zotteligen Killer, der da so selbstverständlich und seltsam unspektakulär durchs Unterholz pflügt, nicht ganz unähnlich. Und für rauschebärtige Fettsäcke in selbstgenähten Pelz- und Lederklamotten, die im Wald leben, habe ich seit meiner Kindheit, in der ich stolzer Besitzer sowohl einer Rüberzahl- als auch einer Räuber-Hotzenplotz-Kinderlangspielplatte war, ein unerklärliches Faible. Ja, im Kern ist DON’T GO IN THE WOODS ein Kinderfilm. An normalen Maßstäben gemessen also total nichtswürdiger Schrott, aber irgendwie putzig und liebenswert. Schon komisch: Werden Slasher sonst doch in ihrer Fokussierung auf Blut und Tod als der Inbegriff des spekulativen, zynischen und exploitativen Kinos begriffen, ist dieser Film, der doch kaum mehr als das bietet, von geradezu anrührender Harmlosigkeit und Unschuld.

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