Mit ‘Troma’ getaggte Beiträge

Nachdem sie unter den Anfeuerungen ihres Trainers George Michaels (Christopher George) den Rekord in einem Kurzstreckenrennen gebrochen hat, bricht die Highschool-Leichtathletin Laura tot zusammen. Zeitgleich mit der Ankunft ihrer älteren Schwester Anne (Patch Mackenzie), einer in Guam stationierte Navy-Soldatin, die für die Trauerfeier gekommen ist, beginnt auch ein Mörder sein Unwesen zu treiben, der es auf die Teammitglieder der Toten abgesehen hat …

Zuerst die historischen Fakten: GRADUATION DAY wurde von Troma für ein Budget von ca. 250.000 Dollar gedreht und spielte satte 23 Millionen ein, wenn man Wikipedia Glauben schenken mag. Der Plan, am Slasher-Hype jener Tage zu partizipieren, ging also voll auf. Wie vor allem für die frühen Epigonen typisch, geht es hier noch nicht so sehr darum, einen maskierten Killer die Freuden des creative killing demonstrieren zu lassen und dabei mit blutigen Effekten aufzutrumpfen, sondern in bester (oder eher schlechtester) Whodunit-Manier darum, eine Murder Mystery mit zahlreichen Verdächtigen zu spinnen. Um zum Punkt zu kommen: GRADUATION DAY ist in 85 von seinen 95 Minuten schrecklich langweilig, vollgestopft mit uninteressanten Versuchen, noch uninteressantere Figuren zu den Verdächtigen in einer uninteressanten Mordserie zu stempeln. Dass das vor allem ermüdend ist, liegt nicht zuletzt daran, dass die kreativen Köpfe leider versäumt haben, ihre Geschichte mit einem echten Protagonisten auszustatten: Die Schwester des Opfers, die zunächst die Identifikationsfigur zu sein scheint, muss ebenfalls als potenzielle Mörderin herhalten, benimmt sicht daher überaus seltsam und verschwindet auch mal für längere Strecken gänzlich aus dem Film, den Zuschauer einer nicht enden wollenden Reihe belangloser Szenen aussetzend. Die Laufzeit mit nichtigem Füllstoff auszukleiden gehörte quasi zum guten Ton des Slasherfilms, weshalb es in der Mitte auch eine laaaaange Sequenz in einer Rollschuhdisco gibt, die von der Band “Felony” mit einer seltsamen Melange aus New Wave und Cock Rock untermalt wird.

Trotz bester Vorsätze habe ich es nicht geschafft, GRADUATION DAY mit meiner ungeteilten Aufmerksamkeit zu belohnen, zu öde und im schlechtesten Sinn des Wortes trist (nach dem Hofbauer Kongress bedarf das Wort dieses ungelenken Zusatzes, will man es negativ verwenden) ist die ganze Chose. Erst ganz zum Schluss, während des Finales, entwickelt Freed so etwas wie Zug zum Tor: Endlich merkt man dann auch mal, dass GRADUATION DAY tatsächlich ein Horrorfilm und kein fehlgeleiteter Krimi ohne Ermittler sein soll. Auch der Finalschock ist hübsch geworden und lässt vermuten, dass Freed durchaus gekonnt hätte, hätte er denn wirklich gewollt (in der Montage und im Sounddesign sind ihm ein paar ganz schöne Momente gelungen). Dass es sich dafür lohnen würde, 95 Minuten seines Lebens zu opfern, kann ich aber beim besten Willen nicht behaupten. GRADUATION DAY ist heute eigentlich nur noch als historisches Dokument und für Slasher-Enthusiasten wie mich halbwegs von Interesse, die sich vorgenommen haben, irgendwann mal jeden Vertreter diese Subgenres gesehen zu haben. Eine Aufgabe, die sich dank Schlaftabletten wie dieser geradezu herkulisch ausnimmt.

