Einträge tagged ‘Komödie

20
Apr
12

sand sharks (mark atkins, usa 2011)

An SAND SHARKS, einem Film, in dem es tatsächlich und ohne Scheiß um Haie geht, die im Sand herumschwimmen, führte für mich kein Weg vorbei. Schließlich habe ich mir fest vorgenommen, bis zum Ende meiner Tage jeden jeden noch so miesen Direct-to-DVD-Tierhorrorfilm gesehen zu haben. Dieser hier zeichnet sich durch das Mitwirken von Ex-Parker-Lewis-Darsteller Corin Nemec, die üblichen miesen CGIs und die extrablöde Prämisse aus. Folgenloser Spaß für Junggebliebene. Völlig egal, aber super. Meine Rezension gibt’s auf Hard Sensations zu lesen und zwar hier.

13
Apr
12

grotesque (joe tornatore, usa 1988)

Lisa Kruger (Linda Blair) fährt gemeinsam mit ihrer Freundin Kathy (Donna Wilkes) zu ihrer Familie. Papa Orville (Guy Stockwell) ist als Maskenbildner beim Film tätig und hat jede Menge neckischer Scherze auf Lager, mit denen er alle bei Laune hält – bis eine Bande verbrecherischer Punks ins Haus einbricht. Sie bringen alle um bis auf Lisa, der die Flucht in den Wald gelingt. Während sich einige der Punks daran machen, sie wieder einzufangen, fallen die anderen einem übersehenen Familienmitglied zum Opfer: Denn die Krugers haben einen missgebildeten Sohnemann in einem Geheimzimmer versteckt …

Das klingt nach einem ziemlich straighten Schocker, den man vielleicht mit dem Begriff “Terrorfilm” adeln könnte, wenn es den vor 20 Jahren auch schon gegeben hätte. Doch obige kleine Inhaltsangabe deckt dummerweise nur einen ziemlich kurzen Abschnitt von GROTESQUE ab, der nebenbei auch noch Film-im-Film-Selbstreflexion betreibt, Selbstjustiz- und Rachedrama sein will und für die Schlusspointe gar Frankensteins Monster und den Wolfsmensch zu den eigentlichen Protagonisten macht. GROTESQUE beginnt als verquaster Mumiengrusel, bevor sich das Gezeigte schließlich als Screening eines neuen Horrorfilms entpuppt, für dessen miese Effekte der Maskenbildner großes Lob vom Produzenten erntet. Was das alles soll, wird erst später klar, wenn einem der Make-up-Künstler als Papa der Protagonistin wiederbegegnet. Für die nächsten 40 Minuten kommt der Film zunächst ohne weitere Anfälle von Schizophrenie über die Runden, doch holt er das Versäumte in den letzten 20 mehr als auf. Ich rekapituliere so kurz wie möglich: Lisa kommt durch einen der Punks ums Leben, ihr Mörder und dessen Freundin bekommen es mit dem degenerierten Sohnemann zu tun. Zwischenzeitlich ist das Massaker an den Krugers aufgefallen und Orvilles Bruder begibt sich gemeinsam mit der Polizei auf die Suche nach Lisa. Sie finden ihre Leiche und können dann gerade so verhindern, dass das vermeintliche Monster den Punk umbringt. Stattdessen wird es seinerseits von der Polizei erschossen und in der Folge als Schuldiger für den Mord ausgemacht. Orvilles Bruder ist derweil ziemlich angefressen, ohne seinem Unmut jedoch Luft zu machen. Er muss die Freilassung der Punks mitansehen und beschließt dann, ihre Bestrafung in die eigenen Hände zu nehmen. Als er sie gestellt hat, offenbart auch er ein Geheimnis: Er zieht sich eine von Bruder Orville gefertigte Maske vom Kopf und entpuppt sich als genauso missgestaltet wie das geheime Familienmitglied, dessen Vater er ist. Er übt grauslige Rache an den feigen Mördern, das Bild friert ein und brennt dann schließich ab: Große Aufregung im Kinosaal, was ist denn mit dem Filmvorführer los? Schnitt in den Vorführraum, in dem Frankensteins Monster und der Wolfsmensch nun die Gelegenheit ergreifen, den Menschen zu zeigen, dass sie noch immer nichts verlernt haben. Sie stürmen in den Kinosaal und schlagen die Zuschauer in die Flucht. Ende.

