Einträge tagged ‘Zombies

03
Apr
12

juan de los muertos (alejandro brugués, spanien/kuba 2011)

Juan (Alexis Díaz de Villegas) ist ein Faulpelz und Lebenskünstler. Gemeinsam mit seinem besten Freund Lazaro (Jorge Molina) hält er sich mit kleinen Gelegenheitsarbeiten und Gaunereien über Wasser, genießt die kubanische Sonne auf seinem Dach hoch über den Straßen von Havanna, arbeitet an einer Mauer aus leeren Rum-Flaschen, vögelt die heiße Nachbarin und trauert Frau und Tochter hinterher, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben gen USA verdrückt haben. Letztere weilt just in dem Moment wieder auf Kuba, als die Straßen der Hauptstadt plötzlich von Zombies unsicher gemacht werden und im Chaos versinken. Juan, der die Wiedervereinigung mit seiner Familie noch nicht aufgegeben hat, sieht zunächst vor allem die Gelegenheit, mit einem Todesschwadron etwas Geld zu verdienen. Doch bald erkennt er, dass es Zeit ist, Verantwortung für seine Lieben zu übernehmen …

Eine kubanische Zombiekomödie mit einem von SHAUN OF THE DEAD inspirierten Titel? Man sieht schon mit Grausen die neueste Funsplatter-Unzulänglichkeit vor dem eigenen Auge ablaufen, einen Film “von Fans für Fans”, der Unterhaltung mit beständigem Nerd-Jerking verwechselt, dessen Macher das Genrekino von Romero bis Jackson in sich aufgesogen, aber nicht verstanden und auch sonst nichts mitbekommen haben. Sprich: Genau einen jener Filme, die man gerade nicht gemeinsam mit der anvisierten Zielgruppe sehen möchte, weil man sich dabei ungefähr so fühlt wie ein praktizierender Satanist beim Kirchentag. Doch die Befürchtungen sind unberechtigt, JUAN DE LOS MUERTOS ist minichten der neueste Beitrag zum wohl spießigsten Subgenre des Horrorfilms, sondern eine sehr charmante und lebenskluge Horrorkomödie, die nicht als minderbemittelte Nummernrevue hohler Zoten funktioniert, sondern tatsächlich über die liebenswerten Charaktere und seinen lakonischen, manchmal tiefschwarzen, aber dabei immer sehr menschlichen Witz. Dazu kommt, dass Brugués  seinen Romero tatsächlich verstanden hat. Die Zombies sind in allererster Linie Projektionsfläche, ihr unverkennbar allegorisches Potenzial wird niemals voll ausformuliert, tatsächlich muss die Frage nach dem Wie und Warum hinter der Zombieinvasion gar nicht geklärt werden. Man versteht auch so, dass dieses Kuba, das seit 50 Jahren vom sozialistischen Regime Castros geknechtet wird, ein Land ohne Morgen ist. Was JUAN DE LOS MUETOS von den ernsteren Romero-Filmen abhebt und gleichzeitig zu einem eigenständigen, sympathischen und wahrscheinlich wirklich zu einem genuin kubanischen Zombiefilm macht, das ist die Gelassenheit, mit der er diese Erkenntnis teilt. Das Land mag vor die Hunde gehen, aber: das Meer! die Sonne! der Rum! Jaja, etwas muss sich verändern, aber das kann doch auch bis morgen warten.

JUAN DE LOS MUERTES ist ein Film über die Underdogs und Underachievers, über den einfachen Kubaner, der es seit Jahrzehnten gewohnt ist, vom Schicksal verarscht zu werden.  Juan und seine Freunde geben sich längst keinerlei Illusionen über die Lage ihres Landes mehr hin, nehmen diese aber mit Humor. Die Zombieinvasion schockt sie dann auch nicht besonders, man ist bereits einiges gewohnt. Not macht erfinderisch und weil ihr Leben beständige Not ist, sind sie darin besonders gut: Gegen Bezahlung versprechen sie, zombiefizerte Verwandte in die ewigen Jagdgründe zu schicken, ein Job, der ein paar Piepen einbringt, die dummerweise aber nichts mehr nutzen, weil die Zivilisation bereits kollabiert ist. So streifen sie durch die Straßen der “ausgestorbenen” Stadt, bestreiten ihre kleinen Scharmützel und ziehen sich abends auf ein Glas Rum auf Juans Dachterrasse zurück. JUAN DE LOS MUERTOS ist in erster Linie Stimmung: Ein Gefühl der Bedrohung stellt sich nie ein, weil die Protagonisten es längst gewöhnt sind, sich gegen widrige Umstände zu behaupten. Da lässt man sich auch von Zombies nicht mehr aus der Ruhe bringen. Diese Gelassenheit ist das herausragende Merkmal des Films und sie bindet den Zuschauer an die Figuren, die nicht hysterisch werden oder ihr Leid klagen, sondern die Ärmel hochkrempeln und – Vorsicht: Phrase – die Misere als Chance begreifen. Während Horrorkomödien oft zur Hysterie und zum Klamauk neigen, da besticht dieser JUAN DE LOS MUERTOS durch einen immer sicheren Rhythmus. Hier wird nicht mit Gewalt, Kettensägen-Close-ups und inflationärem Kuntsbluteinsatz um die Gunst der Nerds gebuhlt, sondern sich ganz auf die Kraft der Geschichte verlassen. Gags werden einem weder mit dem Hammer eingeprügelt noch penetrant abgefeiert und sie haben ihren Ursprung immer in den Charakteren des Films. So funktionieren hier auch solche Witze, die in einer US-Produktion regelmäßig Anlass zur Fremdscham geben: Dass eine Transe etwa als Mensch wahr- und ernstgenommen wird, ihr Tod einen der tragischeren Momente des Films bildet, darf man durchaus als begrüßenswerten Glücksfall betrachten. Sogar der eine wahscheinlich unvermeidliche Schwulenwitz trifft ins Ziel, weil er vor allem die latente Homophobie aufs Korn nimmt, anstatt ausschließlich die eigene Verbohrtheit auszustellen. Großen Anteil an diesem Gelingen haben die Darsteller, die allesamt perfekt sind in ihren Rollen und beweisen, wie wichtig gutes Casting ist. Vor allem Juan-Darsteller Alexis Dáiz de Villegas muss hervorgehoben werden: eine echte Entdeckung.

