Einträge tagged ‘Martial Arts

24
Apr
12

tnt jackson (cirio h. santiago, usa/philippinen 1974)

Die Karatespezialistin TNT Jackson (Jeannie Bell) reist auf der Suche nach ihrem Bruder nach Hongkong und schleicht sich dort in eine Verbrecherorganisation ein. In dieser ist auch der Karatekämpfer Charlie (Stan Shaw) tätig, doch er hat Aufstiegsambitionen und möchte den Drogenhandel in die eigene Hand nehmen …

Dass einem diese Geschichte bekannt vorkommt, ist noch nichts Besonderes, basieren doch wahrscheinlich 1.353 Actionfilme auf einer ähnlichen Storyline. Doch so unmittelbar nach Santiagos FIRECRACKER betrachtet, fällt diese “Ausrede” gleich um ein Vielfaches weniger überzeugend aus. Um es kurz zu machen: FIRECRACKER ist nichts anderes als ein “Remake” von TNT JACKSON, in dem die schwarzen Hauptfiguren kurzerhand durch weiße ersetzt wurden. Da ich schon FIRECRACKER nur sehr, sehr bedingt unterhaltsam fand, ist der Ausschlag, den TNT JACKSON auf meiner persönlichen Erregungsskala auslöst, kaum noch messbar. Klar, als Blaxploiter bringt TNT JACKSON gewisse Schau- und Hörwerte mit sich: Jeannie Bell sieht mit ihrem Monsterafro ziemlich klasse aus, egal ob bekleidet oder unbekleidet, und Stan Shaw ist ein besserer Schurke/Love Interest als das blonde Schnurrbartmilchbrötchen aus FIRECRACKER, auch der Score macht mit seinem unterleibszentrierten Funk ordentlich Stimmung unterhalb der Gürtellinie (na gut, ein bisschen erregt hat mich der Film dann doch), aber dafür hapert es an anderer Stelle: Musste man bei FIRECRACKER den Film ab und zu mal schneller laufen lassen oder ein Double einsetzen, damit man Hauptdarstellerin Jillian Kessler – angeblich ein Karatechampion – abnahm, dass sie ihren männlichen Gegnern wirklich überlegen war, war der Einsatz solch eleganter Methoden hier wohl nicht möglich, sodass Bells Kampfszenen dank eines äußerst gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen holprigen, Schnitts für Epileptiker denkbar ungeeignet sind. Die Kämpfe sind eher armselig, aber das scheint ja fast schon wieder ein Blaxploitation-Standard zu sein, schließlich kam selbst Jim Kelly, der gern als “schwarzer Bruce Lee” apostrophiert wird, nur ausgesprochen schlecht aus der Hüfte.

TNT JACKSON schleppt sich in seinem Nacheinander aus langweiligem Geschwätz und lahmarschigen Fights so über die Ziellinie und findet in seinen zwei Splatterszenen – garantiert herzschonend ganz am Anfang und ganz am Ende platziert – seine einsamen Höhepunkte: Einem Straßengauner (warum treten Vergewaltiger in diesen Filmen eigentlich immer paarweise auf?) auhaut Jackson blutig den Arm durch, dem armen Charlie durchschlägt sie gar den Oberkörper und reißt ihm dabei das Herz raus. Nach 72 zähen Minuten ist der Spuk dann auch vorbei. Bis zum nächsten Film von Cirio H. Santiago. Demnächst aus seinem hartnäckigen Schaffen in diesem Blog: FLY ME und COVER GIRL MODELS.

24
Apr
12

firecracker (cirio h. santiago, usa/philippinen 1981)

Die Karateexpertin Susanne Carter (Jillian Kesner) schleicht sich auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester in die Organisation von Rey (Ray Malonzo) ein, der mit seiner rechten Hand, dem Martial Artist Donner (Darby Hinton), illegale Arenafights bis zum Tod veranstaltet und außerdem in den Drogenhandel mit dem Schmierlappen Grip (Vic Diaz) verwickelt ist …

