Mit ‘Selbstjustiz’ getaggte Beiträge

Auf WHITE LIGHTNIN’ hatte ich mich sehr gefreut: Die “Edition Störkanal” hat bislang wenn auch nicht nur Knaller, so doch meist interessante Filme herausgebracht und dieser hier reizte mich wegen seiner Backwood- und Hillbilly-Thematik ganz besonders. Leider bin ich bitter enttäuscht worden und die Tatsache, dass dieser Film mit sehr viel Kritikerlob und sogar diversen Preisen bedacht wurde, lässt mich außerdem wieder einmal so fühlen, als hätte ich einen tollen Witz nicht verstanden. Nee, nee, WHITE LIGHTNIN’ ist für mich kaum mehr als stumpf provokanter und ästhetisch vollkommen eindimensionaler, um nicht zu sagen: hässlicher Quark. Wen meine Ausführungen zum Film interessieren, kann mein Review auf F.LM – Texte zum Film lesen, und zwar hier.

In New York werden unbescholtene Bürger ausgerechnet von jemandem umgebracht, der sie eigentlich beschützen sollte: einem Polizisten. Der ermittelnde Frank McCrae (Tom Atkins) hat den Verdacht, dass der Mörder sich nicht bloß als Cop verkleidet hat, sondern tatsächlich aus den Reihen des NYPD kommt. Der Verdacht fällt zunächst auf Jack Forrest (Bruce Campbell), dessen Gattin ermordet wurde, nachdem sie ihren Mann im Bett einer anderen Frau erwischt hat. Doch auch nach Jacks Inhaftierung reißt die Mordserie nicht ab. Die Spur führt zu dem wegen seiner Methoden verurteilten Ex-Cop Matt Cordell (Robert Z’Dar), doch der sollte eigentlich längst tot sein …

MANIAC COP hat es zwar auf immerhin zwei Sequels gebracht, deren Existenz ja schon als Indikator dafür fungiert, dass Regisseur Lustig und Drehbuchautor Cohen einen Nerv beim Horror-Publikum getroffen hatten. Der Maniac Cop Matt Cordell hat seinen Platz im Pantheon der in den Achtzigerjahren so populären Slasherfiguren sicher, auch wenn er sich dort mit einem der billigeren Plätze zufrieden geben muss. Ich fand ja schon immer, dass der Film sein Potenzial nicht ganz ausschöpfen, die Erwartungen, die an eine Zusammenarbeit von Lustig und Cohen zwangsläufig geknüpft werden müssen, nicht ganz erfüllen kann und diese Meinung hat sich auch bei dieser ersten Sichtung seit einigen Jahren wieder bestätigt: Aber irgendwie macht ihn auch gerade das für mich so liebenswert und hebt ihn von den zahlreichen anderen seriellen Filmkillern, die die Willkommensfreude im Laufe ihrer zahlreichen Wiederauferstehungen gnadenlos überstrapazierten, positiv ab.