JUAN DE LOS MUERTOS, den ich insgeheim schon als unerträglichen Kinderkram vorverurteilt hatte, hat sich als absoluter Glückstreffer erwiesen: Er ist wahrscheinlich die beste Horrorkomödie seit Jahren und die zunächst unverschämt erscheinende SHAUN OF THE DEAD-Referenz trifft tatsächlich ziemlich ins Schwarze, weil sich beide Filme im Geiste sehr ähnlich sind. Nimmt man dann noch den kleinen Exotenbonus dazu, der zwar nicht ausschlaggebend sein sollte, aber ja dann doch nicht ganz unwesentlich ist, dann kann man JUAN DE LOS MUERTOS nur noch als Gewinner bezeichnen: Die Bilder des maroden Havanna und seiner Einwohner allein sorgen schon für einzigartige Atmosphäre, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Doch JUAN DE LOS MUERTOS ist weit mehr, er ist ein im besten Sinne humanistischer Film, weil er echte Empathie für seine Protagonisten erzeugt , ohne sie zu Krücken einer Ideologie zu degradieren oder mit fragwürdigen Methoden um Mitleid für sie zu betteln. Diese Leistung ist kaum überzubewerten. Und wenn man nach 90 unterhaltsamen, witzigen, herzerwärmenden und turbulenten Minuten von einer großartig animierten Zeichentricksequenz zu Sid Vicious’ Version von Sinatras “My way” aus dem Film entlassen wird, möchte man eigentlich noch nicht gehen, sondern bei Juan bleiben und ihm dabei zusehen, wie er die Hürden des Lebens nimmt.

28
Apr
11

the dark power (phil smoot, usa 1985)

Als der Indianer John “Four Eagles” Cody stirbt und als letztes Wort “Toltec” über seine Lippen kommt, stehen alle Bewohner des kleinen Städtchens in North Carolina vor einem Rätsel, dass sie wahrscheinlich bis heute nicht gelöst hätten, hätte Writer-Director Phil Smoot sich nicht dazu entschieden, dass 50 Minuten Exposition völlig ausreichend sind, und endlich seine “Dark Power” in Form von vier zombifizierten Tolteken losgelassen. Zum Glück ist Lash LaRue wieder am Start und diesmal hat er auch seine Peitsche dabei!

Wer meinen Text zu ALIEN OUTLAW gelesen hat, der weiß schon, was Phil Smoots Filme auszeichnet: ausufernde Dialoge voller Nichtigkeiten, etliche handelnde Figuren, die lang aufgebaut werden, obwohl sie keinerlei Funktion für die Geschichte haben, und ein entsprechend konfuser Handlungsverlauf. Langweilig ist aber auch THE DARK POWER nicht, weil das alles mit unleugbarem Charme ausgestattet ist. Smoot drehte seine Filme im ländlichen North Carolina und das schlägt sich eben auch darin nieder, dass auch die absurdesten Geschichten noch mit dieser Gelassenheit und Lakonie erzählt werden, die man gemeinhin Landmenschen nachsagt. Wer sein Leben lang damit verbringt, Samen zu streuen und darauf zu hoffen, dass daraus dicke Kartoffeln werden, der erzählt eine Geschichte um einen alten Indianerfluch wohl auch so behäbig wie Smoot. Fünfzig Minuten lang passiert nichts, was einem Aufschluss darüber geben würde, warum THE DARK POWER eigentlich existiert, was er eigentlich erzählen will, stattdessen sieht man einen kleinen Jungen, der im Wald von Hunden attackiert wird und dem Lash LaRue mit seiner Peitsche zur Hilfe eilt. Oder man erfährt von der Reporterin, die sich von einem noch freundinnenlosen Studenten in die Geheimnisse um John Cody einweihen lässt, dass sie ein guter “Matchmaker” sei. Oder wohnt den Bemühungen dreier Studentinnen bei, aus des Indianers altem Haus ein Dormitory zu machen, was solange gut geht, bis ohne das Wissen einer der Bewohnerinnen eine schwarze Kommilitonin aufgenommen wird. Gerade das letzte Beispiel scheint zu belegen, dass Smoot durchaus im Sinn hatte, eine kleine Gemeinde so faccettenreich und detailliert darzustellen, dass tatsächlich der Eindruck einer lebendigen Gemeinschaft mit all ihren kleinen Konflikten und Geheimnissen entsteht, aber dafür fehlten ihm erstens die Schauspieler und zweitens das schreiberische wie auch das organisatorische Talent. Lustig und irgendwie rührend ist es dennoch.

