weird science (john hughes, usa 1985)

Veröffentlicht: Januar 14, 2011 in Film
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Gary (Anthony Michael Hall) und Wyatt (Ilan Mitchell-Smith) sind die Lachnummern ihrer Schule und haben bei den Mädchen demzufolge keinen Schneid. Der Computer von Wyatt bringt beide auf eine Idee: Warum nicht eine “echte” Frau simulieren, die ihnen dann mit Rat und Tat zur Seite steht? Das Experiment verläuft jedoch erfolgreicher, als beide zu hoffen gewagt haben, und plötzlich steht eine Traumfrau mit Gardemaßen in der Tür. Von beiden “Lisa” getauft, hilft sie ihnen, ihr Versagertum zu überwinden und bei einer Riesenparty nicht nur ihre Traumgirls abzugreifen, sondern förmlich zu Helden zu werden …

Die Science-Fiction-Prämisse, die andere Regisseure wohl in den Mittelpunkt gerückt und sich ausgiebeig den Problemen bei der Erschaffung der Traumfrau gewidmet hätten, dient Hughes hier lediglich als Exposition für das, was ihn auch in seinen anderen Teeniefilmen beschäftigt hat: die Selbstfindung des Losers und Nerds und die daraus hervorgehende Entfaltung seines brachliegenden Potenzials (wer Fotos von Hughes kennt, ahnt, dass er auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann). Das geht hier wieder deutlich entspannter und lockerer vonstatten als im ambitionierteren und auch ernsteren Vorgänger THE BREAKFAST CLUB. Geschadet hat es Hughes nicht, WEIRD SCIENCE war ein veritabler Erfolg und zog noch zehn Jahre später eine immerhin auf fünf Staffeln kommende Fernsehserie nach sich.

Mit Blick auf Hughes’ Filmografie ist dieser Schritt aber durchaus nicht uninteressant: WEIRD SCIENCE scheint in seiner Leichtigkeit, den losen Anspielungen auf Genrefilme – die von der colorierten Fassung von BRIDE OF FRANKENSTEIN, die Gary und Wyatt im Fernsehen schauen, bis hin zum Auftritt von Vernon Wells und Michael Berryman als Mitglieder einer endzeitlichen Rockergang reichen –, der episodisch-lückenhaften Dramaturgie (woher Lisa etwa ihre Zauberkräfte hat, wird nie befriedigend erklärt) und der poppig-bunten visuellen Gestaltung eher der ideale Nachfolger von Hughes’ Regiedebüt SIXTEEN CANDLES, wirkt nach THE BREAKFAST CLUB eher wie ein Rückschritt – oder, positiv gesprochen, wie eine Rückbesinnung auf das, was Hughes als Filmemacher auszeichnet: der Blick für jugendliche Bedürfnisse und ihre Trends und ein unbestechliches komödiantisches Timing, das auch in kleinsten Szenen noch zum Vorschein kommt.

Vor allem Anthony Michael Hall leistet wieder mal Erstaunliches, avanciert in der herrlichen Blues-Club-Sequenz gar zum weißen Eddie Murphy und scheint der ideale Mann für Hughes’ pfeilschnelle Wortwechsel. Ilan Mitchell-Smith, von dem man danach nicht mehr viel gehört hat, gibt den Straight Man, damit Hall neben ihm gleich nochmal so witzig rüberkommt, hat außer einer an Jerry Lewis erinnerndern Stimme sonst aber nicht viel zu bieten. Kelly LeBrock, die spätere Frau Seagal, muss eigentlich auch nicht viel mehr tun als gut aussehen, hat als herzensgute Femme Fatale aber ebenfalls eine recht originelle Rolle abbekommen, die sie mit Leben zu füllen versteht, Bill Paxton ist als redneckiger Arschlochbruder Wyatts ebenfalls perfekt besetzt und in einer Nebenrolle rollt Robert Downey jr. die schönen braunen Augen und trägt Shorts zur stylischen Lederjacke. Gute, kurzweilige, aber niemals flache Unterhaltung also, die zudem ohne Durstrecken und nennenswerte Mängel auskommt; es sei denn, man begreift seine entwaffnende Harmlosigkeit als solchen. Wahrscheinlich genau der Film, den Hughes brauchte, um die Kraft für sein Meisterwerk FERRIS BUELLER’S DAY OFF zu sammeln und damit ohnehin rehabilitiert.

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Kommentare
  1. Hey, vielen Dank an dieser Stelle für deine Reihe von 80er Komödien. Diese hat mich daran erinnert, daß ich noch Lücken in meiner DVD-Sammlung habe und ich habe bereits gestern u.a. die mir noch fehlenden Hughes-Streifen bestellt. Gerade Weird Science habe ich schon ewig nicht mehr gesehen und so freue ich mich nach diesem Text nun besonders, diesen Umstand in Kürze ändern zu können.

    • Oliver sagt:

      Danke für die netten Worte! Mit den Achtzigerkomödien bin ich übrigens noch längst nicht am Ende. Und mit WEIRD SCIENCE wünsche ich dir schonmal viel Spaß.

  2. [...] völlig unglaubwürdig: Anthony Michael Hall – der in den Filmen von John Hughes als linkischer Nerd brillierte und hier das komplette Gegenteil seiner etablierten Persona spielen muss – ist von [...]

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