Cohens finstere Story um einen No-Nonsense-Cop, der für sein hartes Durchgreifen bestraft wird und es im Gefängnis schließlich mit genau jenen Subjekten zu tun bekommt, die er zuvor mit der Macht des Gesetzes ausgestattet drangsaliert hatte, daraufhin für tot erklärt wird, nur um dies dann für einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Polizei zu nutzen, ist ohne Zweifel von der aufgeheizten Stimmung im New York der Prä-Giuliani-Ära mit ihrem Zero-Tolerance-Großreinemachen geprägt (und darüber hinaus eine schlagfertige Überspitzung der Tough-Cop-Filme der Siebzigerjahre). Cohen – einer der essenziellen New-York-Filmemacher – verfügt über ein ausgezeichnetes Gespür dafür, soziale Missstände und die aus diesen resultierenden Ängste der Stadtmenschen zum Ausgangspunkt für seine potenten, doppelbödigen und intelligenten, niemals aber verkopften Genrefilme zu machen, und auch MANIAC COP ist da keine Ausnahme: Was wäre, wenn sich in einer Stadt, in der die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch gefahrlos zu betreten sind, ausgerechnet ein Polizist als größte Bedrohung entpuppte? Lustig setzt diese Angst in der ersten Hälfte des Films, die eben fast ausschließlich nachts spielt, sehr effektiv ins Bild, verzeichnet die Straßen Manhattans ganz im Sinne des düsteren Crime- und Selbstjustiz-Thrillers  seines Jahrzehnts zum Kriegsschauplatz (hier müssen Lustigs VIGILANTE und MANIAC unbedingt genannt werden). Man merkt dem Film in jenen Szenen an, dass seine Urheber mit Leib und Seele New Yorker  sind: Der Film erreicht eine Intimität und Authentizität, die durchaus bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich ist. Selbst eigentlich unspektakuläre Füllszenen – ein Dialog zwischen McCrae und seinem Kollegen Ripley (William Smith) in einer schummrigen Bar – geraten so unverhofft zum Kern eines Horrorfilms, der mit dieser Etikettierung reichlich unterbewertet ist.

Es ist dann auch die überwiegend mit Plotabwicklung beschäftigte zweite Hälfte des Films, die ihm eines Teils seiner Wirkung wieder beraubt. Wenn der Täter enttarnt ist, mit McCrae plötzlich gar der bisherige Protagonist abtreten muss und Lustig ganz zur Hatz auf das Monster übergeht, die vorher gesichtslose Bedrohung mithin konkretisiert, gliedert sich der Film ins generische Maniac-on-the-loose-Subgenre ein, das eher mit Vordergründigkeiten beschäftigt ist. Vor allem zeigt sich aber in dieser zweiten Hälfte, warum Bruce Campbell nie den Sprung nach ganz oben geschafft hat und seine Brötchen wohl bis ans Ende aller Tage mit langweiliger Selbst- bzw. Ash-Kopie oder selbstreflexiver Fanboy-Fütterung wie MY NAME IS BRUCE fristen wird: Als straighter Held, der keine Gelegenheit zu Slapstick-Verrenkungen erhält, bleibt er vor allem im Vergleich mit Atkins fürchterlich blass. Die in der zweiten Hälfte von MANIAC COP vollzogene enttäuschende Entwicklung lässt sich also ganz explizit an ihm festmachen. Dennoch: Die genannten Stärken von Lustigs Film reichen aus, ihm einen Platz in meinem Herzen einzuräumen. Und ein Film, der sein Versprechen nicht ganz einlösen kann, ist mir immer noch lieber als einer, der erst gar keins macht, das er brechen könnte. Ach ja: Teil 2 und 3 sind bestellt, ick freu mir!

Weil sich der Interpol-Beamte Ortega (Franco Guerrero) mit dem Drogenbaron Edwards (Nigel Hogge) anlegt, schickt der ihm seine Häscher nach Hause, um ihm einen Denkzettel zu verpassen: Ortega muss erst der Ermordung seiner Frau zusehen, bevor ihm ein Arm abgeschlagen wird und er in der Folge in Alkohol und Selbstmitleid versinkt, bis sich sein väterlicher Freund Wo-Chen seiner annimt und ihm beibringt, dass man auch als Einarmiger noch Rache nehmen kann …

