Als Slasher oder auch einfach nur als Horrorfilm ist CAMP FEAR eine Vollkatastrophe – aber mein lieber Scholli, hatte ich Spaß mit diesem Teil! Die Story geht ungefähr so: Eine Gruppe geiler Studentinnen (darunter Betsy Russell) begibt sich für einen anthropologischen Field Trip gemeinsam mit dem coolen Professor Hamilton (Vincent van Patten) zum „Mystic Mountain“, wo die Forschungsgruppe alte indianische Artefakte zu finden hofft. Vor Ort werden sie nicht nur von einem Indianer vor einem nicht näher definierten „evil“ gewarnt, sondern auch von einer Rockerbande bedrängt. Außerdem schwimmt im See eine Ungeheuer herum und dann gibt es da auch noch einen riesenhaften Druiden, der ein Jungfrauenopfer braucht, um die Apokalypse einzuläuten. Was ihm nicht gelingt, meistert Thomas Edward Keith mit seinem Film, zumindest auf intellektueller Ebene.

Zuerst hatte ich ja ein bisschen Angst: Die Credits in Billigtypo werden über ein unscharfes Standbild vom Vollmond geklatscht und geben schon einmal einen Vorgeschmack auf die visuellen Verbrechen, die der Film in den kommenden 80, 90 Minuten vergehen wird. Aber der solchermaßen vorgestählte Betrachter wird im unmittelbaren Anschluss gleich wieder besänftigt, wenn da nämlich die Bewohnerinnen einer Sorority morgens erwachen und allesamt barbusig über den Flur hüpfen, um ihren Platz im Badezimmer zu ergattern. Anschließend gibt es Unterricht von Professor Hamilton, der es trotz seiner drei Meter breiten Schulterpolster irgendwie ins Klassenzimmer geschafft hat und sich bei seiner Lektion über alte heidnische Fruchtbarkeitsriten weder von der Schülerin ablenken lässt, die zur Musik aus ihrem Walkman abgeht wie Nachbars Lumpi, noch von einem Erdbeben, das das Klassenzimmer erschüttert. Immerhin schaffen es Hamiltons Lieblingsschülerinnen trotz dieser Widrigkeiten, sich mit dem Prof für den Abend vor der großen Expedition in einem Amüsierschuppen zu verabreden, in dem eine von ihnen im bauchfreien Kuhflecken-Jumpsuit eine Gesangsdarbietung abliefert, die sich so sehr gewaschen hat, dass ein geiles Pärchen dazu gleich mal den damalige Modetanz Nummer eines aufs Parkett legt: Die Rede ist natürlich vom mächtigen Lambada! Überhaupt: Die tanzen da alle, als gebe es kein Morgen. Nur Professor Hamilton bleibt sitzen: Wenn man sein Klatschen als Gradmesser für sein Rhythmusgefühl nimmt, ist das wahrscheinlich auch besser so, sonst hätte es wahrscheinlich Tote auffe Tanzfläche gegeben.

Nach dieser Wahnsinnsparty geht es dann endlich los auf besagten Field Trip, womit auch der Irrsinn der ersten halben Stunde in etwas geordnetere Bahnen gelenkt wird. CAMP FEAR folgt nun erzählerisch dem durch ca. 100.000 andere Filme vorgegebenen Muster, wird demnach etwas vorhersehbarer und langweiliger, aber er bewahrt sich dabei dieses sonnige Gemüt, das auf mich geradezu ansteckend wirkte. Vor allem Vincent van Patten legt einen Enthusiasmus für diesen Blödsinn an den Tag, der mir echt höchsten Respekt abnötigte. Andere Schauspieler hätten einen Tiefpunkt wie diesen wahrscheinlich nur mithilfe einer morgendlich vertilgten Pulle Schnaps durchgestanden oder ihre handfeste Depression gar nicht erst versucht zu verbergen, aber van Patten haut sich rein, als glaubte er tatsächlich, eine gute Leistung in CAMP FEAR könne zu einem großen Comeback führen. „Hey, wer weiß, wenn mein Agent James Cameron das Tape zusteckt …“ Nee, is klar, Vince. Auch das Auftauchen des vollmundig als „sea monster“ titulierten Holznilpferds mit Klappmaul lässt den Mut nicht sinken, wobei ich vermute, dass die Macher selbst von dem Biest alles andere als angetan waren. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass es für maximal zwei Sekunden gezeigt wird und der Regisseur sich danach lieber damit begnügt, Blubberblasen zu zeigen, wenn das Monster auftaucht. Der Druide ist weniger lustig, einfach ein großer Typ mit angeklebter Pappglatze und stierem Blick, aber dass er vor seiner Höhle eine Art Stonehenge-Attrappe stehen hat und außerdem passende Wildleder-Bikinis für seine Gefangenen zur Hand, zeugt von Geschmack und Vorausschau. Zum Schluss gibt CAMP FEAR auch noch ein Statement zur Völkerverständigung ab, als nämlich der Anführer der arschigen Rockergang seine Animositäten überwindet und den Studenteköpp hilft, den übermächtig scheinenden Gegner zu bezwingen. Mehr fällt mir nicht mehr ein. Doch eines noch: Als zwei der Forscherinnen den Sportschuh ihrer verschwundenen Freundin finden, wissen sie sofort, dass etwas faul ist: „Sie hätte diesen Schuh nie einfach liegen lassen!“ It’s not where you from, it’s where you at!

