Mit ‘Agentenfilm’ getaggte Beiträge

Zunächst: Ich habe Luc Bessons NIKITA, der die Vorlage zu John Badhams Remake lieferte, zuletzt vor einer halben Ewigkeit gesehen und nur noch höchst marginale Erinnerungen an den Film. Soweit ich das rekapitulieren kann, hält sich die Adaption zumindest was den Handlungsverlauf angeht sehr eng an das Original, ersetzt in erster Linie europäische durch US-amerikanische Schauplätze. Ich vermute mal, dass Anne Parillauds Auftragsmörderin wider Willen von Besson etwas weniger als eigentlich liebenswertes Love interest gezeichnet wurde, als das bei Bridget Fondas Nina der Fall ist, NIKITA insgesamt etwas düsterer und böser – eben europäischer – rüberkommt, aber beschwören will ich das nicht. Und weil es mir hier definitiv nicht darum geht, zu erörtern, ob POINT OF NO RETURN ein gutes oder schlechtes Remake ist, spare ich mir solche Vergleiche im Folgenden und behandle Badhams Film ganz so, als hätte es NIKITA nie gegeben. Und siehe da: Der Film ist ausgezeichnet. Vor allem, wenn man ihn vor dem Hintergrund von Badhams laufender Auseinandersetzung mit Technik und nicht nur staatlicher Überwachung betrachtet.

Vordergründig geht es natürlich darum, wie der Staat über im Verborgenen agierende Geheimdienste mit unerbittlicher Willkür in das Leben von Privatmenschen eingreift, dabei Gesetze und Rechtsprechung großzügig umgeht. Dass Maggie (Bridget Fonda) wegen Polizistenmordes eine rechtskräftig zum Tode verurteilte Schwerverbrecherin ist, interessiert die verantwortlichen Beamten nur wenig: Man setzt sich über das Urteil und die Giftspritze hinweg, sperrt die Frau ein und lässt ihr die Wahl, künftig für den Staat zu arbeiten oder aber zu sterben. Auffällig ist dabei, dass es keiner revolutionären technischen Erfindung wie eines Blue-Thunder-Helikopters, eines Militärroboters oder auch nur zweier eigens dafür abgestellter Polizisten mehr bedarf, um über das Leben der drogenabhängigen Herumtreiberin vollständig informiert zu sein. Gabriel Byrne taucht als Agent “Bob” wie ein Engel einfach immer am richtigen Ort auf, hat – wie auch immer – Einblick in alle Details des verkorksten Lebens Maggies. Und genau an diesem Punkt eröffnet sich eine übergeordnete, allgemeinere Thematisierung von “Überwachung”, eine, die eine kaum zu übersehende sexuelle Dimension hat. Wenn man Filmemachen als eine männliche Kulturtechnik beschreiben mag, den Blick, den die Kamera dem Zuschauer im Hollywood-Kino meist auferlegt, als männlich, dann reproduziert Badham diese Ermächtigung in POINT OF NO RETURN auch auf inhaltlicher Ebene. Sein Objekt, die Drogenabhängige/Möderin/Auftragskillerin Maggie, wird von Bob und dem hinter ihm stehenden Apparat genauso taxiert wie von Badhams Kamera. Sie wird eingesperrt, mit kleinen Zugeständnissen bei Laune gehalten, vor allem aber nach dem Wunsch der Behörde dressiert und programmiert. Sie ist die Hauptdarstellerin, aber echte Handlungsmacht hat sie nie. Der zur “Belohnung” für die gemachten Fortschritte spendierte Besuch in einem Nobelrestaurant ist nur eine Finte, der zu ihrem ersten Mordeinsatz führt, und ihre Eignung beweist sie damit, dass sie dem ihr zugedachten Tod entgeht. Der Zuschauer wird zum Voyeur und Bridget Fonda immer wieder in erotischen Posen eingefangen, die ihre Machtlosigkeit demonstrieren (in besagter Restaurant-Sequenz muss sie ihren Häschern in kleinen Schwarzen und Nylonstrümpfen entkommen).