Das ändert sich auch nicht, als es dann doch irgendwann mal ans Eingemachte geht und das frisch eingweihte Wohnheim von vier gar nicht mal so übel aussehenden Indianerzombies angegriffen wird. Ein Stalk’n'Slash mit deutlich humoriger Ausrichtung beginnt, bis sich eine der Rothäute am Schluss eine Peitschenduell mit Lash LaRue liefert. Und so gut LaRue mit diesem Gerät auch umgehen kann: Ein Peitschenduell gibt filmisch nunmal gar nix her. Da ist der Film dann also wieder ganz bei sich.

13
Apr
11

dead of night (bob clark, großbritannien/kanada/usa 1974)

Familie Brooks – Papa Charles (John Marley), Mutter Christine (Lynn Carlin) und Tochter Cathy (Anya Ormsby) – wartet auf Sohn und Bruder Andy (Richard Backus), der im fernen Vietnam die Werte der freien Welt verteidigt. Dann steht ein Mann in Uniform vor der Tür und überbringt die Botschaft, vor der sich alle gefürchtet haben: Andy ist gefallen. Als er einen Tag später dennoch vor der Tür steht, sind alle nur zu gern bereit, an einen Irrtum des Militärs zu glauben. Doch mit Andy stimmt etwas nicht …

Lose basierend auf W. W. Jacobs’ Kurzgeschichte “The Monkey’s Paw” ist DEAD OF NIGHT (oder DEATHDREAM, wie er auf DVD heißt) zunächst und vor allem einer der doch eher seltenen Glücksfälle des Horrorgenres, die es nicht darauf abgesehen haben, den Zuschauer mit lauten Schocks zu erschrecken oder durch Einsatz detailverliebter Splattereffekte seinen Mageninhalt in umgekehrter Richtung zum Ausgang zu treiben. Clark setzt den Zuschauer mit seinem kleinem Klassiker des Low-Budget-US-Horrorfilms der Siebzigerjahre vielmehr einem diffusen Gefühl nahenden Unheils aus, das sich in langsam ansteigendem körperlichen Unbehagen äußert. Die Tonkulisse lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen mit ihren dissonanten Tonfolgen und übersteuerten Soundeffekten, offenbart so auf auditiver Ebene schon frühzeitig, was visuell nur langsam enthüllt wird. Dabei stimmt das ja nicht so ganz: Was mit Andy los ist, ist von Anfang an klar, und so wird die Spannung in DEAD OF NIGHT eher dadurch erzeugt, dass man sich fragt, wie lange es dauern wird, bis auch die Familie von Andy hinter dessen Geheimnis kommt und welchen Schaden er bis dahin angerichtet hat. Neben dem schon erwähnten Sounddesign und der ebenso einfachen wie effektiven Bildsprache ist es vor allem Richard Backus zu verdanken, dass Clarks Film so herrlich beunruhigend und enervierend ist wie ein guter Fiebertraum. Hinter seinem maskenhaften Gesicht verbergen sich keinerlei menschlichen Emotionen mehr, nur noch ein ganz basaler Trieb, der nicht länger reflektiert wird. Anderen sagt man nach, sie brächten mit ihrem Lächeln Eis zum Schmelzen, Andys mechanische Mimik bewirkt eher das Gegenteil: Sie lässt das Blut in den Adern gefrieren.

Natürlich ist DEAD OF NIGHT noch viel mehr als ein teuflisch effizienter, gnadenlos wie ein Uhrwerk seinem Ende entgegentickender Schocker: Er darf sich durchaus mit den großen Antikriegsfilmen – und unter diesen vor allem den Heimkehrerdramen – messen, weil er auf äußerst nachdrückliche Weise verdeutlicht, dass ein Alltag mit einem, aber natrlich auch für einen Kriegsheimkehrer nicht mehr möglich ist. Die Versuche vor allem von Andys Mutter, aber auch seiner Schwester, auf heile Welt zu machen, sind schmerzhaft hilflos, die Stille, die auf diese Versuche stets folgt, ist bleischwer und sagt mehr als jedes Wort. Wie soll man noch leben, wenn man den Krieg gesehen hat? Andy ist ausgehöhlt, tot. Dass Clark das in DEAD OF NIGHT wörtlich nimmt, ist keineswegs ein genialer Twist, sondern lediglich eine bildliche Überspitzung – folglich macht er auch nie einen Hehl daraus. Beim Finale ist dann endgültig Zapfenstreich, das Monster entpuppt sich als tragischer Held, der von der Welt vollkommen zerstört wurde und nur noch einen Platz hat: die Kühle des Grabes.