Vielen meiner Filmfreunden ist HATCHET bestimmt total zuwider. Und um ehrlich zu sein, entspricht er einer Art Film, die ich auf diesen Blogseiten selbst mehr als einmal mit Schimpf und Schande überzogen habe. Die Taglines auf dem nebenstehenden Poster lassen erahnen, worauf ich hinaus will: HATCHET ist unverkennbar Fanservice, durch und durch „Retro“ und noch dazu ein Film, der einen mit seinem Blutvergießen nicht verstören, sondern eher zum Lachen bringen will. Er definiert sich dabei weniger über das, was er ist, als vielmehr darüber, was er keinesfalls sein will und schielt dabei abschätzig auf die 2006 aktuellen Trends, die den leidgeplagten Horrorfan, den er als seine Zielgruppe anvisiert, wehmütig an die Zeiten zurückdenken ließen, als die „Fangoria“ noch in jeder Ausgabe einen sechsseitigen, mit Farbfotos bebilderten Artikel über den kommenden Jason-Film enthielt. „Old School American Horror“ eben – wobei „old school“ natürlich hochgradig willkürlich bzw. interpretationsbedürftig ist. Nicht wenige Horrorfilmbegeisterte dürften den Zeiten, die die Macher da auf dem Poster nostalgisch heraufbeschwören, keine einzige Träne nachweinen und die Blütezeit des amerikanischen Horrorfilms um gut zehn Jahre nach vorn verlegen. Langer Rede, kurzer Sinn: So wenig innovativ oder kreativ HATCHET auch sein mag, ich mag das Teil und finde, dass es einer der wenigen „Retro“-Horrorfilme ist, die ihrem selbst gesteckten Anspruch gerecht werden. Dass ich den Film seinerzeit beim Fantasy Filmfest auf der großen Leinwand sah, also vor genau jenem Publikum, für das er gemacht war, hat sicherlich dabei geholfen, ihn zu mögen, aber auch bei den beiden Sichtungen danach hat er von seinem ursprünglichen Charme fast nichts verloren.

Regisseur Adam Green macht einfach Vieles richtig: Er bleibt bescheiden und strapaziert den Goodwill seines Publikums nicht über. HATCHET dauert 80 schlanke Minuten und damit keine einzige zu viel. Dann setzt er natürlich auf die berühmten „handgemachten“ Effekte, courtesy of John Carl Buechler, die dem Film zu jenem angestrebten Look verhelfen, der mit CGI einfach nicht zu haben ist. Das gilt aber für die ganze Cinematografie: HATCHET sieht super aus, mit satten Farben, stimmungsvollen Settings und professioneller Lichtsetzung, kein Vergleich mit dem viel zu oft lieb- und vor allem farblosen Digivideo-Schrott mit ätzendem Colograding und Ausleuchtung wie im Supermarkt. Und dann schafft er es auch noch, die obligatorischen Honorationen einzusetzen, ohne sich dabei in einem lahmen Spot-the-Reference zu ergehen. Zu guter Letzt: Die Mehrzahl der Gags sitzt, weil die Darsteller ein Gespür für Timing und Delivery haben. OK, ein Subtilitätspreis ist mit den Possen, die hier etwa um zwei naive Schauspielerinnen mit großen Brüsten gerissen werden, ganz gewiss nicht zu holen, aber das erwartet man ja auch von einem solchen Film nicht unbedingt. Und vergleicht man HATCHET mit anderen kläglich gescheiterten Humorversuchen im Horrorfilm, schneidet er meines Erachtens ziemlich gut ab. Das liegt auch an Hauptdarsteller Joel David Moore und Deon Richmond, die eine gute Chemie haben und deren Hin-und-Her dem Film gerade in der Exposition viel Drive verleiht.

