Mit ‘Agentenfilm’ getaggte Beiträge

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Öfter mal was Neues: CLEAR AND PRESENT DANGER habe ich in zwei Etappen gesehen. Bereits nach der ersten habe ich begonnen, diesen Text zu schreiben. Doch viele der Eindrücke, die ich nach etwa einer Stunde des Films gewonnen hatte, werden in der zweiten Hälfte komplett auf den Kopf gestellt, und meine getroffenen Aussagen lassen sich nur noch zum Teil aufrechterhalten. Weil ich nicht den ganzen Text umschreiben möchte und es vielleicht ganz interessant ist, die “Entwicklung”, die ich während der zweigeteilten Sichtung durchlaufen habe, nachzuvollziehen, lasse ich die vorab verfassten Passagen so stehen. Den Teil des Textes, den ich abschließend geschrieben habe, setze ich zum besseren Verständnis kursiv. 

Auf hoher See wird ein Amerikaner – ein alter Freund von US-Präsident Bennett (Donald Moffat) zudem – samt seiner Familie von Mitgliedern des kolumbianischen Drogenkartells ermordet. Was zunächst wie ein grausamer Akt verbrecherischer Willkür aussieht, entpuppt sich nach ersten Ermittlungen des zum Director beförderten CIA-Beamten Jack Ryan (Harrison Ford) als gezielte Aktion: Der Freund des Präsidenten fungierte für die Drogenhändler offenbar als Geldwäscher und hatte insgesamt über 650 Millionen Dollar beiseite geschafft. Nicht nur gilt es nun, einen Schlag gegen das Kartell zu landen und das Geld zurückzuholen, sondern auch einen Skandal zu vermeiden. Zu diesem Zweck wird Ryan selbst nach Kolumbien geschickt. Dort stellt er fest, das er Gegner in den eigenen Reihen hat …

War der Vorgänger PATRIOT GAMES aufgrund seines Racheplots noch ausgesprochen geradlinig, im Grunde genommen ein Actionthriller im Agentenmilieu, zeigt CLEAR AND PRESENT DANGER nun alle Charakteristika des Agenten- und Politthrillers. Die Vorgänge reichen bis zum obersten Regierungschef – der Präsident der USA ist hier eine zentrale, aktiv in die Handlung eingreifende Figur  – und mindestens genauso wichtig wie die Bemühungen, das Drogenkartell von Ernesto Escobedo (Miguel Sandoval) zu zerschlagen, sind die internen Ränkespiele im Hauptquartier der CIA und die Diskussionen im Oval Office. Die rasche, unerwartete Beförderung des “Pfadfinders” Ryan – sein Mentor Greer (James Earl Jones) scheidet wegen einer Krebsdiagnose aus dem Amt – ruft Neid bei ambitionierten Rivalen hervor, die ihre Verbindungen insgeheim zum Vorantreiben ihrer eigenen Karriere nutzen. Das ist nicht unbedingt innovativ, hält aber das Interesse des Zuschauers wach, weil man nie genau weiß, in welche Richtung sich die vielen kleinen Subplots entwickeln werden. Was CLEAR AND PRESENT DANGER von vergleichbaren Filmen abhebt, ist wie schon in THE HUNT FOR RED OCTOBER und PATRIOT GAMES die Tatsache, dass Ryan zwar ein absoluter Fachmann, keineswegs aber ein abgezockter Vollprofi ist, den nichts mehr schocken kann. Seine Beförderung und die damit einhergehende Verantwortung machen ihm Angst, die Treffen mit dem US-Präsidenten lösen Nervosität und Unbehagen aus. Einmal freut er sich wie ein Schuljunge, als er erfährt, dass der Präsident einen Ratschlag von ihm befolgt hat, ein anderes Mal ist er sichtlich erleichtert, als ihm eine Aufgabe von einem Kollegen abgenommen wird. Auch die Zeichnung des Präsidenten ist durchaus interessant und ungewöhnlich: Ist er in anderen Filmen meist der gütige, weise, vertrauensvolle elder statesman, der sich ganz dem Fachwissen seiner Untergebenen unterwirft, idealtypische Verkörperung der Idee vom “obersten Diener des Volkes”, so interpretiert Moffat die Rolle hier durchaus anders. Sein Präsident ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, verletzt durch den grausamen Verlust des Freundes, wütend über seine Hilflosigkeit, unnachgiebig in seinen Forderungen und durchaus nicht interessiert an Kompromissen. Mit ihm in einem Raum zu sein, ihm schlechte Nachrichten überbringen zu müssen oder zu diskutieren, ist kein Vergnügen, und Ford lässt in seiner Darstellung keinen Zweifel daran, dass es eine durchaus beängstigende, einschüchternde Sache ist, auf dieser Ebene in Staatsangelegenheiten verwickelt zu sein. Noyce vermeidet es mit dieser Strategie, dass CLEAR AND PRESENT DANGER zum technokratischen, lebensfremden, militaristisch-patriotischen Vehikel wird, vielmehr nähert er sich der Publikumspersepektive an. Er hat nicht, wie viele andere Filmemacher, die dieses Genre beackern, vergessen, dass all diese Jobs von Menschen ausgeübt werden, anstatt von abgezockten Automaten, denen Eis durch die Venen fließt. CLEAR AND PRESENT DANGER taugt damit ganz gewiss nicht dazu, bequeme Ressentiments über “die da oben” zu  bedienen oder gar zu schüren, aber er verfällt dabei keineswegs ins Gegenteil ehrfuchtsvoller Glorifizierung. Die Fuck-ups gehen eben meist auf menschliches Versagen oder Fehlverhalten zurück, nicht auf irgendwelche im Hintergrund ihre Fäden ziehende Masterminds oder finstere Pläne und Verschwörungen.