Eine Femme Fatale ist sie nur zum Schein: Mit nahezu bemitleidenswerter Ahnungslosigkeit deponiert sie eine Bombe im Hotelzimmer einer Zielperson, freut sich erst darüber, dass sie niemanden erschießen musste und erlebt dann einen inneren Zusammenbruch, als sie feststellt, dass sie eine Explosion initiiert hat. Auch die Handhabung des romantischen Subplots ist doppeldeutig: An der Oberfläche geht es darum, dass Maggie kein “normales” Leben führen kann, ihr Job immer zwischen ihr und ihrem Freund J.P. (Dermot Mulroney) stehen wird, sie ihre wahre Identität niemals ganz preisgeben können wird. Auf der anderen Seite schleicht die Kamera aber nur zu gerne in das Haus des Pärchens und beobachtet sie bei ihren ersten Annäherungsversuchen, Liebesspielen und Sex. Die Integration dieses Subplots mag Maggies Ich-Werdung beschleunigen, aber vor allem ist sie ein dankbarer Anlass, in ihrem Privatleben herumzuschnüffeln. Der Film scheint sich des inhärenten Zynismus durchaus bewusst zu sein – und entgeht allzu expliziten Darstellungen ganz einfach dadurch, das die Killerin stets im richtigen bzw. falschen Moment einen Anruf erhält, der sie an wichtigere Aufgaben erinnert. Es gibt eine ziemlich gruselige Szene, in der Bob seinem Schützling einen Besuch abstattet. J. P. gegenüber gibt er sich als Onkel aus und er hilft Maggie dabei, dem Freund zumindest einen kleinen Einblick in ihre vermeintliche Vergangenheit zu geben. Er erzählt, wie er der Nichte einst beim Reiten zugesehen habe, wie sie sich gegen jede Wahrscheinlichkeit auf dem Rücken eines wilden Pferdes behauptete, wie schön sie gewesen sei. Es wird – für den Zuschauer, für Maggie, wundersamerweise aber nicht für J. P. – sehr klar, dass der Beamte bis über beide Ohren in die Killerin verliebt ist, und diese Liebe trägt mehr als nur etwas abseitige, inzestuöse Züge. Es ist die totale Vereinnahmung, die Maggie erfährt: Sie hat nicht nur ihre Identität vollkommen aufgeben und ihren Körper an den Staat überschreiben müssen, als ewig junge Kindfrau beflügelt sie nun auch noch die erotischen Fantasien ihres Schöpfers. Auch die andere Frauenfigur des Films ist interessant: Als Erzieherin der Kandidaten lebt Amanda (Anne Bancroft) in einem mondän eingerichteten Appartement innerhalb des Komplexes, in dem Maggie ausgebildet wird. Die ihr zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten wirken wie eine Parallelwelt innerhalb der auf Funktionalität ausgerichteten Anlage. Aber auch sie repräsentiert vor allem eine Männerfantasie, vielleicht keine erotische, aber doch eine Art platonisches Idealbild einer intelligenten Frau, die weiß, wie man sich zu benehmen und zu bewegen hat. Doch diese Selbstständigkeit ist ja auch nur Illusion, weil Amanda letztlich wie ein kostbarer tropischer Vogel in einem Käfig sitzt; oder wie eine Puppe in einem Puppenhaus wohnt. (Ist sie vielleicht selbst einmal ein “Kandidat” gewesen wie Maggie?)

Von solchen exegetischen Herausforderungen, die POINT OF NO RETURN stellt, einmal ganz abgesehen, ist John Badham ein effektiver Thriller gelungen, der zwar deutlich Kind seiner Zeit ist – Bridget Fonda gibt kurz nach dem Seattle-Film SINGLES die Grunge-Rebellin mit Doc Martens und schwarz gefärbten Haaren, die L7 hört und den Fernseher mit Farbe besprüht –, aber doch über die Untiefen verfügt, die andere, auf Hochglanz oberflächenpolierte Filme jener Zeit weitestgehend vermissen lassen. Die Actionszenen sind exzellent und der Film zudem erstaunlich ruppig. Inspiriert ist auch die Besetzung: Michael Rapaport hat einen kurzen Auftritt als einer von Maggies Junkiefreunden, Miguel Ferrer darf eine Art Reprise auf seinen FBI-Agenten Rosenfeld aus TWIN PEAKS geben, Harvey Keitels “Cleaner” inspirierte wiederum Quentin Tarantino dazu, ihm einen entsprechenden Part in PULP FICTION auf den Leib zu schneidern. Eine schöne Überraschung für mich, vielleicht eine Sichtungsanregung für euch.

 

 

 

 

 

mann_mit_den_tausend_masken_der_querPaul Finney (Paul Hubschmid), Codename “Supersieben” (in der internationalen Fassung und im wunderbaren Titelsong “Upperseven”), ist der Topagent des britischen Geheimdienstes. Besonders berüchtigt sind seine Verwandlungskünste: Er stellt nicht nur seine eigenen, den Originalen aus Fleisch und Blut täuschend echt nachempfundenen Masken her, sondern ist auch ein Meister der Stimmenimitation. Diese Wandlungsfähigkeit hat zur Folge, dass nicht einmal sein ärgster Feind, der Superschurke Kobras (Nando Gazzolo), weiß wie Supersieben wirklich aussieht. Das kommt dem Agenten bei den Ermittlungen in seinem neuesten Fall besonders zugute: Es geht um Goldschmuggel, die Befreiung eines berühmten Juwelendiebes aus dem Arbeitslager und das Abzweigen von Millionen, die eigentlich als Gegenleistung für eine Diamantenlieferung als Entwicklungshilfe nach Südafrika gehen sollten. Supersieben zur Seite steht die amerikanische Agentin Helen Farheit (Karin Dor) …

