Das Michelle-Pfeiffer-Vehikel DANGEROUS MINDS war 1995 ziemlich erfolgreich. Es waren andere Zeiten: Coolios Superhit „Gangsta’s Paradise“ ist heute wahrscheinlich geläufiger als der dazugehörige Film, der dennoch einflussreich genug war, um ein Rip-off namens THE SUBSTITUTE nach sich zu ziehen (das bis 2001 noch drei DTV- bzw. TV-Sequels abwarf). Man muss Mandels kleinen Actioner nicht unbedingt gesehen haben, es sei denn, man hat Spaß an Exploitern, die sich als respektable A-Ware tarnen, ohne ihre echte Gesinnung und ihre Schmuddelkind-Herkunft ganz verbergen zu können. Die Drehbuchautoren Alan Ormsby (DERANGED) und Roy Frumkes (STREET TRASH) hatten vermutlich ziemlichen Spaß daran, das „Gebt Ghettokindern eine Zukunft“-Drama als absurden Söldnerfilm zu adaptieren, der heute, wo ernsthaft darüber diskutiert wird, Lehrer zu bewaffnen, damit sie potenziellen Amokläufern Einhalt gebieten können, deutlich weniger absurd anmutet, als er es eigentlich verdient hat.

Die Spezialeinheit um Jonathan Shale (Tom Berenger) – seine Kameraden sind Joey Six (Raymond Cruz), der irre Hollan (William Forsythe), Rem (Luis Guzmán) und Wellman (Richard Brooks) – wird nach einer fehlgeschlagenen Mission auf Kuba aufgelöst. Auf der Suche nach Beschäftigung wird Shale beim Drogendealer Wolfson (Cliff De Young) vorstellig, doch er lehnt dessen Angebot dankend ab. Stattdessen springt er als Aushilfslehrer an der Schule seiner Freundin Jane (Diane Venora) ein, nachdem dieser von einem rachsüchtigen Gangmitglied die Kniescheibe zertrümmert wurde: Jane hat sich mit Lacas (Marc Anthony) angelegt, dem Anführer der „Kings of Destruction“, und Shale will neue Ordnung schaffen. Das gelingt ihm zum Missfallen des Schulleiters Rolle (Ernie Hudson), der mit der Gang unter einer Decke steckt ….

Ich hatte mir von THE SUBSTITUTE zwar etwas mehr militärischen Drill für die ungezogene Ghettobrut gewünscht und etwas weniger „Drama“, aber ganz amüsant ist Mandels Film dennoch – vor allem natürlich, wenn man bedenkt, dass dieser hoffnungslos derivative Quatsch tatsächlich einen Kinostart hatte. Es gibt ein paar Momente, in denen man merkt, wie der Hase hier läuft: Beim Vorstellungsgespräch Shales konkurriert er mit einem schmierigen Star-Söldner, der ein eigenes, per Videoclip-Editing aufgemotztes Demo-Reel bei sich hat. Wolfson furzt einmal kräftig, nachdem seine Freundin den Raum verlassen hat und beschwört die „reinigende“ Wirkung seines Müslis. Am Ende kommt es zum bleihaltigen Showdown in der Schule und der brave, gutmütige Lehrer Sherman (Glenn Plummer) muss natürlich vorher dran glauben (er versucht den Killern von Lacas zu entkommen, indem er in der Turnhalle ein Seil hochklettert). Angesichts solchen Blödsinns muten die Versuche menschlichen Dramas umso deplatzierter und alibihafter an: Aber irgendwie ist es auch ganz putzig, wenn Shale seinen Schülern vom Vietnamkrieg erzählt, diese große Augen bekommen und er dann beim Abendessen davon spricht, wie er endlich zu ihnen durchgedrungen ist. Die Ghettokids sind eigentlich ganz OK, sie brauchen nur eine starke Hand – und einen Söldner, der die echten Kriminellen unter ihnen beseitigt.