Das kalifornische Kleinstädtchen Chestnut Hills wird von einer Mordserie erschüttert. Der ambitionierte, aber naive Journalist Richard Clark (Donald Grant) wird an den Ort der Verbrechen geschickt ­– vor allem, um ihn in seinem Flehen nach einer Chance ruhigzustellen.  Doch er kommt einer Sensation auf die Spur: Ein Monster geht um, stürzt sich aus den Wandschränken der Wohnhäuser auf seine nichts Böses ahnenden Opfer. Der Wissenschaftler Dr. Pennyworth (Henry Gibson) vermutet eine außerirdische Intelligenz hinter dem Ungetüm, doch sein Versuch der Kontaktaufnahme endet mit seinem Tod, und auch die Waffen der Armee können nichts ausrichten. Die USA gehen vor dem Monster auf die Knie, alle Hoffnung scheint vergebens, doch dann richtet die tapfere Diane (Denise DuBarry) via Fernsehen die entscheidenden Worte an die Nation: „Destroy all closets!“ …

Um das putzige Videocover des Films, der in Deutschland ÜBERFALL IM WANDSCHRANK hieß, vollführte ich in meiner Jugend das ein oder andere Tänzchen. Dass ich mir den Film nie ausgeliehen habe, obwohl ich ihn in „meiner“ ersten Videothek (Gott habe sie selig) ständig Pro und Contra abwägend in der Hand hielt, war wohl seiner wenig verlockenden 16er-Freigabe geschuldet. Mein damaliges Bedürfnis nach echtem Horror hätte MONSTER IN THE CLOSET wohl tatsächlich nicht gestillt, aber ich vermute, dass ich ihn trotzdem geliebt hätte: Die Troma-Produktion ist eine lupenreine Parodie auf die Monsterfilme der Fünfzigerjahre und erinnert in ihrem Humor manchmal an die damals noch ungebrochen populären ZAZ-Filme. An der inszenatorischen Ungeschliffenheit erkennt man die Handschrift der Produktionsfirma aus New Jersey, doch glücklicherweise verzichtet Regisseur Dahlin auf das an diesen oft nervende Dauerfeuerwerk infantiler Tabubrüche. MONSTER IN THE CLOSET ist den Vorbildern angemessen eher naiv und brav, bemüht sich erfolgreich, das Bild eines Amerikas zu zeichnen, das durch die Gefahr eines tapsig umherstolpernden Monsters aus dem Wandschrank vereint wird.

Schon die inspirierte Besetzung zeigt die Liebe der Beteiligten: Der immer gern gesehene Henry Gibson gibt den Wissenschaftler als zerstreutes Albert-Einstein-Lookalike, der ledergesichtige Claude Akins spielt den stets Kautabak in das nächste verfügbare Gefäß rotzenden Sheriff, Donald Moffat hat offensichtlich großen Spaß an seinem wüst fluchenden Armeechef, kleinere Opferrollen werden von John Carradine, Stella Stevens (standesgemäß oben ohne) und Altman-Regular Paul Dooley veredelt. Hauptdarsteller Grant ist mit seiner Achtzigerjahre-Hornbrille ein denkbar glattes Love Interest, weshalb der Schlussgag – „It was beauty killed the beast“ – als besonderer Geniestreich angesehen werden muss. Der Witz des Films ist zugegebenermaßen nur selten wirklich einfallsreich und schon gar nicht brillant – ein Running Gag sind die Datums- und Zeiteinblendungen, die sich nie auf ein Format einigen können –, aber immer auf sehr sympathische Art und Weise quirky: Er passt einfach zum hingeworfenen Charme des Films. MONSTER IN THE CLOSET ist guter Stoff für zwischendurch: Wenn man keine Sensation erwartet, ist er eine positive Überraschung. So wie der Auftritt des FAST & FURIOUS-Beaus Paul Walker, der hier als bebrillter und akkurat gescheitelter, ca. 13-jähriger Physik-Streber namens „Professor“ zu sehen ist.