Ich gestehe, dass ich der Handlung, die die Protagonisten im Eiltempo von Kopenhagen über London nach Rom, Basel und schließlich nach Johannesburg und Kapstadt führt, nicht wirklich folgen konnte. Als megalomanischer Superverbrecher wäre ich ein totaler Reinfall, denn was genau Kobras mit seinem übermäßig komplizierten Plan eigentlich bezwecken wollte, ist mir im Tohuwabohu durch die Lappen gegangen. Aber irgendwie ist das bei diesem Film auch reichlich egal. Wer es bis hierhin noch nicht mitbekommen hat: DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN ist ein typischer Vertreter der Eurospy-Welle, die in den Sechzigerjahren durch die europäischen Kinos schwappte, ausgelöst durch das Seebeben der immens erfolgreichen Bond-Serie. Die Besetzung von Paul Hubschmid als Connery-Surrogat ist gewissermaßen ein no brainer: Der Schweizer genoss seinerzeit großen Ruhm im europäischen Filmgeschäft, galt als Frauenschwarm und präsentierte sich nach außen als distinguierter Gentleman, dessen Image auch die vielen Weibergeschichten nichts anhaben konnten, im Gegenteil (so wie Will Tremper es in seinen Filmmemoiren “Große Klappe” erzählt, trieb Hubschmid mit seiner Vielweiberei nicht nur seine ihm treu ergebene Ehefrau in den Selbstmord, sondern anschließend auch die Schauspielerein Renate Ewert, die Frau, mit der er seine Gattin betrogen hatte). Er war zumindest auf dem Papier so etwas wie die Idealbesetzung für den cleveren, weltgewandten “Supersieben”, dem die Kollegin Farheit schon nach dem ersten Blickkontakt nicht mehr widerstehen kann. Was Hubschmid in der Praxis dann jedoch fehlt, ist jenes Maß an Selbstironie, das Connery trotz ausgestelltem Chauvinismus zum Sympathieträger machte, von seiner körperlichen Präsenz mal ganz abgesehen. Ähnliches lässt sich auch über De Martinos Regie sagen: Die wenigen Filme, die ich von ihm kenne (L’ANTICRISTO und HOLOCAUST 2000), unterscheiden sich von den Werken seiner italienischen Kollegen durch eine gewisse Ruhe und Sachlichkeit, die er dem Griff in den Schweinetrog vorzieht. Was im Falle seines THE EXORCIST-Rip-offs zu einem Werk unerwarteter Klasse führt, macht seinen DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN aber zu einer zwar professionell gefertigten, aber dabei irgendwie freudlosen Angelegenheit, für die lediglich ein paar stullige Drehbucheinfälle und eine auffallende Ruppigkeit sprechen.

Gleich zu Beginn bringt Supersieben einen kleinen Kasten an einem Wagen an, der sich jedoch mitnichten als Peilsender erweist: Stattdessen tropft daraus eine fluoreszierende Flüssigkeit, die eine Spur hinterlässt, der der Agent dann auch in der tiefsten Nacht zu folgen in der Lage ist. Seine Verwandlungsfähigkeit demonstriert er wenig später einem Multimillionär (Paul Hubschmid), den er vor dessen eigenen Angestellten imitiert und sie sogar dazu bewegen kann, ihm die geheimen Geschäftsbücher zu zeigen. Er präsentiert dem staunenden Mann diese Stippvisite als Super-8-Film, der die Frage nach dem Kameramann aufwirft, der das alles unbemerkt mitfilmen konnte. Als hinterhältiges Supersieben-Girl findet Rosalba Neri ein mitleidloses Ende. Zwar becirct sie den Agenten mit einem hübschen Liedchen, doch lässt der sich von ihr nicht täuschen. Er prügelt sie ohne jede Vorwarnung mit dem Handrücken durchs Schlafgemach und stößt sie dann kurzerhand und voller Abischt in die Schusslinie des eigentlich für ihn bereitstehenden Killers. He’s got 99 problems but a bitch ain’t one. Die eigentliche USP dieses Agenten, seine schon im Titel gepriesene Verwandlungsfähigkeit, ist auch eher ein müder Vorwand. Erst ganz am Ende kommen zwei Gummimasken (= Doubles) im besten MISSION: IMPOSSIBLE-Stil zu Einsatz, vorher begnügt sich Supersieben mit Klebeschnurrbärten aus dem Karnevalsbedarf, die seine markanten Gesichtszüge nur vor vollkommen Merkbefreiten verbergen können.

Bleibt unter’m Strich also ein Eurospy-Film, der handwerklich vielleicht ein Stück besser ist als der Durchschnitt, gerade dadurch aber einen Gutteil des Charmes, der dem Genre eigentlich innewohnt, einbüßt. Für einen “richtigen” Agentenfilm ist DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN einfach nicht spannend genug, für bonbonbunte Psychotronik zu seriös. Eher langweilig also.

