Einträge tagged ‘Cannon

07
Mar
12

invaders from mars (tobe hooper, usa 1986)

Hinter dem Haus der Familie Gardner landet mitten in der Nacht ein UFO. Die Warnungen des kleinen David (Hunter Carson), der die Landung beobachtet hat, wird von seinen Eltern in den Wind geschlagen. Als aber der Papa (Timothy Bottoms) wenig später nicht nur eine verdächtige Narbe im Nacken trägt, sondern auch äußerst merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, schöpft David Verdacht. Und tatsächlich stellt sich wenig später heraus, dass Außerirdische seinen verschlafenen Heimatort als Ausgangsunkt einer Invasion ausgewählt haben. Gemeinsam mit der Schulkrankenschwester Linda (Karen Black) nimmt der Junge den Kampf gegen die Invasoren auf …

INVADERS FROM MARS, das Remake des Fünfzigerjahre-Klassikers, ist der zweite von drei Filmen, die Tobe Hooper mitte der Achtzigerjahre für die Cannon inszenierte. Und wie  LIFEFORCE und THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 sollte auch dieser Film an der Kniokasse weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, seine Produktionskosten nicht einmal annähernd wieder einspielen. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden: Das Sequel des Kettensägenfilms gilt mittlerweile als rehabilitiert und wird für gewöhnlich unter dem Etikett “zu seiner Zeit missverstandenes Meisterwerk” einsortiert, LIFEFORCE und INVADERS FROM MARS profitieren heute nicht unerheblich vom Eighties-Bonus und werden vor allem von in jener Zeit aufgewachsenen Filmnerds favorisiert, die den bunten Stil von damals, die “handgemachten” Effekte und den Charme von millionenschwerem, naivem Trash schmerzlich vermissen. Tatsächlich ist INVADERS FROM MARS sympathisch unschuldiges Entertainment, fügt sich fast nahtlos in das jugendfreie Genrekino dieser Zeit, wie es von Steven Spielberg oder auch Joe Dante geprägt wurde, ein. Fast.

INVADERS FORM MARS ist ein bisschen wie die mit Superstars gespickte Fußballmannschaft, bei der das Gesamte dann merkwürdigerweise weniger wert ist als die Summe seiner Teile: Der herrlich künstliche, farbintensive Look des Films, seine fantasievollen Settings, der schöne Einsatz der Steadicam, die die langsam Gestalt annehmende Gewissheit in kaum merklich schwankenden Bildern einfängt, der suggestive Score von Christopher Young, die herausragende Effektarbeit von John Dykstra und Stan Winston und das inspirierte Casting – Bud Cort als Science-Nerd! Louise Fletcher als besessene, froschfressende Lehrerin! James Karen als ledernackiger Militärchef! – addieren sich leider nicht zu einem rundum befriedigenden Film. Wie schon Hoopers LIFEFORCE zuvor wird auch INVADERS FROM MARS von einer rätselhaften Bräsigkeit daran gehindert, Fahrt aufzunehmen. Es ist schwer, dieses Versagen an betimmten Ursachen festzumachen: INVADERS FROM MARS wirkt irgendwie leblos, der Funke, der bei den Filmen Spielberg und Dante sofort auf den Zuschauer überspringt, verglimmt hier, bevor er das Herz in Flammen setzen kann. Dass allein auf Hauptdarsteller Hunter Carson zu schieben, der als Protagonist zu blass bleibt, wäre zu einfach. Hooper inszeniert wie mit angezogener Handbremse, der Mittelteil des Films zieht sich zu lang und das Drehbuch hakt lediglich Plotpoints ab, ohne jemals wirklich spezifisch zu werden. Es fehlen einfach die Details, die den Ort und seine Bewohner für den Zuschauer erst wirklich lebendig machen und ihn so überhaupt ein Interesse an ihrer Rettung entwickeln lassen würden. Auch die Angst, dass die eigenen Eltern einem nach dem Leben trachten, die letztlich den psychologischen Kern des Films ausmacht, entwickelt nie die existenzielle Schwere, die nötig wäre, um den Film wirklich anzutreiben. So plätschert INVADERS FORM MARS so dahin und das Getöse, das auf dem Bildschirm herrscht, lässt einen merkwürdig ungerührt.

Das ist ausgesprochen schade, denn äußerlich stimmt eigentlich alles und man sieht jederzeit, was ein profilierterer Regisseur mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hätte anfangen können. INVADERS FROM MARS ist insofern ein typischer Hooper: Der Schöpfer des Jahrhundertfilms THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE hat heute längst den Status der Eintagsfliege mit tragisch-ernüchterndem Karriereverlauf inne und die hier aufgeführten Kritikpunkte lassen sich mit ganz wenigen Ausnahmen (THE FUNHOUSE, TCM 2) auf fast alle seiner Filme anwenden. INVADERS FORM MARS ist mit entsprechend modifizierter Erwartungshaltung trotzdem sehenswert, eben ein Vertreter einer Art von Blockbuster-Kino, die es heute so nicht mehr gibt. Und wenn man sich vor Augen führt, was Hooper etwa ab Mitte der Neunzigerjahre so vorgelegt hat, dann erscheint er fast wie eine kleine Meisterleistung.