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sendepause

Veröffentlicht: Mai 13, 2018 in Film

Ich muss wahrscheinlich nicht extra erwähnen, dass ich derzeit eine kleine Auszeit nehme. Außer einiger Filmsichtungen, die mit Print- oder BR-Veröffentlichungen in Zusammenhang stehen, habe ich in den letzten zwei Monaten fast gar keine Filme geschaut – und vorerst wird sich daran wohl auch nichts ändern.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen schaffe ich es am Feierabend kaum noch, Filme zu gucken. Ich schlafe regelmäßig dabei ein und das macht einfach keinen Spaß. Auch das Schreiben hat mich zuletzt etwas angeödet, was auch daran liegt, dass ich beruflich viel schreiben muss und das Blog dann nicht mehr wirklich den Ausgleich bedeutet, der es sein soll. Dann habe ich derzeit aber auch einfach keine rechte Lust auf Filme, es gibt andere Sachen, die mich im Moment mehr interessieren. Zu meinem letzten Geburtstag habe ich mir eine PS4 gegönnt und die Spiele, mit denen ich mich beschäftige, sind für mich im Moment einfach interessanter und faszinierender. Und zur Entspannung schaue ich dann lieber Major League Baseball im Fernsehen – ein Jugendtraum, den ich mir mit dem Abonnement eines Sporkanals endlich erfüllt habe – als nach 30 Minuten eines Spielfilms einzupennen.

Irgendwann wird mich die Lust sicherlich wieder packen, aber wann das sein wird, kann ich derzeit noch nicht absehen. Und weil ich weder über Videospiele noch über Sport schreiben will, wird es hier vorerst auch nichts zu lesen geben. Ich hoffe, ihr bleibt mir trotzdem gewogen. Und im Archiv liegt ja ausreichend Lesestoff.

 

sachen zum kaufen

Veröffentlicht: April 27, 2018 in Film, Zum Lesen
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Die neue Ausgabe des Magazins 35MM ist draußen, diesmal als Special zum Thema RKO: Es gibt Artikel zum Traumpaar Ginger Rogers und Fred Astaire, zu David O. Selznick und Merian C. Cooper, Screwball Comedies und zu Orson Welles‘ THE MAGNIFICENT AMBERSONS. Neben vielen weiteren Artikeln rund um das einst glanzvolle Studio, das dann von Howard Hughes heruntergewirtschaftet wurde, gibt es auch die neueste Ausgabe meiner Film-Noir-Kolumne: Ich beschäftige mich diesmal mit Andre de Toths PITFALL! Das Heft kann man hier bestellen: http://35mm-retrofilmmagazin.de/shop/

Ebenfalls neu: das Koch Media-Mediabook von BILL & TED’S BOGUS JOURNEY, dem Sequel zum unerwarteten Kultsmash BILL & TED’S EXCELLENT ADVENTURE, das uns mit Keanu Reeves bekannt machte. Entgegen aller Erwartungen hat sich der Film sehr gut gehalten (von einigen frühen CGI-Abominationen mal abgesehen), steckt voller schöner Ideen und ist tatsächlich nicht einmal halb so doof, wie man das vielleicht befürchtet hatte. Ob man sich mit dem geplanten dritten Teil wirklich einen Gefallen tut, möchte ich zwar ausdrücklich bezweifeln, aber streng genommen hätten ja schon die ersten beiden Filme nicht funktionieren dürfen. Nineties-Nostalgiker, Freunde von Stoner- und Gaga-Komödien und Rockmusik dürfen sich das schön aufgemachte Mediabook ruhigen Gewissens ordern – und bekommen als Bonus einen Aufsatz von mir zu lesen. Volle Kanne, Hoschi!