Nachdem ich CLEAR AND PRESENT DANGER nun zu Ende geschaut habe, muss ich einige oben getroffene Aussagen relativieren oder zurücknehmen. Es stimmt, dass Noyce keine zynische, pro-militaristische Haltung einnimmt, mit Jack Ryan gewissermaßen einen Repräsentanten des “naiven” Zuschauers zur Hauptfigur macht. Ryan versieht seinen Job immer noch mit einem gewissen Idealismus, steht zu seinem Wort, ist ehrlich und begreift sich als Diener des Volkes, dem er voll und ganz verpflichtet ist. Der Bürokrat reist gar höchstselbst in den kolumbianischen Urwald, um gemeinsam mit John Clark (Willem Dafoe) zurückgelassene amerikanische Soldaten zurückzuholen. Und er riskiert sein Leben, als er den Drogenbaron Escobedo persönlich in dessen Haus konfrontiert. Das Risiko nimmt er auf sich, weil es ihm um die Sache geht und er sich seiner Verantwortung bewusst ist. Noyce lässt aber keinen Zweifel daran, dass Ryan mit dieser Haltung eine krasse Ausnahme ist. Ryan ist eine utopische Figur, eben ein Geheimdienstmann, der seinem Job mit einer Pfadfindermentalität nachgeht. Der, wie es sein karrieregeiler Rivale Ritter (Henry Czerny) ausdrückt, in einfachen Kategorien von Gut und Böse denkt, während die Welt doch überwiegend aus Grauschattierungen besteht, in denen man es sich sehr bequem machen könnte. Und natürlich hat er mit dieser Einschätzung Recht, denn Ryan kämpft auf völlig verlorenem Posten. Er ist ein einsamer edler Ritter in einer Welt voller Schurken und Egoisten. Noch nicht einmal der Präsident ist davon ausgenommen: CLEAR AND PRESENT DANGER endet überaus markig: Erst konfrontiert der über die Vorgänge auf höchster Regierungsebene empörte Ryan das US-amerikanische Staatsoberhaupt mit deutlichen Worten, droht dessen verfassungswidriges Handeln publik zu machen. Er nutzt sein Wissen eben nicht als Trumpf, den er im strategisch günstigen Moment zur Beförderung eigener Interessen erpresserisch ausspielen könnte, ihm geht es nicht um Karriere, sondern nur um die Gerechtigkeit. Noyces Film schließt mit Ryans Auftritt als Zeuge vor einem Untersuchungsausschuss. Er ist damit, anders als von mir weiter oben behauptet, absolut ein Film, der von den großen Verschwörungen ausgeht, von der grundsätzlichen Korrumpierbarkeit “derer da oben”, davon, dass das Volk nach Strich und Faden verarscht wird. Aber er hat den Glauben daran, dass es den edlen Ritter geben könnte, noch nicht ganz aufgegeben.  

 

 

 

Patriot_Games-852489170-largeEx-CIA-Analyst Jack Ryan (Harrison Ford) vereitelt in London ein Attentat einiger nordirischer Terroristen. Dabei bringt er auch den jüngeren Bruder eines der Attentäter, Sean Miller (Sean Bean), um. Der sinnt im Folgenden auf Rache. Nachdem ihm mithilfe seines Kollegen Kevin O’Donnell (Patrick Bergin) die Flucht aus einem Gefängnistransport gelingt, setzt er alles daran, Ryan ausfindig zu machen und umzubringen. Als Ryans Gattin Cathy (Anne Archer) und Tochter Sally (Thora Birch) bei einem Anschlag nur knapp dem Tod entgehen, nimmt Ryan den Dienst wieder auf und versucht die Verbrecher aufzuspüren. Doch die bereiten sich mittlerweile in einem nordafrikanischen Trainingslager auf neue Aufgaben vor …