Positiv könnte man über Cirio H. Santiago sagen, dass man von ihm immer ziemlich genau das bekommt, was man erwartet hat. Negativ betrachtet ließe sich an diese Behauptung der Zusatz anfügen, dass das nicht besonders viel ist. Was ich schon bei VAMPIRE HOOKERS und DEMON OF PARADISE konstatierte, gilt also auch für  FIRECRACKER: Potenziell schlummert in der 08/15-Story ein durchaus unterhaltsamer kleiner Exploiter, die Production Values sind völlig OK und die Darsteller allesamt brauchbar, doch unter Santiagos handwerklich zwar kompetenter, aber eben auch furchtbar uninspirierter Regie werden alle guten Ansätze gnadenlos planiert. Was seinen Filmen total abgeht, ist Rythmus. Es gibt keinen Flow, dem man sich hingeben, der einen mitreißen würde, keinen Spannungsaufbau, nur eine Abfolge von für sich genommen meist uninteressanten Szenen. So folgt auf drei langweilige Dialogszenen, in denen bergeweise Exposition bewältigt wird, die einen eh nicht interessiert, eine kleine Actioneinlage, bevor dann das Geschehene wieder haarklein von allen beteiligten Parteien zerredet wird. Dramaturgie: Fehlanzeige. Immerhin gibt es bei FIRECRACKER drei Szenen, für die es sich dann einigermaßen lohnt, sich durch die Unmengen preiswerter Sättigungsbeilage zu fressen. Es ist bezeichnend, dass die erste dieser Szenen mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun hat: Susanne wird von zwei Vergewaltigern in eine Lagerhalle verfolgt. Dort bringen die Schurken zuerst den der Dame zur Hilfe eilenden Wachmann um, indem sie ihn auf eine Spitzhacke schubsen, reißen der Holden dann bei der anschließenden Hatz nach und nach die Kleidung vom Leib (der BH wird mittels eines Sichelhiebs entzweit), bis sie sich nur noch mit einem Slip bewehrt zum Kampf stellen muss und einer ihrer Gegner sein blutiges Ende in einer Kreissäge findet. Die zweite Szene ist eine lang ausgedehnte Sexszene, die aber eigentlich zu 99 % aus Vorspiel besteht. Der schicke Donner, ein blonder Schnurrbartträger mit Fönwelle, benutzt zwei Taschenmesser, um Susanne sämtliche Klamotten vom Leib zu schneiden, bevor sie ihm eine scheuert und dann ihrerseits mit dem Messer zu Werke geht. Die Szene schließt dann sehr antiklimaktisch mit Nahaufnahmen der regungslos aufeinander liegenden Liebenden. Wem das noch zu wenig ist, der kann sich immerhin noach auf den Finalfight freuen, bei dem Susanne ihrem Gegner die Augen mit zwei Stöcken aussticht. Das ist in der Tat wenig, aber wenn man die Exploitationfilm-Exegese auch als entbehrungsreiche Arbeit betrachtet, wie ich das tue, dann freut man sich angesichts solcher Momente doch darüber, drangeblieben zu sein. Wie für den Goldsucher, der für ein winziges Nugget stundenlang kiloweise Sand schürfen muss, werden diese Szenen durch den erbrachten Einsatz nur noch wertvoller.

Das ist dann aber auch das Problem, das ich bei der Bewertung solcher Filme habe: Ich kann wahrlich nicht behaupten, gebannt vor dem Fernseher gesessen zu haben, die Gedanken sind mehr als einmal weit abgeschweift, die Aufmerksamkeit ist oft erst zur nächsten Keilerei wieder zurückgekehrt. Und ich würde niemandem ernsthaft einen Santiago-Film empfehlen, von dem ich nicht wüsste, dass er einen ähnlich gelagerten Geschmack hat wie ich. Trotzdem mag ich diese Art von langweiligen Exploitern gerade wegen ihrer Eigenschaft, schamlos Langweile zu verbreiten, irgendwie. Sie sind wie Hintergrundmusik: Sie stört nicht weiter, wenn man dabei etwas anderes machen möchte, man kann sie einfach nebenher plätschern lassen, und wenn man sich ihr dann doch wieder zuwendet, dann findet man erstens schnell wieder den Zugang und zweitens dauert es meist nicht lange, bis irgendwas Kurzweiliges passiert. Am Stück genossen ist FIRECRACKER trotz seiner Belanglosigkeit aber ziemlich hartes und geschmacksarmes Brot und nebenbei weder Fisch noch Fleisch. Zum großen Exploitationspaß fehlt ihm der Wahnsinn, zum echten Film die Klasse. Man merkt hier sehr deutlich, dass der Film tatsächlich nur ein Vorwand zum hemmungslosen Abkassieren ist. Deshalb sieht das Poster auch tausendmal geiler aus als das, was dann über die Leinwand flimmert.

EDIT: Noch erwähnt sei die geile Jacke, die Donner einmal trägt und die zu tragen nicht einmal Steven Seagal die Eier hätte: eine Art tailliertes, lang geschnittenes Jeanshemd, auf dessen Rücken ein kindgerechtes Steppen-Panorama mit putzigem Löwen prangt, das mich fatal an ein Puzzle erinnert, das meine zweijährige Tochter derzeit schwer beschäftigt. Mit Löwen hat Donner es eh: Seine weiße Ballonseiden-Joggingjacke ist aber nicht ganz so geil.

13
Mar
12

east l.a. warriors (addison randall, mexiko/spanien/usa 1989)

In East L.A. bekriegen sich die Jugendgangs bis aufs Blut. Sie stehen auf der Gehaltsliste des Drogendealers Chesare (Lawrence Hilton-Jacobs), den die Polizei einfach nicht zu fassen bekommt. Als Paulo (Kamar De Los Reyes) seinen kleinen Bruder bei einem Drive-by-Shooting verliert, will er bei den “Lobos” aufgenommen werden, der örtlichen Latino-Gang, die im Dauerclinch mit den Schwarzen von den “Boppers” liegt. Doch zuvor trifft Paulo auf Aurelio (Tony Bravo), einen ehemaligen “Lobo”, der der Gewalt seit Jahren entsagt hat. Er kann den Veteranen überzeugen, ihm das Kämpfen beizubringen. Und verspricht ihm im Gegenzug, ihm dabei zu helfen, Chesare zur Strecke zu bringen …

Nach dem geilen PAYBACK war die Erwartungshaltung für diesen Film vielleicht etwas zu hoch: EAST L.A. WARRIORS kommt nie richtig in Fahrt und seine ihm ins Gesicht geschriebene Billigkeit steht ihm eher im Weg, als dass er in der Lage wäre, sie zu einer Stärke umzudeuten. Hauptproblem des Films ist seine viel zu umständliche Geschichte, in der gleich mehrere Standardplots verwurstet werden: Kampf der Polizei gegen den Drogen-Kingpin, Banden- und Bruderkriege, Ausbildung zum “echten Krieger”, die Reaktivierung eines alten Veteranen, schließlich noch ein bisschen Turnierfilm. Randall – der übrigens aus einer langen Linie Filmschaffender stammt – hätte gut daran getan, sich auf ein oder zwei dieser Aspekte zu kontrollieren, statt alles auf einmal zu versuchen und so zwangsläufig überall nur Halbfertiges zustande zu bringen.