OPEN FIRE ist kein besonders guter Film. Es handelt sich um einen Vertreter der in den Neunzigerjahren florierenden DTV-Action, aber es fehlt ihm sowohl die Absurdität als auch der Wahnsinn; Eigenschaften, die so manchen Vertreter des preisgünstigen Genres in die Lage versetzte, mit den großbudgetierten Actionfilmen zu konkurrieren. Andererseits ist es auch diese manifestierte Durchschnittlichkeit, die OPEN FIRE so immens anschaubar macht, zumindest für mich. Ein Film wie Tiefkühlpizza: Wer Genuss oder Nährwert will, ist hier definitiv falsch, aber an manchen Abenden will man halt nicht mehr, als den Ofen anzuschmeißen und sich nach ein paar Minuten etwas Essbares zwischen die Kiemen zu schieben. So funktioniert auch Andersons Film: Man muss sich keine Sorgen machen, während der 90 Minuten überfordert zu werden und danach bleibt garantiert nichts von OPEN FIRE hängen, weder im positiven noch im negativen Sinne. Aber so lange, wie’s dauert, ist die Chose voll OK – vorausgesetzt, man hat ein Faible für diese Zwei-Wort-Titel-Filme, in denen irgendein muskulöser badass einer Horde generischer Schurken den Arsch versohlt und den Anzugtypen zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

OPEN FIRE ist ein lupenreines DIE HARD-Rip-off (sieht man schon am Poster, das dem Film außerordentlich schmeichelt): Eine Bande von Söldnern überfällt eine Fabrik, nimmt die Angestellten als Geisel und fordert die Freilassung ihres inhaftierten Anführers Stein Kruger (Patrick Kilpatrick), der einen besonderen Terrorplan hat. Nicht auf seiner Rechnung steht allerdings der einsame Ex-FBI-Agent McNeil (Jeff Wincott), dessen Papa (Lee deBroux) die Fabrik führt und der sich deshalb gegen den Befehl der FBI-Agenten auf eigene Faust in den Komplex schleicht, wo er die bösen Buben einen nach dem anderen ausschaltet. Natürlich kann Anderson mit McTiernans Klassiker nicht mithalten, es wäre absurd, dies anzunehmen: Wincott ist kein Willis, Kilpatrick kein Rickman, die traurige Fabrik mit ihren austauschbaren Metalltreppen und Rohren kein Nakatomi Tower. Die Action ist eher bescheiden, besteht darin, dass Wincott den Bösewichten die Fresse poliert, ihnen das Genick bricht, sie erschießt oder aufspießt, und dafür, dass er es mit einer „elite group of mercenaries“ zu tun hat, stellen diese sich ziemlich dämlich an. Einmal geht ein Auto in die Luft, aber viel mehr darf man nicht erwarten: Gemessen an dem irrwitzigen Spektakel, das das Vorbild abfackelte, ist OPEN FIRE eher traurig. Aber eben auch sehr sympathisch. Ich kann nicht anders, als den Mut der Verzweiflung zu honorieren, mit dem sich Anderson der – betrachtet man die ihm zur Verfügung stehenden Mittel – absolut hoffnungslosen Herausforderung stellte, einen der erfolgreichsten und besten Actionfilme seiner Zeit zu kopieren.