23
Dez
11

rappin’ (joel silberg, usa 1985)

John Hood (Mario van Peebles), wegen seiner Rapskills auch “Rappin’ Hood” genannt, kehrt nach einer Haftstrafe zurück nach Pittsburgh, wo er von seiner Crew (u. a. Kadeem Hardison und Eriq La Salle) schon sehnsüchtig erwartet wird. Doch viel hat sich verändert: Seine Freundin Dixie (Tasia Valenza) ist mittlerweile mit Johns Erzfeind Duane (Charles Grant) zusammen und ein rücksichtsloser Bauunternehmer versucht die Bewohner von Johns heruntergekommenem Viertel mit dubiosen Machenschaften zu vertreiben. Unter anderem mit seinen begeisternden Freestyles gelingt es John  und seinen Kumpels, den Tag zu retten …

Mitte der Achtzigerjahre waren Breakdancing und Rap der heißeste Scheiß in Sachen Jugendkultur und als gewiefte Geschäftsmänner wussten die Masterminds der Cannon, Menahem Golan und Yoram Globus, dass sie diesen Trend filmisch zu melken hatten, solange er Milch hergab. So entstanden BREAKIN’, BREAKIN 2: ELECTRIC BOOGALOO und eben RAPPIN’ und zumindest mit dem ersten in dieser Reihe ging die Rechnung für die Cannon auf: Er war einer ihrer größten Erfolge an der Kinokasse. Dieser Erfolg konnte aber kaum darüber hinwegtäuschen, dass Golan und Globus die neu entstandene Jugendkultur bestenfalls marginal verstanden hatten. Das wurde spätestens im Sequel, das Breakdancing durch stinknormalem Jazztanz ersetzte, und eben in RAPPIN’ evident. Anstatt echte Rapper zu besetzen, was etwa KRUSH GROOVE zu einem kleinen Klassiker machte, quält uns nun Mario van Peebles mit seinen lyrischen Ergüssen, die einer Kunstform, mit der die Unterprivilegierten sich eine Stimme verschafften, jeden subversiven Zahn ziehen. Auch wenn im Film immer wieder gepredigt wird, wie nützlich Rap ist, um sich Gehör zu verschaffen, so gehen die Texte von “Rappin’ Hood” doch nie über das hinaus, was das Erbauungskino so an Message unters Volk bringt. Der Höhepunkt des Films, in dem Hood sein Plädoyer gegen den bösen Bauunternehmer bei einer öffentlichen Anhörung rappt und selbst die Richter mit seinen Binsenweisheiten zum Mitklatschen und Mitskandieren anregt, spricht eine sehr deutliche Sprache.

Vielleicht sehe ich das auch zu eng: RAPPIN’ ist im Grunde genommen ein Kinderfilm, in dem die Guten und die Bösen schon von Weitem klar erkennbar sind und Grauschattierung außen vor bleiben. Und als Zeitzeugnis, das den ersten Schritt einer vormals im Underground angesiedelten Ausdrucksform hin zum (totalen) Kommerz illustriert, ist er durchaus nicht ganz uninteressant. Kurze Auftritte von einem unglaublich spargeligen Ice-T, der mit seinem Track “Killer” (und umgehängter Maschinenpistole) schon den später kommenden Gangsterrap antizipiert, und den Force M.D.’s sorgen für einen Hauch Authentizität, das herrlich marode, ja beinahe ruinöse Stadtviertel, in dem der Film spielt, für eine visuelle Linie und der zum Abschluss statt gewöhnlicher Credits von fast allen Cast-Mitgliedern vorgetragene Rap für ein versöhnliches Schmunzeln.

 

18
Jul
11

fool for love (robert altman, usa 1985)

In einem ranzigen Motel in der Mojave-Wüste verschanzt sich May (Kim Basinger) vor ihrem zurückkehrenden Liebhaber, dem Cowboy Eddie (Sam Shepard), der sie einst mit einer anderen Frau betrogen hatte. In einer aufgeheizten Nacht prallen die beiden nun wieder aufeinander, versuchen, sich selbst zu behaupten und erliegen dabei doch wieder nur dem anderen. Es ist eine komplizierte Beziehung und der “alte Mann” (Harry Dean Stanton), der die beiden neugierig beobachtet, weiß auch warum: Er ist nämlich ihr gemeinsamer Vater …

FOOL FOR LOVE basiert auf einem Stück von Hauptdarsteller Sam Shepard, ist somit die dritte Theateradaption Altmans in Folge (nach COME BACK TO THE FIVE AND DIME, JIMMY DEAN, JIMMY DEAN, STREAMERS und SECRET HONOR) und außerdem einer jener Filme, mit denen die Cannon Mitte der Achtzigerjahre ihre Ambitionen, zu den großen Studios aufzuschließen zementierte, und sich außerdem einen neuen Ruf als cinephile Produktionsfirma aufzubauen suchte: Neben Altman drehten seinerzeit auch Barbet Schroeder, John Cassavetes, John Frankenheimer, Andrey Konchalovskiy und Jean-Luc Godard für die Cannon. Dass die Pläne für die Cannon zumindest mittel- bis langfristig nicht aufgingen, muss ich hier nicht mehr erwähnen, wohl aber, dass FOOL FOR LOVE auch den qualitativen Schlingerkurs, den Altman in den Achtzigerjahren fuhr, nicht beenden konnte. Ich muss eingestehen, dass ich seinen Film nicht besonders konzentriert verfolgt habe und meine Meinung daher eher vorläufigen Charakter hat – auch wenn ich definitiv nicht vorhabe, mir FOOL FOR LOVE in Bälde nochmal anzusehen.