Action nach Philippinen-Art ist meist ein eher unbeholfenes, wenngleich nicht völlig hoffnungsloses Unterfangen, für das man entweder eine Ader hat oder eben nicht. ONE ARMED EXECUTIONER ist an mir – einem Apologeten der Filipino-Action -  ziemlich vorbeigeflogen, was vor allem an seinem überraschungs- und spannungsarmen Plot liegt, der sich damit begnügt, die sattsam bekannte Rache- und Selbstjustiz-Nummer ohne nennenswerte eigene Einfälle abzuspulen. Natürlich gibt es für Baddie-Freunde die ein oder andere Gelegenheit, aufzulachen – während Settings und Dekor mehr als einmal an die grotesk zugemüllten Helge-Schneider-Filme erinnern, sind Dramaturgie und Dialoge von geradezu aufreizender Einfalt -, doch insgesamt ist ONE ARMED EXECUTIONER eine erstaunlich leidenschaftsarme Angelegenheit. Vielleicht ist das gar nicht mal so dumm: Der Racheplot vollzieht sich mit einer Selbstverständlichkeit, die die emotionale Obdachlosigkeit des Protagonisten deutlicher hervortreten lässt als jeder noch so geniale Drehbuchschachzug. Ortega, so könnte man das auch sagen, ist ein Zentrum ohne Herz: Zwar ist er Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber er bleibt einem komplett fremd, seine Emotionen wirken fast willkürlich, pflichtbewusst. Die finale Hetzjagd durch eine Sumpflandschaft fesselt dann auch nicht, weil man einen bestimmte Ausgang für den Helden herbeisehnt, sondern allein wegen der Zurschaustellung einer ins Nichts gerichteten Willenskraft: Der One Armed Executioner geht den Weg, dem das Drehbuch ihm vorgezeichnet hat, ohne Fragen zu stellen.

Filme aus Südkorea sind vor ca. zehn Jahren der heißeste Scheiß gewesen. Völlig unerwartet überwältigte uns das kleine Land mit Filmen wie SHIRI oder J.S.A. und ist heute neben Japan und Hongkong als wahrscheinlich drittstärkste Kraft in Südostasien etabliert. Leider jedoch musste man irgendwann feststellen, dass das südkoreanische Kino auch nur mit Wasser kocht und sich dem US-Kino doch ziemlich angenähert hat: Große, fett aussehende Produktionen, die das Publikum mit abgeschmackten, aber aufdringlichen Ideen ködern sollen, überwiegen. Kim Jee-woon ist ein perfektes Beispiel jener Filmemacher, die ihr großes technisches Vermögen immer wieder unter Beweis stellen, sich aber nun schon seit Jahren damit begnügen, im Grunde genommen aufgeblasene B-Filme zu machen. Für die Nerds scheint das zu reichen, wenn man sich die Bewertungen in diversen Foren oder auf Datenbanken durchliest. Ich finde, dass I SAW THE DEVIL kaum verbergen kann, dass die perfekt gestylte Oberfläche vor allem dazu da ist, zu verbergen, dass sich kaum etwas dahinter verbirgt. Wirklich schlecht fand ich ihn nicht, aber irgendwie fällt mir dazu trotzdem vor allem ein Begriff ein: Angeberkino. Meinen (vorletzten) Text zu den Fantasy Filmfest Nights 2010 gibt es auf F.LM – Texte zum Film zu lesen und zwar hier.

Auf F.LM – Texte zum Film kann man meine Rezension zu Steven R. Monroes Remake von Meir Zarchis I SPIT ON YOUR GRAVE lesen, einem der Klassiker des kontroversen Kinos. Der Film ist besser als man das erwarten durfte, aber natürlich kaum weniger streitbar als der Vorgänger – wenngleich auch aus komplett anderen Gründen. Die Sichtung im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights war trotzdem ein furchteinflößendes Erlebnis: Was es über den Zustand der Menschheit aussagt, dass einige Vollhonks die unappetitlichen und keineswegs lustigen Gewaltszenen frenetisch bejubelten, so als säßen sie in einem Funsplatterfilm, möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Die Empfehlung, ihn sich lieber nicht im Kino anzusehen, um solchen Mutanten zu entgehen, kann ich mir aber sparen, denn Monroes Film wird mit Sicherheit niemals ein deutsches Kino von innen sehen.