OPEN FIRE sammelt darüber hinaus Punkte mit seiner Ansammlung liebenswerter wie infantiler Klischees, die den Betrachter in geradwegs ins Jahr ’94 zurückversetzen. In seiner ersten Szene tritt Wincott als MacNeil mit ölig-freiem Oberkörper, Dreitagebart, Kopftuch, Sonnenbrille und Zigarillo im Mundwinkel als echter Malocher auf, der einem Statisten erst einmal erklärt, wie man einen Motor repariert, bevor er einen Telegrafenmasten hochkraxelt und seinen Papa anruft, der ihn dazu motivieren will eine freie Managementposition in seinem Unternehmen anzutreten. Aber dieser McNeil schleppt seelischen Ballast mit sich herum, wie wir wenig später erfahren: Weil er einen Befehl seines Vorgesetzten missachtete, starb seine Partnerin bei dem Versuch, einen bewaffneten Psychopathen festzunehmen. Bevor wir jedoch seiner quälenden Erinnerungen in einer Rückblende teilhaben, gibt es die obligatorische Kneipenschlägerei, bei der der mittlerweile sauber rasierte und in weit geschnittenes Denim-Wear gekleidete McNeil ein paar Proleten zusammenwichst, die einen tapferen, aber hilflosen Tropf beim Billard bescheißen. Am andere Ende des Spektrums stehen Patrick Kilpatrick als Stein Kruger, was schön evil und deutsch klingt und phonetisch gewiss nicht zufällig dem Namen von Alan Rickmans DIE HARD-Schurken „Gruber“ ähnelt. Die „elite mercenaries“, die der um sich schart, bestehen aus den typischen Verdächtigen: langhaargen Asiaten, kaugummikauenden Grinsfressen, einem blonden Hünen sowie zwei Frauen, die mit der MP in der Hand hoffnungslos überfordert aussehden. Der FBI-Mann ist ein anzugtragender Großkotz, der zwar absolut recht hatte, als er McNeil suspendierte, aber vom Film dafür trotzdem wie ein schlechter Verlierer mit Penisneid behandelt wird, der Knastwärter ein sadistischer Fiesling, der Kruger ständig irgendwelcher Schläger auf den Hals hetzt, weil er zu feige ist, ihm selbst gegenüberzutreten. Der Altman-Veteran Bert Remsen ist auch am Start und wird in den Credits auch an vorderer Stelle genannt, hat aber – wenn ich das richtig im Kopf habe – nicht eine Dialogzeile und tut wenig mehr, als dekorativ, aber deplatziert (und halbdement) herumzusitzen.

Diese Klischees zu zu suchen und abzuhaken ist deutlich unterhaltsamer als der eigentliche Film. Bruce Willis durch die Architektur des Nakatomi Towers turnen zu sehen, ist einfach was anderes, als Wincott dabei zuzuschauen, wie er durch eine Fabrik schleicht und hier und da auf einen doof herumstehenden Bösewicht zu treffen. Zum Showdown geht es dann in einen traurigen Lagerhallenkomplex irgendwo in der Pampa und Kruger wird nicht etwa blutigst hingerichtet, sondern schlicht überwältigt und verhaftet. „Antiklimaktisch“ ist gar kein Ausdruck. Dass angesichts der zahlreichen Verfehlungen des Films mit dem Schlussbild tatsächlich ein Sequel in Assicht gestellt wird, finde ich allerdings wieder ziemlich geil. Leider ist meines Wissens nichts daraus geworden. Würde ich mir auch auf jeden Fall geben.

 

und wieder ist morbid movies

Veröffentlicht: April 18, 2018 in Film, Veranstaltungen
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Das aus einer Schnapsidee heraus geborene Festival geht in die dritte Runde. Andere beschwören die Liebe, wir preisen die Verachtung. Im KommKino in Nürnberg bauen wir ein Denkmal für Schmutz, Schund und Schmuddelkram. Nur die Härtesten der Harten erhalten Eingang – und können sich Hoffnungen machen, unbeschadet wieder nach Hause zu gehen. Wer meint, Film habe etwas mit Poesie zu tun, mit Geist und Kunstfertigkeit, den möchten wir an drei schmerzhaften Tagen eines Besseren belehren: Der Zelluloid-Einlauf, den wir ihm verpassen, wird blutigen Stuhl zur Folge haben, explosionsartiges Erbrechen und natürlich schweißtreibende Albträume. Das Programm? Wird jetzt noch nicht verraten. Nur so viel: Es gibt dumpfe Serienmörder, dampfende Eingeweide mampfende Eingeborene, notgeile Zwerge, frontalasoziale Punks, eklig-berüchtigten Mondokram und vielleicht noch mehr. Wer nicht dabei ist. hat wahrscheinlich Recht gehabt.