Shepards Stück, für das er sich hinischtlich seines Settings und der Figuren aus dem Fundus des Film Noir bedient, zeichnet das emotionale Porträt einer heißblütigen Hassliebe, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit und dem egoistischen Lebenswandel des gemeinsamen Vaters hat, der zwei Beziehungen gleichzeitig führte und mit beiden Frauen Kinder zeugte, die sich schließlich ineinander verliebten. Leider wirkte das Ganze auf mich vor dem Hintergrund des bis zur Abstraktion stilisierten Settings jedoch gar nicht aufgeheizt, sondern eher blutleer und konstruiert. Das Hauptproblem ist für mich die fehlenden Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern: Zwar kennt man solche White-Trash-Paare wie Eddie – Typ: kerniger, unnachgiebiger Macho – und May – Typ: heilige Hure des Trailerparks – zu Genüge aus anderen Filmen, um ihre Beziehung sofort zu akzeptieren, aber über diese Konvention hinaus scheint es nur wenig zu geben, was die beiden aneinander bindet. Möglicherweise ist das aber auch gerade der Punkt des Films: Aufgrund ihrer Vergnangenheit ist es ihnen unmöglich, eine Entscheidung gegen den anderen und für ihr eigenes Wohl zu treffen. Aber um das als tragisch und demzufolge Mitleid oder Sympathie für die Figuren zu empfinden, müssten diese einem in ihrem Leid ja irgendwie plausibel gemacht werden. Und das gelingt meines Erachtens anch gar nicht:  Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Abneigung für Shapard (die mir erst jetzt wirklich bewusst geworden ist) und der Tatsache, dass ich bei Kim Basinger nie weiß, ob sie eine miese Schauspielerin ist, oder ob ihre scheinbare Unbeholfenheit tatsächlich nur gespielt ist. So lief der Film an mir vorbei, ohne dass mir klar geworden wäre, warum ich diese Geschichte interessant und erzählenswert finden sollte. Filmisch betrachtet bekommt Altman die bei STREAMERS unübersehbaren Probleme besser in den Griff, profitiert dabei von seinem Setting, der Cinematografie von Pierre Mignot (mit dem er auch bei den anderen oben genannten Theateradaptionen sowie bei O.C. AND STIGGS zusammengearbeitet hatte)  und dem stimmunsgvollen Country-Soundtrack. Wenn ich etwas Positives über FOOL FOR LOVE sagen sollte, dann, dass er unleugbar über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt, der aber leider der schrecklich egale Inhalt entgegensteht. Einfach nicht meins, sowas soll’s geben.

25
Jan
11

american ninja 3: blood hunt (cedric sundstrom, usa 1989)

Als Sean (David Bradley) noch ein kleiner Junge war, wurde sein Papa, ein Karatekämpfer, umgebracht und Sean fortan von Izumo (Calvin Young) in der Kunst des Ninjitsu unterwiesen. In der Gegenwart reist er in den fiktiven Staat Triana, um an einem Karateturnier teilzunehmen. Als er dort seinem alten Meister begegnet und dieser kurz darauf entführt wird, macht er sich mit Jackson (Steve James) und Dexter (Evan J. Klisser) auf die Suche nach ihm. Die führt ihn zu “The Cobra” (Marjoe Gortner), der für General Andreas (Yehuda Efroni) eine Rasse von Supersoldaten kreieren soll und nur auf Sean gewartet hat …