Im Gedächtnis bleiben wird EAST L.A. WARRIORS für Hauptdarsteller Tony Bravo, der mit seinem Schnäuz ein bisschen wie ein lateinamerikanischer Rudi Völler aussieht, die “mächtigen” Gangs, die kaum mehr als zehn Mitglieder aufweisen, die völlig sinnlose Nebenrolle von William Smith und die von den deutschen Synchronsprechern sehr steif vorgetragenen spanischen Dialoge, die aus der Tonspur so eine Art “Spanisch für Dummies” machen. Ich hatte mehr erwartet. My bad.

14
Nov
11

ninja bugeicho momochi sandayu (norifumi suzuki, japan 1980)

Japan im 16. Jahrhundert: Der machthungrige Kriegsherr Hideyoshi entsendet seinen Krieger Shogen (Sonny Chiba), um mit dem verhassten Momochi-Clan aufzuräumen. Der jüngste Spross des Clans, Takamaru, wird von seiner Mutter nach China in Sicherheit geschickt. Jahre später kehrt er, nun ein junger Mann (Hiroyuki Sanada), zurück ins eine Heimat, um die letzten Überlebenden seines Clans zum Kampf gegen Shogen zusammenzutrommeln …

Ein Überbleibsel meines Ninja-Marathons aus dem vergangenen Jahr, ist NINJA BUGEICHO MOMOCHI SANDAYU (ab jetzt kurz SHOGUN’S NINJA) ein moderner Vertreter des Jidai-Geki, jenes Genres, das sich mit den Kaisern, Samurais, Shoguns (Shogunen?), Clans und Dynastien der japanischen Geschichte und ihren Schlachten auseinandersetzt. Steht man diesen Filmen als westlicher Zuschauer aufgrund ihrer Bezüge zu Begebenheiten, die einem völlig fremd sind, eh schon meist ratlos gegenüber, verliert man schon nach kurzer Zeit den Überblick über die zahlreichen handelnden Figuren, ihre Namen, Zugehörigkeiten und Motivationen, so potenziert sich die Verwirrung bei SHOGUN’S NINJA dank bizarrer moderner Regieeinfälle, der unbeholfenen deutschen Synchronisation (ein ausgesuchtes Zitat: “Diese Flöte ist mehr als ein Musikinstrument.”) und der eigenwilligen Struktur des Films, der Actionszene an Actionszene reiht, dabei von Höcksken auf Stöcksken kommt und nahezu auf jede Orientierung schaffende Exposition verzichtet, gleich um ein Vielfaches.

Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie SHOGUN’S NINJA seine Geschichte erzählt: Suzuki beginnt seinen Film mit der Beauftragung Shogens und dem sich anschließenden Gemetzel an den Momochis, wendet sich dann schließlich einer Frau desselben Clans zu, die ihren Sohn an einen Diener abgibt und sich selbst hinrichtet. Nach satten 12 Minuten beginnt die Title-Sequenz zu rollen und mit ihr erhascht man den ersten Blick auf den eigentlichen Protagonisten des Films, den zurückkehrenden Takamaru. Der sucht seine Freunde auf – die ihn, der doch seine gesamte Jugend in China verbracht hat – gar nicht (mehr) kennen dürften – und trommelt sie zum Widerstand zusammen. Erfolge und Misserfolge wechseln sich in rascher Folge ab, führen entweder zum nächsten Kampf oder aber zu einer nötigen Befreiungsaktion, mehrfach werden zwei kostbare Schwerter der Momochis erwähnt, auf deren Klingen jeweils ein Teil einer Karte eingraviert ist, die zu einer Goldmine führen soll, und irgendwann erzählt Takamaru via Rückblende, was er in China erlebt hat und dass er dort von einer attraktiven jungen Frau in die Geheimnisse der Kampfkunst eingeweiht worden sei, die dann viel später – man hat sie schon fast wieder vergessen – auch noch ihren Auftritt in der Gegenwart des Films feiern darf. Die seit KILL BILL auch westlichen Kinogängern bekannte Figur des Hattori Hanzo taucht auch immer wieder am Rande des Films auf und am Ende sind die Bösen besiegt, die Momochis haben ihre Rache bekommen und die beiden Schwerter mit der Schatzkarte, die doch angeblich so wichtig waren, werden ins Meer geworfen. Untermalt wird das Ganze von entspannt groovendem Discofunk, der die Wirkung der Bilder völlig auf den Kopf stellt, außer in jener denkwürdigen Trainingsszene, in der Takamaru zu diesem Sound tatsächlich zu tanzen beginnt, als sei der Geist Jennifer Beals’ in ihn gefahren. No shit!