Meine Liebe zum generischen DTV-Actionkino muss ich hier nicht mehr groß ausbreiten. Auch MISSION OF JUSTICE ist wieder so ein „Werk“, das mein Herz gar nicht wirklich erobern muss, weil es sich meiner grundsätzlichen Sympathie schon sicher sein kann und nur noch die schwungvolle Abfolge von gut abgehangenen Plotklischees, Kampfszenen, steingesichtigen Schurken, liebenswerter Drehbuchidiotie und budgetbedingter Limitierung zu liefern braucht. Wer den Exploitationfilm hingegen vor allem deshalb schätzt, weil er immer auch ein großes Experimentierfeld und Filmemachern fernab der großen Studios Möglichkeiten der Selbstverwirklichung bot, der kann MISSION OF JUSTICE  links liegen lassen. Inszenatorisch zieht Barnett nicht die Butter vom Brot, visuell betrachtet war Meister Schmalhans Küchenmeister und C-Lister Jeff Wincott ist auch nicht gerade der Martial-Arts-Gott, von dem man jeden Roundhouse-Kick gesehen haben muss. Aber der Film hat mich mit der unaufgeregten Art, mit der er seine hanebüchene Story darbietet, trotzdem mühelos eingefangen.

Im fiktiven Örtchen Eastgate (gedreht wurde in eher anonym aussehenden Teilen von L.A.) verrichtet der tapfere Cop Kurt Harris (Jeff Wincott) seinen Dienst: Sein auf Konflikt gebügelter Vorgesetzter Duncan (Christopher Kriesa) legt ihm aber immer wieder Steine in den Weg. Die grassierende Gewalt auf den Straßen macht sich auch Dr. Rachel Larkin (Brigitte Nielsen) zunutze: Mit dem Erfolg ihrer „Mission of Justice“, einer Mischung aus Bürgerwehr und Sekte, deren Philosophie auf ihren eigenen Lebenshilfe-Ratgebern fußt (Yin-Yang inklusive), will Larkin sich zur Bürgermeisterin wählen lassen. Eines ihrer Werkzeuge ist der ehemalige Schwergewichtsweltmeister Cedric Williams (Tony Burton), auch ein Kumpel von Kurt: Seine Popularität will sie für sich ausschlachten, doch der alternde Boxer hat keine Lust mehr auf ihre miesen Geschäfte. Es kommt, wie es kommen muss: Als der vom Dienst suspendierte Harris von der Ermordung des Freundes erfährt, schleust er sich in die „Mission of Justice“ ein …

Die Inhaltsangabe liest sich schon wie die zu tausend anderen Filmen und so setzen sich die Déjà Vus auch auf der Mikroebene der Handlung fort: Supercop Kurt (Muskelshirt, Lederblouson und Wildleder-Cowoboystiefel zur Jeans) hat die Faxen dicke von den ständigen Gängeleien, von doofen Regeln und nachsichtigen Richtern. Nachdem er seinen Job geschmissen hat, besucht er das Gym seines alten Freundes Cedric, um erst einmal ordentlich zu pumpen. Kaum hat er das schäbige Etablissement verlassen, tauchen Larkin und ihre Schergen auf (darunter der hünenhafte Matthias Hues) und machen kurzen Prozess mit Apollo Creeds Ex-Trainer. Natürlich wird die Tat von einem der sogenannten „Peacemaker“ der „Mission of Justice“ beobachtet, doch der traut sich nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil die teuflische Larkin ein perfides Netz aus Überwachung und Strafe gesponnen hat. Wenn Kurt vom Tod von Cedric erfährt, begießt er die Trauer mit Whiskey und herzt das Foto, das ihn mit dem Freund zeigt. Das Vertrauen von Larkin erschleicht er sich, weil just im Moment seiner Bewerbung drei Rockertypen auftauchen, um Ärger zu machen, von Kurt aber mit Fausthieben und Tritten ruhigestellt werden. Bis zur Enttarnung der Schurkin, die auch vor dem Mord an einem alten Mütterchen nicht Halt macht (der Oma des Zeugen), gibt es die üblichen Versatzstücke: Kurt hat eine brutale Aufnahmeprüfung zu bestehen, er schleicht auf der Suche nach Beweisstücken in der Firmenzentrale herum, manipuliert eine Überwachungskamera und findet ein belastendes Video (das der Einfachheit halber unmissverständlich beschriftet ist). Außerdem geht er mit den anderen Peacemakern auf Tour durchs Viertel und räumt bei der Gelegenheit ein bisschen auf: Der Actionhöhepunkt des Films ist eine ausgedehnte Keilerei in einer illegalen Autowerkstatt, bei der unter anderem auch Kettensäge, Bohrer und Hebebühne zum Einsatz kommen und die kein Ende zu nehmen scheint.