Aller Guten Dinge sind zwar nach Volksmund drei, doch AMERICAN NINJA 3: BLOOD HUNT ist wohl die berühmte Ausnahme von der Regel. Alle Jubeljahre wird er von mir in der Hoffnung eingeworfen, dass er mir vielleicht endlich seine mir bislang verborgen gebliebenen Qualitäten offenbart, aber auch bei dieser Sichtung steht am Ende nur die Erkenntnis, dass der dritte Eintrag der Erfolgsserie eine reichlich freudlose Angelegenheit ist. Selbst wenn man die Ansprüche ganz weit runterschraubt und AMERICAN NINJA 3 lediglich als hohlen Trashfilm betrachtet, gibt es hier rein gar nichts zu holen. Wirklich alle Beteiligten haben ihr Schlechtestes gegeben – oder aber sie haben in dem Bemühen, auch noch den letzten Funken Spaß aus dem Film zu saugen, Überstunden gemacht. Die Story ist selbst dann noch unfassbar dämlich, wenn man sie nur als Wegbereiter für die Actionszenen begreift, die Inszenierung hausbacken und angestrengt, die Kampfchoreografien unter aller Sau und – der Todesstoß für den Film – David Bradley ein so dermaßen unsympathischer Protagonist, dass das Unterfangen eigentlich von vornherein hoffnungslos ist. Die Cannon wollte den einstigen Karatechampion wohl zum neuen Actionstar aufbauen, doch das ist gründlich in die Hose gegangen und vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Golan und Globus in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre von ihrem Urteilsvermögen verlassen worden sind. Bradley lässt sich in eigentlich allen seinen Filmen nur ertragen, wenn es einem gelingt, sich an seiner prollig-machohaften Art hochzuziehen. Klar, auch Dudikoff war kein guter Schauspieler, aber er war als Handkanten-James-Dean gut besetzt und vor allem sympathisch. Wenn David Bradley mit Leichenbittermiene die Muckis anspannt, denkt man hingegen an Steroidmissbrauch, Date Rape und Demütigungen in der Jungsumkleide beim Sportunterricht. Im Vergleich mit dem sonnigen Fun-Actioner AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION wirkt Teil 3 unfreundlich, düster und misanthropisch. Das ist nicht per se schlecht, nur gibt der Stoff das gar nicht her. Sundstroms Film ist albern, ohne dabei Spaß zu machen. Eigentlich das vernichtendste Urteil, das man über einen Film verkünden kann. Bis zum nächsten Mal.

24
Jan
11

american ninja 2: the confrontation (sam firstenberg, usa 1987)

Zur Belohnung für den immensen Erfolg von AMERICAN NINJA spendierten Menahem Golan und Yoram Globus ihrem Regisseur Sam Firstenberg und dem Darstellerduo Michael Dudikoff und Steve James wohl einen schönen Urlaub – mit der Vorgabe, statt Urlaubsfotos und kitschiger Souvenirs ein knalliges Sequel mitzubringen. Diese Geschichte habe ich mir zwar ausgedacht, wenn man den in Südafrika gedrehten AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION aber so sieht, kann man sich durchaus vorstellen, dass es sich genauso abgespielt hat. Er sieht aus wie ein TUI-Werbespot, in den Godfrey Ho ein paar Ninjas reingemogelt hat: weiße Traumstrände, türkisfarbene Buchten, saftig grüne Palmen, ein strahlend blauer wolkenloser Himmel, Männer in bunten Hawaiihemden und braungebrannte Strandnixen in farbenfroher (und knapp geschnittener) Bademode, wohin das Auge auch sieht. Auf den flotten, dabei auch schon nicht gerade ungemein harten Vorgänger setzt Firstenberg also noch einen drauf: Wenn es mal einen Feelgood-Actioner gab, den man am besten mit einem sommerlichen Cocktail in der Hängematte liegend genießt, dann ist es dieser hier. Nachhaltigkeit oder gar Ernst sollte man dann auch nicht unbedingt erwarten: Trotz der gesteigerten Ninjapräsenz wirken die schwarzen Killer wie eine Randerscheinung, die die Helden mal schnell wegkloppen müssen, um sich wieder am Wasser tummeln zu können. Inhaltlich schießt der Film dann auch einen Bock nach dem anderen, von denen der größte nicht einmal der ist, dass der “The Lion” genannte Oberschurke mit viel Aufwand Superninjas aus der Retorte züchtet, die dann in einem Testlauf ohne größere Anstrengung von seinem menschlichen Ninjaanführer weggemurkst werden. Nein, nein, der Knaller ist der, dass dies weder einen der anwesenden Kaufinteressenten abschreckt, noch dem Schöpfer selbst als Scheitern seiner Pläne erscheint. Da sieht man mal wieder, dass der beste Verkäufer der ist, der selbst am meisten an sein Produkt glaubt. Und wenn es dazu des Selbstbetruges bedarf, bitteschön!

Ich fand AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION lange Zeit besser als seinen Vorgänger, was ich heute zwar nicht mehr behaupten würde, aber toll ist das Sequel trotzdem. Wenn ich mal in einem Film Urlaub machen dürfte, wäre er auf jeden Fall ein sicherer Kandidat. (Wer sich gern über Unzulänglichkeiten und Goofs beömmelt, sollte um 12:05 mal genau aufpassen: Offensichtlich musste da eine Szene in Abwesenheit von Dudikoff nachgedreht werden. Kann passieren. Aber normalerweise filmt man das Double dann so, dass sein Gesicht nicht zu erkennen ist.)