Der russische Ex-Mobster Ruslan (Steven Seagal), mittlerweile ein erfolgreicher Autor autobiografischer Gangsterromane, erhält von seiner Ex-Frau Catherine (Inna Korobkina) die Nachricht von der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Lanie (Laura Mennell). Kurz vor dem Fest brechen jedoch Gangster in das Haus der Familie ein, töten Catherine und verletzen Lanie schwer. Ruslan, außer sich vor Zorn, greift sich Lanies zukünftigen Gatten Stephan (Dmitry Chepovetsky), selbst Sohn eines russischen Mobsters, und begibt sich mit ihm in die Unterwelt, um Rache an den Verbrechern zu üben …

Ein Brett!!!

Ich bin ja angesichts der Klasse von URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED und eben DRIVEN TO KILL wirklich geneigt, von einem Comeback Seagals vielleicht nicht zu alter, aber doch zu neuer Form zu sprechen und verkneife mir das vorläufig nur deshalb, weil ich mit KILL SWITCH  den Vorläufer dieses Werks noch nicht gesehen (ein Text folgt aber in Bälde) und vom Vampiractioner AGAINST THE DARK nur gehört habe, er neige zu ähnlich inszenatorisch-erzählerischen Unzulänglichkeiten à la ATTACK FORCE. Solche sind in DRIVEN TO KILL, einem ruppigen, ohne Umschweife auf die Zwölf krachenden Rachefilm gänzlich abwesend, stattdessen gelingt es Jeff F. King ähnlich wie Roel Reiné in PISTOL WHIPPED ausgezeichnet, die Physis und das Alter Seagals zu seinem Vorteil einzusetzen, anstatt sie in einem verwirrenden Schnittgewitter zu kaschieren. Mit schmierigen Gangstertattoos auf den Unterarmen und einem moderaten russischen Akzent gibt Seagal zwar einen seiner typischen geheimnisumwitterten Krieger, doch ist dessen Reue hier nicht mehr länger nur eine schmückende und letztlich doch nur dessen Heldentum bestätigende Eigenschaft. Wenn Ruslan den unschuldigen Stephan dazu nötigt, ihm bei seiner Mordtour zu helfen, weil ein echter Mann den Mord an seinen Geliebten gefälligst zu rächen habe, er einen harmlosen Pfandleiher, der ihm eine Information mit der Begründung verweigert, er sei kein Auskunftsbüro, brutal zusammenschlägt, einem der typischen Nebendarsteller-Proleten mitleidlos ein Glas ins Gesicht rammt und mit seinen Feinden in einer Weise abrechnet, die falscher Sentimentalität völlig unverdächtig ist, fühlt man sich als Zuschauer eher abgestoßen als angezogen. Soll das etwa die Identifikationsfigur sein? Seagals Filme haben ja noch nie einen Zweifel an der Entschlossen- und Überlegenheit ihres Protagonisten gelassen, doch so explosiv und finster wie hier hat man ihn wohl noch nie gesehen.

Es gibt eine tolle Körperstudie, eine längere Einstellung, die Ruslan einfach nur dabei zeigt, wie er auf die Kamera zugeht, und die künstlich verlängert wird, indem der Schnitt immer wieder ein kleines Stück “zurückspult”. Als letztes sieht man nur noch ein Stück seines Kopfes, das sich links aus dem Bild schiebt. In dieser kurzen Szene kommt die ganze Entschlossenheit und Unaufhaltsamkeit dieses Mannes zum Ausdruck, der einmal angestoßen wohl nur durch eine Kugel in die Stirn aufzuhalten ist. Und Seagals von Falten zerfurchtes Gesicht wird hier auch endlich nicht mehr als Bürde empfunden, sondern immer wieder in Szene gesetzt: Ein tolles Close-Up seiner Augenpartie würde ich am liebsten als Banner für mein Blog verwenden. Meine Lieblingsszene gibt es aber gleich zu Beginn: Ruslan wird von einem Groupie auf eine Stelle in einem seiner Bücher angesprochen, in der er von einem Spiel erzählt, bei dem drei Becher und ein Nagel eine wichtige Rolle spielen. (Wie das Spiel nicht funktioniert, kann man hier sehen.) Ruslan wird von ihr aufgefordert, ihr das vorzumachen, was er dann auch tut, völlig ungerührt. Auf die Frage, wo der Trick liege, sagt er nur: “The trick is to not give a fuck.” Badassery vom Allerfeinsten.