Damals, anno 1992 fand ich PATRIOT GAMES, den viel umworbenen zweiten Jack-Ryan-Film nach THE HUNT FOR RED OCTOBER mit dem noch auf der Höhe seines Ruhms stehenden Harrison Ford in der Hauptrolle, ziemlich mittelprächtig. Hängen geblieben ist nichts von dem Film, nur, dass im Showdown irgendwas mit Nachtsichtgeräten passierte, habe ich noch behalten. Heute hingegen, wo jeder Actionfilm mit Computerffekten zugekleistert wird und auf Comic/Videospiel/Spielzeugreihe basiert, lernt man das Understatement und den knackigen Professionalismus eines Films wie PATRIOT GAMES wieder zu schätzen - sofern man mit dem Clancy’schen Militarismus klar kommt, jedenfalls. Die Story wird sehr geradlinig erzählt, ohne dass sie dabei dem gewollten Reduktionismus anheimfiele, der realpolitische Hintergrund wirkt nicht wie für Nerds mit ADS aufbereitet, Hightech kommt zwar zum Einsatz, steht aber nicht im Mittelpunkt des Interesses. Die Schurken sind böse, ohne zu Karikaturen zu verkommen, der Held ist gerade deshalb heldenhaft, weil er berechtigte Ängste aus- und trotzdem seinen Mann steht. Tatsächlich ist es letzterer Aspekt, der PATRIOT GAMES wie schon seinen Vorgänger auszeichnet und ihm einen kleinen, leider vergessenen Sonderstatus verleiht. Jack Ryan, so sehr er als Ex-Marine, vielfach dekorierter Geheimdienstmann und Fachdozent in renommierten Militärakademien und Politkreisen auch vom Status des Normalbürgers entfernt ist, so fremd ist ihm dennoch die Rolle des Kämpfers. Es ist eine Kurzschlussreaktion, mehr als alles andere, die ihn zu Beginn eingreifen lässt (die Erklärung, es sei sein Zorn gewesen, stellt ihn interessanterweise auf eine Stufe mit dem durchschnittlichen Vigilanten), und er wird sie bald schon bereuen. Es ist durchaus keine alltägliche Situation für ihn, auf der Todesliste eines gesuchten Terroristen zu stehen, und auf offener Straße gedungenen Mördern ausweichen zu müssen. In einer Szene arbeitet Noyce das sehr schön heraus: Ryan geht auf die Toilette seines Büros und plötzlich wird ihm bewusst, in welcher Gefahr er schwebt. Er erinnert sich daran, wie er nur ganz knapp einem Killer entgangen ist, versteht, dass in jeder Sekunde ein weiterer zuschlagen könnte. Sein Blick fällt am Waschbecken in den Spiegel und er sieht, dass eine Tür nur leicht angelehnt ist. Eine Frau tritt aus einer der Kabinen – er hat sich gedankenverloren in die Damentoilette verirrt – und er taxiert sie lange: Sie könnte eine Killerin sein, hat dieselben roten Haare wie Millers Partnerin. Im Unterschied zu seinen Genrekollegen ist Ryan vor allem ein Kopfmensch. Er hat sich nicht im Kampf Mann gegen Mann ausgezeichnet, sondern mit seinen analytischen Fähigkeiten. Es ist nicht sein Metier, sich mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Aber er begreift, das genau das nun von ihm verlangt wird, weil der Gegner es auf ihn und seine Familie abgesehen hat.

Diese Charakterzeichnung begünstigt auch einen Realismus, der dem Film und Noyces Inszenierung sehr zu Gute kommt. Es gibt bis zum Kintopp-Showdown, der natürlich aus der Rolle fallen muss, keine überkandidelten Actionszenen. Attacken enden aufgrund unbeeinflussbarer Rahmenbedingungen entweder im Chaos oder aber werden extrem präzise durchgeführt. Den Angriff einer Spezialeinheit auf das von Ryan ausgewählte Camp beobachtet er mit seinen Kollegen als Satellitenaufnahme. Konturlose Pixelmännchen bringen andere Männchen um, und man sieht das Unbehagen auf Ryans Gesicht, die Einzug haltende Erkenntnis: Ich schaue hier gerade einem auf meinen Befehl veranlassten Massaker zu. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Miller und Konsorten den Tod verdient haben, aber ein Grund zum geegnseitigen Auf-die-Schulter-Klopfen ist das trotzdem nicht.  

 

The_Hunt_for_Red_October_movie_posterDer amerikanische Nachrichtendienst erhält die Kunde von einem sowjetischen U-Boot, das sich auf dem Weg Richtung Westen befindet. Es ist mit einem neuartigen Antrieb ausgestattet, der eine vollkommen lautlose Fortbewegung und somit das unbemerkte Durchschlüpfen des US-Sicherheitsnetzes ermöglicht. Außerdem ist es mit hunderten atomarer Sprengköpfe ausgerüstet. Das Kommando über die “Roter Oktober” hat der Veteran Marko Ramius (Sean Connery), dessen Gattin vor einem Jahr ums Leben kam. Laut Aussagen der Sowjets ist er in selbstmörderischer Absicht unterwegs, um einen Schlag gegen die USA zu verüben. Doch CIA-Analyst Jack Ryan (Alec Baldwin), der Ramius kennt, hält eine andere Möglichkeit für wahrscheinlicher: Er glaubt, Ramius wolle überlaufen und das U-Boot als “Gastgeschenk” mitbringen, worüber die Russen selbstverständlich nur wenig amüsiert sind. Ryan muss nicht nur seine Vorgesetzten von dieser Option überzeugen, sondern auch Kontakt zu Ramius aufnehmen, dem die russische U-Boot-Flotte dicht auf den Fersen ist. Und dabei hoffen, dass er mit seiner Vermutung richtig liegt …