SHOGUN’S NINJA ist dafür, dass er sich inhaltlich eigentlich überhaupt nicht von anderen Jidai-Geki unterscheidet, reichlich bizarr. Ich hatte keine Ahnung, was da eigentlich genau passiert, trotzdem war das bunte Treiben in höchstem Maße kurzweilig. Was dem Film aber total abgeht, ist die Kohärenz, die einem begreiflich machen würde, dass seine Szenen nicht nur chronologisch angeordnet sind, sondern eben auch in einem kausalen Zusammenhang stehen. Ich fühlte mich während des Films, als befände ich mich auf einer langen Reise, deren einzelnen Etappen zwar allesamt sehr interessant sind, deren Ziel mir aber völlig unbekannt ist. Der mit 110 Minuten schon nicht gerade kurze Film dehnte sich demzufolge in meiner Wahrnehmung ins Uferlose, weil er einen klaren Handlungsbogen zugunsten vieler ineinander fließender Episoden mit wieder eigenen Spannungskurven vernachlässigt und mit dieser Strategie so viel Raum und Handlung abreißt, dass alles in einem einzigen Nebel verschwimmt. Wenn der Film nach den knapp zwei Stunden, die einem wie vier vorkommen, schließlich zu Ende ist, hat man zwar keine Ahnung mehr, wie das eigentlich alles angefangen hat, aber man weiß noch, dass es irgendwie gut war. Sehr, sehr merkwürdig. Aber das gilt ja auch für Suzukis zumindest in Deutschland wohl bekanntesten Film, der bundesdeutschen Justiziaren den ein oder anderen Schluckauf verursachte und auf den schönen deutschen Titel EXZESSE IM FOLTERKELLER hört …

08
Nov
11

rapid fire (dwight h. little, usa 1992)

Der chinesische Kunststudent Jake Lo (Brandon Lee) ist Zeuge als der Mafiaboss Serrano (Nick Mancuso), der das Drogengeschäft in Chicago an sich reißen will, einen Mittelsmann ausschaltet und fortan seines Lebens nicht mehr sicher. Als er von einem korrupten FBI-Beamten verraten wird und nach einem abgewehrten Anschlag auf sein Leben als Polizistenmörder gilt, kommt ihm Mace Ryan (Powers Boothe) zur Hilfe, ein Cop, der seit Jahren verbissen darum kämpft, den Drogenzar Kinman Tau (Tzi Ma), der die USA von Asien aus mit seinem Heroin überflutet, hinter Gitter zu bringen. In Jake sieht er eine Chance, sein Ziel zu erreichen, denn Tau arbeitete auch mit Serrano zusammen …

RAPID FIRE stammt aus einer Übergangszeit, als das Actionkino im Stil der Achtzigerjahre noch nicht gänzlich tot war, aber sich merklich gesundschrumpfte und den langsamen Rückzug in die damals noch florierenden Videotheken antrat. Auf der großen Leinwand läuteten Cameron und Schwarzenegger mit TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY die bis heute andauernde Ära des Eventkinos ein, während Filmemacher wie Dwight H. Little, Craig R. Baxley, Mark L. Lester, John Flynn, Lewis Teague oder andere im kleineren Rahmen noch so taten, als sei alles beim Alten. Der ungebremste Größenwahn war mit dem kommerziellen Fehlschlag der irrwitzigen Materialschlacht von RAMBO III einer neuen Bescheidenheit gewichen: kleine, lediglich formelhafte Plots betonen nun den spielerischen Aspekt des Actionkinos, was auch mit der  Inszenierung der Actionszenen korrespondiert, die nun nicht mehr länger jene Momente markieren, in denen die auf der Handlungsebene angelegten Konflikte eskalieren, sondern sich von der Handlung beinahe vollständig emanzipieren und – ähnlich dem Porno oder dem Slasherfilm – zu “Nummern” werden, denen das eigentliche Interesse gilt.

Die Geschichte von RAPID FIRE ist aus sattsam bekannten Versatzstücken des Cop- und Gangsterfilms zusammengesetzt und die Figuren sind allesamt überlebensgroße Klischees mit einer ganz klar definierten Funktion: Lee gibt den aufrechten asiatischen Immigranten, der mit dem Idealismus gebrochen hat, seit er die Ermordung seines Vaters bei den Unruhen auf dem Platz des Himmlischen Friedens mitansehen musste, Boothe ist der abgerissene Cop, der sein Privatleben zugunsten seiner “Mission” völlig aufgegeben hat. Natürlich profitieren beide aus der  vorübergehenden Partnerschaft: Jake lernt, dass es wichtig ist, seinen Überzeugungen zu folgen, Mace erkennt in seiner väterlichen Zuneigung zu Jake, dass es neben dem Beruf noch etwas anderes gibt. Der Plot von RAPID FIRE ist auf wirklich liebenswerte Art und Weise einfältig – ein kleiner, früh fallengelassener Subplot widmet sich etwa dem chinesischen Studentenführer Paul (Dustin Nguyen aus 21 JUMP STREET), der mit rotem Stirnband für die Befreiung Chinas demonstriert und Jake als Sohn eines echten “martyrs of the cause” für seine Zwecke gewinnen will – und ganz darauf hinkonstruiert, möglichst viele Gelegenheiten für krachende Actionszenen zu bieten. In diesen kommt RAPID FIRE dann auch ganz zu sich: Choreografiert von Brandon Lee sind die zahlreichen Fights von einer Physis geprägt, die man heute in dieser Form höchstens noch von Isaac Florentine geboten bekommt und die den Hongkong-Einfluss kaum verleugnen können.Und weil sich ihnen nichts in den Weg stellt, entfalten sie ihre ganze Durchschlagskraft.

