Auf seinem Marsch durch die postapokalyptische Einöde des Planeten Ura kommt der letzte Angehörige eines alten Kriegerstammes, Kain (David Carradine), in ein Dorf, in dem sich zwei rivalisierende Armeen um den einzigen Brunnen balgen: auf der einen Seite steht der dekadente Fettsack Bal Caz (William Marin) mit seinem Gefolge, auf der anderen Zeg (Luke Askew), der die Zauberin Naja (Maria Socas) gefangen hält, damit sie ihm einmächtiges Zauberschwert herstellt. Kain wechselt zwischen den beiden fröhlich die Seiten …
Wie der filmerfahrene Leser unschwer erkennen kann, dürften Kurosawas YOJIMBO bzw. dessen Adaption durch Leone, PER UN PUGNO DI DOLLARI, für THE WARRIOR AND THE SORCERESS als, hüstel, Inspirationsquelle gedient haben. Umso frecher, dass die beiden Drehbuchautoren John C. Broderick und William Stout für ihr aus allen möglichen Erfolgsfilmen zusammengeklautes Werk auch noch einen “Story”-Credit erhalten haben: Dass THE WARRIOR AND THE SORCERESS ohne Milius’ CONAN, THE BARBARIAN nicht existieren würde, muss man nicht noch extra erwähnen, und dass der fette Bal Caz, der auf seinem Thron stets von willfährigen Nacktmodels und einem ihm kluge Ratschläge einflüsternden Echsenmenschen umgeben ist, eine Art Jabba the Hut für arme Leute ist, scheint mir ebenfalls ziemlich offensichtlich. Gut, Originalität habe ich von diesem Film eh nicht unbedingt erwartet, womit diese epigonalen Züge leicht zu verschmerzen sind, dennoch kommt Brodericks Film nicht so richtig aus den Pötten. Die Motivationen der Schurken sind reichlich eindimensional und Carradine schreitet in der ihm eigenen unnachahmlich selbstbewussten und ungerührten Art durch den Film, dass man sich eh nie Sorgen um ihn machen muss. Und wenn es dann doch einmal brenzlig für ihn wird, darf man davon ausgehen, dass die Bösewichter mit ihrer Unfähigkeit selbst dafür sorgen, die Lage wieder zu entschärfen. Dennoch ist Brodericks Film ein durchaus effektiver Timewaster: Die 81 Minuten fliegen schnell vorbei, die Production Values sind ordentlich, auch wenn der Film vermutlich aus Cormans Kaffekasse finanziert wurde, und ein paar saftige Momente gibt es auch: Da wäre zum einen ein lustiges Krakenmonster, das unter einem Kerker haust und ein bisschen wie ein verlorener Bruder vom Alienwesen aus FORBIDDEN WORLD aussieht, eine Tänzerin mit vier Brüsten (immerhin sechs Jahre vor der nur Dreibrüstigen aus TOTAL RECALL!) und die adrette Zauberin Naja (Nunja?), die es ebenfalls zu ihrer Lebensphilosophie gemacht zu haben scheint, ihren Brüsten nie die Frischluftzufuhr abzuschneiden. Das sind nicht zu verachtende Zutaten, die einen Mann von Welt, wie ich es bin, für THE WARRIOR AND THE SORCERESS durchaus einnehmen können. Ein idealer Film für einen verkaterten Morgen oder als Einstieg in einen Abend mit Kumpels, Dosenbier und vielleicht sogar besseren Filmen.
Der Film hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Wenn ich mich recht entsinne, hatte es auch eine ganz komische Mischung aus schmierig-/öliger und staubiger Atmosphäre. Fakt ist, ohne Frauen wäre es nur halb so schön. Das Yojimbo-Spielchen als solches wäre wohl zu hanebüchen. Mir gefällt allerdings auch Carradines Statur, die sich vom 80er Muskelprotz ja durchaus unterscheidet. Bei ihm hat man noch am ehesten das Gefühl, daß er sich gewitzt und nicht mit Toastbrot-IQ durch das Abenteuer schlägt. Und das Spoofen durch die Genres ist ja am Ende auch etwas, was an billigen Filmen dann wieder Laune bereitet.
Die Daseinsberechtigung wollte ich ihm auch keinesfalls abgesprochen haben: Amüsiert habe ich mich auch, nur gefesselt hat mich der Film nicht. Das Schmierig-Ölige, das du ansprichst, wird vor allem durch den Charakter des Bal Caz in den Film gebracht, der sexuell offensichtlich ziemlich derangiert ist – er ist seinem Habitus nach homosexuell, lässt sich aber ständig von nackten Weibern massieren und zu seinem Ratgeber dem Echsenmenschen unterhält er eine zärtliche Beziehung. Carradine ist schon eine ziemlich einzigartige Person: Für diese Art von Rollen war er tatsächlich perfekt und Roger Corman hat davon ja auch reichlich Gebrauch gemacht. Allerdings hat dieses Typecasting auch dazu geführt, dass Carradine fast im Schlag durch seine Filme latschen konnte – naja, vielleicht unterstreicht das seine fast metaphysische Überlegenheit auch noch.