Natürlich erschöpft sich der Reiz von DRIVEN TO KILL nicht in der Inszenierung seines Hauptdarstellers: King serviert dem Zuschauer einen sackbrutalen Actionfilm, der leise Zwischentöne mit der Sensibilität einer Abrissbirne pulverisiert. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit gibt es wieder etliche dieser Seagal-Momente, für die man dessen Filme in den frühen Neunzigern verehrt hat und anlässlich derer man die Hände überm Kopf zusammenschlägt und sich fragt, ob man das gerade richtig gesehen hat. Mitleidlos wird von ihm alles plattgemacht, was sich ihm in den Weg stellt. Dabei bleibt DRIVEN TO KILL staubtrocken, verkommt nie zum überzogenen Splatter-Buhei, für die ADS-Generation. Aller moderner visueller Effekte zum Trotz ist Kings Film eher den harten Actionthrillern der Siebzigerjahre verpflichtet. Hätte man auch nicht gedacht, dass man Seagal mal in eine Traditionslinie mit Charles Bronson, Lee Marvin oder Steve McQueen stellen könnte …

Der düstere irische Urban-Crime-/Selbstjustizfilm SAVAGE von Brendand Muldowney ist in der feinen Edition Störkanal von I-On New Media erschienen, die ich bereits mehrfach lobend erwähnt habe. Auch SAVAGE darf man sich als Freund des genannten Subgenres durchaus zu Gemüte führen. AUf F.LM gibt es eine Rezension von mir: Klick.

Eine Bande von surfenden Verbrechern, die “Surf Nazis”, machen einen kalifornischen Strand der nahen Zukunft unsicher, klauen Handtaschen alter Damen, schikanieren Touristen und bekämpfen rivalisierende Surfergangs. Als sie den Afroamerikaner Leroy ermorden, schwört dessen Mutter Eleanor (Gail Neely), eine rüstige Rentnerin, Rache: Sie kauft sich ein stattliches Waffenarsenal zusammen und macht Jagd auf die “Surf Nazis” …