Sergeant Harry Griswold (Rick Gianasi) gerät beim Besuch eines New Yorker Kabukitheaters in eine wilde Schießerei, bei der auch der Leiter der Kabukitruppe sein Leben lässt. In den letzten Sekunden kann dieser den zur Hilfe eilenden Griswold aber noch mit dem Geist des Kabukiman beatmen, der fortan mit Macht nach außen drängt und Griswold von einer peinlichen Situation in die nächste und schließlich um den Job bringt. Erst als Lotus (Susan Byun), die Tochter des Ermordeten, sich seiner annimmt, lernt er, die Kräfte des Kabukiman zu kontrollieren und zu nutzen und nimmt den Kampf gegen die Mörder auf …

“Inspiriert von Puccinis ,Madama Butterfly'” heißt es in den Anfangscredits vollmundig, aber als Troma-geschulter Zuschauer ahnt man schon, dass diese Behauptung selbst wieder nur ein Witz ist. Statt einer bitteren Tragödie um eine  kulturelle und soziale Grenzen überschreitenden Liebe gibt es einen Amerikaner im japanischen Superheldenkostüm und es ist wohl dem bei aller anarchischer Energie im Grunde immer eher reaktionär-spießigen Troma-Humor geschuldet, dass traditionelle japanische Männertracht hier kurzerhand als “weibisch” apostrophiert wird. Aber das hier soll gar kein Verriss werden. SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. vereint alle (streitbaren) Stärken, aber auch alle Schwächen einer Troma-Produktion: Einer herrlich beknackten Grundidee, die mit viel infantilem Verve und absurden Einfällen im Überfluss garniert ist, stehen ein unstrukturiertes Drehbuch und eine wieder einmal jeden Anflug von Nachhaltigkeit negierende Selbstironie gegenüber, die das Vergnügen trüben. Dabei beginnt KABUKIMAN sehr ordentlich, hat gegenüber anderen Troma-Filmen zudem den entscheidenden Vorteil, mit Rick Gianasi einen brauchbaren Hauptdarsteller zur Verfügung zu haben, sodass endlich einmal auch die Identifikation mit der Hautfigur gelingt. Die erste Hälfte gehört tatsächlich zum besten, was Troma zustande gebracht hat: Der Film legt ein hohes Tempo vor, die Gags zünden und sind nicht bloß hysterische Zoten, die zahlreichen Slapstickeinlagen sind gut getimt, es gibt – man höre und staune – tatsächlich Beispiele für gelungenen Wort- und Dialogwitz und das Superheldensujet bietet einen geeigneten Background für die überdrehte Troma-Kunterbuntheit. Ein paarmal habe ich tatsächlich herzhaft gelacht: Szenen wie jene, in der Griswold sich vor seinem cholerischen Vorgesetzten in einem Clownskostüm verantworten muss und alle Versuche, diesen zu beruhigen, nach hinten losgehen, weil ihm dafür nur typische Clowns-Scherzartikel zur Verfügung stehen, sind zwar alles andere als originell oder gar niveauvoll, aber sie sind einfach gut umgesetzt. (Und sie kommen meinem schlichten Gemüt sehr entgegen: Wenn Leute nassgespritzt werden und dann konsterniert dreingucken, gibt es für mich kein Halten mehr.) Letztlich ist SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. aber auch ein Film der leichtfertig vergebenen Chancen. Was hätte man aus der Grundidee, einen Mittelklasse-Amerikaner zum Wirt eines japanischen Geistes zu machen, alles rausholen können? Hier hätten sich einige Möglichkeiten für eine clevere Satire zum kulturellen Clash zwischen den USA und Japan geboten, eben der Anschluss an die zitierte Puccini-Oper, doch Troma ist leider mehr an harmlosen Stäbchen- und Sushiwitzchen interessert. Aber es ist ja nicht so, dass man das nicht schon gewusst hätte, als man die DVD in den Player schob. So bleibt unterm Strich ein Film, der anders als andere Troma-Werke am ehesten mit “normalen” Filmen konkurrieren kann (mit Ausnahme von CLASS OF NUKE ‘EM HIGH, für mich ohne Frage die Sternstunde von Troma), insgesamt aber über Mittelmaß auch nicht herauskommt. Gerade gegen Ende zieht sich SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. wie ein Kaugummi und statt der opulenten 100 Minuten hätten 80 bis 90 dem Film besser zu Gesicht gestanden. Die Ermüdungserscheinungen, die sich bei mir irgendwann einstellten, haben den zunächst positiven Eindruck jedenfalls wieder etwas nivelliert. Trotzdem: Ein okayer Abschluss unter meine Troma-Retro, die die wichtige Erkenntnis brachte, dass es manchmal besser ist, Dinge in guter Erinnerung zu behalten, anstatt sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Eine Bande von surfenden Verbrechern, die “Surf Nazis”, machen einen kalifornischen Strand der nahen Zukunft unsicher, klauen Handtaschen alter Damen, schikanieren Touristen und bekämpfen rivalisierende Surfergangs. Als sie den Afroamerikaner Leroy ermorden, schwört dessen Mutter Eleanor (Gail Neely), eine rüstige Rentnerin, Rache: Sie kauft sich ein stattliches Waffenarsenal zusammen und macht Jagd auf die “Surf Nazis” …