 

Der Schwerverbrecher Arthur Hillary (Franco Fantasia) wird von seinen Kumpanen, darunter der gefährliche Anthony (Siegfried Rauch), bei einem Gefangenentransport befreit. Hillary hatte vor seiner Inhaftierung einen spektakulären Diamantenraub gelandet, die Beute hatte er in der titelgebenden Statue bei seinem Zwillingsbruder Robert in Kanada versteckt. Jenen gilt es nun ausfindig zu machen, um ihm die Steinchen wieder abzunehmen. Derweil Captain Rowland (Brad Harris) auf den flüchtigen Schurken angesetzt wird, ist Privatdetektiv Jo Walker im Auftrag der Versicherung unterwegs, die Diamanten zurückzuholen. Beide müssen sich wieder miteinander arrangieren, um zum Ziel zu kommen …

Der fünfte Film der insgesamt siebenteiligen Reihe setzt die mit dem Vorgänger KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE eingeschlagene Linie fort. Das bedeutet, dass es auch hier um einen “normalen” Kriminalfall geht, die an die Erfolge der Bond-Reihe angelehnten Ausflüge ins Science-Fiction-Genre der Vergangenheit angehören. Die Story ist nicht übermäßig spektakulär, aber durchaus kurzweilig, das Zusammenspiel von Harris und Kendall steht wieder mehr im Vordergrund, der Ton des Films ist wesentlich komödiantischer als zuvor. Harris hat als Rowlanddie Rolle des etwas einfältigen Deppen inne, der der Cleverness seines freischaffenden Partners nur wenig entgegenzusetzen hat, aber dessen Scharfsinn mit der nötigen körperlichen Durchschlagskraft ergänzt. Die spritzige Dynamik der beiden kann man etwas mit jener vergleichen, die Terence Hill und Bud Spencer einige Jahre später zu Ruhm und einem Platz in der (europäischen) Filmgeschichte verhelfen sollte. Den Hintergrund des munteren Treibens bildet vor allem die Kulisse der damaligen Weltausstellung in Montreal, und Ausflüge nach L.A. und Calgary werden auf die bekannt rührend-unbekümmerte Art mit Material aus Italien ergänzt. Das garantiert gleich zu Beginn einige Lacher, wenn Parolini dem Zuschauer ein südeuropäisches Bergambiente mit unbefestigten Schotterpisten als die Serpentinen der Hollywood Hills verkaufen will, oder er jenen berühmten Wasserfall, der in fast jedem italienischen Film der Sechziger- und Siebzigerjahre zu sehen ist, nach Kanada verlegt. Schön ist auch die als Hightech-Sensation eingebaute Archivmaterial-Szene mit einem Jetpack, das für “Menschen im Düsenzeitalter” als die kommende Fortbewegungsart gepriesen wird, sonst aber keinerlei narrative Funktion erfüllt. Das sind die Momente, für die man den trivialen Stoff jener Tage liebt. Für Kurzweil ist also, nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit von Eurobabes wie Erika Blanc oder Hannelore Auer, wieder einmal gesorgt, auch wenn die vorangegangenen Höhepunkte der Reihe unerreicht bleiben. Ein Meisterwerk erwartet von einem KOMMISSAR X-Film eh niemand, insofern darf die Mission “Entertainment” nach 90 schön bunten, beschwingten und angenehm depperten Minuten dennoch als “erfolgreich” abgehakt werden. Mehr fällt mir zu diesem Film aber auch nicht mehr ein.

Ein Film, der mit einer ausgedehnten Prügelei anfängt, kann nicht schlecht sein. KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE knüpft nach dem doch etwas langweiligen Vorgänger wieder an das Niveau der ersten beiden Filme um den Privatdetektiv an. Der Job führt Jo Walker (Tony Kendall) diesmal nach Istanbul, dessen beeindruckende Skyline gleichermaßen Exotik wie geschäftige Urbanität mitbringt, etwas, das den vorangegangenen Titeln, die in Sri Lanka respektive Singapur spielten, fehlte. Auch die Storyline – es geht um die Drohung einiger Ganoven, der titelgebenden “drei grünen Hunde”, die Trinkwasserversorgung der Metropole mit LSD zu verseuchen und die Stadt so zur Zahlung eines stattlichen Sümmchens zu erpressen. Glücklicherweise kann Captain Tom Rowland (Brad Harris) das Halluzinogen in Sicherheit bringen, mit den erwartbaren Konsequenzen: Auch KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE weicht kein Stück vom bisher etablierten Erfolgskonzept ab, was bedeutet, dass auch dieser Film in loser Folge Verfolgungsjagden, Mordanschläge, Prügeleien, Ballereien und Entführungen aneinanderreiht.

Ob man das nun anregend oder ermüdend findet, hat nicht wenig mit der Fähigkeit zu tun, die freifließende Lebensfreude hinter dem Spektakel zu erkennen. Dass Walker und Rowland laut ihrer Berufsbezeichnung im Dienste des Gesetzes unterwegs sind, ist eigentlich nur vorgeschoben. In ihrem Handeln zeigt sich überdeutlich die Berauschung an der eigenen Bewegung, an der Herrschaft über den Körper, die sich am klarsten natürlich dort zeigt, wo sie gleichzeitig den Triumph über andere bedeutet. Wobei KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE trotz etlicher Tote niemals wirklich auf böse Art gewalttätig wird. Alles ist als Spiel gekennzeichnet und von geradezu kindlicher Euphorie getrieben. Im Showdown in der bizarren Felslandschaft Kappadokiens gibt es eine ausgedehnte Verfolgungsjagd, in deren Verlauf Rowland und seine Häscher die sandigen Hänge der Hügel hinabrutschen wie in einem Vergnügungspark, und eine Totale, die zeigt wie die Schurken nach einem Schlag von Rowland die Böschung hinunterpurzeln. Die Verbrecherjagd ist reiner Selbstzweck, im Grunde genommen egoistische Lustförderung der beiden Helden, und dass sie dabei noch etwas Gutes tun, nehmen sie eher amüsiert zur Kenntnis. Vor allem Walker kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr raus, wenn er da in einer Tour mit hübschen Dingern anbändelt und auch schon mal zu einer in den Zuber steigen darf, um sich vor der Polizei zu verstecken.