DEAD OF NIGHT zeichnet sich durch eine eisige Atmosphäre und eine Geschlossenheit aus, die ihn als Ausdruck eines ungerührt-mitleidlosen Schicksals selbst erscheinen lässt. Keine ornamentalen Schlenker oder Subplots lenken von seinem zentralen Konflikt ab, der sich so trotz der Clark’schen Subtilität unmissverständlich und mit geradezu konfrontationaler Direktheit entfaltet. Nur in den Siebzigerjahren konnte ein solcher Film entstehen, als Eiseskälte nicht zwingend ein Indiz für die Abwesenheit von Mitgefühl war. Meisterlich.

01
Jan
11

night of the comet (thom eberhardt, usa 1984)

Die Ankündigung eines zum ersten Mal seit Millionen Jahren an der Erde vorüberziehenden Kometen treibt weltweit Tausende Schaulustiger auf die Straßen. Nur die Teeniemädels Regina (Catherine Mary Stewart) und ihre Schwester Samantha (Kelli Maroney) sind verhindert. Sie entgehen damit, ohne es zu wissen, der Apokalypse, denn die Strahlung des Kometen verwandelt alle Menschen in ein Häuflein Asche – oder in hungrige Zombies. Im menschenleeren Los Angeles treffen sie auf den LKW-Fahrer Hector (Robert Beltran) und ziehen bald die Aufmerksamkeit einiger Wissenschaftler auf sich, die sich, um die Bedrohung wissend, rechtzeitig in einem Bunker verschanzt, diesen aber nicht richtig isoliert haben. Von den drei Survivors erhoffen sie sich Erkenntnisse für die Heilung ihrer Strahlenschäden …

Nach dem ausgezeichneten SOLE SURVIVOR, dem missing link zwischen CARNIVAL OF SOULS und FINAL DESTINATION, inszenierte Eberhardt diesen Versuch eines poppigen Endzeitfilms, dessen Ergebnis zwar nicht vollständig begeistert, aber für seine Originalität dennoch Aufmerksamkeit verdient. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es Eberhardt wirklich gelungen ist, die gegensätzlichen Aspekte befriedigend zu vereinen: Die durchaus ernsten Untertöne schienen mir durch die vor allem optische Verortung im Teenie-Horror etwas unterwandert zu werden, für unschuldigen Fun ist NIGHT OF THE COMET ist wiederum zu ernst, gleichmäßig und ruhig. Doch viellleicht ist es gerade das, was Eberhardt wollte: Anstatt einen weiteren Popcornfilm zu inszenieren, der die etablierten Klischees bedient, lädt er diese stattdessen wieder mit Bedeutung auf. Dazu passt auch, dass sich auch die Zitatenfreude des Films nicht in öden Spot-the-Reference-Spielchen erschöpft, sondern vielmehr zeigt, wie hellsichtig gutes Genrekino sein kann: THE OMEGA MAN stand ebenso offensichtlich Pate wie Romeros DAWN OF THE DEAD bei einer Shopping-nach-der-Apokalypse-Sequenz referenziert wird. Dem Pessimismus des letzteren setzt Eberhardt aber ein Finale entgegen, das eher Romeros DAY OF THE DEAD vorwegnimmt: Die letzten Überlebenden gründen in der ausgestorbenen Metropole eine neue Zivilisation. Es muss ja irgendwie weitergehen.

Ich hatte ein bisschen was anderes erwartet, als ich NIGHT OF THE COMET einlegte, denn auch das DVD-Cover präsentiert den Film ziemlich irreführend als überdrehte Komödie, die er einfach nicht ist. Ich schätze, dass Eberhardts Film deshalb bei einer weiteren Sichtung, bei der ich dann weiß, was auf mich zukommt, deutlich zulegen wird. Ein schöner und eben wie gesagt origineller Film ist NIGHT OF THE COMET so oder so.

28
Aug
10

the dead pit (brett leonard, usa 1989)

In einer Irrenanstalt experimentiert der verrückt gewordene Arzt Dr. Colin Ramzi (Danny Gochnauer) an den Gehirnen seiner Patienten herum, deren Leichen er danach in eine Grube im Keller wirft. Als Dr. Gerald Swan (Jeremy Slate) Ramzis Geheimnis entdeckt, ist er schockiert, bringt den mad scientist kurzerhand um und versiegelt den Kellerraum. 20 Jahre später wird die unter Amnesie leidende “Jane Doe” (Cheryl Lawson) zur Behandlung in die Klinik eingeliefert. Sie behauptet, jemand habe ihr durch einen Eingriff ins Gehirn die Erinnerungen “gestohlen”. Als wenig später ein Erdbeben die Klinik erschüttert, passieren sonderbare Dinge …