Letzten Endes ist HATCHET ein Film über Leute, die durch einen Wald laufen und von einem Killer mit Hackfresse zu blutigem Klump gehauen werden: Es gibt für mich an dieser Stelle demnach nicht wahnsinnig viel Schlaues über den Film zu berichten – und ein Aufzählen der besten Szenen ist für mich ebenso langweilig wie für den Leser. Aber wenn man sich die Texte durchliest, die sich hier unter dem Tag „Slasher“ versammeln, dann bekommt man ja einen recht lebhaften Eindruck davon, was bei der filmischen Umsetzung dieser berückend einfachen Prämisse alles in die Buxe gehen kann. Der weit überwiegende Teil der Slasherfilme ist grottenlangweilig, dazu meist ohne auch nur ein Mindestmaß an filmischer Finesse direkt für die Mülltonne gefertigt. HATCHET ist gewiss kein Werk für die Ewigkeit, aber solange er dauert, macht er zumindest mir eine Menge Spaß.

 

CHROMESKULL: LAID TO REST 2 ist ziemlich exakt so, wie man das nach dem ersten Teil erwarten durfte: Der Film ist genauso runterziehend und eindimensional, wieder ergeht er sich in seinen blutrünstigen Mordszenen und Splattereffekten, die ganz nach inhärenter Sequellogik noch einmal ekliger, elaborierter und zahlreicher sind als zuvor, wieder hat er filmisch wenig bis gar nichts zu bieten. Nur eins überrascht ein wenig: Nachdem der Vorgänger erzählerisch relativ traditionell und betont einfach als stalk’n’slash angelegt war, angetrieben vom zentralen Rätsel um die Identität der Protagonistin, schwingt sich Hall mit dem Sequel nun in andere, höhere Gefilde vor. In dem Glauben, mit der Figur des Chromeskull einen Schurken erdacht zu haben, der ein tiefes Eintauchen in seine Biografie sowie SAW- und X-FILES-mäßig labyrinthische Plotkonstruktionen rechtfertigte, fabuliert sich der Writer/Director hier einen haarsträubenden und noch dazu menschenverachtenden Quark zusammen, der – erneut mit unangenehm grimmiger Ernsthaftigkeit vorgetragen – offensichtlich den Startschuss für eine mehrteilige Saga darstellen sollte. Dass es dazu bislang nicht gekommen ist, erachte ich als Beleg für das krachende Scheitern des Films – aber vielleicht wartet Mastermind Hall auch nur darauf, dass ihm irgendein Produzent das Multimillionenbudget zur Verfügung stellt, welches den Anforderungen des HCU (das Hall’sche Cinematic Universe) angemessen ist. Wer weiß.

Die Fortsetzung fängt exakt in dem Moment an, in dem der Vorgänger aufhörte: In den Polizeiwagen, die den Tatort des finalen Gemetzels aussuchen, sitzen mitnichten Polizisten, sondern die vom ätzenden Preston (BEVERLY HILLS 90120-Star Brian Austin Green) angeführten Angestellten des keineswegs toten Killers Chromeskull. Der geht nämlich offenkundig nicht allein auf seine Mordtouren, sondern hat hinter sich ein technisch perfekt ausgestattetes Team aus zynischen Arschgeigen in maßgeschneiderten schwarzen Anzügen, das in luxuriös-karg ausgestatteten Büros sitzt, auf Monitore starrt und auf die via Bildschirmnachrichten übermittelten Befehle ihres Chefs wartet. Nachdem diesem im Finale des ersten Teils heftigst die Rübe zermatscht worden war, muss er jetzt erst wieder hergerichtet werden, was dank der schon angesprochenen technischen und darüber hinaus anscheinend grenzenlos vorhandenen finanziellen Mittel auch gelingt. Anschließend beginnt die Jagd auf die Überlebenden von LAID TO REST sowie auf die langsam erblindende Jess (Mimi Michaels), die das nächste Opfer des Lustmörders werden soll. Verkompliziert wird die Geschichte noch dadurch, dass besagter Preston die Schnauze voll hat, immer nur die zweite Geige hinter seinem Chef zu spielen, weil er sich für einen mindestens ebenso begabten Slasher hält und demnach anfängt, dem Boss Konkurrenz zu machen, was der verständlicherweise gar nicht gerne sieht.