Vom Titel her verdientermaßen einer der berühmtesten Troma-Filme, ist SURF NAZIS MUST DIE letzten Endes ein doch eher enttäuschendes Unterfangen, auch wenn er mit mehr Verstand und Sorgfalt gefertigt scheint als ein Gros dessen, was unter dem Banner der Produktionsfirma aus New Jersey firmiert. Die klamaukige Hysterie, die so manchen Troma-Film zu einer nervtötenden oder wenigstens anstrengenden Angelegenheit macht, ist hier abwesend, im Gegenteil zeichnet sich SURF NAZIS MUST DIE durch eine sehr unterkühlte Atmosphäre aus, die in hartem Kontrast zu seinem absurden Titel steht. Sommersonnige Langneselaune sucht man jedenfalls vergeblich, was wohl auch darin begründet ist, dass SURF NAZIS genau genommen ein Endzeitfilm ist, auch wenn man das durchaus übersehen kann. Außer einer kurzen Schrifttafel, die das Geschehen in der nahen Zukunft verortet, gibt es lediglich einen kurzen Hinweis auf ein verheerendes Erdbeben, ansonsten sind es eher kleine optische Reize, die für eine Zuordnung zu diesem Subgenre sprechen, etwa die postpunkigen Kostüme der Surf Nazis oder die Bilder von Industrieanlagen und verkommenen Betonsünden, die jedes eventuell aufkommende Urlaubsfeeling schon im Keim ersticken. Leider ist Peter Georges Film aber auch sonst eher von Tristesse geprägt: Die Verbindung von Surfer- und Nazisujet erschöpft sich in ein paar naheliegenden Dialogzeilen (“I am the Führer of the New Beach!”), zahlreichen Hakenkreuzen und darin, dass zwei Mitglieder der Surf Nazis “Adolf” respektive “Mengele” heißen, bringt sonst aber ebenso wenig wie die eigentlich nette Idee, die Bösewichter von einer amoklaufenden Oma aus dem Weg räumen zu lassen. Was hätte daraus für einen herrlichen Baddie machen können! Stattdessen erzählt George seine Minigeschichte aufreizend unambitioniert und ohne jedes dramaturgische Gespür, liefert aber auch nicht genug Selbstzweckhaftes, das einen dies verschmerzen ließe. So muss SURF NAZIS MUST DIE ewig lang ohne Protagonisten auskommen und auch ein Plot kristallisiert sich erst nach gut der Hälfte der Spielzeit heraus. Bei mir äußerte sich das in einer zunehmenden Indifferenz, die sich auch dann nicht mehr gänzlich auflöste, als der Film dann endlich und viel, viel zu spät in Tritt kam. Klar, es gibt ein paar schöne Szenen – vor allem eine Enthauptung per Motorboot ist recht ansehnlich geraten – und so ganz ohne Reiz ist die eigenartige Mischung des Films nicht, aber irgendwie scheint selbst der Regisseur nicht so richtig gewusst zu haben, was er eigentlich will und der Verdacht liegt nahe, dass man einfach nur irgendeinen Film brauchte, dem man die schöne Titelschöpfung aufpfropfen konnte. Ein Exploitationtrasher ohne Krawall und miese Einfälle, eine Komödie ohne Gags, ein Actionfilm ohne Action, ein Drama ohne Drama: Wer kann so etwas wollen wollen? Eigenartig.