23
Jan
11

american ninja (sam firstenberg, usa 1985)

Joe Armstrong (Michael Dudikoff) ist ein Einzelgänger mit Stahl im Blick und rätselhafter Vergangenheit, das ist schon klar, als man ihn zum ersten Mal teilnahmslos an einem Army-Transporter lehnen sieht, während seine Kollegen sich benehmen wie auf dem Schulhof. Dieses Auftreten macht ihn sogleich verdächtig und bringt ihm den Neid der anderen ein. Als er eine Ninjaattacke auf einen Militärkonvoi allein zerschlägt, anstatt sich ruhig zu verhalten, und so den Tod einiger Soldaten mitzuverantworten hat, wird er nicht als Held gefeiert, sondern als Kollegenschwein tituliert. Was in der Realität eine durchaus angemessene Reaktion wäre, ist in Firstenbergs AMERICAN NINJA – dem erfolgreichsten Film des Ninjabooms und Auftakt zu einer insgesamt fünfteiligen Reihe – Ausdruck von Missgunst und Mittelmaß: Joe ist nämlich ein amerikanischer Ninja und er weiß genau, dass man mit Stillhalten gegen Ninjas nicht weit kommt. Für ihn wendet sich jedoch alles zum Guten, als er den Anführer der Front gegen ihn, den toughen Jackson (Steve James) im Zweikampf besiegt. Hatte der ihn kurz zuvor noch als Schlappschwanz, Verräter, Feigling und mithin Oberarsch ausgemacht, den es zu bestrafen gilt, ist er nach seiner Niederlage plötzlich ganz anderer Meinung: Wer ihm die Fresse poliert, der muss ja ein dufter Typ sein – andernfalls hätte man sich ja auch einen gefährlichen Feind gemacht. Was man als Indiz für den unfreiwilligen Humor eines Trashfilms abtun könnte, ist tatsächlich ziemlich gut beobachtet. Ja, so geht es ab in Männerbünden.

Die Ninjas sind die Privatarmee des verbrecherischen Millionärs Ortega, der mit Armstrongs Vorgesetzten einen Waffenhandel vereinbart hat. Angeführt vom “Black Star Ninja” (Tadashi Yamashita), dem ranghöchsten Ninja Japans, sollen die Profikiller erst einen Überfall vortäuschen (eben jenen, den Joe zu Beginn verhindert hat), dann schließlich für die Erledigung des Störenfrieds sorgen. Das misslingt, weil Joe selbst ein Ninja ist, was in sich schon ein Sakrileg darstellt: Der Black Star Ninja weiß nämlich, dass nur Japaner die Kunst des Ninjitsu erlernen dürfen. So kommt es am Schluss zum unausweichlichen Kampf der guten Army-Soldaten gegen ihre schurkischen Vorgesetzten, Ortega und dessen Ninjaarmee sowie von Joe gegen den Black Star Ninja. Am Ende steht Joe auf dem Dach von Ortegas Riesenvilla, sein stahlblauer Blick in die ferne Zukunft gerichtet, wo weitere Aufgaben auf ihn warten.

Ich habe AMERICAN NINJA schon als Jugendlicher unzählige Male als Videoaufzeichnung von RTLplus gesehen, war begeistert von den Ninjas und ihren coolen Waffen und Dudikoff, der ein bisschen wie eine glattpolierte Actionfigur von James Dean wirkt. Vor ein paar Jahren, als ich den Film nach längerer Abstinenz mal wieder eingeworfen hatte, war viel vom Zauber verflogen, sah das alles doch recht preisgünstig und trashig aus. Diesen Eindruck muss ich jetzt erneut revidieren: Ich habe AMERICAN NINJA nämlich fast so genossen wie damals mit schätzungsweise 13 Jahren und kann ihm zubilligen, einer der schönsten Actionfilme der Achtzigerjahre zu sein. Zwar ohne große Durchschlagskraft oder Nachhaltigkeit, dafür aber mit viel Tempo gelingt es Sam Firstenberg – der auch schon die letzten beiden Teile von Cannons vorangegangener Ninja-Trilogie inszeniert hatte – hier, den Ninja als Figur für den amerikanischen Actionfilm nutzbar zu machen. Die in AMERICAN NINJA verwendete Blaupause wird in jedem der vier kommenden Sequels zum Einsatz kommen: ein amerikanischer Held mit Ninjatalenten auf der einen, eine im Dienste eines Schurken stehende Ninjaarmee mit einem hervorgehobenen Anführer auf der anderen. So umging Firstenberg das bis dahin bestehende Protagonistenproblem, machte dafür aber ein neues Fass auf: Dadurch, dass durch die Figurenkonstellation unzählige Ninjas ins Gras beißen musste, unterminierte er deren Ruf als Meister des Tötens. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.

19
Jan
11

ninja lll: the domination (sam firstenberg, usa 1984)

Christie (Lucinda Dickey), eine fesche Aerobiclehrerin und Elektrikerin, wohnt der Exekution eines Ninjas durch mehrere Polizisten bei, bei der der Geist des Toten von ihr Besitz ergreift und sie zum Instrument seiner Rache macht. Ihre Gedächtnislücken bringen sie gegenüber ihrem neuen Freund, dem Cop Billy (Jordan Bennett), in Erklärungsnotstand. Und dann ist da noch Yamada (Sho Kosugi), der mit dem toten Ninja eine Rechnung zu begleichen hat …

