battletruck (harley cokeliss, neuseeland 1982)

Veröffentlicht: Dezember 6, 2010 in Film
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Nachdem die “Oil Wars” die Zivilisation zerstört haben, versuchen einige unbescholtene Siedler den Neuaufbau, während der schurkische Straker (James Wainwright) mit seinen Leuten das Land in seinem riesigen gepanzerten Truck unsicher macht und nach verbliebenen Rohstoffen und Schätzen sucht. Als sich Corlie (Annie McEnroe) weigert, einen Tötungsbefehl von ihm auszuführen, sich daraufhin in die Arme des Einsiedlers Hunter (Michael Beck) flieht, während Straker auf der Suche nach ihr eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht, sind die Weichen für den Kampf Gut gegen Böse gestellt …

Sauberer, schnörkelloser Endzeitfilm, der ausnahmsweise einmal nicht vom großen Vorbild MAD MAX klaut. Es gibt zwar diverse aufgemotzte Fahrzeuge wie schon in THE ROAD WARRIOR, aber hysterische Punks sucht man in BATTLETRUCK vergeblich. Atmosphärisch hat mich der Film eher an John Milius’ grob missverstandenen und unterschätzten RED DAWN erinnert (über den ich ganz dringend mal was machen muss, weil mich die nicht müde werdenden Stimmen, die ihn stets als ultrareaktionär und -dumm beschreiben, maßlos aufregen): Beide malen die Zukunft nach dem Dritten Weltkrieg nicht als hitzeflirrendes Live-Action-Rollenspiel für Lack-und-Leder-Anarchos, sondern vielmehr als langen Winter, in dem der Mensch gezwungen ist, seine Zivilisation neu aufzubauen, seine vergessenen Talente als Jäger, Sammler, Bauer und Handwerker wiederzuentdecken. Statt der genreüblichen Wüstensettings bilden die imposanten schneebedeckten Gipfel Neuseelands und karge Hochebenen die stimmungsvolle Kulisse, die die überdurchschnittliche Kameraarbeit nicht müde wird, ins Bild zu setzen. Alle Farbe scheint aus dem Film gezogen und dazu passt auch, dass der Schurke Straker kein augenrollender Psychopath ist, sondern eher an einen konservativen Militär-Hardliner denken lässt, der den roten Knopf gedrückt und es sich danach mit Seinesgleichen  im Bunker gemütlich gemacht hat. In einer besonders abgewichsten Szene sieht man Straker im Bildvordergrund auf einem Felsen stehen, von dem aus er zweien seiner Untergeben, die sich in einer Senke weiter hinten im Bild befinden, einen Schießbefehl erteilt. Die Verurteilten – kaum mehr als zwei schwarze Punkte in der Landschaft – rennen weg, die Schreie dringen aus der Ferne leise ans Ohr, bevor ihnen zwei Schüsse ein jähes Ende bereiten. Cokeliss hält seine statische Perspektive noch ein, zwei Sekunden, bevor dann der Schnitt folgt. Michael THE WARRIORS Beck gibt indes den wortkargen Helden, der mit dem Neuanfang, den diverse Siedler versuchen, nichts zu tun haben will: Sympathie evoziert er eigentlich bloß aus der Konvention heraus, er bleibt dem äußeren Erscheinungsbild des Films angemessen unnahbar und fremd. Das ist dann auch das Problem des Films, dessen ausgesprochen homogene  formale Gestaltung und erzählerische Schmucklosigkeit - Subplots, die das geschehen auflockern würden, gibt es nicht, BATTLETRUCK läuft schnurstrack auf die finale Auseinandersetzung zwischen Hunter und Straker hinaus und bietet auf dem Weg dorthin keinerlei Überraschungen – weniger zimperliche Gemüter mit einigem Recht als “langweilig” bezeichnen könnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich BATTLETRUCK ziemelich geil gefunden hätte, wenn ich ihn im entsprechend beeinflussbaren Alter gesehen hätte und ihm dann auch heute noch ganz kritiklos gegenüberstünde. So reicht es zwar nicht für die große Begeisterung, aber auf jeden Fall für Anerkennung und Sympathie. Furztrockene Actioner wie diesen kann es einfach nicht genug geben.

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Kommentare
  1. Thomas Hemsley sagt:

    Zu RED DAWN: Jawoll, mach mal, vielleicht sogar als längeren Essay (auf Hard Sensations) über die dumpfbackige Kritik der vermeintlichen rechtsideologischen Dumpfbackigkeit des Actionkinos – kannste ja diesem Psycho-Rajko widmen;-). Dass Milius sich selbst als Zen-Faschisten bezeichnet sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er viel zu intelligent für seine eigene Ideologie ist. RED DAWN ist meiner Meinung nach vor allem Imperialismus-Kritik: seltsamerweise sind die Kommunisten nämlich eher gleichzusetzen mit den weißen Amerikanern, die die Ureinwohner “imperialisieren”.
    WOLVERINES!!!!!!!!!!!!

  2. Thomas Hemsley sagt:

    Jetzt bringst du mich natürlich in die missliche Lage nicht zu wissen, welchen Essay ich zuerst sehen will: den über MCBAIN, oder RED DAWN??????????!!!!!!!!!! VERZWEIFLUNG: Einerseits hat RED DAWN bei mir den Jugendbonus, da ich MCBAIN tatsächlich damals (du weisst welche Zeit ich meine;-) nicht gesehen habe, aber das macht deine Meinung interessanter, da ich ihn glaub ich – allen unvermittelten “MCBAIN!”-Rufen zum Trotz;-) – etwas distanzierter betrachte als du…ich weiss es nicht. Dann wiederum ist MCBAIN denke ich doch mal mit DELTA FORCE 2 gekoppelt, der auch Teil meiner Jugend war. What to do, what to do???
    Grüsse aus Kölle
    Thomas

    • Oliver sagt:

      Naja, als “Essay” würde ich das, was ich zu MC BAIN machen werde (verdammt, bin schon wieder in Verzug), eher nicht bezeichnen: Ist ja nur ein Unterkapitel in einem größeren Text. RED DAWN bietet für sich genommen natürlich viel mehr Potenzial für einen Text, allein durch seine Rezeptionsgeschichte. MC BAIN ist ja “nur” ein vergleichsweise kleiner Film für den Actionmarkt gewesen. (Was natürlich nicht abwertend gemeint ist.)

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