Sardu (Seamus O’Brien) betreibt  “Sardu’s Theater of the Macabre”, auf dessen Bühne er gemeinsam mit seinem zwergwüchsigen Assistenten Ralphus (Luis De Jesus) groteske Akte der Folter und Tötung vorführt. Was das Publikum nicht ahnt: Diese Akte sind mitnichten gespielt, sondern echt. Als der arrogante Kritiker Creasy Silo (Allen Delay) Sardu vor dem Publikum für seine dilettantische Show beschimpft, schwört dieser Rache. Sein Magnum Opus soll eine Ballettaufführung werden, in der sowohl Silo als auch der Ballettänzerin Natasha (Viju Krem) tragende Rollen zukommen. Beide werden zu diesem Zweck von ihm entführt, was wiederum Natashas Lebensgefährten, den Footballstar Tom Maverick (Niles McMaster), auf den Plan ruft, der sich gemeinsam mit dem Polizisten John Tucci (Dan Fauci) auf die Suche nach der Geliebten begibt …

Wenn man jemandem erklären wollte, was es mit dem Begriff “Exploitation” auf sich hat, BLOODSUCKING FREAKS wäre vielleicht das perfekte Anschauungsmaterial. Joel M. Reed verleiht seinem Film zwar einen explizit satirischen Anstrich, indem er den Unterschied zwischen Realität und Schein, Kunst und Kommerz, Künstler und Kritiker thematisiert und damit potenzielle Kritikerreaktionen vorwegnimmt und ihn nicht mit Charakteren, sondern überzeichneten Karikaturen bevölkert, dennoch dürfte dies von sanfteren Gemütern angesichts der zahlreichen saftigen Geschmacklosigkeiten drumrum übersehen werden. Nicht ganz zu Unrecht: Die ersten zwei Drittel des Films bestehen aus einer nicht abreißenden Folge von Splattereffekten (in die meist leicht- bzw gar nicht bekleidete Damen involviert sind), Foltereien und tumben Witzen, die in ein überaus luftiges narratives Konzept gepresst und filmisch höchst zweckdienlich umgesetzt wurden. BLOODSUCKING FREAKS wurde aufgrund der anderweitigen Verpflichtungen seiner Macher und Darsteller in mehreren Nachtschichten in angemessen unattraktiven Räumlichkeiten und also unter Ausschluss jeglichen Tageslichts eingekurbelt, was zum räudigen “Charme” des Films erheblich beiträgt: Man fühlt sich so richtig verkommen und ertappt beim Zuschauen. Und auch wenn es heute mit Sicherheit etliche Filme gibt, die ekliger, härter, abscheulicher sind, nur die wenigsten von ihnen sind hinsichtlich ihrer Motive so offen und ehrlich wie diese kleine Wundertüte hier. In den ersten Minuten referenziert eine Figur die Grand-Guignol-Tradition des französischen Theaters und legt damit die Marschroute fest: In BLOODSUCKING FREAKS ist alles grell, laut und so wenig subtil wie es nur irgendwie geht. Die Effekte, so sachdienlich sie in ihrer kruden Billigkeit auch sind, sind so übertrieben, dass man sie kaum ernst nehmen kann. Am schönsten und auch am berüchtigtsten ist natürlich jene Szene, in der ein rasierter Frauenschädel, eine Bohrmaschine, ein Strohhalm und etwas schmackhafte Hirnflüssigkeit die Hauptrolle spielen: You get the idea. Andere Szenen, wie jene, in der ein angemalter Frauenarsch von Sardu und Ralphus als Dartscheibe missbraucht wird, sind hingegen schon wieder niedlich. Überhaupt darf Reeds Film als einer der sympathischsten Bediener niederster Instinkte gelten, weil er seine Geschmacklosigkeiten mit einer entwaffnenden Spielfreude ablichtet, anstatt sich in grimmem Ernst und einer nihilistischen Weltanschauung zu ergehen. Das ist alles so over the top und bescheuert, dass man dabei unweigerlich an ein Kind im Süßwarenladen denken muss. Der Spirit des Films wird am besten von Luis De Jesus repräsentiert, der den Quälgeist Ralphus mit ethusiasmiertem Dauergrinsen und der Energie eines Fünfjährigen auf Speed versieht (er trägt auch noch einen knallgelben Rolli und Latzhosen!). Ich konnte mir dann auch irgendwann angesichts des wüsten Treibens nicht mehr anders helfen, als mich mit diesem Ralphus zu freuen: Es ist einfach ansteckend, jemandem bei der Arbeit zuzuschauen, der offenkundig so viel Freude an ihr hat.