Wie schon DR. GIGGLES zählt auch THE DEAD PIT zu den damals in Venlo von mir verhafteten Splatterfilmen. Dass von diesem aber so gut wie nichts hängen geblieben ist, verwundert mich nach der neuerlichen Sichtung nicht besonders. So rüde, ruppig und wild er auch ist, so anstrengend ist er nämlich auch. Brett Leonard, der wenig später zum Hollywood-Cyberspace-Spezialisten avancieren, mit THE LAWNMOWER MAN, VIRTUOSITY und HIDEAWAY gleich drei Filme zum Thema drehen und sich so sein eigenes Karrieregrab schaufeln sollte, gelingt es zwar, seiner wilden Mad-Scientist-Zombie-Mär unter Zuhilfenahme expressiver Beleuchtungs- und anderer Verfremdungseffekte eine traumgleiche Atmosphäre zu verleihen, doch entfremdet diese den Zuschauer über die Länge von 95 Minuten eher, als dass sie Faszination auf ihn ausübte. Erschwerend hinzu kommt, dass man am Schicksal der Charaktere keinerlei Anteil nimmt. Das ist nicht nur auf die Schauspieler zurückzuführen: THE DEAD PIT ist so eigenwillig in seiner Reduktion auf das Irrenhausszenario und völliger Ausblendung jedweder Umwelt, jeden nachvollziehbaren raumzeitlichen Kontextes, dass man seine Figuren eben gar nicht erst als echte Menschen ansieht.

Das ist schade, denn es gibt hier durchaus Einiges zu entdecken: Die Effekte sind wie schon erwähnt recht rüde geraten, die Story versucht den Brückenschlag zwischen trashigem Splatterstuss und surrealem Psychohorror (und ergibt auf eine interessante Weise keinen Sinn), im Finale gibt es liebevolle Modelleffekte zu bestaunen und die Fotografie zaubert einige wirklich albtraumhafte Bilder. Und der Bierernst, mit dem dieser Zinnober präsentiert wird, ist einfach nur merkwürdig. Leider will sich das nicht zu einem funktionierenden Ganzen zusammenfügen und so werden die anderthalb Stunden, in denen man sich wie in einem befremdlichen Traum gefangen fühlt, recht zäh. Vielleicht funktioniert THE DEAD PIT aber auch besser, wenn man sich nicht auf einen temporeichen Splatterfilm einstellt, sondern ihn als bizarren Hirnfick rezipiert. Jedenfalls kann und will ich ihm seine Meriten nicht ganz absprechen. Nur wirklich mögen, kann ich ihn nicht.

24
Aug
10

dead heat (mark goldblatt, usa 1988)

Nach einer wilden Straßenschlacht mit zwei amoklaufenden Juwelenräubern erleben die beiden LAPD-Cops Roger Mortis (Treat Williams) und Doug Bigelow (Joe Piscopo) eine dicke Überraschung: Die beiden im Schusswechsel getöteten Verbrecher landen nämlich bereits zum zweiten Mal im Leichenschauhaus, sind auf gut Deutsch Zombies. Die Ermittlungen führen die beiden Cops in ein dubioses Chemieunternehmen, wo Mortis beim Kampf gegen einen fettleibigen Mutanten umkommt. Mittels einer mysteriösen Maschine kann der Cop zwar zu neuem Leben erweckt werden, die Freude über die zweite Chance währt aber nur kurz: Mortis bleibt nämlich nur ein halber Tag, bevor er sich endgültig in einen Haufen leblosen Zellabfalls verwandelt. Die Zeit drängt also und so machen sich die beiden Partner auf die Suche nach dem Schuldigen, der das Geheimnis des ewigen Lebens für schnöde Raubüberfälle missbraucht …

