nighthawks (bruce malmuth, usa 1981)

Veröffentlicht: November 25, 2010 in Film
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Als der Terrorist “Wulfgar” (Rutger Hauer) nach einem Bombenattentat in London nach New York einreist, um dort mit einem weiteren Anschlag sein angeknackstes Renommee beim terroristenführer Hammad wiederherzustellen, unterweist der britische Terrorexperte Peter Hartman (Nigel Davenport) eine Handvoll New Yorker Cops in Anti-Terror-Maßnahmen. Unter diesen befinden sich auch die Partner Deke DaSilva (Sylvester Stallone) und Matthew Fox (Billy Dee Williams) und vor allem Deke ist ob der empfohlenen Methoden skeptisch: Doch dann steht er dem kaltblütigen Mörder gegenüber ….

NIGHTHAWKS hatte ich irgendwann in meinen Teenagerjahren mal auf RTLplus aufgezeichnet, ihn dann aber nie komplett gesehen, was umso komischer ist, als ich damals ausgewachsener Stallone-Fan war (und dies ja eigentlich auch immer noch bin). Nachdem ich die Lücke gestern endlich geschlossen habe, muss ich leider einräumen, dass ich in all den Jahren eigentlich nichts verpasst, im Gegenteil damals sogar unbewusst eine sehr richtige Entscheidung getroffen habe. NIGHTHAWKS – in der Stallone-Filmografie zwischen ROCKY II und dem Huston-Flop VICTORY anzusiedeln – ist nämlich nur eines von zahlreichen Beispielen schlechter Rollenauswahl, die die Karriere des Superstars und Oscarpreisträgers durchziehen, und ein Film, dessen großes Potenzial durch eine einfallslose und plumpe Inszenierung konsequent unterlaufen wird. Post-9/11 ist ein Film, der Terrorismus vor der imposanten Kulisse Manhattans behandelt, eigentlich per se schon interessant und dass Malmuth antritt, den europäischen Polit- und Agententhriller mit dem US-amerikanischen Großstadtkrimi zu verkuppeln, ist zumindest vor dem Genrehintergrund ein reizvoller Ansatz. Leider demonstriert er hier allerhöchstens, dass beides nicht zusammengehört. Die eisige Nüchternheit des einen Genres erschöpft sich in ein paar Texteinblendungen, die umso sinnloser sind, als Malmuth dies nach der Exposition einfach wieder fallenlässt, und der kühlen Fassade Rutger Hauers, die Direktheit des anderen verkommt in Malmuths uninspirierter Inszenierung zum albernen Kinderkram, wenn DaSilva und Fox ihre Kollegen anzicken und vor ihrem Vorgesetzten die beleidigte Leberwurst spielen. Diese Konflikte gehören zwar zum Inventar des Copfilms, doch hier muten sie bloß simuliert an, weil keinerlei Charakterzeichnung stattfindet. Fast bin ich sogar geneigt, Stallone und Williams als fehlbesetzt zu bezeichnen: DaSilva etwa hat ein Gewissensproblem, das es ihm unmöglich macht, den Abzug in Gegenwart Unschuldiger zu betätigen. Nicht nur, dass diese Schwäche lediglich behauptet wird, zur Figur – immerhin einem Vietnamveteran! – beim besten Willen nicht passt und im weiteren Verlauf des Films auch nie die Rolle spielt, die ihr zunächst zugewiesen wird: Aus heutiger Sicht, mit den berühmten und alles andere als zimperlichen Actionhelden vor Augen, die Stallone später spielen sollte, nimmt man ihm diese moralischen Zweifel einfach nicht ab.

Fehler und Schlampigkeiten dieser Art ziehen sich durch den ganzen Film, der nie der aufregende Großstadtactioner wird, der er wohl gern wäre, seinen B-Movie- oder gar Fernsehfilm-Flair nie ablegen kann. Warum etwa bringt ein Superterrorist eine mit maximal zehn Touristen besetzte Gondel in seine Gewalt, wenn er in New York doch ungleich größeren Schaden anrichten könnte – und dies vorher bei einem Bombeattentat ja auch tut? Weder wird dies seinen größenwahnsinnigen Ansprüchen gerecht, noch sollte dieser Profi ernsthaft annehmen, mit einer Geiselnahme davonkommen zu können. So kommt nie das Gefühl von Bedrohung auf, dass die besten Filme dieser Art hervorrufen: Die Konfrontation zwischen DaSilva, Fox und Wulfgar erfolgt viel zu früh; geradezu lächerlich wirkt es, wenn sie ihm – von dem sie noch nicht einmal wissen, wie er nach einer Gesichtsoperation aussieht -, gleich bei der ersten Patrouille durch nackten Zufall begegnen, nachdem sie vorher lang und breit über seine Raffinesse und Gerissenheit  aufgeklärt wurden. Solche Blödheiten (die ich bei Filmen sonst eigentlich ungern bemängele) sind vielleicht in einem Seagal-Film akzeptabel – mit HARD TO KILL hat Malmuth ein paar Jahre später dann ja auch einen besonders dummen gedreht -, aber nicht in einem reale Ängste bedienenden Terroristenthriller. Neben den Bildern des winterlichen Manhattan – für die ich immer sehr empfänglich bin, weil ich die Metropole selbst zwei Mal in den Wintermonaten besucht habe – und der noch über dem Film liegenden Siebzigerjahre-Aura ist der Schlusstwist, mit dem Malmuth den Bogen zur Auftaktsequenz spannt, das einzige, was ich an NIGHTHAWKS  positiv hervorheben möchte. Das ist deutlich zu wenig. NIGHTHAWKS ist eine der größten Enttäuschungen der letzten Zeit.

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Kommentare
  1. Oliver sagt:

    Geht so. Man muss ja nicht alles mögen.

  2. Funxton sagt:

    Alles nicht. Die richtigen Sachen aber schon :D

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