Vom Titel her verdientermaßen einer der berühmtesten Troma-Filme, ist SURF NAZIS MUST DIE letzten Endes ein doch eher enttäuschendes Unterfangen, auch wenn er mit mehr Verstand und Sorgfalt gefertigt scheint als ein Gros dessen, was unter dem Banner der Produktionsfirma aus New Jersey firmiert. Die klamaukige Hysterie, die so manchen Troma-Film zu einer nervtötenden oder wenigstens anstrengenden Angelegenheit macht, ist hier abwesend, im Gegenteil zeichnet sich SURF NAZIS MUST DIE durch eine sehr unterkühlte Atmosphäre aus, die in hartem Kontrast zu seinem absurden Titel steht. Sommersonnige Langneselaune sucht man jedenfalls vergeblich, was wohl auch darin begründet ist, dass SURF NAZIS genau genommen ein Endzeitfilm ist, auch wenn man das durchaus übersehen kann. Außer einer kurzen Schrifttafel, die das Geschehen in der nahen Zukunft verortet, gibt es lediglich einen kurzen Hinweis auf ein verheerendes Erdbeben, ansonsten sind es eher kleine optische Reize, die für eine Zuordnung zu diesem Subgenre sprechen, etwa die postpunkigen Kostüme der Surf Nazis oder die Bilder von Industrieanlagen und verkommenen Betonsünden, die jedes eventuell aufkommende Urlaubsfeeling schon im Keim ersticken. Leider ist Peter Georges Film aber auch sonst eher von Tristesse geprägt: Die Verbindung von Surfer- und Nazisujet erschöpft sich in ein paar naheliegenden Dialogzeilen (“I am the Führer of the New Beach!”), zahlreichen Hakenkreuzen und darin, dass zwei Mitglieder der Surf Nazis “Adolf” respektive “Mengele” heißen, bringt sonst aber ebenso wenig wie die eigentlich nette Idee, die Bösewichter von einer amoklaufenden Oma aus dem Weg räumen zu lassen. Was hätte daraus für einen herrlichen Baddie machen können! Stattdessen erzählt George seine Minigeschichte aufreizend unambitioniert und ohne jedes dramaturgische Gespür, liefert aber auch nicht genug Selbstzweckhaftes, das einen dies verschmerzen ließe. So muss SURF NAZIS MUST DIE ewig lang ohne Protagonisten auskommen und auch ein Plot kristallisiert sich erst nach gut der Hälfte der Spielzeit heraus. Bei mir äußerte sich das in einer zunehmenden Indifferenz, die sich auch dann nicht mehr gänzlich auflöste, als der Film dann endlich und viel, viel zu spät in Tritt kam. Klar, es gibt ein paar schöne Szenen – vor allem eine Enthauptung per Motorboot ist recht ansehnlich geraten – und so ganz ohne Reiz ist die eigenartige Mischung des Films nicht, aber irgendwie scheint selbst der Regisseur nicht so richtig gewusst zu haben, was er eigentlich will und der Verdacht liegt nahe, dass man einfach nur irgendeinen Film brauchte, dem man die schöne Titelschöpfung aufpfropfen konnte. Ein Exploitationtrasher ohne Krawall und miese Einfälle, eine Komödie ohne Gags, ein Actionfilm ohne Action, ein Drama ohne Drama: Wer kann so etwas wollen wollen? Eigenartig.

Das “Magnet Project” erlaubt es Schülern aus sozial schwachen Familien auf eine Eliteschule zu gehen, so auch dem freundlichen Danny (J. Eddie Peck). Natürlich gefällt das nicht allen Eliteschülern: Ein Anstieg der Kriminalität auf dem Campus wird sofort den ungeliebten Neuen in die Schuhe geschoben und ein Campus-Wachtrupp namens “Sentinels” ins Leben gerufen, der vom Millionärssohn Randy (John Stockwell) angeführt wird. Die Methoden der Sentinels sind mehr als fragwürdig, aber der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Bis ein Teilnehmer des Magnet Project tot aufgefunden wird …

DANGEROUSLY CLOSE, vom B-Movie-Titan Pyun für die selige Cannon inszeniert, ist zunächst mal ein Fest für alle Achtzigerjahre-Fetischisten: Gleich zu Beginn gibt es eine dieser geilen Scheinwerfer-im-Nebel-Gegenlicht-Aufnahmen, ohne die ein Genrefilm damals einfach nicht auskam, der Soundtrack ist gespickt mit Hochkarätern von Depeche Mode, Robert Palmer, Fine Young Cannibals über T.S.O.L. und die Lords of the New Church bis hin zu Black Uhuru, neben den genannten Darstellern gibt es ein Wiedersehen mit RETURN OF THE LIVING DEAD-Star Thom Mathews und dem späteren Bondgirl Carey Lowell – hier noch mit einem überaus attraktiven Rest von Babyspeck – und inhaltlich vereint der Film zwei der dominierenden Themen seines Jahrzehnts: Selbstjustiz und Klassenkampf. So wendet sich der verschlagene Randy an den zurückhaltenden Danny (seines Zeichens Redakteur der Campuszeitung), weil er dessen Gewogenheit braucht, um seine Sentinels aus dem Fokus des Interesses zu ziehen, und genau weiß, dass er diesen mit seinem materiellen Besitz leicht beeindrucken und gefügig machen kann. Zwischen beiden beginnt ein Spiel um Macht und Verführung, das darüber hinaus mehr als nur latent sexuell konnotiert ist: Ein gerade im Kontext des Selbstjustizplots ziemlich reizvoller Aspekt.