Du meinst im Schlaf? Soweit ich weiß, hat Carradine zumindest zu Kung Fu Zeiten auch definitiv einiges weggekifft. Vermutlich strahlte er in Folge als Phlegmatiker dann einfach diese nahezu heilige innere Ruhe aus?
Oh, Tippfehler, ja, Schlaf natürlich. Dass er viel gekifft hat, wusste ich nicht, aber Drogenmissbrauch darf man ja vermutlich bei einigen der alten Stars vermuten. Bei Carradine fällt mir nur immer auf, dass sich seine Rollen – oder seine Interpretation dieser Rollen – merkwürdig gleichen. So, als würde er immer dieselbe Star-Performance abliefern. Nur gab es die ja in dem SInne nicht, mit Ausnahme vielleicht von KUNG FU (die ich noch nie gesehen habe).
Hm, wenn man sich sowas wie Circle of Iron nimmt, ist das sicher sein Typus. Andererseits hat er ja auch viel ausprobiert. Kennst du Sonny Boy? Den finde ich allein für Carradines Figur unbedingt sehenswert. Und obwohl er da eine “Frau” spielt, stimme ich dir andererseits auch hier zu. Man sieht Carradine in dieser Gewandung. Vielleicht, weil er einfach eine so einmalige Type ist? Kann Carradine vollkommen mit dem Film um ihn herum verschmelzen?
Carradine ist für mich in erster Linie Kung Fu. Da habe ich ihn kennengelernt. Und da ist er auch eins mit seiner Umgebung.
CIRCLE kenne ich auch noch nicht. Lohnt er sich? Die Rezis, die ich gelesen habe, bewerteten den eher so “meh”. Er reizt mich schon, du könntest einen entscheidenden Kaufanreiz geben.
SONNY BOY kenne ich, fand ich super, kann mich aber kaum an ihn erinnern. Klar, er hat schon viel gemacht, mit Ashbys BOUND FOR GLORY ja auch einen richtig hochwertigen New-Hollywood-Film – den ich auch noch nicht kenne, aber bereitliegen habe.
Der hat ja auch so viel gemacht, dass es total unfair ist, ihn aufgrund des Bruchteils dessen, was man von ihm kennt, in eine Schublade zu stecken. Aber seine Signature-Rollen gerade im Exploitationfilm sind schon ziemlich auf einer Linie. Weil ich KUNG FU nicht kenne – wohl die Rolle, auf der seine spätere Persona basiert–, assoziiere ich ihn immer als erstes mit LONE WOLF MCQUADE und dann wahrscheinlich mit DEATH RACE 2000. Zwei einerseits ganz unterschiedliche, dann aber wieder auch sehr ähnliche Rollen. Und Tarantino hat ihn in KILL BILL ja auch sehr “auf Linie” besetzt.
Der Typ fasziniert mich. Ich mag ihn eigentlich nicht, irgendwie finde ich ihn … abstoßend, rein optisch stößt er mich ab. Dann finde ich ihn aber wieder großartig, nicht nur in seinem Spiel, sondern auch als Typ. Sehr merkwürdig. Schade, dass er tot ist.
Circle of Iron ist ein zweischneidiges Schwert. Oberflächlich ist er wirklich mehr “meh”. Wer auf die suche nach Bill gehen möchte, hat natürlich schon einen guten Grund. Außerdem handelt es sich im weitesten Sinne um surrealen Martial-Arts-Selbstfindungstrash, aus der Feder von Bruce Lee und nicht unbedingt in seinem Sinne umgesetzt. Daß gerade Carradine seine 4-fach Rolle übernimmt, wo er doch nach der Legende dem Meister schon den Kung Fu Auftritt genommen hat, ist bezeichnend. Die Blue Underground Scheibe bietet einige Möglichkeiten sich mit dem Werk auseinanderzusetzen, was ich bisher aber auch noch nicht wahrgenommen habe. Noch bin ich der Überzeugung, daß man auch ohne den Film leben kann, wenn man nicht gerade an den Zusammenhängen Interesse aufzeigt. Wenn du dir vorstellen kannst, wie Jodorowsky einen Film über die Kampfkunst gedreht haben würde und davon nicht abgeschreckt bist, dann könnte Circle of Iron einen Blick wert sein. Es ist schon ein bemerkenswerter Rausch. Nicht für Jedermann halt.
Bound for Glory kenne ich noch nicht. Es fällt aber wieder auf, daß er in dieser Phase z.B. auch mit Bergman Das Schlangenei gedreht hat. Auch wenn ich den Film nicht so toll bzw. mich nie zuhause fand und dann aufgegeben habe. Carradines Karriere wird von Kontrasten geprägt. Da steht dann Fackeln im Sturm II direkt neben dem unglaublich miesen Bohrinsel in Flammen.
Mit der Faszination stehst du nicht alleine. Ich erwische mich häufig dabei, Filme einfach auszuwählen, weil David Carradine dabei ist. Dummerweise schaue ich dann den richtigen Schund oft gar nicht zuende, lege ihn zur Seite und vergesse dann weiterzumachen.