Es ist schwer, sich vorzustellen, dass dieser Film so geplant war, wie er sich dem Zuschauer darstellt. Es gibt keine Welt, in der die Idee, die Geschichte dieses Films in einen Film-im-Film-Witz einzubetten, auch nur annähernd Sinn ergibt. Nicht, dass nicht auch die Geschichte um die Krugers und die Punks reichlich eigenartig erzählt würde: Das missgebildete Familienmitglied wird nicht ein einziges Mal erwähnt und warum die Punks sich ausgerechnet das Häuschen der Krugers für einen Raubüberfall aussuchen, ist auch nicht zu begreifen. Genauso wenig wie das Schweigen von Orvilles Bruder, als sein Sohn erschossen wird: Er müsste die Polizei doch bloß über dessen Existenz aufklären, um die Aussage der Punks als Lüge bloßzustellen. Und warum eigentlich entlassen die Polizisten die möglichen Mörder ohne weitere Untersuchungen in die Freiheit? Weil sie den Überblick verloren haben? Das wäre zumindest verständlich, denn GROTESQUE bietet im 20-Minuten-Rhythmus eine neue Hauptfigur auf. Das alles ist so sonderbar und bescheuert, dass es unmöglich gewollt sein kann. Ob dieser ganze Zinnober drumrum vielleicht lediglich die einzige Möglichkeit war, diesen völlig in die Binsen gegangenen Mist noch irgendwie zu retten? Diese Strategie ist zwar auch nicht wirklich aufgegangen, aber ein denkwürdiger Exploiter ist Tornatore dennoch gelungen. Es gibt nur wenige Filme, die weniger wissen, was sie eigentlich sein wollen, als dieser.

10
Apr
12

eraserhead (david lynch, usa 1977)

Um mich nach einigen Tagen der Enthaltsamkeit langsam wieder ans Film- und Schreiberhandwerk heranzutasten, verlinke ich hier meine fangfrische Rezension von Lynchs Spielfilmdebüt, das dieser Tage von Capelight auf DVD und Blu-ray neuaufgelegt wird. Das Wiedersehen war toll: Ganz unbemerkt hat sich ERASERHEAD über die Jahre von einem Film, den ich zunächst fast ausschließlich aus einem Bedürfnis nach Distinktionsgewinn, dann vor allem als wichtigen Startschuss einer der bedeutendsten zeitgenössischen Regielaufbahnen ganz rational gut fand, in einen verwandelt, den ich ganz ohne argumentatorische Krücke aus dem Herzen heraus wunderbar finde. Ein paar Gründe für diese Liebe nenne ich in meinem Text, besser ist es, ihn sich selbst anzusehen und eigene zu finden. Mein Text findet sich hier. Viel Vergnügen!

03
Apr
12

juan de los muertos (alejandro brugués, spanien/kuba 2011)

Juan (Alexis Díaz de Villegas) ist ein Faulpelz und Lebenskünstler. Gemeinsam mit seinem besten Freund Lazaro (Jorge Molina) hält er sich mit kleinen Gelegenheitsarbeiten und Gaunereien über Wasser, genießt die kubanische Sonne auf seinem Dach hoch über den Straßen von Havanna, arbeitet an einer Mauer aus leeren Rum-Flaschen, vögelt die heiße Nachbarin und trauert Frau und Tochter hinterher, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben gen USA verdrückt haben. Letztere weilt just in dem Moment wieder auf Kuba, als die Straßen der Hauptstadt plötzlich von Zombies unsicher gemacht werden und im Chaos versinken. Juan, der die Wiedervereinigung mit seiner Familie noch nicht aufgegeben hat, sieht zunächst vor allem die Gelegenheit, mit einem Todesschwadron etwas Geld zu verdienen. Doch bald erkennt er, dass es Zeit ist, Verantwortung für seine Lieben zu übernehmen …

Eine kubanische Zombiekomödie mit einem von SHAUN OF THE DEAD inspirierten Titel? Man sieht schon mit Grausen die neueste Funsplatter-Unzulänglichkeit vor dem eigenen Auge ablaufen, einen Film “von Fans für Fans”, der Unterhaltung mit beständigem Nerd-Jerking verwechselt, dessen Macher das Genrekino von Romero bis Jackson in sich aufgesogen, aber nicht verstanden und auch sonst nichts mitbekommen haben. Sprich: Genau einen jener Filme, die man gerade nicht gemeinsam mit der anvisierten Zielgruppe sehen möchte, weil man sich dabei ungefähr so fühlt wie ein praktizierender Satanist beim Kirchentag. Doch die Befürchtungen sind unberechtigt, JUAN DE LOS MUERTOS ist minichten der neueste Beitrag zum wohl spießigsten Subgenre des Horrorfilms, sondern eine sehr charmante und lebenskluge Horrorkomödie, die nicht als minderbemittelte Nummernrevue hohler Zoten funktioniert, sondern tatsächlich über die liebenswerten Charaktere und seinen lakonischen, manchmal tiefschwarzen, aber dabei immer sehr menschlichen Witz. Dazu kommt, dass Brugués  seinen Romero tatsächlich verstanden hat. Die Zombies sind in allererster Linie Projektionsfläche, ihr unverkennbar allegorisches Potenzial wird niemals voll ausformuliert, tatsächlich muss die Frage nach dem Wie und Warum hinter der Zombieinvasion gar nicht geklärt werden. Man versteht auch so, dass dieses Kuba, das seit 50 Jahren vom sozialistischen Regime Castros geknechtet wird, ein Land ohne Morgen ist. Was JUAN DE LOS MUETOS von den ernsteren Romero-Filmen abhebt und gleichzeitig zu einem eigenständigen, sympathischen und wahrscheinlich wirklich zu einem genuin kubanischen Zombiefilm macht, das ist die Gelassenheit, mit der er diese Erkenntnis teilt. Das Land mag vor die Hunde gehen, aber: das Meer! die Sonne! der Rum! Jaja, etwas muss sich verändern, aber das kann doch auch bis morgen warten.