Leider, leider wird dieser interessanteste Teil der Handlung, nachdem er ausführlich aufgebaut wurde, in der zweiten Hälfte des Films aus mir unerfindlichen Gründen zugunsten einer konventionellen, unspektakulären Abwicklung fallen gelassen. Die Beziehung zwischen Randy und Danny wird plötzlich aufgelöst und geht in eine “normale” Rivalität über, die aber auch erst im Showdown ausagiert wird. Nichts, was in der ersten Hälfte angerissen wird, scheint in der zweiten noch eine Rolle zu spielen und das ist ziemlich schade, weil DANGEROUSLY CLOSE durchaus das Potenzial zu einem kleinen Klassiker gehabt hätte. So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, jemand habe mehr abgebissen als er zu kauen in der Lage war. Ich vermute die Wurzel des Übels beim Drehbuch, aber das ist natürlich schwierig zu sagen. Pyuns Film landet so letztendlich doch nur beim leicht gehobenen Durchschnitt: Man kann sich DANGEROUSLY CLOSE durchaus ansehen kann, ohne sich ärgern zu müssen, aber der bittere Geschmack der Enttäuschung bleibt doch.

Navy-Pilot Jay Cochran (Kevin Costner) verabschiedet sich nach zwölf Jahren von seinem Arbeitgeber und fährt nach Mexiko, um die neue Freiheit zu genießen und seinen väterlichen Freund, den Gangsterboss Tiburon Mendez (Anthony Quinn), zu besuchen. Bei diesem angekommen, verfällt Jay dessen junger und hochattraktiver Ehefrau Miryea (Madelein Stowe) mit Haut und Haaren – und diese erwidert seine Gefühle. Mit ihrer Affäre begeben sich beide zwar in Lebensgefahr, doch raubt ihnen die Leidenschaft jeden Sinn für die Vernunft. Es kommt, wie es kommen muss: Mendez erfährt von dem Verrat und rächt sich brutal: Jay landet halb tot geprügelt in der Wüste und Miryea entstellt in einem Bordell, wo sie zudem drogenabhängig gemacht wird. Als Jay überlebt, sinnt er seinerseits auf Rache …

REVENGE basiert auf einem seinerzeit sehr gefragten Drehbuch, das von Jim Harrison nach seinem eigenen Romans verfasst worden war. Hollywood-Veteran Ray Stark fungierte als Produzent und holte schließlich Tony Scott an Bord, nachdem zuvor etwa John Huston Interesse an dem Stoff bekundet hatte. Scott fühlte sich dem Stoff seinerseits persönlich sehr verbunden, hatte jedoch von Anfang an damit zu kämpfen, seine “Vision” gegen Stark durchzusetzen: Scott schwebte eine sehr düstere Umsetzung vor, die besonders das Triebhafte im Handeln seiner Protagonisten akzentuieren sollte, während Stark – eher ein konservativer Typ – genau damit Probleme hatte und eine zurückhaltendere Darstellung wünschte. Das Ergebnis war ein 130-minütiger Film, den Scott als zu langsam und geschwätzig empfand, und so gern die Gelegenheit ergriff, einen Director’s Cut zu erstellen, der REVENGE von überflüssigem Ballast befreien sollte und letztlich satte 30 Minuten kürzer ausfiel als die Kinofassung. Ich kenne besagte ursprüngliche Fassung nicht, aber dass der Film in seiner neuem Gewand überaus homogen und schlüssig ausfällt, spricht für Scotts Meinung.