Der Titel RAPID FIRE beschreibt sowohl den Film als auch das Seherlebnis sehr treffend: Schnell, urgewaltig und zerstörerisch geht es hier zur Sache. Nach 90 Minuten ist der Spuk vorbei, ohne dass man sich noch lange mit den Kollateralschäden aufhalten müsste. Das Feuer ist ein reinigendes.

04
Jul
11

maximum risk (ringo lam, usa 1996)

Der französische Polizist Alain Moreau (Jean Claude Van Damme) erfährt von der Existenz seines Zwillingsbruders Mikhail erst, als er dessen Leiche gegenübersteht. Um herauszufinden, wer sein Bruder war, und um seinen Tod aufzuklären, begibt sich Alain nach New York. Dort findet er heraus, dass Mikhail Mitglied der Russenmafia war, aber offensichtlich kurz davor stand, auszusteigen: Dazu machte er gemeinsame Sache mit dem FBI …

Mitte der Neunzigerjahre schlug in Hollywood die Stunde der Hongkong-Regisseure. Mit John Woo, Tsui Hark und Ringo Lam feierten die drei berühmtesten Actionfilmemacher aus der Noch-Kronkolonie zwischen 1993 und 1996 ihre US-Debüts (ein Jahr später sollte auch noch Ronnie Yu folgen) und es schien, als könnte etwas von dem Glanz des Hongkong-Kinos, das Actionfreunde seit einigen Jahren in Bann schlug, auf das in Big-Budget-Bullshit zu ersticken drohende US-Actionkino abstrahlen. Dass es wohl eher darum ging, die unliebsamen Konkurrenten dem eigenen Standard anzupassen, als diese tatsächlich Einfluss nehmen zu lassen, kam schon in in der an Einfallslosigkeit kaum mehr zu überbietenden Entscheidung zum Ausdruck, jedem dieser drei Filmemacher für sein Debüt die “Muscles from Brussels” zur Seite zu stellen, fast so, als sei das ein geheimer Initationsritus, den importierte Actionregisseure zu überstehen haben, um ihre Eignung für Tinseltown zu beweisen. Nach Woos HARD TARGET und Harks DOUBLE TEAM war Lam mit MAXIMUM RISK also der dritte im Bunde (er blieb dem Belgier auch über diesen treu und drehte mit ihm noch den zwiespältigen REPLICANT und den famosen IN HELL) und machte seine Sache durchaus ordentlich, wenngleich er keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Sein Film war in seiner Anlehnung an das europäische Agententhrillerkino über weite Strecken zu unaufgeregt, um zwischen den Megablockbustern bestehen zu können, aber auch zu flach, um die trauernden Liebhaber des Hongkong-Kinos über den Abschiedsschmerz hinwegzutrösten.

Wenn es in MAXIMUM RISK knallt, dann merkt man, was Lam zu leisten im Stande ist: Die Eröffnungssequenz, eine Verfolgungsjagd durch die engen Gassen Nizzas, an deren Ende Mikhail sein Leben aushaucht, ist Actionkino in Perfektion, mit Stunts, die in Lams Inszenierung gleich doppelt so wahnsinnig aussehen. Auch die anderen Actionszenen, die kurzen Schlägereien, in die Alain immer wieder verwickelt wird, ein selbstmörderische Verfolgung zwischen fahrenden Zügen an einem Bahnhof oder schließlich der Showdown, bei dem auch eine Kettensäge zum Einsatz kommt, sind eine ganze Ecke physischer, unmittelbarer und damit zupackender als bei vielen von Lams Kollegen, doch leider versumpft der Film zwischen diesen Höhepunkten immer wieder in der Beliebigkeit und in abgegriffenen Klischees. Nun ist Lam noch nie ein Filmemacher gewesen, der seine Filme auf Höchstgeschwindigkeit bügelte, sondern einer, der Action immer sehr dosiert einsetzte und stets um eine gewisse Authentizität bemüht war. Doch diese Authentizität geht nunmal zwangsläufig flöten, wenn Van Damme in einer Doppelrolle als toter Russengangster und französischer Supercop besetzt wird, eine mit dem Charisma eines eingeweichten Brötchens ausgestattete Natasha Henstridge als Love Interest auftritt und sämtliche Schurkencharaktere mit einem rassistischen Russenakzent ausgestattet werden. MAXIMUM RISK ist gewiss nicht blöder oder dümmer als andere US-Actioner jener Zeit, aber eben auch nicht so clever, wie es Lams nachfolgende Hongkong-Knaller FULL ALERT und THE SUSPECT sein sollten.