JUAN DE LOS MUERTES ist ein Film über die Underdogs und Underachievers, über den einfachen Kubaner, der es seit Jahrzehnten gewohnt ist, vom Schicksal verarscht zu werden.  Juan und seine Freunde geben sich längst keinerlei Illusionen über die Lage ihres Landes mehr hin, nehmen diese aber mit Humor. Die Zombieinvasion schockt sie dann auch nicht besonders, man ist bereits einiges gewohnt. Not macht erfinderisch und weil ihr Leben beständige Not ist, sind sie darin besonders gut: Gegen Bezahlung versprechen sie, zombiefizerte Verwandte in die ewigen Jagdgründe zu schicken, ein Job, der ein paar Piepen einbringt, die dummerweise aber nichts mehr nutzen, weil die Zivilisation bereits kollabiert ist. So streifen sie durch die Straßen der “ausgestorbenen” Stadt, bestreiten ihre kleinen Scharmützel und ziehen sich abends auf ein Glas Rum auf Juans Dachterrasse zurück. JUAN DE LOS MUERTOS ist in erster Linie Stimmung: Ein Gefühl der Bedrohung stellt sich nie ein, weil die Protagonisten es längst gewöhnt sind, sich gegen widrige Umstände zu behaupten. Da lässt man sich auch von Zombies nicht mehr aus der Ruhe bringen. Diese Gelassenheit ist das herausragende Merkmal des Films und sie bindet den Zuschauer an die Figuren, die nicht hysterisch werden oder ihr Leid klagen, sondern die Ärmel hochkrempeln und – Vorsicht: Phrase – die Misere als Chance begreifen. Während Horrorkomödien oft zur Hysterie und zum Klamauk neigen, da besticht dieser JUAN DE LOS MUERTOS durch einen immer sicheren Rhythmus. Hier wird nicht mit Gewalt, Kettensägen-Close-ups und inflationärem Kuntsbluteinsatz um die Gunst der Nerds gebuhlt, sondern sich ganz auf die Kraft der Geschichte verlassen. Gags werden einem weder mit dem Hammer eingeprügelt noch penetrant abgefeiert und sie haben ihren Ursprung immer in den Charakteren des Films. So funktionieren hier auch solche Witze, die in einer US-Produktion regelmäßig Anlass zur Fremdscham geben: Dass eine Transe etwa als Mensch wahr- und ernstgenommen wird, ihr Tod einen der tragischeren Momente des Films bildet, darf man durchaus als begrüßenswerten Glücksfall betrachten. Sogar der eine wahscheinlich unvermeidliche Schwulenwitz trifft ins Ziel, weil er vor allem die latente Homophobie aufs Korn nimmt, anstatt ausschließlich die eigene Verbohrtheit auszustellen. Großen Anteil an diesem Gelingen haben die Darsteller, die allesamt perfekt sind in ihren Rollen und beweisen, wie wichtig gutes Casting ist. Vor allem Juan-Darsteller Alexis Dáiz de Villegas muss hervorgehoben werden: eine echte Entdeckung.

JUAN DE LOS MUERTOS, den ich insgeheim schon als unerträglichen Kinderkram vorverurteilt hatte, hat sich als absoluter Glückstreffer erwiesen: Er ist wahrscheinlich die beste Horrorkomödie seit Jahren und die zunächst unverschämt erscheinende SHAUN OF THE DEAD-Referenz trifft tatsächlich ziemlich ins Schwarze, weil sich beide Filme im Geiste sehr ähnlich sind. Nimmt man dann noch den kleinen Exotenbonus dazu, der zwar nicht ausschlaggebend sein sollte, aber ja dann doch nicht ganz unwesentlich ist, dann kann man JUAN DE LOS MUERTOS nur noch als Gewinner bezeichnen: Die Bilder des maroden Havanna und seiner Einwohner allein sorgen schon für einzigartige Atmosphäre, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Doch JUAN DE LOS MUERTOS ist weit mehr, er ist ein im besten Sinne humanistischer Film, weil er echte Empathie für seine Protagonisten erzeugt , ohne sie zu Krücken einer Ideologie zu degradieren oder mit fragwürdigen Methoden um Mitleid für sie zu betteln. Diese Leistung ist kaum überzubewerten. Und wenn man nach 90 unterhaltsamen, witzigen, herzerwärmenden und turbulenten Minuten von einer großartig animierten Zeichentricksequenz zu Sid Vicious’ Version von Sinatras “My way” aus dem Film entlassen wird, möchte man eigentlich noch nicht gehen, sondern bei Juan bleiben und ihm dabei zusehen, wie er die Hürden des Lebens nimmt.