Das Spielfilmdebüt des umtriebigen Schnittpult-Wizards Mark Goldblatt ist, wie man der Tagleiste schon entnehmen kann, ein hübsches Konglomerat unterschiedlichster damals aktueller Einflüsse, die zum Zwecke größtmöglichen Entertainments zusammengerührt wurden – durchaus mit Erfolg, wie ich hinzufügen möchte. Von seinen knapp 80 Minuten Laufzeit wird keine einzige verplempert, DEAD HEAT gibt von der ersten Sekunde an Gas und hält dieses Tempo bis zum Ende durch. Wenn seine Protagonisten sich nicht mit aufgewärmter Zombiebrut balgen, so schießen sie ihre One-Liner hin und her, wie es in den Achtzigerjahren so beliebt war und man es heute leider nicht mehr so oft zu Gesicht bekommt. Für den Wortwitz ist vor allem Joe Piscopo zuständig, dem als Bigelow auch noch in der abwegigsten Situation ein dummer Spruch einfällt, während der viel zu selten, aber immer wieder gern gesehene Treat Williams als prophetisch benannter “Roger Mortis” den Straight Man gibt, an dem sich sein Partner abarbeiten darf. Die Chemie zwischen beiden stimmt, ihre Interaktion ist sozusagen das Herz des Films. Dass Piscopo – ein ehemaliges Mitglied der zweiten SNL-Inkarnation – heute meist als Sünde der Achtziger verunglimpft wird, scheint mir in erster Linie auf die Arroganz der Spätgeborenen und in zweiter auf seine zugegebenermaßen streitbare Frisur zurückzuführen zu sein: Als etwas einfältiger, aber gutmeinender Prolet weiß er durchaus zu gefallen (in De Palmas WISE GUYS hat er eine ganz ähnliche Rolle). Neben den Hauptdarstellern stechen vor allem die FX hervor, die von Steven Johnson gewohnt kompetent umgesetzt wurden: Besonders schön ist die Sequenz in einem China-Restaurant, in dem die Helden von zu neuem Leben erweckten Fleischwaren attackiert werden, aber auch der explodierende Oberschurke zum Schluss ist nicht zu verachten. Nachhaltig ist das überhaupt nicht, auch wenn sich Goldblatt einen schönen Kommentar zu den Workaholics des Copfilms nicht verkneifen kann: Roger Mortis jedenfalls lernt noch nicht einmal aus dem eigenen Tod, bleibt ganz der in seinem Beruf aufgehende Bulle, der den Täter auch dann noch um jeden Preis fassen will, wenn es das Letzte ist, wozu er überhaupt noch Zeit hat. Vor allem aber ist DEAD HEAT ein durch und durch sympathischer Unterhaltungsfilm, kein bisschen überkandidelt, nicht über die eigenen Verhältnisse clever, aber immer liebevoll und mit sichtbarem Spaß inszeniert und gespielt. Es mag blöder Kulturpessimismus meinerseits sein, aber so leichtfüßig, reuelos albern und genussvoll irrelevant sind Unterhaltungsfilme heute einfach viel zu selten, wenn überhaupt. Vincent Price, der hier einen seiner späten Auftritte absolviert, hätte es also durchaus schlechter treffen können und dass Goldblatt nach seinem auf diesen folgenden THE PUNISHER keinen Film mehr inszenieren durfte, finde ich einfach nur schade.

06
Jun
10

la morte vivante (jean rollin, frankreich 1982)

Zwei Grabräuber benutzen die Gruft, die sie ausräumen wollen, auch gleich noch als Giftmülldeponie. Als das Gift durch ein Beben austritt, wird eine der Leichen zum Leben erweckt. Die junge Untote (Francoise Blanchard) begibt sich gleich zu ihrem ehemaligen Zuhause: dem Schloss Valmont, wo ihre einstige beste Freundin Hélène (Marina Pierro) immer noch wohnt. Beide verband als Mädchen eine Blutsschwesternschaft, die auch den Tod überdauert zu haben scheint …

Ich bin geneigt zu sagen, dass LA MORTE VIVANTE je nach Persepktive entweder eine idealer oder aber ein denkbar schlechter Einstieg ins Werk Rollins ist. Für mich war es anno dunnemals ebenfalls der erste Rollin und interessiert hatte er mich vor allem wegen der Beschlagnahmung, die ihn unter seinem deutschen Titel LADY DRACULA (nicht zu verwechseln mit dem Siebzigerjahre-Lustspielfilmchen) ereilt hatte. Die sanfte Irritation, die er damals bei mir auslöste, kann ich mit der bis heute erworbenen Kenntnis zahlreicher weiterer Filme des Franzosen ganz gut einordnen: LA MORTE VIVANTE scheint ein Versuch (ob von Rollin oder seinen Produzenten initiiert, kann ich nicht beurteilen) gewesen zu sein, im damals von Zombies und Kannibalen geprägten europäischen Splatterfilm Fuß zu fassen. Die wahrhaft bestialischen FX brauchen den Vergleich mit den bekannteren Werken dieser Strömung nicht zu scheuen, muten aber gleichzeitig wie Fremdkörper in einem Film an, der trotz einiger Zugeständnisse an ein breiteres Publikum – es gibt eine amerikanische Pseudoprotagonistin, die Geschichte ist recht linear und eingängig erzählt – unverkennbar Rollin ist.

Im Kern des als Zombiefilm maskierten LA MORTE VIVANTE steht wieder einmal die an homoerotische Liebe grenzende Freundschaft zweier Frauen, die durch dunkelromantische Vorgänge auf eine harte Probe gestellt wird. Wie gewohnt gibt es barocke Settings zu bestaunen, geht der Film ein ganz eigenes schlafwandlerisch-verträumtes Tempo und kümmert sich – bis auf die genannten Ausnahmen, die vor diesem Hintergrund umso stärker als solche hervortreten – nur wenig um gängige Konventionen. Und deshalb fällt es mir auch nach wie vor schwer, mich im Anschluss an meine Einstiegsbehauptung für eine “Antwort” zu entscheiden: Den Rollin-Freund wird das unpassende Blutvergießen in gleichem Maße stören, wie er die pulpig-surrealen Umwege, auf denen sich der Regisseur sonst so schön zu verlieren pflegt, vermisst. Der unbedarfte Horrorfan hingegen könnte mit LA MORTE VIVANTE von allen Rollins zwar vielleicht noch am ehesten warm werden, doch steht zu vermuten, dass ihm für echte Begeisterung immer noch zu viel Rollin in diesem angeblichen Zombiefilm steckt. Mir hat der Film gestern eigentlich ganz gut gefallen, was dafür spricht, dass man LA MORTE VIVANTE doch am besten einschätzen kann, wenn man sich im Werk des Regisseurs vorher ein bisschen orientiert hat. Dann wird einem das tragische Finale den wohligen Schauer bescheren, den Rollins Filme im besten Fall evozieren.