Trotz dieser lobenden Worte kann ich weder von mir behaupten, BLODDSUCKING FREAKS wirklich genossen zu haben, noch, dass ihn in absehbarer Zeit unbedingt nochmal schauen zu müssen, denn dafür ist er mir doch ein wenig zu schmuddelig und eindimensional. Aber ebensowenig kann und will ich abstreiten, dass Reed durchaus ein wichtiger und einzigartiger Vertreter des Exploitationfilms gelungen ist, den man als solchermaßen Interessierter wenigstens ein Mal gesehen haben sollte, um mitreden zu können. Vielleicht im Double Feature mit Herschell Gordon Lewis’ WIZARD OF GORE, der ihm inhaltlich und formal nicht unähnlich ist. Und zur Krönung des durchstandenen Double Features belohnt man sich dann mit einem feinen Cold Cock Sandwich, direkt auf die Faust.

Die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer karibischen Insel stellen schnell fest, dass sie nicht allein sind: Von der Insel aus plant eine Guerrilla-Terroristen-Armee, die aus Mitgliedern aller möglichen Nationen zusammengsetzt ist, die Infiltration der USA. Wissend, dass sie die einzigen sind, die die Invasion verhindern können, nehmen sie den Kampf gegen die Übermacht auf …

Die Vorstellung, dass J. J. Abrams, Hollywood-Wunderkind und LOST-Erfinder, die Idee für seine Erfolgsserie bei der Sichtung von TROMA’S WAR gekommen ist, hat was, finde ich. High-Concept-Big-Budget-Entertainment, das seine Wurzeln im tiefsten Trash hat: der Gipfel der Subversion. Man kann nur hoffen, das J. J. Abrams niemandem von seiner Inspirationsquelle erzählt hat, sonst stünde das System Hollywood vor dem Kollaps. Spaß beiseite, in den ersten Minuten sind die Parallelen wirklich frappierend: Wie sich die Überlebenden zwischen den Wrackteilen am Strand langsam sammeln und dann zusammenraufen, dann schließlich erfahren, dass sie nicht allein sind, und daraufhin beschließen, den Strand zu verlassen, hat bei mir, der ich im Frühjahr die ersten fünf LOST-Staffeln geschaut habe, das ein oder andere Déjà-Vu ausgelöst.

Danach ergeht sich TROMA’S WAR aber nicht im kosmologisch-eschatologisch-selbstreferenziellen Mystery-Overkill, sondern in den längst von Troma bekannten Zoten, dem abjekten Humor und den schlechten Einfällen: Die verschiedenen Anführer der Guerilla-Armee sind ein Deutscher mit schönem Naziakzent, ein Amerikaner mit Schweinenase und ein am Kopf zusammengewachsener siamesischer Zwilling, der wohl so etwas wie die unheilige Allianz von Militär und Politik symbolisieren soll. (Vielleicht wollten die von Troma auch einfach nur einen siamesischen Zwilling im Film haben, den sie dann via Splattereffekt trennen konnten, who knows.) Außerdem gibt es da noch – wohl der geschmackloseste Einfall, den Troma je hatte – Senor Sida, einen mit Flecken übersäten Aidskranken, der die USA mit einer Gruppe Aidskranker verseuchen soll und gleich mal auf einer der Protagonistinnen losgelassen wird. Ihre Reaktion nach dem Akt: “I have Aids!” Die Devianten befinden sich aber nicht nur unter den Schurken: Die Helden dürfen sich über die Unterstützung des Vietnamveterans Parker freuen, der während des endlosen Gemetzels, das den Film ausmacht, eine stattliche Sammlung feindlicher Ohren erbeutet, die er stolz um seinen Hals trägt. Ferner gibt es unter den Guten noch eine kämpfende Oma und eine Blinde, die immer in die richtige Richtung gedreht werden muss, wenn sie auf Feinde schießt. Das hört sich zwar genauso blöd an, wie es sich auf der Mattscheibe darstellt, trotzdem macht TROMA’S WAR einen Heidenspaß. Woran das liegt? Zum einen daran, dass der Film ein beachtliches Tempo vorlegt und sich nach kurzer Exposition von einer breit ausgewalzten Actionsequenz in die nächste stürzt. Die missratenen Gags fallen nicht weiter ins Gewicht, weil sofort die nächsten hinterher geschoben werden und das Ganze ist zudem so herrlich geschmacklos und bescheuert, dass es eine wahre Freude ist. Auch die Production Values sind ganz ordentlich: Zwar kann man wohl niemandem mit gesundem Menschenverstand glauben machen, dass der Film in der Karibik gedreht wurde (wenn doch, will ich da doch nicht hin), aber dafür gibt es einige gut gelungene Stunts, reichlich Explosionen und viele, viele blutige Effekte zu bestaunen.