27
Mar
12

trolljegeren (andré øvredal, norwegen 2010)

Zweitsichtung. Letztes Jahr hat mich TROLLJEGEREN bei den Fantasy Filmfest Nights einfach nur glücklich gemacht: Es handelt sich um einen dieser seltenen Filme, bei denen zur makellosen Umsetzung einer für sich genommen schon großartigen Idee noch genau jenes Quäntchen Extracharme hinzukommt, das dafür sorgt, dass man den Kinosaal mit einem breiten Grinsen und eben diesem nicht weiter definierbaren kindlichen Glücksgefühl verlässt. TROLLJEGEREN ist pure Kinomagie:  Für knapp 90 Minuten gibt es nichts anderes als die zerklüftete Landschaft Norwegens und seine zwar gefählrichen, aber auch ungemein liebenswerten mythischen Ureinwohner, die Trolle. Weil ich schon einen ausführlichen Text über diesen Film geschrieben  und diesem auch ein Jahr später nichts Wesentliches hinzuzufügen habe, will ich mich hier nur kurz auf einen Aspekt beschränken, der mir diesmal besonders aufgefallen ist. Der im Dienste der norwegischen Regierung stehende Trolljäger Hans hat meiner Meinung nach durchaus das Zeug dazu, zu den großen (tragischen) Helden des Genrekinos zu avancieren. Zunächst war ich gestern über eine vermeintliche Drehbuchschwäche gestolpert: Mir schien es nicht plausibel, dass Hans den Umschwung vom unnahbaren, schweigsamen Eigenbrötler zum bereitwilligen Kollaborateur des Filmteams so überaus abrupt vollzieht: Nachdem er zunächst alle Annäherungsversuche der Studenten brüsk, einsilbig und sehr bestimmt abweist, ist er plötzlich bereit, alle Geheimnisse mit ihnen zu teilen. Zwar kann man sich durchaus immer noch darüber streiten, ob ein fließenderer Übergang dramaturgisch besser gewesen wäre, aber seine Motivation tritt dann doch deutlich zu Tage, mehr als mir das bei der ersten Sichtung bewusst geworden wäre. Im Verlauf des Films gibt es nämlich einige Hinweise darauf, warum Hans gegen das Geheimhaltungsdiktum der Regierung verstößt: Es geht ihm nicht in erster Linie um die Aufklärung der norwegischen Bevölkerung, sondern tatsächlich darum, Buße abzulegen für seine Taten. So souverän und sachlich Hans in der Erfüllung seiner Aufgabe auch scheint, der “Scheißjob”, wie er ihn bezeichnet, hat ihn tief traumatisiert. In seinem von “Trollstank” durchzogenen Wohnwagen schläft er ausschließlich unter Solariumsleuchten, weil er die Dunkelheit nicht mehr ertragen kann: Hans hat Angst. Dann ist da schließlich das Geständnis, er habe im Auftrag der Regierung ein wahres Massaker unter der Trollbevölkerung angerichtet, Neugeborene und Mütter umbringen müssen, um Trollgebiet für Menschen besiedelbar zu machen. Und die Schuld an diesem Vergehen an der Natur lastet schwer auf seinen Schultern. TROLLJEGEREN ist unter der kindlich-liebevollen, humorigen Fassade auch ein Film über die Hybris des Menschen, der radikal in die Natur eingreift. Um sich die Landschaft nutzbar zu machen schickt er seine Soldaten vor, die ihm den Weg bereiten: Hans ist einer jener Soldaten; ein stummer Diener, der Ergebnisse zu liefern, die Drecksarbeit zu erledigen hat. Er lädt die Schuld auf sich, damit wir sauber bleiben können. Am Schluss geht er dann wahrscheinlich – der Film lässt das im Unklaren – in den Freitod, in dem Glauben, dazu beigetragen zu haben, das Verbrechen publik zu machen. Doch wie es sich für eine gute Verschwörungstheorie gehört, lässt sich das System nicht von einem Handwerker bezwingen. Das kollektive Gewissen muss porentief rein bleiben.

15
Mar
12

creepshow (george a. romero, usa 1982)

