In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Welt vom Programmierer Ken Castle (Michael C. Hall) “beherrscht”, dessen Spielkreationen Millionen von Menschen weltweit begeistern. Derzeit bricht er mit “Slayers” alle Rekorde, einem Egoshooter, in dem die Spieler echte Todeszellen-Insassen steuern. Der Held von “Slayers” ist Kable (Gerard Butler), der von dem jugendlichen Supergamer Simon (Logan Lerman) gesteuert wird und sich langsam aber sicher der in Aussicht gestellten Begnadigung nach 30 erfolgreich absolvierten Runden nähert. Doch dann schalten sich die “Humanz” ein, eine Widerstandsgruppe, die Castle stürzen will und sich dafür die Dienste von Kable sichern möchte …
Neveldine/Taylor haben zuletzt mit dem ziemlich tollen CRANK 2 gezeigt, dass man ihren visuellen Einfallsreichtum nicht unterschätzen sollte, und auch ihr neuester Film GAMER scheint zuerst auf einer Bildidee zu basieren: Wie wäre es, wenn man einen Film wie einen Egoshooter inszenierte? Von diesem Ausgangspunkt aus scheint sich der Plot wie von selbst zu ergeben: die Spielfiguren, die echte Menschen sind, die Zukunft, in der Menschen von einem Programmierer versklavt werden, der Zocker, der das Spiel auf den transparenten Wänden sieht, die ihn umgeben, und so selbst Bestandteil des Spiels wird. Neveldine/Taylor wollen keine lange Überzeugungsarbeit leisten, sie wollen ihre Zuschauer überrumpeln mit ihren Bildideen, die ihnen alles sind. GAMER könnte manchem Kritiker als geeignetes Beispiel für die These herhalten, das am modernen Actionkino etwas nicht stimmt: In rasender Geschwindigkeit prasseln Informationsfragmente auf den Zuschauer ein, reiht sich visueller Effekt an visuellen Effekt, bis man komplett die Orientierung verloren hat. Doch das hat nicht nur eine erzählerische Funktion.
Neveldine/Taylor legen GAMER stilistisch als Antwort auf Stones NATURAL BORN KILLERS an, der ähnlich hemmungslos im Einsatz visueller Mittel war und damit versuchte, die Reizüberflutung, die ein Fernsehzuschauer über sich ergehen lässt, abzubilden. Und wo Stones Film in seiner Kritik irgendwann als zynischer Spießer rüberkam, da schließen sich Neveldine/Taylor nahtlos an, auch wenn sie sich hinter schrillem Humor verstecken. Bei mir endete die Freude am Film in dem Moment, in dem einer der Spieler des anderen Spiels des Films – einem “Sims”-Ableger namens “Society”, in dem wie bei “Slayers” echte Menschen gelenkt werden – als monströser, schwitzender Riesenfettsack und chronischer Masturbant gezeichnet wird. Hier unterscheiden sich Neveldine/Taylor in ihren Ressentiments kaum noch vom gemeinen BILD-Leser, der ja auch hinter jedem Internet-User einen Kinderschänder und hinter jedem Zocker einen Amokläufer vermutet. Auch wenn man annehmen darf, dass Neveldine/Taylor anderes im Sinn schwebte: Für mich ging es von diesem Moment an bergab mit GAMER. Und da auch seine Story im weiteren Verlauf einen sattsam bekannten Weg einschlägt, der der ambitionierten formalen Gestaltung diametral entgegensteht, reicht es für mich hier nur zu einer durchschnittlichen Bewertung.
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