03
Jun
10

fear no evil (frank laloggia, usa 1981)

In einer amerikanischen Ostküsten-Kleinstadt ist der Leibhaftige in Form des Teenagers Andrew (Stefan Arngrim) wiedergeboren worden, nachdem ihm Jahrzehnte zuvor die priesterliche Inkarnation des Erzengels Rafael (Jack Holland) den Garaus gemacht hatte. Nun plant Andrew/Luzifer den ersten Schritt zur Unterjochung der Menschheit, doch er hat die Rechnung ohne die beiden Erzengel Michael und Gabriel gemacht, deren weibliche Inkarnationen ebenfalls in dem Ort leben. Während der Aufführung der Christuspassion kommt es zur Schlacht zwischen Gut und Böse …

Frank LaLoggia, dessen Debüt dies war, überführt die etwa aus der THE OMEN-Trilogie bekannte Geschichte um den Teufel in Menschengestalt konsequenterweise in das in den Filmen der Achtzigerjahre so dominante Teenager- und Highschool-Milieu – allerdings ohne deren Eigenheiten gänzlich zu übernehmen. Wer wie ich die Bubblegum-Variante des Donner-Films erwartet, einen jugendlichen Teufel, der Mitschüler zu antichristlichem Haargel, böser Rockmusik und vorehelichem Geschlechtsverkehr verführt und also eine popkulturelle Verballhornung der erzkatholischen Horrorvorstellung darstellt, sieht sich getäuscht. LaLoggia pendelt sich genau zwischen dem bunten Teeniehorror seines (eigentlich ja erst noch kommenden) Jahrzehnts und dem episch-ernsten Ton des Siebzigerjahre-Donnerfilms ein. Das allein macht FEAR NO EVIL schon einmal sehr sehenswert und räumt ihm eine kleine Sonderstellung ein, die durch die ausgezeichnete Fotografie noch untermauert wird: Schon im Prolog wird ein visuelles Feuerwerk abgebrannt, das für einen Debütfilm überaus beachtlich ist und das setzt sich im spektakulären Showdown des Films fort. Keine Spur von Plastik! Auch der Soundtrack muss hervorgehoben werden, duellieren sich dort doch – wie, um die unterschiedlichen Quellen, aus denen sich der Film speist, auch auf der Tonspur zu verbildlichen – der pathetische, eher sinfonisch gehaltene Score und zahlreiche Klassiker der Punk- und Postpunk-Bewegung (Ramones, The Sex Pistols, Patti Smith, Talking Heads, The Rezillos, Richard Hell, B-52′s und die Boomtown Rats).

Leider versteigt sich LaLoggia in der Zusammenführung seiner vielen guten Ideen etwas und verliert das große Ganze etwas aus den Augen. FEAR NO EVIL fehlt eine klarer herausgearbeitete Plotline: Man weiß nicht so ganz, wohin sich das alles entwickeln soll und das geht auf Kosten der Spannung. Die Hauptfigur Andrew bleibt merkwürdig fremd und bezeichnenderweise verliert auch LaLoggia sie zwischendurch vollkommen aus den Augen. Man ist dann regelrecht überrascht, wenn er plötzlich wieder auftritt: Ach ja, da war noch was! Diese Unfokussiertheit steht einer größeren Durchschlagskraft zwar im Weg, weil FEAR NO EVIL eher wie eine lose Sammlung guter bis großartiger Ideen erscheint, andererseits ist mir ein Film, der an seinen zu hohen Ambitionen scheitert lieber als einer, der von vornherein nicht mehr als sicheres Mittelmaß anpeilt.

So bleibt ein wirklich sehenswerter Film, dessen beste Szenen durchaus das Zeug dazu haben, sich ins Langzeitgedächtnis einzugraben: etwa die, in denen man in einer kurzen, aber effektiven Montage sieht, wie das Elternhaus des Teufelsbuben über die Jahre seiner Kindheit mehr und mehr verfällt, und man so einen Eindruck erhält, was es für Eltern bedeuten muss, einen echten Satansbraten aufzuziehen. Und im herrlich blasphemischen Finale gibt es dann sogar den Angriff einer Zombiearmee! Ein hübscher, unperfekter, kurz: hübsch unperfekter Film.