Ein Papa (Tom Atkins) entreißt seinem jungen ein Comicheft der Reihe “Creepshow” und schmeißt es in die Mülltonne. Der Wind blättert durch das Heft und seine Geschichten. 1. “Father’s Day”: Ein missgünstiger Ehemann und Vater kommt Jahre nach seiner Ermordung aus seinem Grab, um sich endlich seinen Vatertagskuchen von seinen Hinterbliebenen abzuholen. 2. “The Lonesome Death of Jordy Verrill”: Der geistig zurückgebliebene Farmer Jordy (Stephen King) lässt über seine Träume vom großen Geld alle Vorsicht fahren und fasst einen Meteor an, der auf seinem Grundstück gelandet ist. Bald bemerkt er an seinem Körper und im Haus überall grüne Sporen, die unaufhaltsam wuchern. 3. “Something to tide you over”: Der gehörnte Ehemann Richard (Leslie Nielsen) hat sich für eine Frau (Gaylen Ross) und ihren Geliebten (Ted Danson) etwas ausgedacht. Nahe der Flutlinie gräbt er sie im Sand ein und schaut sich ihren Todeskampf mittels Kamera bequem zu Hause an. Doch abends hört er Geräusche … 4. “The Crate”: Der Professor Dexter Stanley (Fritz Weaver) entdeckt in einer alten Kiste im Universitätsgebäude eine uralte, gefräßige Kreatur, die sogleich den Hausmeister und einen Studenten vertilgt. Er erzählt seinem alten Freund und Kollegen Henry Northrup (Hal Holbrook) davon und der hat sogleich eine Idee, wie er seine ätzende Gattin Billie (Adrienne Barbeau) loswerden kann. 5. “They’re creeping up on you”: Der misanthropische Geschäftsmann Upson Pratt (E. G. Marshall) hat panische Angst vor Bakterien und Ungeziefer und lebt deshalb in einem klinisch reinen Hight-Tech-Apartement, von wo aus er seine Untergebenen über das Telefon gängelt und kontrolliert. Doch derzeit hat er alle Hönde voll zu tun, der Kakerlakenplage Herr zu werden …

Mann, habe ich den schon lange nicht mehr gesehen! Und: Mann, war das gut, den mal wieder zu gucken! Langer Rede, kurzer Sinn: CREEPSHOW, eine aus der Feder von Stephen King stammende und von George A. Romero inszenierte Hommage an die EC-Comics, die auch die Grundlage für die britischen Verfilmungen TALES FROM THE CRYPT und VAULT OF HORROR sowie die erfolgreiche Fernsehserie TALES FROM THE CRYPT bildeten, ist vor allem ein Trumph des Designs. Unter Zuhilfenahme von wundervollen Trickfilmsequenzen, eines trick- und einfallsreichen Schnitts, der erfolgreich die Panelstruktur des Comics nachahmt (ein traumhaft schönes Comicalbum zum Film wurde ebenfalls aufgelegt), der garstig-übersteuerten Effektarbeit Tom Savinis, einer traumhaft expressiven Kameraarbeit und Lichtsetzung und der superb aufgelegten Besetzung gelingt das Kunstwerk, den Geist der Comics ohne Verlust in ein anderes Medium zu übertragen. CREEPSHOW ist bunt, ohne dabei plastikhaft, plakativ, ohne platt zu sein, bösartig, ohne je zynisch zu werden, geschmacklos, aber niemals stillos und vor allem witzig, ohne dabei den Horror zu vernachlässigen. An dieser Mischung versucht sich seit knapp zwei Jahrzehnten ein ganzes Genre, ohne auch nur annähernd die Klasse dieses Films zu erreichen (gemeint ist natürlich das fürchterliche Fun-Splatter-Kino). Große Exegesen sind dann auch gar nicht nötig, die Qualität dieses Films sticht wortwörtlich ins Auge. Nur soviel: Die alttestamentarische Moral, die diese Geschichten zu vertreten scheinen, ist ja gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Tod geht dann wohl doch nicht nur streng nach dem Regelwerk vor, sondern hat durchaus einen Sinn für dramaturgische Kniffe. Warum etwa der Rachemord des betrogenen Richard Vickers eher geahndet gehört als das ja kaum weniger heimtückische Vergehen des baven Henry Northrup, darüber könnte man sicher lange Diskussionen führen.

27
Feb
12

todo modo (elio petri, italien/frankreich 1976)

Während Italien von einer rätselhaften Seuche heimgesucht wird, treffen sich bedeutende Gesellschaftsmitglieder aus Politik, Wirtschaft und Finanzwesen – darunter nicht zuletzt der amtierende Präsident M. (Gian Maria Volonté)  – in den unterirdischen Räumen des Klosters San Ignazio di Loyola, wo die Herrschenden sich traditionell seit dem 16. Jahrhundert einmal im Jahr zusammenfinden und unter Aufsicht der Kirche eine Art spiritueller und moralischer Fortbildung erfahren. Doch der verantwortliche Priester Don Gaetano (Marcello Mastroianni) müht sich vergeblich, den selbstsüchtigen, selbstgerechten Haufen zu Demut und Verantwortung zu mahnen: Die von Neid und Gier zerfressenen Heuchler haben nur ihren eigenen Vorteil im Sinn und so beginnt bald das große Sterben und die vergebliche Suche nach Mörder und Motiv …