Grundsätzlich ist es natürlich lobenswert, dass Hall sich nicht damit begnügte, einfach noch einmal das Gleiche zu machen. Dass er in LAID TO REST fast gänzlich darauf verzichtete, irgendwelche Details über den Killer zu verraten, hatte die Figur bedrohlich und interessant gemacht, an dieser Stelle anzusetzen, ist demnach eine gute Idee. Eine naheliegende zwar, aber eine, der bislang viel zu selten nachgegangen wurde: Angesichts der Tatsache, dass der Killer das Zentrum des Slasherfilms bildet, ist es ja erstaunlich, wie wenige Genrebeiträge sich bisher die Mühe machten, ihm eine wirklich interessante Backstory auf den Leib zu schneidern. Meistens ist es einfach irgendein Irrer, durch ein vergangenes Ereignis traumatisiert. Diese „Charakterisierung“ wurde irgendwann zum bequemen shorthand, das den Machern in die Karten spielte, schließlich galt es ja, den Markt mit möglichst geringem Aufwand zu bedienen: Irgendein Verrückter mit Schunkelbirne, Latzhose und Axt ging halt immer. Halls Idee, seinen manischen Killer zum Mogul des Mordens zu machen, komplett mit Hightech-gestütztem Backoffice, ist erst einmal verlockend. Aber so, wie die Idee umgesetzt ist,  ist das leider sowohl halbherzig als auch total hirnrissig. Wie es der serielle Charakter seines Films erfordert, ist Hall nämlich kein Stück daran interessiert, irgendetwas über Chromeskull zu verraten, das würde ihn ja nur unnötig festlegen und das Interesse an einem dritten Teil schmälern. Also wird nach der Enthüllung zum Auftakt, dass da gar kein irrer Einzeltäter am Werke ist, keine einzige der sich daran anschließenden Fragen beantwortet, stattdessen alles geheimnisvoll und andeutungsreich im Vagen gehalten, dass es nur so raunt. Das, was der Zuschauer tatsächlich geboten bekommt, sind abgeschmackte, auf sozialneidischen Ressentiments gegen Reiche und protofaschistischen Verschwörungstheorien beruhende Klischees, die in ihrer Plattheit allerdings perfekt zur flachen und farbarmen Digivideo-Optik passen. Beim finalen Seitenhieb gegen Hollywood hat sich Regisseur Hall ganz bestimmt selbst auf die Schulter geklopft für seine rebellische Anti-Establishment-Haltung – trotzdem war das die einzige Szene, die mich wenigstens ein bisschen aufmerken ließ, weil hier zum ersten Mal so etwas wie Fabulierfreude und Witz zum Ausdruck kamen. Na gut, die Szene, in der eine arme Polizisten mit dem Mund auf eine im Boden steckende Schere getreten wird, sich die Klingen unter dem Druck spreizen und ihr schließlich den Mund verbreitern, fand ich auch ganz putzig.

Ich will gar nicht den Stab brechen über diesem Film, mein Verriss des Vorgängers ist mir jetzt schon unangenehm, auch wenn ich hinter jedem einzelnen Wort stehe: So gern ich Splattereffekte mag, so ätzend ich diese langweiligen Fun-Splatter finde, als so abtörnend empfinde ich auch Filme wie LAID TO REST und CHROMESKULL: Beide sind nicht nur zum Kotzen hässlich, sondern auch einfach niederträchtig in ihrer engen Weltsicht. Ich habe nichts gegen bittere und runterziehende Filme, aber wenn ein Film ausschließlich deshalb bitter und runterziehend ist, um sich von anderen abzuheben und mit seiner Abgefucktheit zu prahlen, finde ich das nur mäßig produktiv. Wenn auch nur die Hälfte der Energie, die Hall und Co. in die ohne Zweifel erstklassigen Effekte gesteckt haben, in das Drehbuch und die Inszenierung gegangen wären, dann stünde hier am Ende ein Slasherfilm, dessen Härten nicht nur einem irgendwie peinlichen Schwanzvergleich entsprächen, ein Film der – so unpassend das in diesem Rahmen auch klingen mag – „Spaß“ macht, der Story, Dialoge und Bild nicht nur als abzuwickelnde Begleiterscheinungen begreift und einem vielleicht sogar etwa mitteilt über Leben und Sterben (das ist zugegebenermaßen ein Bonus). Ich habe der Protagonistin des Vorgängers ihr Überleben von Herzen gegönnt. Sie hatte viel mitgemacht, sich gegen alle Widrigkeiten behauptet, war noch dazu vom Drehbuchschreiber, der pikanterweise ihr Ehemann war, mit Scheiße beschmissen worden. Dem Sequel fällt aber nichts Besseres ein, als sie gleich in der Eröffnungsszene zum Opfer des ersten blutigen Set-Pieces zu machen, bei dem sie auch noch nackt unter der Dusche steht. Auch wenn es, glaube ich, nicht dieselbe Darstellerin ist: Der Figur gegenüber fand ich das einfach schäbig. Es zeugt von der generellen Haltung des Filmemachers, für den alle Figuren nur Opfermaterial sind, das möglichst blutig seiner Bestimmung zugeführt wird, der kein Mitleid, keine Empathie, keine Menschlichkeit kennt. So jemand sollte keine Filme drehen, denke ich.