REVENGE ist tatsächlich ein sehr körperlicher Film, nicht zuletzt dank Scotts formidablen visuellen Gespürs, mit dessen Hilfe er die inneren Verwerfungen seiner Charaktere in griffige (und überaus schön anzusehende) Bilder übersetzt. Jays Reise nach Mexiko ist auch eine seelische Reise, die ihn in Rauschzustände versetzt und jegliche Kontrolle verlieren lässt: Seine Liebesbeziehung zu Miryea verläuft schnell, heftig und zügellos, wird jedoch in Scotts Inszenierung nicht auf die nackte Fleischeslust reduziert (obwohl die entsprechenden Szenen erstaunlich explizit geraten sind), sondern zu einer schicksalhaften Liebe stilisiert. Gleiches gilt für die Gewalt, die hier (fast) immer dann einsetzt, wenn die Ratio versagt und die Handelnden hilflos ihren eigenen Trieben überlässt. Doch es ist erstaunlich, welchen Verlauf die Rache Jays nimmt: REVENGE endet nicht mit einem blutigen Rachefeldzug, an dessen Ende nur noch einer steht, sondern auf einer eher introvertierten Note: Am Ende gibt es zwar zwei große Verlierer, aber wenigstens ist es ihnen in letzter Sekunde noch gelungen, ihre Menschlichkeit zu retten. Es ist auch dieses Ende, das REVENGE von anderen Rachefilmen abhebt und mit dem Scott der schnöden Konvention eine deutliche Absage erteilt. Aber das ist noch nicht alles, was für Scotts Film spricht: Trotz der hitzigen Grundstimmung, die den Film beständig am Siedepunklt vor sich hin simmern lässt, hat REVENGE auch seine kontemplativen Momente: Es geht nicht nur um den Kontrollverlust seiner Hauptfiguren und den Preis, den sie dafür bezhalen müssen, sondern auch um die Irrungen und Wirrungen des Lebens generell; und darum, wie man angesichts dieser Irrungen Mensch bleibt. Es gibt einen schönen Subplot in REVENGE, der das besser als alles andere verdeutlicht, einen, der sehr unvermittelt anhebt und ebenso plötzlich wieder abbricht, ohne dass ihm eine größere Bedeutung für den Verlauf der Rachegeschichte zukommen würde: Nach seiner Genesung – Jay wurde von einem hilfsbereiten mexikanischen Farmer gesund gepflegt – hilft er einem texanischen Cowboy (James Gammon), der von seinem Pferd zu Boden getreten wurde. Die beiden Männer fühlen sich in der Fremde sofort verbunden und trinken ein Bier zusammen, als Jay einen seiner Peiniger erkennt, ihn aufs Klo verfolgt und umbringt. Der Cowboy ahnt, was vorgefallen ist, doch schweigt er und begleitet Jay weiter. Sie reisen zusammen und Jay versucht, dem offensichtlich lungenkranken Mann beim Verkauf des Pferdes behilflich zu sein. Doch schließlich verstirbt der neben ihm schlafend auf dem Autositz  und Jay bleibt nichts anderes mehr zu tun, als ihn zu begraben. Mit diesem Exkurs und der Einführung einiger weiterer Nebenfiguren (u. a. Miguel Ferrer und John Leguizamo), die in ihren wenige Dialogzeilen erahnen lassen, welches Schicksal sie in Jays Leben geführt hat, erweitert Scott den Fokus seines Films, öffnet den Blick für eine Welt jenseits seiner drei Protagonisten, die den Nukleus von REVENGE bilden. Er wendet sich damit von deren Blindheit ab und rückt ihre Probleme, die für sie alles andere zu überragen scheinen, in die richtige Perspektive. Damit ist REVENGE einer der wenigen Filme, die das Rachemotiv tatsächlich transzendieren, das Bedürfnis nach Rache zwar plausibel machen, gleichzeitig aber zeigen, wie es alles zerstört, den Rächenden selbst eingeschlossen. Möglicherweise klingt das alles sehr corny, weil man REVENGE – wie eigentlich alles Filme von Tony Scott – vor allem selbst sehen muss. Ich rate hiermit jedem dazu.