Die gute Laune des Films ist ansteckend, die Sonne strahlt aus jedem Einzelbild und danach möchte man sich am liebsten so einen Schlapphut kaufen, wie ihn nur Herbert Fux tragen kann, der hier den Schurken Eddie Shapiro spielt. Seine Rolle ist ganz und gar nicht entscheidend, aber diese Wiener Lässigkeit, die er mitbringt und die jede Szene mit ihm durchzieht wie Zigarrendunst eine funzelige Eckkneipe, passt wie der Arsch auf den Eimer und ist das Element, das dieser vierte KOMMISSAR X-Film den Vorgängern voraus hat.

In einer ceylonesischen Grotte, die ein großer, goldener Katzenkopf als Eingangstor ziert, bekommt der beschnurrbartete Karatemeister King (Dan Vadis) den Auftrag, Babs Lincoln (Ann Smyrner), Tochter des amerikanischen Botschafters Jefferson Lincoln, zu entführen. Das sieht dann so aus, dass er der blonden Schönen mit seinen beiden Kumpanen (darunter Siegfried Rauch als “Nitro”) auffällig, aber unbemerkt durch die deutlich kürzer gewachsenen Scharen Einheimischer hinterherstapft, die sich anlässlich eines Volksfestes auf den Straßen tummeln. Niemand stört sich daran, als die Frau von ihnen niedergeschlagen und weggeschleppt wird, nur ihr amerikanischer Kollege nimmt die Verfolgung auf, muss diesen Wagemut aber mit seinem Leben bezahlen, derweil Babs entkommen kann. Schnitt zu einer im Freien abgehaltenen Polizeipräsentation, bei der der Redner die Vorzüge von Karate preist und vor seinen Gefahren warnt, gerät die Kampfkunst in falsche Hände. Dass ein Karateschlag die Durchschlagskraft einer Pistolenkugel hat, belegt danach Captain Tom Rowland, indem er eine Delle in einen mit Alufolie umwickelten Styroporwürfel boxt, die von den Anwesenden bestaunt wird wie die Landung eines Ufos. Bevor er Autogramme geben muss, wird er aber abkommandiert nach Colombo, um im Fall der oben geschilderten Ermordung zu ermitteln. An Ort und Stelle trifft er auf seinen Kumpel Jo Walker (im vorangegangenen Text nannte ich ihn fälschlicherweise “Joe”), der wiederum herausfinden soll, wer die schöne Babs entführen wollte. Schon nach kurzer Zeit werden diverse Mordanschläge auf die beiden verübt: Erst plätschert eine gefährliche Säure aus Walkers Dusche, dann sollen die beiden Gangsterjäger samt Babs Lincoln, Lincolns Neffe Dawson (Philippe Lemaire) und des einheimischen Inspektor Da Silva in die Luft gesprengt werden. Hier zeigt sich nicht zum ersten Mal, aber am eindrucksvollsten das, was den Film vor allem auszeichnet: der unbändige Wille, sich jeder schnöden Logik zu widersetzen, um ein hübsches Spektakel auf die Leinwand zu bringen: Zunächst platziert King eine Ampulle mit Nitroglycerin auf dem Nebentisch der Helden – warum er mit seinem überaus auffälligen Äußeren von Babs nicht erkannt wird, bleibt ihr Geheimnis – und macht sich dann vom Acker. In einem Hotelzimmer mit Aussicht auf die fröhlich plauschende Tischgemeinschaft nimmt nun “Nitro” mit einem Scharfschützengewehr Platz. Seine Aufgabe ist es, das Nitrofläschchen abzuschießen und so eine Explosion auszulösen, die alle auslöscht. Ja, das hätte man durchaus einfacher lösen können, und so ist es dann auch kein Wunder, dass der Plan vereitelt wird. Wer so blöd ist, der hat es nicht besser verdient. Auch nicht, wenn man sich hinter einem so geilen Kampfnamen wie “Drei gelbe Katzen” versteckt. Die verbergen sich hinter diesen ganzen mal mehr, meist aber weniger geglückten Taten, handeln jedoch nur im Auftrag eines noch größeren Schurken. Es geht nämlich um einen Wissenschaftler, der einen todbringenden Biokampfstoff entwickelt hat und nun den Mann erpresst, der ihn wegen diese Erfindung einst des Landes verwiesen hatte. Alle wollen Geld, alle haben Dreck am Stecken, aber außer den beiden Protagonisten blickt keiner mehr durch.