Ich habe hier noch gar nicht darüber gesprochen: Der Slasherfilm ist ein zutiefst kompromittiertes Genre. Sein kommerzieller Siegeszug begünstigte auch das jugendschützerische Engagement konservativer Kräfte, die alles daran setzten, den Horrorfilm seiner gewalttätigen und grafischen Spitzen zu berauben. Das führte zu dem bizarren Ergebnis, dass die Filme eines Subgenres, das sich im Wesentlichen um die Inszenierung und fantasievolle Ausschmückung kreativer Morde drehte, oft ziemlich blutleer waren. Entweder wurden sie von den Zensoren gerupft oder aber von den Produzenten selbst in vorauseilendem Gehorsam ihrer blutigen Reize entledigt. Diese Tatsache machte den Weg unter anderem frei für Amateurfilmer, die die Marktlücke sahen und frei von irgendwelchen wirtschaftlichen Zwängen auf den Schlamm hauen konnten. Ihre Genrebeiträge hatten zwar weder technische Finesse noch irgendwelche production values vorzuweisen, dafür aber literweise Kunstblut und Latex-Schweinereien am laufenden Meter. LAID TO REST ist nur einer der späten, professionalisierten Nachfolger dieses Trends und Regisseur Hall gewissermaßen ein Meister des Fachs: In seiner eigentlichen Tätigkeit als FX- und Make-up-Mann arbeitete er unter anderem an den Filmen der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe sowie an zahlreichen populären Fernsehserien mit, arbeitete dabei immerhin für Koryphäen wie Stan Winston und Steve Johnson.

LAID TO REST ist von Anfang an als Fanservice oder als Showreel zu durchschauen: Schon die Titlesequenz macht mit Schreckensbildern – untermalt von furchtbar krawalligem NuMetal – „Hoffnung“ auf die zahllosen Schweinereien, die es im Verlauf der kommenden 90 Minuten zu sehen geben wird, FX-Leute und der Kunstblutmixer feierten offenkundig Überstunden. Es wird erbarmungslos gekillt, dreckig gestorben und unglaublich viel gesplattert, aber ohne das Augenzwinkern des Funsplatter-Spaßvogels, sondern mit der grimmigen Entschlossenheit des Überzeugungstäters, für den sich der Wert eines Filmes in „Härtepunkten“ im Horrorfilm-Lexikon bemisst. Aber LAID TO REST zeichnet sich nicht nur durch seine „liebevollen“ und selbstverständlich handgemachten Effekte aus (nichts fuckt den Großbauern schließlich mehr ab als CGI-Blut), sondern auch durch seine unangenehm menschenfeindliche Stimmung und eine generelle Trost- und Hoffnungslosigkeit. Die kaum als solche zu bezeichnende Farbpalette des Films umfasst alle Nuancen von grünstichigen Grau- und Brauntönen, die man sich vorstellen kann, und trägt erheblich dazu bei, das man sich schon nach kurzer Zeit körperlich unwohl fühlt. Dazu spielt der Film ausschließlich bei Nacht an anonymen Settings, die nicht viel mehr als Raum für die breit ausgewalzten Tötungsorgien darstellen. Dialoge und Bildkomposition sind nahezu ausschließlich Mittel zum Zweck, alle Figuren stapfen mit von dauerhafter Todesangst ausgelöster Leichenbittermiene durch den Film, sich fragend, welches ihrer Körperteile der humorlos-effiziente Maskenmann wohl als erstes abschneiden respektive durchbohren wird. Zum Showdown tauchen noch zwei besonders eklige Exemplare jugendlicher Toxic Masculinity auf, hören nervtötend-offensiven Schott-Hip-Hop, prahlen von „bitches“ und kommen angesichts der Bemühungen der Protagonistin, ihnen ein Signal zu geben, sofort auf die Idee, sie wolle etwas von ihnen. Dass beide sogleich zu Sympathieträgern avancieren, sagt recht viel über Halls Weltsicht, aber auch über die Behelfsmäßigkeit des Drehbuchs, dessen einziges Ziel es ist, den Body Count möglichst ausufernd zu gestalten.