U-Boot-Filme sind eher nicht so meins, wobei das klaustrophobische Setting durchaus etwas für sich hat. THE HUNT FOR RED OCTOBER setzt jedoch weniger auf den psychischen Druck, dem eine U-Boot-Besatzung konstant ausgesetzt ist, sondern eher auf die großen politischen Zusammenhänge. Der auf einer Vorlage von Tom Clancy - und vorgeblich auf realen Ereignissen – beruhende Film, der erste in einer ganzen Reihe von Jack-Ryan-Filmen, ist einer der letzten, die noch einmal die Kalter-Krieg-Paranoia bedienen, den 3. Weltkrieg und das Zünden alles vernichtender Atombomben als ständig drohendes Szenario nutzen. Mehr, als die Angst vor dem Russen zu schüren, geht es aber darum, zu zeigen, wie zu jener Zeit Entscheidungen von massiver Tragweite anhand von höchst unvollständigem Kontextwissen getroffen wurden. Das Spiel, das die beiden Blöcke miteinander spielen, erinnert an eine Schachpartie, in der beide Seiten ständig vorausdenken müssen, nicht nur die Züge des Gegenübers antizipieren, sondern auch berücksichtigen, welche Reaktion der andere mit seinen Zügen möglicherweise auslösen möchte.  Angesichts dessen, worum es geht, ein enorm riskantes Spiel, bei dem es keine zweite Chance gibt. Ein Glück, dass mit Jack Ryan jemand da ist, der immer die richtige Eingebung hat. Auch wenn John McTiernan immer wieder die riskanten Tauch- und Ausweichmanöver Ramius’ einfängt, also auf “Action” setzt, bezieht der Film seine Spannung doch in erster Linie aus dem Mangel an Informationen der beteiligten Parteien über die Beweggründe des anderen. Ramius muss darauf hoffen, dass die Amerikaner seinem Vorstoß nicht vorschnell mit Waffengewalt begegnen, die Amerikaner darauf, dass der Russe wirklich nur friedliche Absichten hegt. Die Sowjets indessen haben ihrerseits ein Interesse daran, genau diese Hoffnung zu zerschlagen, wollen sie das U-Boot doch auf keinen Fall an den Gegner verlieren. So belauern sich die drei Konfliktparteien, und dass sie niemals in direkten Kontakt miteinander treten, verstärkt noch das Gefühl der totalen Isolation. Verstrickt man sich nicht doch nur in haltlosen Mutmaßungen und riskiert die Sicherheit des eigenen Landes?

Es ist klar, dass sich diese Spannung nicht ad infinitum aufrecht erhalten lässt, THE HUNT FOR RED OCTOBER irgendwann “handfest” werden muss. Die Probleme, mit denen das verbunden ist, liegen auf der Hand: Ein U-Boot ist kein Rennauto oder Düsenjet, und Geschwindigkeit - unabdingbare Ingredienz für Action – ist somit von vornherein ausgeklammert. Auch optisch bietet eine durchs Dunkel gleitende Stahlzigarre nicht gerade einen Augenschmaus und deshalb schrammt McTiernans Film mit seinen sich zum Finale häufenden Wendungen um abgefeuerte und ihr Ziel in letzter Sekunde verfehlende Torpedos haarscharf am Kintopp vorbei. Die große Hektik, die THE HUNT FOR RED OCTOBER plötzlich überfällt, kulminiert darin, dass sich ausgerechnet der Schiffkoch als obligatorischer Verräter entpuppt (leider wird er nicht von Steven Seagal gespielt). Knapp vorbei ist in diesem Fall aber Gott sei dank immer noch daneben, und so muss man am Ende doch den Hut ziehen vor McTiernans Kunst. Dass dieser potenziell furztrockene, langweilige Stoff zum echten Nägelkauer avanciert, ist längst nicht nur der erlesenen Besetzung zu verdanken (Tim Curry, Joss Ackland, Richard Jordan, Courtney B. Vance, Stellan Skarsgaard und Jeffrey Jones verleihen auch Nebenfiguren noch enormes Profil), sondern eben vor allem ihm. THE HUNT FOR RED OCTOBER reicht zwar erwartungsgemäß nicht an DIE HARD heran, belegt aber trotzdem eindrucksvoll, dass es Ende der Achtziger keinen besseren für handfestes, geradliniges Männerkino gab. Noch nicht einmal Sean Connery kann am Erfolg des Film etwas ändern, auch wenn er sich als der Welt erster Russe mit schottischem Akzent alle Mühe gibt.

Zunächst: Ich habe Luc Bessons NIKITA, der die Vorlage zu John Badhams Remake lieferte, zuletzt vor einer halben Ewigkeit gesehen und nur noch höchst marginale Erinnerungen an den Film. Soweit ich das rekapitulieren kann, hält sich die Adaption zumindest was den Handlungsverlauf angeht sehr eng an das Original, ersetzt in erster Linie europäische durch US-amerikanische Schauplätze. Ich vermute mal, dass Anne Parillauds Auftragsmörderin wider Willen von Besson etwas weniger als eigentlich liebenswertes Love interest gezeichnet wurde, als das bei Bridget Fondas Nina der Fall ist, NIKITA insgesamt etwas düsterer und böser – eben europäischer – rüberkommt, aber beschwören will ich das nicht. Und weil es mir hier definitiv nicht darum geht, zu erörtern, ob POINT OF NO RETURN ein gutes oder schlechtes Remake ist, spare ich mir solche Vergleiche im Folgenden und behandle Badhams Film ganz so, als hätte es NIKITA nie gegeben. Und siehe da: Der Film ist ausgezeichnet. Vor allem, wenn man ihn vor dem Hintergrund von Badhams laufender Auseinandersetzung mit Technik und nicht nur staatlicher Überwachung betrachtet.