Nach Ablauf der 90 Minuten von KOMMISSAR X – DREI GELBE KATZEN dessen Handlung zusammenzufassen, stellt daher auch vor einige Probleme. Wie bei den besten Exploitern wirkt die Story wie von einem Zehnjährigen mit galoppierender Fantasie, aber mangelndem editorischen Geschick erdacht, wüst mit dem heiligen Vorsatz zusammengekloppt, möglichst viele astreine Elemente unterzubringen. War Parolinis KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT noch annähernd seriös, begibt sich die Reihe unter der Regie von Rudolf Zehetgruber auf eine Kreuzfahrt in beinahe surrealistische Gaga-Gefilde. In den ersten Minuten des Films dreht sich alles um “Karate”, wobei dieser heute sehr trivial anmutende Begriff hier wie der unaussprechliche Vorname des Leibhaftigen behandelt wird: “Karate”, das ist hier noch etwas Exotisches, Geheimnisvolles, potenziell Gefährliches. Und je häufiger das Wort ausgesprochen wird, umso exotischer, geheimnisvoller und potenziell gefährlicher wird auch der Film. Karate, Karate, Karate. In der Vorstellungswelt des Zehnjährigen, der sich diese Geschichte ausgedacht hat, gibt es eigentlich nur eine Sache, die noch verbotener und verlockender ist: Säure. Deshalb gibt es auch einmal den tollen (von mir aus dem Gedächtnis paraphrasierten) Dialogsatz: “Seit letztem Jahr sind mehrere Menschen verschwunden. Entweder getötet durch Karate oder durch Säure!” Ein Satz, den man so sicherlich nie bei den Tagesthemen hören wird und der Schrödingers Katzensatz mit einem neuen Paradoxon kontert: Wie kann jemand verschwunden und gleichzeitig durch Karate (oder Säure) getötet worden sein? Kommissar X kennt die Antwort auf diese Frage mit Sicherheit auch nicht, ist er doch immun gegen jeden erkenntnistheoretischen Höhenflug. Mit geradezu autistischer Beschränktheit stelzt er allem hinterher, was ballonförmige sekundäre Geschlechtsmerkmale aufweist, drückt jeder Frau ungefragt ein Küsschen ab, fest davon überzeugt, dass die nichts dagegen haben könne. Und zum Wunder des heutigen Mannes ist das hier auch so. Es ist durchaus reizvoll, sich ein “gritty reboot” der Kommissar-X-Reihe vorzustellen, das den Titelhelden als Stalker und Sexualverbrecher zeigt, einen von seinem unstillbaren Trieb aufs gesellschaftliche Abstellgleis geführten psychiatrischen Pflegefall, der sich zwanghaft an Frauen reiben muss und vor lauter Anzeigen wegen sexueller Nötigung einen Zweitwohnsitz längst im Gerichtsgebäude hat, wo ihn selbst der Hausmeister mitleidig beäugt. Seltsam ist in diesem Zusammenhang auch diese permanente Kippen-Not: Es ist einer der Running Gags des Films, dass Walker seinen Kumpel Rowland um Zigaretten anschnorrt. Ein weiteres Merkmal, dass ihn als unverdrossenen Frechdachs zeichnet, der immer auf die Füße fällt: Er ist natürlich das alter ego des zehnjährigen Drehbuchautors.

Der hat neben abstrusen Albernheiten aber durchaus noch einige gute Ideen in petto: Der “Todessee”, auf dem der Film gegen Ende spielt, eine Sumpflandschaft mit im Wasser stehenden, abgestorbenen Bäumen, liefert ein stimmungsvolles Setting. Die von Zehetgruber völlig lautlos eingefangene Todesszene von Dawson, der auf dem Rücksitz eines Autos vergast wird, derweil der durch eine Scheibe geschützte Fahrer seinen Tod mit sadistischem Grinsen quittiert, ist für einen sonst doch sehr munteren Film überaus bitter und unangenehm geraten. Super ist auch der Showdown zwischen Rowland und King: Vom Polizisten besiegt, schleicht der Geschlagene tief enttäuscht von dannen, um die Schmach der Niederlage durch seinen Todessturz zu mildern. Und der Film endet dann mit dem begehrlichen Blick Walkers auf gleich drei Frauenärsche: den von Babs, den der exotischen Michéle (Michéle Mahaut) und den einer rassigen Elefantendame. DREI ÄRSCHE FÜR KOMMISSAR X wäre durchaus ein passender Alternativtitel gewesen. Rudolf Zehetgruber ist mir von seinem verschnarchten DIE NYLONSCHLINGE in leidlich guter Erinnerung und von Christoph Draxtra weiß ich, dass Verschnarchtheit gewissermaßen der modus operandi des DUDU-Stars ist. Dass er sich schwertut mit einer ökonomischen Spannungsdramaturgie (wie ein Zehnjähriger!), fällt bei KOMMISSAR X – DREI GELBE KATZEN allerdings kaum ins Gewicht, da hier einfach immer was los, immer was geboten ist. Wer braucht schon Suspense, wenn er Remmidemmi haben kann. Das macht Hoffnung für Zehetgrubers zweiten Beitrag zur Reihe, die laufende Nummer 4, KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE.