NINJA III: THE DOMINATION zeigt recht eindrucksvoll, auf welch holprige Pfade sich die Drehbuchautoren begaben, um das dem Ninjafilm inhärente Problem der Protagonistenrolle zu lösen. Für diesen dritten Teil von Cannons Ninjatrilogie (nach ENTER THE NINJA und REVENGE OF THE NINJA) bemühte man kurzerhand eine eigentlich eher dem Horrorfilm entstammende Besessenheitsgeschichte, um eine geeignete Identifikationsfigur aufbieten zu können: ein maskierter Killer – ein Japaner zumal – war dem westlichen Publikum wohl nur schwerlich als Protagonist zu vermitteln. Der Leser ahnt schon, dass NINJA III: THE DOMINATION weder Fisch noch Fleisch ist: Die Ninjaaction tritt über weite Strecken des Films in den Hintergrund, stattdessen gibt es Aerobic- und Tanzeinlagen sowie erst Beziehungs- und dann schließlich psychische Probleme mit der Hauptdarstellerin aus dem Cannon-Erfolgsfilm BREAKIN’, die mit ihrer dunklen Lockenpracht als auch ihrem handfesten Malocherjob Assoziationen zu Jennifer Beals und FLASHDANCE wecken soll. So beschränken sich die nennenswerten Martial-Arts-Sequenzen dann auf die Exposition, in der der später als Geist herumspukende Ninja einen amerikanischen Golfplatz auf furiose Art und Weise aufmischt und das Finale, in dem der nun wieder in seinem eigenen Körper befindliche böse Ninja gegen Yamada antritt.

Über die Laufzeit von 85 Minuten ist das ein bisschen zu wenig, wenngleich NINJA III: THE DOMINATION dieses Manko durch seine Beknacktheit einigermaßen wettzumachen sucht. Das Ninja-Waffenarsenal wird um gemeine Injektionsnadeln erweitert, die der Killer zwischen den Fingern versteckt, und es gibt reichlich übersinnlichen Hokuspokus mit fliegenden Schwertern, sich in den Erdboden bohrenden Ninjas und ähnlich absurdem Kram. Übersinnlich ist übrigens auch die flächendeckend wuchernde Körperbehaarung des süßen Love-Interest-Polizisten, die einem schlagartig bewusst macht, wie sehr sich Schönheitsideale in den vergangenen 25 Jahren verändert haben. Und das nicht unbedingt zum Schlechteren. Lucinda Dickey indes wäre auch heute noch zum Anbeißen.

19
Jan
11

enter the ninja (menahem golan, usa 1981)

Der ehemalige Söldner Cole (Franco Nero) ist in Japan zum Ninja ausgebildet worden – sehr zum Missfallen seines japanischen Konkurrenten Hasegawa (Sho Kosugi). Als Cole von seinem alten Kriegskumpel Frank (Alex Courtney) zu Hilfe gerufen wird, weil der von dem Immobilienhai Venarius (Christopher George) und dessen Männern behelligt wird, kann er seine Kampfkünste gleich im Ernstfall erproben. Und als Venarius erfährt, mit wem er es zu tun hat, engagiert er ausgerechnet Hasegawa zur Untersterstützung …

THE OCTAGON erblickte ein Jahr früher das Licht der Welt, trotzdem darf man ENTER THE NINJA als Auftakt des in den folgenden Jahren grassierenden Ninjatrends betrachten. Menahem Golan und Yoram Globus hatten mit ihrer Produktionsgesellschaft wie so oft das richtige Näschen und führten den maskierten Killer in einem Film ein, der als bunte Mischung aus Action- und Martial-Arts-Einlagen,  Abenteuerfilm-Flair, viel Exotik, wohldosierter Erotik, einer Prise Melodram und den obligatorischen komischen Elementen sowie einer beachtlichen Besetzung um die Gunst der Zuschauer warb. ENTER THE NINJA lässt eine klare Linie dann auch etwas vermissen und ich kann auch nach dieser zweiten Sichtung nicht so genau sagen, ob das jetzt ein harter Actionfilm oder doch eher ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm ist. Vor allem die Anwesenheit Zachi Noys als rückgratloser Unterhändler mit Hakenhand verhindert, dass ich ENTER THE NINJA so richtig ernst nehmen kann, obgleich er in seinen Actionszenen von durchaus zupackender Härte ist.

Im Gegensatz zu THE OCTAGON jedoch, der mit seinen Ninjas rein gar nichts anzufangen weiß, sind hier schon fast alle Details, die im Subgenre später nicht mehr fehlen dürfen, vorhanden: die unterschiedlich farbigen Ninjaanzüge, das fantasievolle Waffenarsenal, der Ost-West- bzw. Bruderkonflikt, das Gewese um Spiritualität und Ninjaethos. Aber auch die Macken, die das Subgenre nie ganz losgeworden ist, weil sie tief in seine Struktur eingegarben sind, findet man schon: So ist Franco Nero zwar ein erstklassiger Schauspieler, aber ein nur mäßiger Kämpfer (der dann auch mehr als einmal gedoubelt wird). Und sein markantes Gesicht – also sein wichtigstes “Werkzeug” – verschwindet in den Passagen, in denen er als Ninja unterwegs ist, unter der weißen Kapuze. Richtig gelesen: Cole ist ein weißer Ninja. Wahrscheinlich, weil man ihn farblich von seinem Gegner abheben musste und Schwarz konventionell den Schurken vorbehalten ist.