Was MISSION OF JUSTICE an Finesse und Feinschliff vermissen lässt, macht er mit Einsatz wieder wett: Die choreografisch eher mittelprächtigen Fights steigern sich zu wahren Prügelorgien, bei denen die „Helden“ jede Hemmung verlieren und die erschrockenen Gesichter ihrer Gegner wie Irre mit Schlägen bearbeiten. Des Eindrucks, dass da so Einiges kompensiert wird, kann man sich nur schwer erwehren. Schön auch, dass Gleichberechtigung hier nicht nur ein Lippenbekenntnis ist: Die beiden kämpfenden Damen des Films – Kurts Partnerin Lynn (Karen Sheperd) und Larkins „Analystin“ Erin (Cyndi Pass) – gehen mit derselben Blutgier aufeinander los wie ihre männlichen Kollegen. Der Augenblick, in dem Lynn einen Schreibtisch zu Hilfe nimmt, um für einen eingedrehten Sprungkick in die Fresse ihrer Kontrahentin den richtigen, die Wirkung maximierenden Einfallwinkel zu bekommen, war vielleicht mein persönliches Highlight des Films. Aber die armselig kopierten Schwarzweiß-Wahlposter, die Larkin und den abgehalfterten Ex-Boxer zeigen und der große Coup ihres Wahlkampfes sein sollen, sind auch ziemlich toll. Und das alles präsentiert Barnett ohne Augenzwinkern, anscheinend ohne jedes Bewusstsein für die inhärente Absurdität seiner Geschichte und ihrer Klischees. Das ist einfach wunderbar.

Dieser Tage ist Ruggero Deodatos von der Cannon produzierte Fantasyfim DIE BARBAREN als Mediabook bei Koch Media erschienen. Gemeinsam mit Pelle Felsch habe ich dafür mal wieder einen Audiokommentar eingesprochen und das Booklet beigesteuert. Wem das als Kaufanreiz noch nicht reich, den überzeugt vielleicht die Tatsache, dass Deodatos Frühwerk FENOMENA E I TESORO DI TUTANKAMEN (zu Deutsch: FENOMENAL UND DER SCHATZ VON TUTANCHAMUN) enthalten ist.

Außerdem möchte ich noch auf die kleine, aber feine Ausstellung „Raus aus dem Spießerglück: die anderen 60er Jahre“ hinweisen, die man sich derzeit im Freilichtmuseum Detmold anschauen kann. Anhand von mehreren gestifteten Alltagsgegenständen aus den Sechzigern wird ein sehr konkretes und auch emotionales Bild von einem Jahrzehnt gezeichnet, das längst nicht nur aus Hippies und Mondlandungen bestand. Für den gleichnamigen Ausstellungsband durfte ich einen Aufsatz zu den Karl-May-Filmen jener Zeit verfassen, die das deutsche Publikum damals in Scharen in die Kinos lockten und eine bessere Welt voller Edelmut, Tapferkeit, Romantik und Abenteuer erträumten. Mehr zur Ausstellung gibt es hier: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Freilichtmuseum-Detmold/ausstellungen/sonderausstellungen