Schöne Frauen mit fliederfarbenen Betonfrisuren, smarte Helden mit charmantem Gewinnerlächeln und Blei in den Fäusten, schnittige Sportwagen mit Radarortung, willenlos gemachte Frauenarmeen, eine ausgehöhlte Insel, Giftpfeil-Morde, Radioaktivität, viel Gold und ein finsterer Plan: Attraktive Zutaten zu diesem bonbonbunten Spektakel, das dank aerodynamischer Inszenierung, schöner Kamerarbeit und vielen prallen Ideen vergessen lässt, dass es gleich in doppelter Hinsicht eine Kopie ist.

“Kommissar X” hießen der Privatdetektiv und die Groschenheft-Reihe, die der Erich-Pabel-Verlag gegen den FBI-Agenten Jerry Cotton ins Rennen schickte, der wiederum im konkurrierenden Baste Lübbe Verlag seine eigene Heftserie hatte. Ab 1959 leistete Joe Walker, wie der Detektiv mit bürgerlichem Namen heißt, erbitterten Widerstand gegen Cottons Schundroman-Monopol, bevor er den Beruf 1992 aufgrund schwindenden Leserinteresses an den Nagel hängen musste. Da sich die Jerry-Cotton-Filme in den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren zu Publikumsmagneten mit entsprechendem Ertrag entwickelten, konnte sein Rivale nicht hinten anstehen. Doch während Jerry Cotton sich auf der Leinwand durch recht klassisch (und bis 1967 schwarzweiß) gehaltene Polizeifilmstoffe schlug, orientierten sich die Produzenten von KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT deutlich erkennbar an den Abenteuern des britischen Superagenten James Bond. Der Plot, eine sich nicht groß um etwaige Plotholes und Ungereimtheiten scherende Mixtur aus DR. NO (der distinguierte, stets lächelnde Superschurke mit seiner Insel samt Indoor-Hafen), GOLDFINGER (der Clou mit dem Goldraub) und YOU ONLY LIVE TWICE (die ausgehöhlte Insel) zuzüglich etwas Atomparanoia, vollzieht sich genreüblich vor sonniger Urlaubskulisse (die Küstenlandschaft des heutigen Kroatiens dient als allerdings wenig überzeugendes USA-Double) und unter Mitwirkung zahlreicher attraktiver Damen. Titelheld Joe Walker wird sogar von Gert Günther Hoffmann synchronisiert, der auch Sean Connerys Bond die Stimme lieh. Mit diesen Parallelen hat KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT freilich nicht gerade einen Exotenstatus inne – die große Zahl meist europäischer Bond-Rip-offs fasst man heute sogar unter einem eigenen Genrebegriff als Eurospy-Filme zusammen –, aber er hebt sich doch sehr positiv aus der Menge hervor.

Ursächlich hierfür ist neben der handwerklich sauberen Fertigung und dem humorvollen Ton – der Begriff “Trash” wird angesichts der Souveränität, mit der Parolinie seine Posse spinnt, wirklich nur von den gelangweiltesten Menschen ins Spiel gebracht – vor allem das Zusammenspiel von Tony Kendall und Brad Harris, als Captain Tom Rowland. Der Chef der New Yorker Mordkommission fungiert als Partner des Detektivs, steht jedoch gleichzeitig mit ihm im Wettkampf um die schnellste Lösung des Falls. Nicht, dass die beiden jetzt unbedingt eine überirdische Chemie miteinander entwickelten, aber die Dynamik zwischen ihnen bürgt für Abwechslung, wo andere, vergleichbare Titel sich auf einen meist doch eher langweiligen Helden konzentrieren, der eben kein Bond ist. Die Schurkenhatz von KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT gewinnt einen jungshaft-lausbübischen Charakter, crimefighting wird zum coolen Anlass, geile Schlitten zu fahren und chicks abzuschleppen (man beachte das museale Appartement Walkers, das ausschließlich mit eitlen Accessoires vollgestellt ist), und hinter dem Wunsch, Kriminalbeamter oder Detektiv zu werden, steckt weniger eine gesellschaftliche Mission als vielmehr der Wunsch nach Selbstermächtigung und einem gewissen lifestyle. Bei O’Brien (Nikola Popovic), dem Schurken mit dem Masterplan, ist das nicht unbedingt anders: Wer würde nicht gern eine Armee willenloser henchwomen in Fetischkleidung durch sein unterirdisches lair patroullieren lassen? Eben.