Was schade ist, weil die Geschichte um einen Mann, der herausfinden will, wer dieser tote Bruder eigentlich war, von dem er nichts wusste, und dabei auch seiner eigenen Identität hinterherläuft, durchaus interessanten Stoff für einen abgründigen Actionfilm um gelebte (Doppel-)Identitäten geboten hätte. So bleibt es aber bei einer kurzen Szene gegen Ende, in der diese Idee abgehandelt wird, und es spricht Bände, dass diese auch den emotionalen Höhepunkt in einem Film darstellt, der mich sonst kaum berührt hat. In ihr sieht man auch schon, dass Van Damme durchaus schauspielerisches Talent besitzt; eine Feststellung für die man noch bis vor einigen Jahren und dem Achtungserfolg von JCVD ausgelacht worden wäre. Fazit: MAXIMUM RISK ist ein erstklassig inszenierter Actionfilm mit guten Production Values und dankenswerterweise ohne die Blödheiten, die man etwa bei Harks DOUBLE TEAM gleich sackweise verabreicht bekam. Für echte Begeisterung fehlt dem Film aber einfach der letzte Kick. Den holt man sich hinsichtlich der Kombination Lam/Van Damme am besten bei IN HELL ab.

21
Jun
11

the last dragon (michael schultz, usa 1985)

Der junge Martial Artist “Bruce” Leroy Green (Taimak) hat von seinem Lehrer alles gelernt, was der ihm beibringen kann. Jetzt gilt es den Weisen Dum Sum Goy in New York ausfindig zu machen, der allein ihn auf die letzte Stufe hieven und ihm den sagenumwobenen “Glow” verleihen kann. Der etwas naive Leroy begibt sich sogleich auf die Suche, erregt mit seiner bloßen Anwesenheit den Zorn von Sho’nuff, dem “Shogun of Harlem” (Julius Carry), und kommt der süßen Laura Charles (Vanity), ihres Zeichens musikalische Trendsetterin, V-Jane und Leiterin des Clubs “7th Heaven”, zu Hilfe, die von dem Gangster Eddie Arkadian (Christopher Murney) bedrängt wird. Der will, dass Laura ihm dabei hilft,  seine untalentierte Geliebte Angela (Faith Prince) zum Next Big Thing zu machen …

Es gibt Filme, die gibt’s gar nicht. Oder präziser: Es gibt Filme, die sind so sehr Kind ihrer Zeit, bringen alles, was diese auszeichnete, so genau auf den Punkt, dass sie 25 Jahre später aussehen wie Außerirdische, wie aus einem der Zeit enthobenen Paralleuniversum entstammend. THE LAST DRAGON ist so ein Film. Vom Motown-Gründer Berry Gordy wahrscheinlich im Koksrausch der Achtzigerjahre ersonnen und produziert, stellt er wohl den je nach Perspektive sagenhaft missglückten oder geradezu triumphal verlaufenen Versuch dar, einen Blaxploiter im Hochglanzgewand der Achtzigerjahre zu inszenieren. (Ich tendiere zu letzterem.) Zwar sind alle nötigen Zutaten vorhanden – ein mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestatteter Held, ein attraktives Love Interest, ein weißer, das Kapital repräsentierender Schurke, ein schwarzer Gegner von der Straße, dazu viel, viel Musik, debiler Humor  sowie etliche Tanz- und Kampfszenen -, aber sie werden mit einer dicken Schicht Zuckerguss überzogen, mit deren Verdauung man noch Tage später beschäftigt ist.

Nun war der Blaxploitation-Film der Siebzigerjahre auch in erster Linie eine Erfindung weißer Geschäftsleute. Und bis auf einige wenige Ausnahmen ging es diesen sicherlich nicht um eine ernstgemeinte Botschaft von Empowerment und Gleichberechtigung, sondern vor allem darum, zahlungswilliges Publikum in die Kinos zu locken. Man muss sich nur den Namen des wohl berühmtesten Blaxploitation-Helden John Shaft auf der Zunge zergehen lassen (ähem …), um zu verstehen, dass der Blaxploitation-Film nicht zuletzt grelle Abbildung der weißen Angst vor dem schwarzen Mann war, der dessen Zivilisiertheit mit der ungebändigten Wildheit des (urbanen) Dschungels gegenübertrat. Aber immerhin gelang es den Filmemachern, diese Wildheit adäquat einzufangen und so dennoch ein halbwegs authentisches Bild von afroamerikanischer Kultur und “Street Life” zu zeichnen: Wahrscheinlich einer der Gründe, warum die Protagonisten des Blaxploitation-Films auch heute noch im Hip-Hop refenrenziert werden und zu echten Kultur-Ikonen heranwachsen konnten.

In THE LAST DRAGON hingegen sieht man vor allem die alles gleichmachende Kraft der Reaganomics am Werk, die alle störenden Ecken und Kanten abschleift, um alles und jeden für den Markt verfügbar zu machen und der Maschine überantworten zu können. Eddie Murphy, zu Beginn seiner Karriere der legitime Erbe der Blaxploitation-Stars von einst, musste seinen Duktus schon einem Maschinengewehr angleichen und mit Homo- und Transsexualität kokettieren, um dem anderen schwarzen Superstar jener Zeit etwas entgegenhalten zu können: Es ist durchaus kein Zufall, dass die kleine Schwester von Leroy in THE LAST DRAGON von Keshia Knight gespielt wird, jener kleinen Knuddelmaus, die inTHE COSBY SHOW für Zuckerschocks am laufenden Band sorgte. Und so wie Bill Cosby die andere Seite eines Spektrums besetzt, das in den Siebzigerjahren bei Richard Pryor begann und sich mit Eddie Murphy in die Gegenwart der Eighties fortsetzte, so war es ein weiter Weg von den übersexten, ungezähmten Detektiven, Pimps, Pushern, Mackern, Bad Bitches und Gangstern des Blaxploitation-Films hin zu den Huxtables, die sich vom Gynäkologen-Gehalt des Papas eine schöne Stadtvilla auf der Upper West Side leisten und in ihren geschmacklosen Strickpullis darüber freuen konnten, so richtig in der Gesellschaft der W.A.S.P.s angekommen zu sein.