Ich finde diese Eindimensionalität, dieses Sich-Aufgeilen an der eigenen Abgefucktheit, das solche Gorefilm-Auteurs ostentativ zur Schau stellen, ziemlich eklig, zumal es sich nicht selten mit unangenehmem Chauvinismus verbindet. In einer Szene am Anfang mutmaßt ein weiblicher Charakter – Lena Headey, die ihre Mitwirkung wahrscheinlich in einem Anfall geistiger Umnachtung zusagte -, dass die verwirrte Frau mit der Amnesie, die sie um Hilfe bittet, ein „Crystal-Meth-Head“ oder schlicht eine „Nutte“ sei. Wenig später tut ihr das zwar Leid, aber dass ihr diese Beleidigungen einfallen, noch bevor sie die Frau überhaupt gesehen hat, spricht Bände für das ätzende Menschenbild, dem Hall hier ein Denkmal errichtet. Nicht nur das: Am Ende findet die weibliche Protagonistin tatsächlich heraus, dass sie eine Prostituierte ist, die vom Killer zu einem Schäferstündchen bestellt und dann niedergeschlagen wurde. Die Videoaufnahmen des Mörders zeigen sie, wie sie sich ihm andient, ihm einen Blowjob anbietet und angesichts der laufenden Kamera auf dem Tisch sichtlich angetörnt ist. Die Offenbarung ihrer wahren Identität treibt ihr die Tränen in die Augen, denn sie hatte sich längst daran gewöhnt, etwas Besseres zu sein als eine käufliche Sexarbeiterin, die in Halls Welt nichts mehr verdient als einen Schwanz im Mund und eine Baseballkeule auf den Kopf. Eine Duschszene, in der man ihre wahrscheinlich chirurgisch optimierte Oberweite zu sehen bekommt, hat er, der mit der Hauptdarstellerin verheiratet war, ihr aber trotzdem spendiert. Nicht, dass diese Chance ungenutzt bliebe. Was will man auch von einem Mann erwarten, der seine ellenlange IMDb-Bio offenkundig selbst verfasst hat?

Man muss sich ja schon ein bisschen wundern, welche Filme heute das Arrow-Treatment erfahren. Dieser lokal in Wisconsin produzierte Film aus dem Jahr 1989 wurde nach Fertigstellung erst einmal im Giftschrank abgelegt und erst vier Jahre später unters nicht gerade ungeduldig wartende Volk gebracht, vermutlich weil die Produktionsfirma Windsor Lake in diesem Zeitraum einigen Wind mit ihren unter dem Siegel „Fangoria Films“ produzierten Splatterfilmchen machte. Die Bluray von Arrow wartet mit Extras wie einem Audiokommentar des Regisseurs, des Effektmannes und des Drehbuchautoren sowie einem Making-of auf und so begrüßenswert ich es grundsätzlich finde, dass dieser Aufwand nicht nur für anerkannte Klassiker, sondern auch für vollkommen unbedeutende Käsefilmchen betrieben wird, so frage ich mich doch: Wer braucht das?

TRAPPED ALIVE ist ein typischer DTV-Schlocker der späten Achtziger: Nichts hier ist irgendwie bemerkenswert. Das Script wurde wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden runtergerockt, alle Settings schön plastikmäßig und vor allem hell ausgeleuchtet, zwei attraktive, aber mäßig talentierte Häschen als Hauptdarstellerinnen gecastet und zwei andere, leicht bekleidete aufs Cover gepackt und zu guter Letzt ein doofes Monster zusammengeschustert, das man im fertigen Film für etwa 28 Sekunden zu Gesicht bekommt. Als großen Coup konnte man noch Cameron Mitchell für den schauspielerischen Glanz verpflichten und dazu bringen, in dreieinhalb Szenen, die für das eigentliche Geschehen keinerlei Bewandtnis haben, zu monologisieren und betrübt dreinzuschauen. Es gibt ein klitzeklitzekleines Bisschen Gore und ein klitzeklitzekleines Bisschen nackte Haut und dann ist der Spuk nach knapp 90 Minuten zu Ende, ohne irgendwelche echten Emotionen ausgelöst zu haben. Es geht sehr viel schlechter, aber auch deutlich besser: TRAPPED ALIVE ist Mittelmaß, und überrascht allerhöchstens deshalb positiv, weil man eigentlich davon überzeugt war, dass er totale Kacke ist.

