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Mai
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in the heat of the night (norman jewison, usa 1967)

Als in der Kleinstadt Sparta, Mississippi die Leiche des Unternehmers Colbert gefunden wird, greift der Polizist Sam Wood (Warren Oates) am Bahnhof einen Verdächtigen Afroamerikaner auf. Im Verhör entpuppt sich der Mann als Virgil Tibbs (Sidney Poitier), seines Zeichens Polizist aus Philadelphia und Experte für Mordfälle. Von seinem Vorgesetzten wird Tibbs aufgefordert, bei der Aufklärung des Mordfalls zu helfen, sehr zum Missfallen von Gillespie (Rod Steiger), dem Polizeichef von Sparta: Nicht nur, dass der nur ungern Fremde in seinen Kompetenzbereich eindringen lässt, er weiß auch, dass Tibbs es im rassistisch aufgeheizten Klima der Stadt schwer haben wird … 

IN THE HEAT OF THE NIGHT war im Jahr 1968 einer der Abräumer bei der Verleihung des Academy Award: Ganze fünf Oscars konnte er verbuchen, darunter den Preis für den besten Film, den besten Hauptdarsteller (Rod Steiger), den besten Schnitt (Hal Ashby), das beste Drehbuch und den besten Ton. Daran kann man schon erkennen, dass Jewisons Film mit seiner Thematisierung des damals in einigen Regionen der USA immer noch sehr alltäglichen Rassismus seinerzeit ein echtes Politikum darstellte und wahrscheinlich zu sehr viel stärkeren Gemütsregungen veranlasste als heute, wo IN THE HEAT OF THE NIGHT mit seinem fahrlässig abgewickelten Krimiplot als Vorläufer der Jahr für Jahr um die Gunst der Oscars buhlenden politisch korrekten Themenfilme erscheint. Vieles an Jewisons Film riecht heute nach abgestandenem Klischee: der superkorrekte und unangenehm selbstgerechte Tibbs, der als erfolgreicher Karrieremann eine doppelte Bedrohung für die weißen Rassisten ist, der polternde Gillespie mit seinen chauvinistischen Bemerkungen und der schief sitzenden Mütze, die im breitesten Southern Drawl parlierenden Landeier, der unverbesserliche reiche Schwarzenhasser, schließlich das Finale, in dem Gillespie sich als geläutert erweist. Dass die ganze Prämisse des Films zudem sehr herbeikonstruiert wirkt, mildert diese Vorwürfe nicht eben ab: Dass ein Cop mal eben so “ausgeliehen” wird, mag man noch hinnehmen, doch dass Tibbs’ Chef sich gar nichts dabei denkt, seinen schwarzen Cop in der Wiege der Segregation ermitteln zu lassen, scheint kaum weniger Stoff für einen Anti-Rassismus-Film zu bieten als die eigentliche Handlung.

Wenn Jewisons Film trotzdem sehenswert ist, dann liegt das neben seiner nicht wegzudiskutierenden filmhistorischen Bedeutung vor allem an der schwülen Atmosphäre, der gelungenen Suggestion eines Brodelns unter der ruhigen Oberläche, das zu gleichen Teilen auf das Konto der Kameraarbeit von Haskell Wexler wie des Komponisten Quincy Jones geht. Auch Poitiers Spiel, das zwar wie das seines Kontrahenten Steiger manchmal zum Theatralischen neigt, trägt einen wichtigen Teil dazu bei: Sein Tibbs steht unter einem immensen inneren Druck, der daher rührt, dass er als Farbiger immer ein bisschen besser sein muss als seine weißen Kollegen, und dieser Druck wird auch für den Zuschauer spürbar. Man wartet auf die Explosion, die aber nie kommt, weil der Film immer wieder in letzter Sekunde das Gleichgewicht wiederfindet, bevor er komplett umkippt. Am Schluss hat man das Gefühl, dass eine Katastrophe nur ganz knapp vermieden werden konnte. Und dann gibt es da ja auch noch einige eher unauffällige Szenen, in denen die etwas eindimensionale Schwarzweiß-Malerei des Films aufgehoben wird und die auch heute noch treffen: Die Konfrontation der sich im eitlen Kompetenzgerangel befindlichen Polizisten mit der Ehefrau des Mordopfers, die für das Verhalten der beiden Männer keinerlei Verständnis hat und nur entsetzt und enttäuscht fragen kann: “Was ist das für ein schrecklicher Ort?” Schließlich das Treffen von Tibbs und Gillespie mit dem Schwerreichen Endicott (Larry Gates), einem Rassisten alter Schule, der zu weinen beginnt, als er von Tibbs in seine Schranken verwiesen wird: Ein harter Moment, weil es dem Zuschauer unmöglich gemacht wird, den Mann reflexartig zu hassen, stattdessen die gesellschaftliche Tragweite des Rassismus in den Blick gerückt wird, der sich dem Menschen buchstäblich ins Wesen einschreibt. Und dann die Szene, in der Gillespie Tibbs bei der Ehre packt, ihm klar macht, dass er den Job annehmen muss, und sei es nur, um es den Weißen zu zeigen: Tibbs ist nicht nur wehrloses Opfer, der Hass, dem er sich ausgesetzt sieht, verändert auch ihn.


2 Antworten zu „in the heat of the night (norman jewison, usa 1967)“


  1. Mai 17, 2011 um 10:51 nachmittags

    So richtig mutig war Hollywood ja nie, wenn es um Oscar-Anwärter ging. Und allein schon die Tibbs-Fortsetzungen deuten darauf hin, dass du mit deiner Betonung des Klischeehaften (schon für die damalige Zeit) richtig liegen könntest. Wer mir trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterliess: Rod Steiger, der den Mut aufbrachte, wirklich eines der ganz grossen – pardon! – Arschlöcher der Filmgeschichte zu spielen.

  2. 2 Oliver
    Mai 18, 2011 um 8:36 vormittags

    Texte zu den Sequels folgen in Kürze – und zumindest der zweite Teil ist ja dann auch eine mittelschwere Katastrophe.

    Zu Rod Steiger: Der ist ja auch einer der Großen, die im Laufe ihrer Karriere zu ihrer eigenen Karikatur wurden. Wenn ich an seinen Auftritt in THE SPECIALIST denke, fühle ich Fremdscham. Schon Samuel Fuller bemerkte während der Zusammenarbeit mit Steiger für RUN OF THE ARROW, dass der Mann zum krassen Overacting neigt – ein bisschen wie der olle Richard Burton. In IN THE HEAT OF THE NIGHT hält Jewison ihn einigermaßen in Zaum, aber sein erster Auftritt, bei dem er auf einem Kaugummi rumkaut, als handelte es sich um einen Wettbewerb, spricht da schon Bände.

    Zur Arschlochrolle schließlich: Vielleicht hat ihm die Schlussszene, in der er als geläutert erscheint, die Entscheidung erleichtert. ;)


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