Im Grunde ist TROMA’S WAR genau das, was dem doofen Uwe Boll wohl mit seinem abgrundtief drögen POSTAL vorschwebte: Ein Equal-Opportunities-Film, einer, in dem einfach alle Tabus gebrochen werden und jede Minderheit was auf die Mütze bekommt. Hier gelingt das Projekt allerdings. Wohl auch, weil die Macher sich selbst am meisten über ihren Quatsch beömmelt haben, anstatt sich in aus dem Neid des Minderbgabten hervorgehenden Rache- und Allmachtsfantasien zu suhlen.

Als der Halbindianer John Whitecloud (Gene LeBrock) nach abgesessener Haftstrafe in seinen Heimatort Troma City zurückkehrt, um den dortigen Sheriff (David Crane) für den heimtückischen Mord an seinem Bruder zur Rechenschaft zu ziehen, erkennt er, dass in den Wäldern eine noch viel größere Gefahr lauert: eine paramilitärische Einheit, die sich “Fortress of Amerikkka” schimpft und sich für “Freiheit und Frieden” einsetzt, in Wahrheit aber vor allem arglose Spaziergänger und Wanderer kaltmacht, die ihr zu nahe kommt. Whitecloud nimmt den Kampf auf …

Mit der richtigen Gemütsverfassung zum richtigen Zeitpunkt ist Tromas FORTRESS OF AMERIKKA nichts weniger als der beste Film der Welt. Die Brüller hageln im Sekundentakt auf den hilflos darniederliegenden Zuschauer herab, die unterbelichtete Inszenierung, die minderbemittelten Darsteller und die zweifelhaften Production Values vereinigen sich zu einem einmaligen Manifest der Dusseligkeit, das aber – hier liegt der Unterschied zu anderen Baddies – ein ordentliches Tempo mitbringt und sich nur wenig Durchhänger erlaubt. Das größte Absurdion des Films ist die titelstiftende paramilitärische Einheit selbst: Nicht nur, dass diese ausschließlich aus unsportlichen männlichen Vollidioten oder bimbohaften Silikonopfern zusammengesetzt ist (damals gab es eben noch keine Castingshows, bei denen sie hätten mitmachen können), deren Motivation reichlich rätselhaft ist, der ganze Sinn und Zweck der Organisation bleibt ein Mysterium. Ein pathetischer Voice-over faselt zu Beginn im Stile alter Propagandafilme was vom Krieg zwischen der Wirtschaft und der Politik (letztere wird dann mit einer Aufnahme vom Sheriff ins Bild gerückt – häh?), der auf dem Rücken der “little people” ausgetragen würde, die doch nur den amerikanischen “Highway of Freedom” entlangschlendern wollen, doch was das mit einer Wochenendarmee aus bierbäuchigen Proleten und zwangsexmatrikulierten Prostitutionsschülerinnen zu tun hat, wird nicht weiter erklärt. Problematischer ist da schon, dass auch die Wochenendsoldaten selbst nicht so genau zu wissen scheinen, was sie eigentlich wollen: Da teilt ein Soldat dem Sarge mit, er wolle aussteigen, weil er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne, dass  Unschuldige ermordet würden, so als ob der Sarge diesem Wunsch tatsächlich nachkommen würde: “Ach so, schade, naja, dann geh mal nach Huase, aber erzähl niemandem was von uns.” Was haben die denn denn alle gedacht, was auf sie zukommt, als sie sich diesem Haufen von Psychopathen angeschlossen haben?

