fast company (david cronenberg, kanada 1979)

Veröffentlicht: September 12, 2011 in Film
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Zur Bewerbung seines Motorenöls unterhält der Ölkonzern FastCo ein Rennteam für Dragsters und sog. Funny Cars – blecherne Kraftprotze, die bei Pferdestärken im fünfstelligen Bereich entsprechende Geschwindigkeiten hinlegen -, in dem der Rennfahrer Lonnie Johnson (William Smith) der unbestrittene Star und Publikumsmagnet ist. Doch im Verlauf der aktuellen Saison kommt es zu Spannungen zwischen der Mannschaft und Manager Phil Adamson (John Saxon): Der interessiert sich nämlich einzig und allein für die Werbewirksamkeit des Teams, der er sowohl die Wünsche und Vorstellungen der einzelnen Rennfahrer als auch deren persönliche Zufriedenheit bedingungslos unterordnet. Als er mit dieser Masche auf den Widerstand Lonnies stößt, wendet er sich an Gary Black (Cedric Smith), Lonnies direkten Konkurrenten …

Ihr kennt vielleicht diese Logikrätsel, bei denen man die sinnhafte Verbindung einer bestimmten Anzahl von Begriffen, Bildern oder Zahlen herausfinden und anhand dieser dann das “Kuckucksei” aussortieren muss. “Was passt nicht in diese Reihe?” lautet meist die Frage und wendet man diese auf die Filmografie von David Cronenberg an, so lautet die Antwort sehr einmütig “FAST COMPANY”. Dem ist nur wenig hinzuzufügen und wenn Blue Underground auf dem Backcover der DVD Cronenberg mit dem Spruch zitieren, dass FAST COMPANY einer der “wichtigsten Filme seiner Karriere” sei (und sowohl Quelle als auch Kontext schuldig bleiben), so darf man mit einigem Recht annehmen, dass er sich damit weniger auf den Inhalt des Films als auf die Bedingungen bezieht, unter denen er entstand – oder etwa darauf, dass er damals zum ersten Mal mit Kameramann Mark Irwin zusammenarbeitete, der ihn im Folgenden bis THE FLY begleiten sollte. FAST COMPANY ist eine Auftragsarbeit, ein Exploitationfilm, der sich Stil und Sujet an den US-amerikanischen Exploitern orientierte, wie sie etwa Samuel Z. Arkoff und Roger Corman in den Siebzigern am laufenden Band und mit beträchtlichem Erfolg produzierten, und als Autorenfilm nur insofern interessant, als dieser hier ganz abwesend scheint. Es ist wirklich erstaunlich, wie es Cronenberg gelang, seine zu diesem Zeitpunkt doch schon recht ausgeprägte individuelle Handschrift zu verdecken und einen anonymen Film zu machen, der dennoch nicht nach desinterssiert heruntergekurbelter Söldnerarbeit aussieht. FAST COMPANY bietet vor allem 90 Minuten locker-flockiges und aus heutiger Sicht herrlich unschuldiges Entertainment im Stile der Siebzigerjahre mit der dazugehörigen Besetzung gestandener B-Film-Recken.

Zwar finden sich durchaus einige Bilder, die sich ohne große Schwierigkeiten in das Werk des Kanadiers eingliedern ließen – etwa die krassen Großaufnahmen der Rennfahrer, die in die fast ausschließlich aus Motor bestehenden Blechkäfige steigen -, doch sind dies höchstens visuelle, nicht aber semantische Referenzen. Der vielleicht klarste Cronenbergismus findet sich in einer kurzen Sexszene, in der der junge Rennfahrer Billy (Nicholas Campbell) seinem Betthasen das FastCo-Motorenöl über die nackte Brust gießt und die dazugehörigen Werbeversprechungen rezitiert: Es besteht kein Zweifel daran, dass es hier lediglich um die nötige Zurschaustellung von Nacktheit ging, aber die Assoziation des Körpers als ein Stück Maschine, das besonderer Pflege bedarf, drängt sich hier – rund zehn Jahre vor DEAD RINGERS – förmlich auf.

Fazit: Wer sich lediglich selbst davon überzeugen will, dass FAST COMPANY die Anomalie in Cronenbergs Schaffen ist, kann sich die Sichtung sparen und diese “Weisheit” ruhigen Gewissens weiter aus zweiter Hand zitieren. Wer jedoch amerikanisches Exploitationkino der Seventies liebt und sich partout nicht vorstellen kann, dass ausgerechnet Cronenberg zu sowas in der Lage gewesen sein soll, der wird die Begegnung mit FAST COMPANY wahrscheinlich genauso genießen wie ich.

 

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