say anything (cameron crowe, usa 1989)

Veröffentlicht: Dezember 6, 2010 in Film
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Lloyd Dobler (John Cusack) ist ein freundlicher, schlagfertiger Junge, den man einfach mögen muss. Dennoch glauben seine Freunde, dass er keine Chance hat, als er ausgerechnet der Jahrgangsbesten Diane Court (Ione Skye) Avancen macht. Weil die aber ihre gesamte Highschool-Zeit über ihren Büchern gebrütet und es mehr oder weniger versäumt hat, sich auch mal zu amüsieren – nicht zuletzt, um ihrem von ihr beinahe besessenen Papa (John Mahoney) den perfekten Abschluss zu schenken -, genießt sie Lloyds entspannte und sorglose Art – und verliebt sich in ihn. Das Glück könnte perfekt sein, hätte der Papa nicht nur ihre Karriere im Sinn …

Meine Inhaltsangabe liest sich wie eine weitere 08/15-Teenie-RomCom aus den Achtzigerjahren, doch SAY ANYTHING ist anders. Das ist zu gleichen Teilen dem Drehbuch von Regiedebütant Cameron Crowe und dem glaubwürdig-sympathischen Spiel der beiden Hauptdarsteller zu verdanken, die im Verbund dafür sorgen, dass SAY ANYTHING warmherzig, aber niemals harmoniesüchtig, lustig, aber niemals albern, romantisch, aber niemals kitschig, anrührend, aber niemals weinerlich, realistisch, aber niemals langweilig ist. Es gibt hier keine großen Gesten, keine pathetischen Monologe, keine flammenden Treueschwüre oder tränenreiche Abschiedszeremonien, vielmehr findet Crowe die großen Gefühlswallungen des Liebesfilms in den kleinen Gesten und Sätzen, in Charakteren, die sich in ihren vordergründigen Attributen lange nicht erschöpfen, sondern eine Tiefe hinter der sichtbaren Oberfläche offenbaren. Überhaupt muss man ihn dafür loben, dass sich die jugendlichen Charaktere des Films tatsächlich so benehmen, wie Teenager das nunmal tun, was ja leider immer noch eine Ausnahme in diesem Genre ist. Zu diesem Gespür für die Jugend passt auch, dass der in Seattle spielende Film den kurze Zeit später erfolgenden Grungehype antizipiert, auf dem Soundtrack die Red Hot Chili Peppers, Fishbone, Living Colour und die Residents neben den Seattle-Ikonen Mother Love Bone und Soundgarden musizieren lässt (Crowe machte danach SINGLES), Lloyd sein The-Clash-Shirt nur selten wechselt, dafür aber für aber für den Kickbox-Champion Don “The Dragon” Wilson schwärmt, der auch einen kleinen Gastauftritt absolviert, und auch kleine Nebenrollen mit viel versprechenden Jungdarstellern wie Lily Taylor, Loren Dean, Eric Stoltz und Jeremy Piven gut besetzt sind. Ich wäre zwar auch ohne die Zuspitzungen des Mutter-Vater-Konflikts ausgekommen, die von der zauberhaften Alltäglichkeit des Geschehens ein bisschen wegführen und etwas um ihrer selbst willen in den Film integriert wirken, aber auch diese sind letztlich mit einer Zurückhaltung umgesetzt, die den entspannten Ton und die Aufrichtigkeit des Films wahrt. Fazit: Ein wunderschöner, ich möchte im vollen Bewusstsein des sprachlichen Paradoxons fast sagen überragend unprätentiöser Film mit einer Ione Skye, die empfindsame Männerherzen in Reihe schmelzen lässt. Und natürlich perfektes Weihnachtsprogramm.

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