Und der brave Leroy, wenngleich nicht solch begüterten Verhältnissen, sondern der Familie eines Pizzabäckers entstammend, ist nun nicht gerade der Stoff, aus dem weiße Albträume gemacht sind. THE LAST DRAGON ist komplett unterbelichtet, was genitale Regungen angeht, der weiße Toastbrot-Soul von Pommeslocke DeBarge zielt vielleicht auf die Füße, aber garantiert nicht auf den Unterleib, und wenn Vanity/Laura Charles ihre Liedchen trällert, werden auch eher Assoziationen zum Mülleimer von Andrew Lloyd Webber geweckt als zum rasenden, dampfenden Funk der Siebziger.  (Dass Vanity den Vorschlag ihres einstigen Gönners Prince, sich den Bühnennamen “Vagina” zuzulegen, ablehnte, muss man wohl als Beleg für ihren intakten Selbstrespekt werten, aber es passt auch ganz gut in mein hier skizziertes Bild der Reaganomics-Achtziger.) Sho’nuff, der zehn Jahre vorher noch zum Held seines eigenen Films avanciert wäre, gereicht hier nur noch zum tumb-vertierten Schurke, zur Karikatur und Parodie auf Bootsy Collins und Rick James, dessen Niederlage gegen Leroy dann den durchaus symbolischen Höhepunkt des Films darstellt: Als Leroy den “Glow”, eine sichtbare, leuchtende Aura erlangt, die ich hier nicht weiter in meinem Sinne interpretieren muss, den “Shogun of Harlem” bezwingt und schließlich in einem paradiesischen Discoszenario mit seiner Laura gen “Himmel” schweben darf (nachdem er sie spitzbübisch grinsend aufgefordert hat, ihr einige “Moves” beizubringen, ihm also die Jungfräulichkeit zu nehmen), ist auch er bereit, als vollwertig produktives Mitglied in die kapitalistische Gesellschaft aufgenommen zu werden.

All dieser ideologiekritische Sermon sollte aber nicht verhüllen, dass THE LAST DRAGON ein wahres Fest ist. Die Szene, in der ein mit begeisterten Kids vollbesetztes Kino zu Bruce Lees ENTER THE DRAGON abgeht und Breakdancer im Mittelgang ihre eigene Interpretation der Kung-Fu-Moves vorführen, ist eine der schönsten Würdigungen des Martial-Arts-Kinos, die ich kenne, und macht etwa den für spätgeborene Europäer immer etwas fremd gebliebenen Eastern-Fetischismus des Wu-Tang Clan, der auf mit Eastern-Doppelpacks in Billigkinos verbrachte Nachmittage zurückgeht, sofort transparent. Und Michael Schultz, der mit dem kurz darauf entstandenen Hip-Hop-Filmklassiker KRUSH GROOVE und dem unfassbaren Fat-Boys-Film DISORDERLIES seinen Beitrag zur schwarzen Kultur der Achtzigerjahre leistete, gelingt es auch sonst ganz ausgezeichnet, quer durch die Filmgeschichte zu wildern und sich von Blaxploitation, Kung-Fu-Kino oder auch Frank Tashlins Masterpiece THE GIRL CAN’T HELP IT inspirieren zu lassen.

THE LAST DRAGON ist Eighties-Pop-Art vom allerfeinsten, auch wenn das bedeutet, dass er auch die hässlichen Seiten dieses Jahrzehnts, die wir eigentlich alle vergessen wollten, gnadenlos ans Licht zerrt: Wer den Motown-Soul der Sechziger- und Siebzigerjahre in sein Herz geschlossen hat, für den ist dieser Film nicht weniger als ein bad trip, der zeigt, wie sehr die Gegenkultur hier durch den Synthesizer assimiliert wurde. Adressierten die schwarzen Helden früher noch ihre sozialen Probleme, besingt DeBarge in seinem Falsetto-Hit “Rythm of the Night” poesiearm die Kapitulation vor dem Elend: “Forget about the worries on your mind, you can leave them all behind”. THE LAST DRAGON hat alles und mehr, ein Piranhabecken, hässliche Klamotten, Glückskekse, eine idiotische “Glaub’ an dich selbst”-Botschaft, eine quäkige Cyndi-Lauper-Verarsche, bemackte Kung-Fu-Esoterik, stulligen Wortwitz und William H. Macy im Jogginganzug, ist purer, manipulativer Eskapismus, aber solcher der dümmsten, grellsten, lautesten, naivsten, lustigsten, lebendigsten und ja, auch der schönsten Sorte. Wer hier keinen Spaß hat, der hat echte Probleme, bei denen ihm auch glattgebügelter Synthiesoul nicht helfen kann.