TODO MODO – Elio Petris vorletzter Film – verbindet Einflüsse aus Politthriller, Satire, Horrorfilm, Giallo, Murder Mystery und Krimi, Sozialdystopie und Science Fiction bzw. Endzeitfilm zu einer höchst ungewöhnlich Mischung und einem schwierigen, aber ungemein beeindruckenden und vor allem bedrückenden Film. In Deutschland wurde TODO MODO gar nicht erst veröffentlicht, wahrscheinlich weil seine politische Kritik zu sehr auf konkrete italienische Verhältnisse und Personen bezogen und demzufolge für deutsche Kinogänger zu unverständlich war, in Italien nur zwei Jahre nach Erscheinen von der Realität eingeholt und in der Folge aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen: Der ehemalige Präsident Aldo Moro, dem der Protagonist M. eindeutig nachempfunden war, wurde 1978 von der “Brigate Rosse”, einer kommunistischen Untergrundorganisation, entführt und wenig später unter bis heute ungeklärten Umständen erschossen. Das Ende von TODO MODO musste rückblickend fast prophetisch erscheinen, sehr zum Nachteil von Petri, dessen bis dahin von zahllosen Erfolgen gesäumte Karriere damit einen unerwarteten Dämpfer erfuhr.

Man darf allerdings vermuten, dass es in Italien vielen Menschen sehr gelegen kam, einen Grund für die Verbannung des Films in die Giftschränke geliefert zu bekommen: Zielte Petri mit seinen Filmen zuvor noch auf anonyme Zustände und Systeme ab, so verleiht er diesen in TODO MODO zum ersten Mal ein Gesicht. Und das ist wenig schmeichelhaft: Die Granden, die sich da versammelt haben, sind allesamt unerträglich bigotte Gestalten, Lügner, Speichellecker und rücksichtslose Profiteure, denen es nicht darum geht, sich fortzubilden, sondern nur darum, möglichst gut wegzukommen. Präsident M. steht ihnen mit seiner servilen, devoten Verweichlichung in nichts nach, predigt mit dem sanften Blick des Büßers Enthaltsamkeit und Demut, während er sich in seiner Kammer an seiner Gattin vergreift, die er hat einschmuggeln lassen. Er ist ein Schwächling, ein willenloser Spielball der Kräfte. Aber auch Don Gaetano hat Dreck am Stecken: Die sich bis zum Ende des Films häufenden Morde haben möglicherweise etwas mit einem seinerseitigen Vergehen zu tun, von dem ein Erpresser Wind bekommen hat; Petri löst das bis zum Ende nicht auf, belässt es bei Andeutungen. Faktisch ist auch er nur ein machtloser Hampel, der aber im Gegensatz zu seinen “Schülern” zu ahnen scheint, dass die Fortbildung nicht mehr als eine Farce, ein Lippenbekenntnis ist. Seine Mahnungen fallen umso schärfer aus, als er weiß, dass die Anwesenden ihre Zeit nur absitzen, an einer persönlichen Weiterentwicklung gar nicht interessiert sind. Und er ist auch nur eine Spielfigur in diesem Spiel.

Was an TODO MODO sofort heraussticht ist sein klaustrophobisches Setting: Es erinnert mit seinem schmucklosen Beton an eine Tiefgarage oder einen Bunker, nur die vertreut herumstehenden modernen Statuen und die in ihrer Kargheit der Umgebung angemessenen Kreuze, Altäre und Jesusfiguren lassen erkennen, um was für einen Ort es sich handelt. Einzelne grelle Lichtinseln unterbrechen die vorherrschende Dunkelheit und die in das Kloster integrierten Katakomben bieten eine Lesart für die Vorgänge an, die treffender erscheint, je mehr Menschen sterben: An diesem Ort wird die Zivilisation sehenden Auges zu Grabe getragen. Während draußen die Menschen einer mysteriösen Krankheit zum Opfer fallen, zerfleischen sich drinnen die Entscheidungsträger aus purer Eitelkeit und Egoismus. Auch die Kirche gebietet dem keinen Einhalt, ist froh, am Reigen der Mächtigen beteiligt zu sein und bildet sich etwas auf ihren Einfluss ein. Die Musik Morricones – in UN TRANQUILLO POSTO DI CAMPAGNA, INDAGINE SU UN CITTADINO AL DI SOPRA DI OGNI SOSPETTO und LA CLASSE OPERAIA VA IN PARADISO noch mechanisch-rhythmisch bis kakophonisch-dissonant – ist hier kaum noch vernehmbar, nicht mehr als ein beunruhigendes Klimpern und Brummen im Hintergrund, das aber dafür nie ganz zu verstummen scheint und die unangenehme, lebensfeindliche Atmosphäre des Films maßgeblich bestimmt.