Vordergründig geht es natürlich darum, wie der Staat über im Verborgenen agierende Geheimdienste mit unerbittlicher Willkür in das Leben von Privatmenschen eingreift, dabei Gesetze und Rechtsprechung großzügig umgeht. Dass Maggie (Bridget Fonda) wegen Polizistenmordes eine rechtskräftig zum Tode verurteilte Schwerverbrecherin ist, interessiert die verantwortlichen Beamten nur wenig: Man setzt sich über das Urteil und die Giftspritze hinweg, sperrt die Frau ein und lässt ihr die Wahl, künftig für den Staat zu arbeiten oder aber zu sterben. Auffällig ist dabei, dass es keiner revolutionären technischen Erfindung wie eines Blue-Thunder-Helikopters, eines Militärroboters oder auch nur zweier eigens dafür abgestellter Polizisten mehr bedarf, um über das Leben der drogenabhängigen Herumtreiberin vollständig informiert zu sein. Gabriel Byrne taucht als Agent “Bob” wie ein Engel einfach immer am richtigen Ort auf, hat – wie auch immer – Einblick in alle Details des verkorksten Lebens Maggies. Und genau an diesem Punkt eröffnet sich eine übergeordnete, allgemeinere Thematisierung von “Überwachung”, eine, die eine kaum zu übersehende sexuelle Dimension hat. Wenn man Filmemachen als eine männliche Kulturtechnik beschreiben mag, den Blick, den die Kamera dem Zuschauer im Hollywood-Kino meist auferlegt, als männlich, dann reproduziert Badham diese Ermächtigung in POINT OF NO RETURN auch auf inhaltlicher Ebene. Sein Objekt, die Drogenabhängige/Möderin/Auftragskillerin Maggie, wird von Bob und dem hinter ihm stehenden Apparat genauso taxiert wie von Badhams Kamera. Sie wird eingesperrt, mit kleinen Zugeständnissen bei Laune gehalten, vor allem aber nach dem Wunsch der Behörde dressiert und programmiert. Sie ist die Hauptdarstellerin, aber echte Handlungsmacht hat sie nie. Der zur “Belohnung” für die gemachten Fortschritte spendierte Besuch in einem Nobelrestaurant ist nur eine Finte, der zu ihrem ersten Mordeinsatz führt, und ihre Eignung beweist sie damit, dass sie dem ihr zugedachten Tod entgeht. Der Zuschauer wird zum Voyeur und Bridget Fonda immer wieder in erotischen Posen eingefangen, die ihre Machtlosigkeit demonstrieren (in besagter Restaurant-Sequenz muss sie ihren Häschern in kleinen Schwarzen und Nylonstrümpfen entkommen).

Eine Femme Fatale ist sie nur zum Schein: Mit nahezu bemitleidenswerter Ahnungslosigkeit deponiert sie eine Bombe im Hotelzimmer einer Zielperson, freut sich erst darüber, dass sie niemanden erschießen musste und erlebt dann einen inneren Zusammenbruch, als sie feststellt, dass sie eine Explosion initiiert hat. Auch die Handhabung des romantischen Subplots ist doppeldeutig: An der Oberfläche geht es darum, dass Maggie kein “normales” Leben führen kann, ihr Job immer zwischen ihr und ihrem Freund J.P. (Dermot Mulroney) stehen wird, sie ihre wahre Identität niemals ganz preisgeben können wird. Auf der anderen Seite schleicht die Kamera aber nur zu gerne in das Haus des Pärchens und beobachtet sie bei ihren ersten Annäherungsversuchen, Liebesspielen und Sex. Die Integration dieses Subplots mag Maggies Ich-Werdung beschleunigen, aber vor allem ist sie ein dankbarer Anlass, in ihrem Privatleben herumzuschnüffeln. Der Film scheint sich des inhärenten Zynismus durchaus bewusst zu sein – und entgeht allzu expliziten Darstellungen ganz einfach dadurch, das die Killerin stets im richtigen bzw. falschen Moment einen Anruf erhält, der sie an wichtigere Aufgaben erinnert. Es gibt eine ziemlich gruselige Szene, in der Bob seinem Schützling einen Besuch abstattet. J. P. gegenüber gibt er sich als Onkel aus und er hilft Maggie dabei, dem Freund zumindest einen kleinen Einblick in ihre vermeintliche Vergangenheit zu geben. Er erzählt, wie er der Nichte einst beim Reiten zugesehen habe, wie sie sich gegen jede Wahrscheinlichkeit auf dem Rücken eines wilden Pferdes behauptete, wie schön sie gewesen sei. Es wird – für den Zuschauer, für Maggie, wundersamerweise aber nicht für J. P. – sehr klar, dass der Beamte bis über beide Ohren in die Killerin verliebt ist, und diese Liebe trägt mehr als nur etwas abseitige, inzestuöse Züge. Es ist die totale Vereinnahmung, die Maggie erfährt: Sie hat nicht nur ihre Identität vollkommen aufgeben und ihren Körper an den Staat überschreiben müssen, als ewig junge Kindfrau beflügelt sie nun auch noch die erotischen Fantasien ihres Schöpfers. Auch die andere Frauenfigur des Films ist interessant: Als Erzieherin der Kandidaten lebt Amanda (Anne Bancroft) in einem mondän eingerichteten Appartement innerhalb des Komplexes, in dem Maggie ausgebildet wird. Die ihr zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten wirken wie eine Parallelwelt innerhalb der auf Funktionalität ausgerichteten Anlage. Aber auch sie repräsentiert vor allem eine Männerfantasie, vielleicht keine erotische, aber doch eine Art platonisches Idealbild einer intelligenten Frau, die weiß, wie man sich zu benehmen und zu bewegen hat. Doch diese Selbstständigkeit ist ja auch nur Illusion, weil Amanda letztlich wie ein kostbarer tropischer Vogel in einem Käfig sitzt; oder wie eine Puppe in einem Puppenhaus wohnt. (Ist sie vielleicht selbst einmal ein “Kandidat” gewesen wie Maggie?)