Die Geschichte um zwei Mäuschen, die an Weihnachten von drei Ausbrechern überfallen und gekidnappt werden und dann schließlich im Schacht einer verlassenen Mine landen, in der ein kannibalistischer Rauschebart umgeht (der ein bisschen aussieht wie ein ungewaschener Weihnachtsmann in zivil), erinnert ein bisschen an Gary Shermans ungleich besseren RAW MEAT und wird ohne echte Einfälle abgespult. Ein Nebenstrang der Handlung dreht sich um eine einsam in einer nahegelegenen Hütte wohnende Femme fatale, die sogleich beginnt, den nach den Ausbrechern fahndenden Polizisten zu becircen. Der scheint zunächst die heldenhafte Identifikationsfigur zu sein, macht aber eine plötzliche Metamorphose zum Arschloch durch, als er den Schurken in der Mine begegnet. Für den großen Schlusskampf, der gar keiner ist, ebenso plötzlich und unspektakulär endet, wie er angefangen hatte, kriegt er sich aber wieder ein und erkennt an, dass der letzte Überlebende der Bösewichte eigentlich ganz nett ist (er hatte ihm zuvor den wahrscheinlich nutzlosesten Fußverband ever aus einem goldenen Kunstledergürtel geknotet). Die Heldin entkleidet sich bis auf ihre Dessous, um in ein Wasserloch zu springen, die Femme fatale taucht mit der sensationellen Schlussenthüllung auf, dann fliegt alles in die Luft. Und Cameron Mitchell, der in kurzen Intermezzi immer wieder sorgenvoll in sein Whiskeyglas stiert und sich fragt, wo die geliebte Tochter denn nur bleibt, wird am Ende noch nicht einmal darüber aufgeklärt, dass es ihr gut geht. Der arme Mann!

 

 

the prey (edwin brown, usa 1983)

Veröffentlicht: August 18, 2019 in Film
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THE PREY ist prototypisches Slashermaterial: Sechs junge Leute, fein säuberlich aufgeteilt in drei Heteropaare, machen einen Hikingtrip in die Berge von Kalifornien, wo ihnen der grimme Schnitter in Gestalt einer wasserköpfigen Missgeburt auflauert. Für das Final Girl hält die noch eine ganz besondere Überraschung bereit.

THE PREY ist so schmucklos, dass es schon wieder schön ist. Sechs junge Leute im Wald, ein Killer mit Vollmeise, ein tapferer Park Ranger, ein Eimer mit Kunstblut: Das ist der Stoff, aus dem in den Achtzigerjahren der Videothekenklassiker gemacht wurde. Unter dem Titel … UND DER TOD WARTET SCHON erschien THE PREY auch bei uns und ward wahrscheinlich schnell wieder vergessen, denn seien wir ehrlich: Mitte der Achtziger gab es jede Menge Horrorfilme, die deutlich aufregender waren als dieser, aber so mit 35 Jahren Abstand nötigt mir die Wham-bang-thank-you-ma’am-Strategie, derer sich Edwin Brown bediente, doch einigen Respekt ab (es wundert mich nicht, dass er danach einen Film namens NAUGHTY GIRLS NEED LOVE TOO drehte). Es ist schon einigermaßen erstaunlich, dass ein Film, der so wenig zu erzählen hat, so kurzweilig daherkommt. Das imposante Bergsetting trägt zum Gefallen gewiss bei und wird entsprechend erschöpfend ins Bild gerückt: Die Aufnahmen von Tieren, vom Specht bis zum Tausendfüßler, sind kaum zu zählen. Das ist zum einen natürlich eine erprobte Methode, um einen Kurzfilm zum abendfüllenden Spektakel aufzublähen, aber ähnlich wie bei einem (natürlich viel besseren) Film wie Jeff Liebermans JUST BEFORE DAWN trägt die Errichtung dieser Bildwelt ja auch dazu bei, den Kampf um Leben und Tod, dem die Protagonisten ausgesetzt sind, in einen größeren Kontext zu stellen.