Die Schauspieler verzerren ihre Figuren mit Ausnahme von Mastroianni zu grotesken Karikaturen. Volonté liefert einmal mehr eine Jahrhundertvorstellung ab als rückgratloser, von inneren Zwängen bestimmter, weinerlich-weibischer Präsident. Seine körperlichen Deformationen, wenn er dem Lob von Parteigenossen ausweichen will, sich dann doch widerwillig auf den südländischen Bruderkuss einlässt, sind schmerzhaft mitanzusehen. Dann ist TODO MODO bei aller Härte aber auch wieder sehr komisch: Etwa, wenn M. von einem Polizisten aufgefordert wird, zu beschreiben, wo sich wer im Raum zum Zeitpunkt eines Mordes aufgehalten habe, und der an seiner Links-Rechts-Schwäche scheitert, die laut eigenem Bekunden schon für “manches Missverständnis” während seiner politischen Laufbahn gesorgt habe. Wenn TODO MODO in solchen Momenten eindeutig als politische Satire zu identifizieren ist, so überschreitet er deren enge Grenzen im bizarren Finale, das von der konkreten politischen Situation Italiens wieder auf einer viel allgemeinere, universelle Kritik abhebt. Kafka scheint wie schon bei INDAGINE eine ganz gute Referenz zu sein für das, was Petri in TODO MODO macht. (Weitere Vergleiche, die sich mir aufdrängten, sind sowohl Romeros DAY OF THE DEAD, der mit Petris Film das unteriridische Setting und den Zusammenprall zweier Systeme teilt, und Cormans Poe-Adaption THE MASQUE OF THE RED DEATH, dessen Ausgangssituation der aus TODO MODO sehr ähnlich ist.) Wie dem auch sei: Ein vollkommen einzigartiger Film. Anstrengend und quälend, aber unglaublich reich und faszinierend, schillernd wie ein Edelstein, schroff wie Kubricks Monolith; dass Gesellschaftskritik keineswegs immer nüchtern und banal sein muss, beweist dieser Film.

Wer mehr über TODO MODO erfahren möchte, dem sei der Text von Bretzelburger empfohlen, der über deutlich mehr Hintergrundwissen über die politische Landschaft Italiens zu jener Zeit verfügt als ich und demzufolge noch einiges mehr zu Petris Film zu sagen weiß.

24
Feb
12

gandu (kaushik mukherjee, indien 2010)

Für die Filmgazette habe ich den indischen Independentfilm GANDU rezensiert, der dieser Tage unter dem Titel GANDU – WICHSER auf DVD via Bildstörung erscheint. Nicht hundertprozentig meine Tasse Tee, aber für Freunde des ungewöhnlichen Films definitiv empfehlenswert; nicht zuletzt wiel Bildstörung jede Unterstützung verdient hat. Hier kann man meinen Text lesen.

20
Feb
12

laser mission (beau davis, südafrika/deutschland/usa 1989)

Michael Gold (Brandon Lee) wird vom CIA in einen von den Sowjets geführten fiktiven afrikanischen Staat geschickt, um den dort arbeitenden Wissenschaftler Prof. Braun (Ernest Borgnine) abzuwerben. Zunächst kommt ihm jedoch der Auftraggeber Brauns, der schurkische Eckhard (Werner Pochath), in die Quere und sorgt für Golds Inhaftierung. Der kann zwar fliehen, doch Braun ist erst einmal verschwunden: Gold wird zurückgeschickt und erhält den Auftrag, den Forscher gemeinsam mit Brauns Tochter Alissa (Debi Monahan) ausfindig zu machen …

They don’t make ‘em like this anymore und seriöse Filmfreunde könnten dies ausnahmsweise durchaus als Zeichen einer positiven Entwicklung betrachten. Selbst wenn man wie ich ein problematisches Verhältnis zum Begriff “Trash” hat, fallen nur wenig Gründe ein, warum man Beau Davis’ Film nicht mit diesem Label versehen sollte: Die Geschichte ist wirklich haarsträubend blöd und Gleiches gilt für die Dialoge, die deutlichster Ausdruck des gescheiterten Bemühens sind, mit LASER MISSION ein Rundum-Sorglos-Paket in Sachen großes Entertainment beim Zuschauer abzuliefern. Hinter jeder Ecke lauert entweder ein Statist, den es umzunieten gilt, oder aber ein flacher Wortwitz und das Ganze ist filmisch so unbedarft und so sehr in seiner Zeit verhaftet, dass es heute schwerfällt, sich die Welt vorzustellen, in der LASER MISSION produziert werden konnte. Ein Film, der wieder mal auf den bösen Kommies rumhackt, mag zwar ein unpassender Anlass für die Feststellung sein, dass die späten Achtzigerjahre irgendwie eine unschuldigere Zeit waren, aber heute wäre ein solches der Fantasie eines Achtjährigen entsprungenen und mit dessen Gemüt inszenierten Werks absolut undenkbar. Dazu kommen dieser künstliche Look und der Jahrmarktscharakter des Films, dessen Macher sich seiner narrativen und technischen Unzulänglichkeiten offensichtlich völlig unbewusst war: Der Wille zählt. So darf Debi Monahan, die aussieht, als sei sie beim Casting von DREI DAMEN VOM GRILL gegen die attraktivere Brigitte Mira ausgeschieden, hier das heiße Love Interest von Brandon Lee geben, der es zwar wie ein Profi nahm, aber bis zu seinem Tod wahrscheinlich jede Nacht schreiend aus Albträumen erwachte, iund dann dem Himmel auf Knien für seine Hollywoodkarriere dankte, die ihn vor solchen Härtetests bewahrte.