Von solchen exegetischen Herausforderungen, die POINT OF NO RETURN stellt, einmal ganz abgesehen, ist John Badham ein effektiver Thriller gelungen, der zwar deutlich Kind seiner Zeit ist – Bridget Fonda gibt kurz nach dem Seattle-Film SINGLES die Grunge-Rebellin mit Doc Martens und schwarz gefärbten Haaren, die L7 hört und den Fernseher mit Farbe besprüht –, aber doch über die Untiefen verfügt, die andere, auf Hochglanz oberflächenpolierte Filme jener Zeit weitestgehend vermissen lassen. Die Actionszenen sind exzellent und der Film zudem erstaunlich ruppig. Inspiriert ist auch die Besetzung: Michael Rapaport hat einen kurzen Auftritt als einer von Maggies Junkiefreunden, Miguel Ferrer darf eine Art Reprise auf seinen FBI-Agenten Rosenfeld aus TWIN PEAKS geben, Harvey Keitels “Cleaner” inspirierte wiederum Quentin Tarantino dazu, ihm einen entsprechenden Part in PULP FICTION auf den Leib zu schneidern. Eine schöne Überraschung für mich, vielleicht eine Sichtungsanregung für euch.

mann_mit_den_tausend_masken_der_querPaul Finney (Paul Hubschmid), Codename “Supersieben” (in der internationalen Fassung und im wunderbaren Titelsong “Upperseven”), ist der Topagent des britischen Geheimdienstes. Besonders berüchtigt sind seine Verwandlungskünste: Er stellt nicht nur seine eigenen, den Originalen aus Fleisch und Blut täuschend echt nachempfundenen Masken her, sondern ist auch ein Meister der Stimmenimitation. Diese Wandlungsfähigkeit hat zur Folge, dass nicht einmal sein ärgster Feind, der Superschurke Kobras (Nando Gazzolo), weiß wie Supersieben wirklich aussieht. Das kommt dem Agenten bei den Ermittlungen in seinem neuesten Fall besonders zugute: Es geht um Goldschmuggel, die Befreiung eines berühmten Juwelendiebes aus dem Arbeitslager und das Abzweigen von Millionen, die eigentlich als Gegenleistung für eine Diamantenlieferung als Entwicklungshilfe nach Südafrika gehen sollten. Supersieben zur Seite steht die amerikanische Agentin Helen Farheit (Karin Dor) …

Ich gestehe, dass ich der Handlung, die die Protagonisten im Eiltempo von Kopenhagen über London nach Rom, Basel und schließlich nach Johannesburg und Kapstadt führt, nicht wirklich folgen konnte. Als megalomanischer Superverbrecher wäre ich ein totaler Reinfall, denn was genau Kobras mit seinem übermäßig komplizierten Plan eigentlich bezwecken wollte, ist mir im Tohuwabohu durch die Lappen gegangen. Aber irgendwie ist das bei diesem Film auch reichlich egal. Wer es bis hierhin noch nicht mitbekommen hat: DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN ist ein typischer Vertreter der Eurospy-Welle, die in den Sechzigerjahren durch die europäischen Kinos schwappte, ausgelöst durch das Seebeben der immens erfolgreichen Bond-Serie. Die Besetzung von Paul Hubschmid als Connery-Surrogat ist gewissermaßen ein no brainer: Der Schweizer genoss seinerzeit großen Ruhm im europäischen Filmgeschäft, galt als Frauenschwarm und präsentierte sich nach außen als distinguierter Gentleman, dessen Image auch die vielen Weibergeschichten nichts anhaben konnten, im Gegenteil (so wie Will Tremper es in seinen Filmmemoiren “Große Klappe” erzählt, trieb Hubschmid mit seiner Vielweiberei nicht nur seine ihm treu ergebene Ehefrau in den Selbstmord, sondern anschließend auch die Schauspielerein Renate Ewert, die Frau, mit der er seine Gattin betrogen hatte). Er war zumindest auf dem Papier so etwas wie die Idealbesetzung für den cleveren, weltgewandten “Supersieben”, dem die Kollegin Farheit schon nach dem ersten Blickkontakt nicht mehr widerstehen kann. Was Hubschmid in der Praxis dann jedoch fehlt, ist jenes Maß an Selbstironie, das Connery trotz ausgestelltem Chauvinismus zum Sympathieträger machte, von seiner körperlichen Präsenz mal ganz abgesehen. Ähnliches lässt sich auch über De Martinos Regie sagen: Die wenigen Filme, die ich von ihm kenne (L’ANTICRISTO und HOLOCAUST 2000), unterscheiden sich von den Werken seiner italienischen Kollegen durch eine gewisse Ruhe und Sachlichkeit, die er dem Griff in den Schweinetrog vorzieht. Was im Falle seines THE EXORCIST-Rip-offs zu einem Werk unerwarteter Klasse führt, macht seinen DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN aber zu einer zwar professionell gefertigten, aber dabei irgendwie freudlosen Angelegenheit, für die lediglich ein paar stullige Drehbucheinfälle und eine auffallende Ruppigkeit sprechen.