05
Jan
11

making the grade (dorian walker, usa 1984)

Palmer Woodrow (Dana Olsen), nichtsnutziger Sohn neureicher Eltern, hat deren Geduld endgültig überstrapaziert: Damit er nach etlichen fehlgeschlagenen Versuchen endlich einen Abschluss vorweisen kann, hat ihn der Vater auf der Hoover Academy eingeschrieben, die zwar keinen besonders guten Ruf genießt, Palmer aber immerhin angenommen hat. Der will den Sommer jedoch viel lieber in Europa verbummeln und so kommt es ihm sehr gelegen, als das Schicksal ihn mit Eddie Keaton (Debütant Judd Nelson) zusammenführt, einem kleinkriminellen Taugenichts, der so viele Schulden bei seinem Buchmacher Dice (Andrew Dice Clay) angehäuft hat, dass dieser ihm an den Kragen will. Für ein stattliches Sümmchen erklärt sich Eddie bereit, statt Palmer die Hoover-Academy zu besuchen und dort für ihn den Abschluss zu machen. Doch natürlich geht das nicht ohne diverse Probleme vonstatten …

Mit MAKING THE GRADE versuchte sich die Cannon auch im damals immens populären Teenie- respektive Collegefilm und orientierte sich dazu am CITIZEN KANE des Genres, John Landis’ NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE. Das Ergebnis ist – wie so viele Cannon-Filme außerhalb des fleißig und erfolgreich beackterten Actiongenres – nur mittelmäßig befriedigend, weil Regisseur Walker über das Malen nach Zahlen nicht so rechthinauskommt und sein Film demzufolge die Lebendigkeit und Seele vermissen lässt, die das Vorbild auszeichnet. Auch wenn die einzelnen Zutaten stimmen – es gibt mit Eddie und Palmer zwei nonkonforme Identifkationsfiguren, einen hilflosen Rektor, einen schleimig-intriganten Streber, einen trotteligen Fettklops, ein attraktives Love Interest und einen versoffenen, sprücheklopfenden Sportlehrer sowie etliche der schon obligatorischen Szenen, etwa die Ballnacht, die Wohnheimsparty, die Sportstunde oder die festliche Gala im Haus des Akademiebesitzers –, so fehlen der Sinn fürs Detail, das die Geschichte und ihre Figuren erst so richtig interessant und glaubwürdig machen würde, der Wortwitz und das Gespür für die wirklich zündenden Pointen sowie ein insgesamt besser strukturiertes Drehbuch, dem es besser gelängen, die vielen Plotideen zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen: Vieles wird nur kurz angerissen und dann schon wieder abgehakt, mit anderem hält sich Walker hingegen auf Kosten interessanterer Subplots länger auf, als es nötig wäre. Meine Leena sagte während der Sichtung, der Film sei merkbar bemüht und das wirkt sich kontraproduktiv aus, denn je mehr MAKING THE GRADE auf die Tube drückt, umso mehr treten seine Defizite hervor.

Nach der vielen Kritik – ich hatte aufgrund einer Empfehlung recht hohe Erwartungen, die vielleicht auch Schuld daran sind, dass der Film nicht so recht zünden wollte – möchte ich aber versöhnlich enden, denn ich habe mich mit MAKING THE GRADE durchaus amüsiert: Der Auftakt mit dem chaotischen Palmer trifft voll ins Schwarze, Andrew Dice Clay (der zufälligerweise auch im zuletzt gesehenen PRETTY IN PINK eine kleine Rolle hat) ist ebenso perfekt besetzt wie Walter Olkewicz als versoffener, notgeiler Sportlehrer (man kennt ihn am ehesten aus TWIN PEAKS), dem der Film die witzigsten Szenen zu verdanken hat, und natürlich atmet MAKING THE GRADE jede Menge Achtzigerjahre-Zeitgeist. Die richtig guten Momente lassen dann auch das Potenzial erkennen, das ein etwas ambitionierter Regisseur ohne Zweifel abgerufen hätte. Und mit einem solchen wäre es dann vielleicht auch zum Sequel TOURISTAS gekommen, das in den Abschlusscredits angekündigt wird, aus dem aber nie etwas wurde.

03
Dez
10

lifeforce (tobe hooper, großbritannien 1985)

Bei der Expedition zum Halleyschen Kometen entdeckt die Besatzung der “Churchill” ein gigantisches, offenbar außerirdisches Flugobjekt. Colonel Tom Carlsen (Steve Railsback) ordnet die Erkundung des Raumschiffes an und findet drei nackte menschliche Wesen in gläsernen Särgen, die er an Bord der “Churchill” bringt, nicht ahnend, dass es sich um eine Rasse von Weltraumvampiren handelt, die sich von Lebensenergie ernähren. Als seine gesamte Besatzung dem weiblichen Vampir (Mathilda May) zum Opfer fällt, zerstört Carlsen das Raumschiff und entkommt mit einer Rettungskapsel. Doch die Trümmer der “Churchill” werden geborgen und dabei gelangt die vampirische Verführerin nach London, wo sie den Virus wie eine Seuche verbreitet …