Auch sonst gibt es einiges zu bestaunen, beklatschen und belachen: Der Titelsong namens “Mercenary Man” ist genau jene Art von AOR-Softrock mit treibendem Beat und Reibeisenstimme, die ich heute schmerzlich vermisse, der afrikanische Staat gönnt sich neben den sowjetrussischen Besatzern die Amtssprache Spanisch (?) und die obligatorische Liebesszene zwischen den Protagonisten wird erzählerisch sinnvoll direkt nach einem tagelangen Fußmarsch durch die Wüste platziert. Die Comic Reliefs Pierre Knoessen und Maureen Lahoud sind besonders sinnlos und unwitzig, dafür rührt das Finale, in dem alle nochmal freudestrahlend vereint werden, fast zu Tränen (NOT!). Wer den Film sehen möchte, sollte die deutsche Fassung meiden: Die verfügt zwar über eine das Geschehen angemessen dämlich unterstützende Synchro, unterschlägt dafür aber auch ein paar Gewaltspitzen, darunter auch den Tod des Oberbösewichts Eckhard. Vielleicht hat sich Pochath aber auch einfach nur vom Acker gemacht, bevor man sein Ende drehen konnte …

10
Feb
12

passi di morte perduti nel buio (maurizio pradeaux, italien/griechenland 1977)

Im Zug von Istanbul nach Athen wird eine Frau in einem vollbesetzten Abteil während eines Stromausfalls erstochen. Ein namenloser Inspektor (Robert Webber) nimmt die Ermittlungen auf: Sein Hauptverdächtiger ist der junge Fotograf Luciano Morelli (Leonard Mann), dessen Brieföffner als Mordwaffe diente. Als es für Luciano eng wird, flieht er und überlegt mit seiner etwas dümmlichen Modelfreundin Ingrid (Vera Krouska), wie er den wahren Mörder dingfest machen kann. Der geht währenddessen weiter seinem Hobby nach: Ein Erpresser und seine Freundin müssen dran glauben …

Nach dem sehr straighten, aber leider auch unspektakulären und schmuddeligen PASSA DI DANZA SU UNA LAMA DI RASOIO, kommt Pradeaux mit einem verspielten, humorvollen Giallo um die Ecke, den ich von ihm ganz sicher nicht erwartet habe. Die Creditsequenz stimmt mit ihrer hypnotischen Lavalampenstudie – blutrote Blasen in türkisfarbenem Wasser – schon ganz gut auf die visuellen Qualitäten des kommenden Films ein, deutet aber auch dessen luftige Struktur an. Pradeaux baut zwar auf einer sehr traditionellen Murder-Mystery-Prämisse auf, die man kaum anders als als Klischee bezeichnen kann, arbeitet sich dann aber auf äußerst verschlungenen Pfaden zu einem Ziel vor, das ihn gar nicht so besonders zu interessieren scheint. Nachdem er die Exposition absolviert hat, widmet er sich dem Erpresserpärchen, das man schon als die eigentlichen Protagonisten akzeptiert hat, wenn sie dann doch noch vorzeitig aus dem Film scheiden. Die Morde sind – das teilt PASSI DI MORTE PERDUTI NEL BUIO mit PASSA DI DANZA – ausgesprochen ruppig, lassen eine makabre Obsession des Regisseurs für klaffende Kehlenschnitte vermuten und bilden das unangenehme Gegengewicht zu dem die Grenze zum Klamauk hier und da deutlich überschreitenden Humor. Vor allem im letzten Drittel, wenn wieder der zu Unrecht beschuldigte Luciano mit seiner naiv-dummen Freundin in den Fokus des Interesses rückt, PASSI DI MORTE sich sogar ganz kurz mal in einen Heist Movie verwandelt, ist der blutige Kollateralschaden ganz weit weg, regiert fluffiger Witz das Geschehen, um den der Giallo sonst einen großen Bogen macht. Dafür sind die Sex- und Liebesszenen dann wieder besonders selbstzweckhaft: Die extreme Großaufnahme einer von oben nach unten ins Bild ragenden Frauenzunge, die von einer vor Leidenschaft tropfenden Mundhöhle erwartet wird, macht es hinfällig, noch von sich einstellenden “Assoziationen” zu schwadronieren und ist so ziemlich das obszönste, was ich diesseits von echter Pronografie gesehen habe.

PASSI DI MORTE PERDUTI NEL BUIO ist, das ist hoffentlich deutlich geworden, wenn auch bei Weitem kein Klassiker des Genres, so doch eine immens bunte Tüte, prall gefüllt mit allem, was man sich von südeuropäischer Giallo-Exploitation erwartet. 90 kurzweilige Minuten, die zudem toll aussehen, wie man den Screenshots entnehmen kann.




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