PS Dass dieser Film es nur auf einen lausigen Punktschnitt von 3 auf IMDb geschafft hat, spricht für den Geschmacksverfall und die Ahnungslosigkeit einer Menschheit, die THE SHAWSHANK REDEMPTION für den besten Film aller Zeiten hält …

25
Mai
10

la nuit des traquées (jean rollin, frankreich 1980)

Auf nächtlicher Straße steht plötzlich eine nur mit einem Nachthemd bekleidete attraktive junge Frau vor Roberts (Alain Duclois) Auto, die sich ihm als Elisabeth (Brigitte Lahaie) vorstellt. Sonst kann sie sich an nichts erinnern und auch ihr Kurzzeitgedächtnis ist schwer beeinträchtigt: Nachdem Robert sie mit zu sich nach Hause genommen hat, hat sie bereits wieder vergessen, wie sie zu ihm gekommen ist. Als sie am nächsten Morgen allein in Roberts Wohnung ist, taucht ein Mann dort auf, der sich als Doktor Francis (Bernard Papineau) vorstellt und die verwirrte junge Frau wieder dort hinbringen will, von wo aus sie geflohen ist: ein “Schwarzer Turm” genanntes Hochhaus, in dem der Doktor mehrere Patienten behandelt, die wie Elisabeth am schleichenden Verfall ihres Gehirns leiden …

LA NUIT DES TRAQUÈES macht es auch dem Rollin-erprobten Seher zunächst nicht leicht: Ist man von dem französischen Filmemacher doch sonst eher barocke Schauerszenarios gewohnt, die erst durchs Brennglas der Psychedelia gebrochen und dann mit den Groschenheftelementen Sex & Crime angereichert werden, führt einen dieser Film auf das für Rollin eher ungewohnte Terrain des kühlen apokalyptischen Science-Fiction-Films. Statt von einsamen Friedhöfen, verfallenen Schlossruinen oder nebligen Küstenlandstrichen wird LA NUIT DES TRAQUÈES von den geraden Linien gläserner Hochhäuser und der betongewordenen Tristesse einer modernen Großstadt bestimmt, die Rollin mit seiner gewohnt poetischen Bildsprache zu einem modernen Massengrab verzeichnet. Dem Sujet nach gehört LA NUIT DES TRAQUÈES dem in der Schnittmege von Horror und Science Fiction angesiedelten Subgenre des Seuchenfilms an und es lassen sich durchaus Spuren solcher moderner Klassiker wie Romeros DAWN OF THE DEAD oder Cronenbergs SHIVERS in ihm auffinden. Doch Rollin interessieren etwaige gesellschaftskritische Subtexte nur sofern sie sich in Bilder und Emotionen verwandeln lassen: Mehr als ein Film über die Einsamkeit des Menschen in der Konsumgesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist LA NUIT DES TRAQUÈES ein Film über die Einsamkeit schlechthin. Seine gewissenlosen Ärzte, die  in eine beiläufig-banale Dialogzeile gebannte Ursache der Krankheit – ein Unfall in einem Kernkraftwerk -, sie dienen lediglich als Wegweiser, damit sich der Zuschauer in Rollins Welt, die ganz und gar Poesie ist, zurechtfindet. Schon sein Versuch eines Ökohorrorfilms LES RAISINS DE LA MORT abstrahierte von der konkreten Bedrohung, die ihm nur noch den Anlass für seine elaborierten Horrortableaus bot, LA NUIT DES TRAQUÈES geht aber noch einmal einen Schritt weiter.

Gerade deshalb erweist sich die Verortung des Films innerhalb eines ziemlich fest umrissenen Genre auch hinderlich für eine unvoreingenommene Betrachtung, weil sie Erwartungen schürt, die Rollin gar nicht einzulösen gedenkt. Und die ungewohnte Illusionslosigkeit seiner Bilder steht in hartem Kontrast zu den Gefühlswallungen, von denen die umständlich-ausschweifenden Dialoge künden. Unter eher technischen Gesichtspunkten der Erzählökonomie betrachtet, muss die Entscheidung, seinem schwungvollen (und mit einer Lahaie-Sexszene garnierten) Auftakt eine Reihe ellenlanger Dialogszenen folgen zu lassen, in denen wieder und wieder dasselbe berichtet wird, als geradezu katastrophal bezeichnet werden. Es macht – zumindest nach der ersten Sichtung – den Eindruck, als sei auch Rollin einer der Infizierten, die sich in der Welt (des modernen kommerziellen Erzuählkinos) zunehmend fremd fühlen, das, was um sie herum passiert, nicht mehr verstehen: als habe er diesen Film nicht kontrolliert, sondern als sei er ganz impulsiv, ungefiltert, unrefelektiert aus ihm herausgeflossen. Aus dieser Perspektive bertrachtet ist LA NUIT DES TRAQUÈES extrem spannend, auch wenn er dies eigentlich gerade nicht ist. Wie alles von Rollin: eigenartig, erst nach einer weiteren Sichtung halbwegs verlässlich einzuordnen.

18
Feb
10

drei rezensionen

Auf F.LM sind drei neue Rezensionen von mir zu finden:

THE HOUSE OF THE DEVIL
WASTING AWAY
CABIN FEVER: SPRING FEVER

Wer Splatting Image #80 besitzt, kennt die Texte aber schon. :)




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