Lobenswert ist auch das gemeine Ende, das THE PREY noch einmal gehörig aufwertet, dabei aber wie der ganze Film angenehm zurückhaltend bleibt. Der Slasherfilm wird gewiss nicht als das subtilste aller Horrorfilm-Subgenres in die Geschichtsbücher eingehen, umso schöner, wenn ein Film wie dieser, seines Zeichens ein Epigone der bereits zweiten oder dritten Verwertungswelle und ganz am Ende der Nahrungskette stehend, sich seiner Wurzeln in der Campfire-Erzählung und der hinter den Mordgeschichten stehenden existenzialistischen Ängste erinnert. THE PREY ist klein, aber fein.

Filmforschung ist mitunter schmerzhaft, vor allem, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat, den Slasherfilm in seiner betäubenden Gänze zu erfassen – und die Perlen schon vor langer, langer Zeit geborgen hat. APPOINTMENT WITH FEAR, ohne Übertreibung einer der ödesten, tristesten Filme, derer ich je ansichtig wurde, stürzte mich gestern fast in eine Sinnkrise. Noch so viele Slasher und so wenig Hoffnung auf echte Ganzlichter. TRAMPA INFERNAL, der Genrebeitrag des mexikanischen Schmuddelexperten Pedro Galindo III, war genau der richtige Stoff, um dem gesunkenen Mut eine Adrenalininjektion zu verpassen – und zwar voll in den Arsch!

Wie es mexikanische Exploiter so an sich haben, schert sich auch TRAMPA INFERNAL nicht lang um eine fein- oder gar hintersinnige Story: Die beiden Superdudes Nacho (Pedro Fernández) und Mauricio (Toño Mauri) befinden sich in einem nicht enden wollenden Schwanzvergleich, bei dem sie von ihren Kumpel und Freundinnen unterstützt und bejubelt werden. Gerade erst hat Nacho, der einen Nackenspoiler mit sich herumträgt, der Michael Bolton vor Neid erblassen ließe, Mauricio in einer Partie Gotcha besiegt, da sinnt Mauricio auch schon auf Revanche. Er schlägt vor, dass die beiden raus in die Wälder fahren, wo ein Bär fünf Touristen massakriert haben soll: Wer den Bär zur Strecke bringt, ist der neue Obermacker, jedenfalls bis zur nächsten Mutprobe. Nacho lässt sich natürlich nicht lumpen und so geht es auf Bärenjagd. Doch die Toten gehen gar nicht auf das Konto von Meister Petz, vielmehr versteckt sich in den Wäldern ein durchgeknallter Vietnam-Veteran, der nicht gemerkt hat, dass der Krieg schon zu Ende ist (und außerdem gar nicht in Mexiko stattfand).

TRAMPA INFERNAL läuft genau so ab, wie man sich das nach dieser Beschreibung vorstellen darf: Die beiden „Helden“ stapfen mit ihrem jeweiligen Anhang durch den Wald und werden bald schon dezimiert, während die Freundinnen in Badeklamotten an einem See rumhängen und sich beim Beachtennis so dusselig anstellen, dass der Ball auch schon mal 30 Meter weit im Wasser landet. Der Vietnamveteran sieht aus wie Sammy Hagar mit einer Michael-Myers-Maske, trägt einen Freddy-Krueger-Gedächtnishandschuh und hat im Wald ein paar Booby Traps installiert (die leider nicht so häufig zum Einsatz kommen, wie ich mir das gewünscht hätte, aber gut). Am Waldrand wohnt ein anderer Veteran in einem Wohnmobil und stattet die Protagonisten mit guten Ratschlägen und Waffen aus. Pedro Galindo III inszeniert die Chose ohne große Prätentionen frisch von der Leber weg. Bahnbrechende Ideen muss man hier nicht erwarten, dafür wird man aber eben auch von fehlgeleiteten Ambitionen verschont. Nach knapp 80 Minuten macht es „Bumm“, der Killer ist platt und was von den Protagonisten noch übrig ist, geht nach Hause. TRAMPA INFERNAL ist ein reiner Gebrauchsfilm, der mit seiner Naivität einnimmt. Nur in einem mexikanischen Slasher wird einem ein Kern-Asi wie Nacho als Identifikationsfigur angeboten, das allein hat mir schon gereicht, um diesen Film zu mögen. Dieser Nackenspoiler ist aber auch einfach zu geil.