10
Mai
11

they call her … cleopatra wong (bobby a. suarez, philippinen/singapur 1978)

Die Interpol-Superagentin Cleoptara Wong (Marrie Lee) wird auf einen Geldfälscherring angesetzt, der den Wirtschaftsraum Südostasien in den kollektiven Ruin treiben will …

Manchmal ist in einem Satz tatsächlich alles gesagt, wie man obiger Inhaltsangabe entnehmen kann: Vorhang auf für Marrie Lee als Cleopatra Wong, mit allen Wassern gewaschene Powerfrau, die unschwer als philippinische Antwort auf die Blaxploitation-Superweiber des vorangegangenen Jahrzehnts entworfen wurde.  Der oben skizzierte Plot bietet dann auch kaum mehr als den arbiträren Anlass für eine 90-minütige Abfolge wüster Verfolgungsjagden, Keilereien und Shoot-outs, die herrlich naiv inszeniert ist und in ihrer grellen Comichaftigkeit noch manches zweidimensionale Comicheft in den Schatten stellt. Nach bester Bond-Manier wird in der ersten Hälfte des Films ein rasantes Location-Hopping betreiben, das die Heldin von Manila über Singapur nach Hongkong führt und dessen Motivation, nun ja, sehr kreativ herbeifabuliert ist. So wird sie etwa von ihrem Chef – einem (wie übrigens auch die Schurken) in überdeutlich-gestelztem Oxford-Englisch schwadronierenden Briten, dessen extreme Lippenbewegungen auch ein Blinder noch richtig hätte nachsynchronisieren können – beauftragt, in Singapur mit dem Falschgeld zu bezahlen, das angeblich von beeindruckender Authentizität sei, um dessen Hersteller auf den Plan zu rufen. Das sieht im Film dann so aus, dass Cleopatra einen sündhaft teuren Ring mit einem Riesenstapel Bargeld bezahlt und festgenommen wird. Bevor man noch fragen kann, warum dieses Geld vom Verkäufer sofort als Falschgeld erkannt wird, wenn es doch so täuschend echt sein soll, oder warum die Schurken überhaupt ein Interesse an den Personen haben sollten, die ihr Falschgeld in Umlauf bringen, wird Cleopatra von den Übeltätern aus dem Gefängnis befreit und verhört. Als man ihr offenbart, dass keine ihrer möglichen Antworten etwas an der Schärfe ihrer Bestrafung ändern kann, ergreift sie die Flucht. Und diese Fluchten – es gibt mehrere – sind dann auch eine echte Schau: Dutzende von Schurken auf den Fersen rennt Cleopatra an allen örtlichen Sehenswürdigkeiten vorbei, um in regelmäßigen Abständen stehenzubleiben und ein paar der sich anbietenden Bad Guys zu vermöbeln: Zum Glück halten immer ein paar von ihnen respektvollen Abstand, um dann in der nächsten Keilerei zur Verfügung zu stehen. Der Anblick ganzer Heerscharen von Verbrechern, denen es nicht gelingt, eine sich auf ihren High-Heel-Stiefeln nur im Schildkrötentempo fortbewegende Heldin zu schappen, lohnt die Betrachtung des Films allein schon.

In der zweiten Hälfte schaltet Suarez dann einen Gang zurück: Es stellt sich heraus, dass die Bösen aus einem katholischen Nonnenkloster heraus operieren und das Falschgeld in Erdbeermarmeladen-Gläsern verschiffen, die im Kloster produziert werden – in einer Szene sieht man wirklich, wie die Nonnen die Gläser Löffel für Löffel befüllen: Das nennt man dan wohl Nonprofitorganisation. Ein schlagkräftiges Team im Schlepptau – darunter Franco Guerrero, der dieselbe Jacke trägt wie im ONE ARMED EXECUTIONER und einen Polizisten, dessen Eignung für die Mission überraschenderweise darin besteht, eine “cold-blooded killing machine” zu sein – stürmt Cleopatra das Kloster und mischt die falschen Nonnen reihenweise auf. Der Schwung und die Komik der ersten Hälfte werden dabei leider nicht mehr ganz erreicht, ein ziemlich schöner, weil wilder und auf seine epigonale Art eigenständiger Film ist THEY CALL HER … CLEOPATRA WONG aber dennoch. Schade nur, dass der Film auf der Dark-Sky-Double-Feature-DVD beschnitten präsentiert wird. Für eine Version im richtigen Bildformat ist die Welt aber wohl nicht mehr bereit.

02
Mar
11

born to raise hell (lauro chartrand, usa 2010)

Auf F.LM habe ich die DVD-Veröffentlichung des neuen Seagal-Films BORN TO RAISE HELL dazu genutzt, mich ausführlich mit Seagals Filmpersona und seiner Bedeutung für das Actionkino alter und neuer Prägung auseinanderzusetzen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Text und hoffe, er gefällt. Und damit es zwischen den Zeilen nicht untergeht: BORN TO RAISE HELL ist ausgesprochen sehenswert.

25
Feb
11

ip man zero (herman yau, hongkong 2010)

Mein Review zum dieser Tage auf DVD erscheinenden Prequel der vor drei Jahren gestarteten IP MAN-Reihe, IP MAN ZERO, steht jetzt online.




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