Gleich zu Beginn bringt Supersieben einen kleinen Kasten an einem Wagen an, der sich jedoch mitnichten als Peilsender erweist: Stattdessen tropft daraus eine fluoreszierende Flüssigkeit, die eine Spur hinterlässt, der der Agent dann auch in der tiefsten Nacht zu folgen in der Lage ist. Seine Verwandlungsfähigkeit demonstriert er wenig später einem Multimillionär (Paul Hubschmid), den er vor dessen eigenen Angestellten imitiert und sie sogar dazu bewegen kann, ihm die geheimen Geschäftsbücher zu zeigen. Er präsentiert dem staunenden Mann diese Stippvisite als Super-8-Film, der die Frage nach dem Kameramann aufwirft, der das alles unbemerkt mitfilmen konnte. Als hinterhältiges Supersieben-Girl findet Rosalba Neri ein mitleidloses Ende. Zwar becirct sie den Agenten mit einem hübschen Liedchen, doch lässt der sich von ihr nicht täuschen. Er prügelt sie ohne jede Vorwarnung mit dem Handrücken durchs Schlafgemach und stößt sie dann kurzerhand und voller Abischt in die Schusslinie des eigentlich für ihn bereitstehenden Killers. He’s got 99 problems but a bitch ain’t one. Die eigentliche USP dieses Agenten, seine schon im Titel gepriesene Verwandlungsfähigkeit, ist auch eher ein müder Vorwand. Erst ganz am Ende kommen zwei Gummimasken (= Doubles) im besten MISSION: IMPOSSIBLE-Stil zu Einsatz, vorher begnügt sich Supersieben mit Klebeschnurrbärten aus dem Karnevalsbedarf, die seine markanten Gesichtszüge nur vor vollkommen Merkbefreiten verbergen können.

Bleibt unter’m Strich also ein Eurospy-Film, der handwerklich vielleicht ein Stück besser ist als der Durchschnitt, gerade dadurch aber einen Gutteil des Charmes, der dem Genre eigentlich innewohnt, einbüßt. Für einen “richtigen” Agentenfilm ist DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN einfach nicht spannend genug, für bonbonbunte Psychotronik zu seriös. Eher langweilig also.

 

Der Schwerverbrecher Arthur Hillary (Franco Fantasia) wird von seinen Kumpanen, darunter der gefährliche Anthony (Siegfried Rauch), bei einem Gefangenentransport befreit. Hillary hatte vor seiner Inhaftierung einen spektakulären Diamantenraub gelandet, die Beute hatte er in der titelgebenden Statue bei seinem Zwillingsbruder Robert in Kanada versteckt. Jenen gilt es nun ausfindig zu machen, um ihm die Steinchen wieder abzunehmen. Derweil Captain Rowland (Brad Harris) auf den flüchtigen Schurken angesetzt wird, ist Privatdetektiv Jo Walker im Auftrag der Versicherung unterwegs, die Diamanten zurückzuholen. Beide müssen sich wieder miteinander arrangieren, um zum Ziel zu kommen …