Aber man muss einräumen, dass der Sarge eine klare Linie arg vermissen lässt: Zwar soll die ganze Unternehmung geheim bleiben, doch dann wird den zahlreichen Opfern “Fortress of Amerikkka” ins Bein geritzt und generell ziemlich viel Lärm gemacht. Dem Zuschauer kann es egal sein, machen doch gerade die sattelschleppergroßen Plotholes den Reiz dieses herrlich bescheuerten Filmchens aus. Da werden Zelte von harmlosen Touristen mittels Dynamit in die Luft gesprengt (!), Augenzeugen beim Puffbesuch kurzentschlossen weggemäht, weil man ja keine Gefangenen nimmt, und am Lagerfeuer lustig der unskandierbare Name skandiert. Wenn es gerade mal kein Manöver und keine Hetzjagd auf dämliche Investigationsjournalisten gibt, kommen Mann und Frau sich in den olivgrünen Zelten näher oder werden interne Konflikte schlagkräftig aus der Welt geräumt. Währenddessen ärgert sich der Held mit dem korrupten Sheriff herum, dessen verschlafene Diktion auf einen amtlichen Hirnschaden schließen lässt, und wiedervereint sich mit seiner Freundin Jennifer (Kellee Bradley), die dazu mal eben ihren aktuellen Partner abserviert, der aber zum Glück gleich eine dickbrüstige Ersatzfrau an der Angel hat und deshalb nicht nachtragend ist (mit nem feisten Nackenspoiler im Rücken entpuppen sich viele Probleme als nur halb so wild). Am Schluss wird mit vereinten Kräften das Lager der Soldaten gestürmt und der Frieden in Troma City wiederhergestellt. Die Kollateralschäden aufseiten des Zuschauers sind hingegen beachtlich.

Neben dem sinnfreien Gesamtentwurf sind es vor allem die Kleinigkeiten, die FORTRESS OF AMERIKKKA zu einem echten Gewinner machen, quasi die Maiskörner in der Kackwurst: die zahlreichen Bimbos, die mit den unglaublichsten Bikinikonstruktionen durch die Pampa marschieren; die Atombrüste von Pornodarstellerin Kascha, “the most painfully hard-looking breast implants I’ve ever seen — you could bust rocks on those suckers!” ; die FoA-Söldnerin, die auch bei den drei Damen vom Grill mitmachen könnte, wenn sie sich von ihrem Nylon-BH trennen würde (würg!); das platinblonde Dummchen, das einer Rivalin aufs Maul haut und dieser dann triumphierend den Rücken zudreht, als gelte Zurückhauen bei Wochenendsoldaten nicht; die grottige Nachsynchronisation, die in Prügeleien und Sexszenen zum Einsatz kommt; jene Einstellung, die zeigt, wie Whitecloud und Kumpane im Finale etwas in die Luft sprengen, das wie ein selbst gebauter Wäscheständer aussieht; der tüdelige Dudelscore, der nur während der Anfangs- und Schlusscredits durch einen testosteronschwangeren Haarsprayrocker ersetzt wird; die haarsträubende Untätigkeit der Polizei, die auch angesichts eines sich zum Himmel türmenden Leichenbergs nicht auf die Idee kommt, sich mal ans FBI zu wenden; und natürlich der wackere Held Whitecloud, der nach seiner Haftentlassung als erstes in einen Waffenladen latscht, um sich einen Schießprügel zu kaufen, und sich dann wundert, dass der Sheriff sogleich wieder ein Auge auf ihn hat. Fuck Racism, oder was? Ach, und dann sind da ja auch noch die indianischen “Burial Grounds”, wo Whiteclouds Bruder beerdigt ist: Da steckt einfach ein gammliges Holzkreuz im Boden! Sind Indianer im 20. Jahrhundert eigentlich zum Christentum konvertiert?

Ich könnte jetzt noch eine ganze Weile so weitermachen, aber die Richtung sollte klar sein: Ohne FORTRESS OF AMERIKKKA möchte ich jedenfalls nicht mehr leben.