Nach den Ereignissen von SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE: Der vom Geist Dr. Mabuses “infizierte” Dr. Pohland (Walter Rilla) wird in einer Nervenklinik untersucht. Als Major Bob Anders (Peter van Eyck) vom britischen Geheimdienst ihn verhören will, wird er nach Erwähnung des Wortes “Todesstrahlen” entführt. Wenig später wird Anders beauftragt einen anderen Fall zu bearbeiten, der – wie es der Zufall will – mit eben jenen Todesstrahlen und eben Dr. Mabuse zu tun hat. Auf einer vor Malta gelegenen Insel hat der Wissenschaftler Professor Larsen (O. E. Hasse) eine Maschine erfunden, die ganze Städte binnen Sekunden dem Erdboden gleichmachen kann. Die Erfindung hat das Interesse diverser Schurken geweckt, die seitdem die Küstengegend unsicher machen. Anders soll, als Urlauber und Ehemann der etwas einfältigen Judy (Rika Dalina) getarnt, Maßnahmen zum Schutz Larsens treffen. Es stellt sich wenig überraschend heraus, dass es Dr. Mabuse ist, der die Vernichtungsmaschine in seinen Besitz bringen will …

Auch wenn Brauner seiner Mabuse-Reihe unter dem Eindruck des Erfolges, den die Filme um den britischen Geheimagenten James Bond zur selben Zeit an den Kinokassen feierten, mit DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE einen entsprechenden Neuanstrich verpasst, kann man angesichts von dessen Lahmarschigkeit nur konstatieren, dass die Luft raus ist. Grundsätzlich ist die Idee, bei Bond zu klauen, nicht verkehrt, zumal Dr. Mabuse gewissermaßen als Pate und Inspirationsquelle jener größenwahnsinnigen, genialen Superschurken gelten darf, gegen die die Doppel-Null regelmäßig antritt. Die Parallelen waren schon vorher  da, Brauner tut nun nichts anderes, als die Schraube ein Stückchen weiter zu drehen. Die Bundesrepublik wird endgültig verlassen, van Eyck gibt einen britischen Geheimagenten, der seinen Charme bei gleich drei attraktiven Frauen spielen lassen darf, die urbanen Kulissen Westeuropas weichen dem Postkartenidyll Italiens, das als Stand-in für Malta fungiert. Inhaltlich ist TODESSTRAHLEN ein freches Rip-off von DR. NO, wobei der Part des ersten Bond-Schurken hier auf zwei Personen verteilt wird: O. E. Hasse ist als Larsen für die geniale, aber todbringende Erfindung verantwortlich, sein Assistent Dr. Krishna (Valéry Inkijinoff) verleiht der Gefahr den beliebten, fremdartig-exotischen Anstrich. Im Finale, wenn sich zwei Truppen von Froschmännern ein blutiges Unterwasser-Gefecht mit Harpunen liefern, wird gar der erst ein Jahr später erschienene vierte Bond-Film THUNDERBALL vorweggenommen. Das Potenzial, aus diesen Zutaten einen spannenden Eurospy-Film zu inszenieren, ist da, doch leider hapert es an allen Ecken und Enden. Setzt sich die “Ermittlungsarbeit” des großen Vorbilds aus einer nicht abreißenden Folge von spektakulären Set Pieces und Suspense-Momenten zusammen, da hat sein Kollege Anders einen vergleichsweise ruhigen Arbeitstag. Hier und da führt er gesittete Gespräche, liefert sich den ein oder anderen Faustkampf, der jedoch selten wirkliche Gefahr bedeutet, und wenn auf ihn geschossen wird, dann zuckt er angesichts mangelnder Zielgenauigkeit des Schützen noch nicht einmal. Der größte Fehler des Drehbuchs ist sicherlich, dass Larsen eben nicht der Bösewicht ist, sondern ein freundlicher älterer Herr, dessen Motiv, eine Vernichtungswaffe zu bauen, gänzlich im Dunkeln bleibt. Von den Todesstrahlen, die der Film so vollmundig im Titel führt, geht bis zum Schluss keinerlei Bedrohung aus. Das Gleiche gilt für Dr. Mabuse, dessen Inklusion wie eine Last-Minute-Entscheidung wirkt. Jeglicher Horror, der mit dieser Figur einmal verbunden war, ist absent, und der eh schon zähe Fluss des Films wird durch seine “Anwesenheit” noch weiter ausgebremst. Sanftes Amüsement bewirken einzig einige putzige Dialoge und die angesichts des schon über 50-jährigen van Eycks überaus tollkühnen Versuche, mit dem Sex Appeal der Bond-Filme gleichzuziehen. DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE ist verglichen mit den sonst eher trockenen erotischen Bemühungen der Gruselkrimis aus jener Zeit geradezu ein Ausbund an Schlüpfrigkeit und Frivolität, bleibt aber natürlich doch immer gesittet und zahm.

Die Kursänderung führte leider nicht zu dem gewünschten Erfolg. DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE blieb unter den Erwartungen, sodass die beiden von Brauner für das Jahr 1965 geplanten Fortsetzungen namens DAS UNHEIMLICHE KABINETT DES DR. MABUSE und DIE RACHE DES DR. MABUSE ausgesetzt wurden. 1972 gab es noch einmal einen eher halbherzigen neuen Versuch Brauners, den Superverbrecher wieder auf die Leinwand zu bringen: Doch der von Jess Franco inszenierte DR. M SCHLÄGT ZU begnügte sich schließlich mit wenigen Dialog-Anspielungen auf den einstigen Kassenmagneten. Da der Film in diesem Sommer über Pidax seine DVD-Veröffentlichung in Deutschland erfährt, werde ich hier darüber aufklären, was es sonst mit diesem Film auf sich hat. Nun wende ich mich erst einmal anderen Dingen zu.