LIFEFORCE ist einer von drei Filmen, die Tobe Hooper in einem Paketdeal für die Cannon inszenierte (neben THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 und INVADERS FROM MARS), und ein recht eindrucksvolles Beispiel sowohl für die großen Ambitionen von Menahem Golan und Yoram Globus als auch für das Scheitern dieser Ambitionen. In jeder Sekunde des Films erkennt man den Wunsch der Produzenten, großes, spektakuläres, lautes Blockbusterkino zu machen: LIFEFORCE hat eine Lauflänge von 110 Minuten, in seinen Weltraumszenen orientiert er sich an so großen Vorbildern wie ALIEN oder gar Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY, die aufwändigen Effekte überwachte John Dykstra, der nach seiner Arbeit für STAR WARS auf Jahre hinaus der Mann für große Weltraumepen war, für die Kameraarbeit zeichnete Alan Hume verantwortlich, der zuvor THE RETURN OF THE JEDI sowie diverse James-Bond-Filme fotografiert hatte, den Soundtrack komponierte Henry Mancini und das London Philharmonic Orchestra sorgte für dessen Interpretation. Auf der Handlungsebene erkennt man deutliche Parallelen zu den britischen QUATERMASS-Filmen, deren etwas staubig-klaustrophobisches Flair hier aber in einer riesige Materialschlacht verwandelt wird, in der es um nichts weniger als die Zukunft der gesamten Menschheit geht, was auch die zahlreichen Schauplatzwechsel widerspiegeln. 

Doch obwohl also alle Zutaten für großes Eventkino vorhanden sind, will der Coup nicht so recht gelingen: Hoopers Inszenierung geht die notwendige Leichtfüßigkeit ab, die ein Steven Spielberg für jeden seiner Filme in die Wagschale werfen kann, und das Budget reichte nach der Investition in die Spezialeffekte wohl nicht mehr aus, um auch noch ein paar zugkräftige Stars zu verpflichten. Nichts gegen Steve Railsback, den ich tatsächlich sehr mag, aber für eine große Heldenrolle ist er irgendwie zu schräg und dies beeinflusst den ganzen Film, der merkwürdig unentschlossen zwischen Big-Budget-Spaß und B-Movie-Abseitigkeit schwankt. Schwerer wiegt jedoch, dass LIFEFORCE unnötig umständlich erzählt ist und nach der zwar ausgedehnten, aber atmosphärisch wie inhaltlich äußerst viel versprechenden Exposition eine halbe Ewigkeit braucht, um endlich wieder zum Punkt zurückzukommen, sich stattdessen auf in die Irre führenden Nebenpfaden herumschlägt. Dieses Manko lässt sich vor allem auf die Überfülle des Drehbuchs zurückführen, dass zahlreiche interessante Elemente und Motive einführt, diese dann aber in der gebotenen Zeit nicht zu einem befriedigenden Abschluss bringt, vielmehr Probleme hat, einen roten Faden zu finden. 

Exemplarisch dafür steht das Thema sexueller Besessenheit, das der eher bunten Seite des Films eine düstere, erwachsene entgegenhält und der interessanteste Strang des Films ist: Der Mathilda-May-Vampir hat Carlsen als Opfer auserwählt und sich deshalb die weibliche Form gegeben, die dessen Idealbild der Frau entspricht. Carlsen ist ihr quasi hilflos ergeben, obwohl er doch weiß, welche Gefahr von ihr ausgeht. Sein Kampf gegen die Vampire ist damit auch ein Kampf gegen das eigene sexuelle Verlangen, das ihn zu zerstören droht, wenn er sich ihm nicht widersetzt. Dieser Konflikt entfaltet leider nie diee apokalyptische Durchschlagskraft, die zu Beginn angedeutet wird, weil ja gleichzeitig noch ein “normaler” Weltuntergangsplot abgewickelt werden muss. Die Beziehung zwischen Carlsen und dem Vampir wird im weiteren Verlauf auf eine letztlich schematische gefährliche Liebschaft reduziert, die den unheimlichen Aufbau nicht wirklich rechtfertigt. Das ist alles sehr, sehr schade, weil LIFEFORCE mit ein paar kleinen Kürzungen und Korrekturen ein richtig guter Science-Fiction-Horrorfilm hätte werden können, der sich mit seinen Abseitigkeiten wohltuend vom Mainstreamkram abgehoben hätte. In der vorliegenden Form verhält es sich genau andersrum: Seine schrägen Idee stehen seinem Gelingen im Weg. Ich muss relativieren, denn LIFEFORCE ist immer noch sehenswert und originell und außerdem eine schöne Antwort auf all die Stimmen, die behaupten, die Cannon hätte ja immer nur billigen Trash fabriziert. Aber dass trotz all der mit teurem Effektzauber veredelten Bilder von der Apokalypse auf den Straßen des brennenden Londons ltztlich die beiden wohlgeformten Brüste und der Apfelpo der mackten Mathilda May vom Film im Gedächtnis bleiben, spricht Bände.




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