Der fünfte Film der insgesamt siebenteiligen Reihe setzt die mit dem Vorgänger KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE eingeschlagene Linie fort. Das bedeutet, dass es auch hier um einen “normalen” Kriminalfall geht, die an die Erfolge der Bond-Reihe angelehnten Ausflüge ins Science-Fiction-Genre der Vergangenheit angehören. Die Story ist nicht übermäßig spektakulär, aber durchaus kurzweilig, das Zusammenspiel von Harris und Kendall steht wieder mehr im Vordergrund, der Ton des Films ist wesentlich komödiantischer als zuvor. Harris hat als Rowlanddie Rolle des etwas einfältigen Deppen inne, der der Cleverness seines freischaffenden Partners nur wenig entgegenzusetzen hat, aber dessen Scharfsinn mit der nötigen körperlichen Durchschlagskraft ergänzt. Die spritzige Dynamik der beiden kann man etwas mit jener vergleichen, die Terence Hill und Bud Spencer einige Jahre später zu Ruhm und einem Platz in der (europäischen) Filmgeschichte verhelfen sollte. Den Hintergrund des munteren Treibens bildet vor allem die Kulisse der damaligen Weltausstellung in Montreal, und Ausflüge nach L.A. und Calgary werden auf die bekannt rührend-unbekümmerte Art mit Material aus Italien ergänzt. Das garantiert gleich zu Beginn einige Lacher, wenn Parolini dem Zuschauer ein südeuropäisches Bergambiente mit unbefestigten Schotterpisten als die Serpentinen der Hollywood Hills verkaufen will, oder er jenen berühmten Wasserfall, der in fast jedem italienischen Film der Sechziger- und Siebzigerjahre zu sehen ist, nach Kanada verlegt. Schön ist auch die als Hightech-Sensation eingebaute Archivmaterial-Szene mit einem Jetpack, das für “Menschen im Düsenzeitalter” als die kommende Fortbewegungsart gepriesen wird, sonst aber keinerlei narrative Funktion erfüllt. Das sind die Momente, für die man den trivialen Stoff jener Tage liebt. Für Kurzweil ist also, nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit von Eurobabes wie Erika Blanc oder Hannelore Auer, wieder einmal gesorgt, auch wenn die vorangegangenen Höhepunkte der Reihe unerreicht bleiben. Ein Meisterwerk erwartet von einem KOMMISSAR X-Film eh niemand, insofern darf die Mission “Entertainment” nach 90 schön bunten, beschwingten und angenehm depperten Minuten dennoch als “erfolgreich” abgehakt werden. Mehr fällt mir zu diesem Film aber auch nicht mehr ein.

Ein Film, der mit einer ausgedehnten Prügelei anfängt, kann nicht schlecht sein. KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE knüpft nach dem doch etwas langweiligen Vorgänger wieder an das Niveau der ersten beiden Filme um den Privatdetektiv an. Der Job führt Jo Walker (Tony Kendall) diesmal nach Istanbul, dessen beeindruckende Skyline gleichermaßen Exotik wie geschäftige Urbanität mitbringt, etwas, das den vorangegangenen Titeln, die in Sri Lanka respektive Singapur spielten, fehlte. Auch die Storyline – es geht um die Drohung einiger Ganoven, der titelgebenden “drei grünen Hunde”, die Trinkwasserversorgung der Metropole mit LSD zu verseuchen und die Stadt so zur Zahlung eines stattlichen Sümmchens zu erpressen. Glücklicherweise kann Captain Tom Rowland (Brad Harris) das Halluzinogen in Sicherheit bringen, mit den erwartbaren Konsequenzen: Auch KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE weicht kein Stück vom bisher etablierten Erfolgskonzept ab, was bedeutet, dass auch dieser Film in loser Folge Verfolgungsjagden, Mordanschläge, Prügeleien, Ballereien und Entführungen aneinanderreiht.

Ob man das nun anregend oder ermüdend findet, hat nicht wenig mit der Fähigkeit zu tun, die freifließende Lebensfreude hinter dem Spektakel zu erkennen. Dass Walker und Rowland laut ihrer Berufsbezeichnung im Dienste des Gesetzes unterwegs sind, ist eigentlich nur vorgeschoben. In ihrem Handeln zeigt sich überdeutlich die Berauschung an der eigenen Bewegung, an der Herrschaft über den Körper, die sich am klarsten natürlich dort zeigt, wo sie gleichzeitig den Triumph über andere bedeutet. Wobei KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE trotz etlicher Tote niemals wirklich auf böse Art gewalttätig wird. Alles ist als Spiel gekennzeichnet und von geradezu kindlicher Euphorie getrieben. Im Showdown in der bizarren Felslandschaft Kappadokiens gibt es eine ausgedehnte Verfolgungsjagd, in deren Verlauf Rowland und seine Häscher die sandigen Hänge der Hügel hinabrutschen wie in einem Vergnügungspark, und eine Totale, die zeigt wie die Schurken nach einem Schlag von Rowland die Böschung hinunterpurzeln. Die Verbrecherjagd ist reiner Selbstzweck, im Grunde genommen egoistische Lustförderung der beiden Helden, und dass sie dabei noch etwas Gutes tun, nehmen sie eher amüsiert zur Kenntnis. Vor allem Walker kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr raus, wenn er da in einer Tour mit hübschen Dingern anbändelt und auch schon mal zu einer in den Zuber steigen darf, um sich vor der Polizei zu verstecken.

Die gute Laune des Films ist ansteckend, die Sonne strahlt aus jedem Einzelbild und danach möchte man sich am liebsten so einen Schlapphut kaufen, wie ihn nur Herbert Fux tragen kann, der hier den Schurken Eddie Shapiro spielt. Seine Rolle ist ganz und gar nicht entscheidend, aber diese Wiener Lässigkeit, die er mitbringt und die jede Szene mit ihm durchzieht wie Zigarrendunst eine funzelige Eckkneipe, passt wie der Arsch auf den Eimer und ist das Element, das dieser vierte KOMMISSAR X-Film den Vorgängern voraus hat.