Das gab’s noch nie: Die drei Stars der Karl-May-Reihe, Pierre Brice, Lex Barker und Stewart Granger, vereint in einem einzigen Film! Und noch dazu Karin Dor, unvergesslich als Winnetous Gspusi Ribanna in WINNETOU 2. TEIL! Das war das Versprechen des Films, seine Unique Selling Proposition, um es mal in Marketingsprech zu sagen, und die Produzenten waren anscheinend so angetan von dieser Idee, dass die Notwendigkeit, eine richtige Story um diesen Besetzungscoup herum zu stricken, ihnen offensichtlich zweitrangig erschien. So ist GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT also ein Episodenfilm geworden, in dem die drei Stars doch wieder fein säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Segmenten agieren, die in Wien (Granger), Rio (Barker) und Rom (Brice) spielen, und also doch nicht „gemeinsam“ auftreten.

Die Rahmenhandlung dreht sich um einen vermeintlichen Mädchenmörder (Peter Vogel), der sich auf der Flucht vor der Polizei im Haus von Professer Alden (Richard Münch) versteckt und von diesem im Verlauf des Abends drei Geschichten zu hören bekommt, die fuck all mit seinem Schicksal zu tun haben, aber egal. Episode eins ist die beste des Films und lässt Granger als mondäner Privatdetektiv David Porter in einer Mordsache in Wien ermitteln – natürlich zu Zithermusik. Dieser Teil des Films ist mit Leichtigkeit sauber inszeniert mit einigen schönen, stimmungsvollen Bildern des nächtlichen Wiens und gut aufgelegten Darstellern. Neben Granger, der diese versnobten Gentlemänner im Schlaf beherrscht, gefällt vor allem Walter Giller als sein freundlicher Butler. Episode zwei fällt dann schon massiv ab und schickt Pierre Brice als Geheimagent Brice (haha!) nach Rom. Worum es geht, ist zweitrangig, die ganze Geschichte wirkt wie aus unattraktiven Resten zusammenstückelt, ein bemüht lustiger Voice-over-Kommentar sowie alberne Soundeffekte versuchen zu retten, was zu retten ist. Es misslingt. Episode drei schließlich lässt den Privatdetektiv Glenn Cassidy (Lex Barker) von Los Angeles nach Rio jetten, um ein Komplott aufzudecken. Karin Dor absolviert einen sinnlosen Cameo als Rezeptionistin in einem Hotel und Klaus Kinski macht seine Aufwartung als kleiner Gauner. Natürlich dürfen Impressionen vom Karneval nicht fehlen. Am Ende erweist sich der Mädchenmörder als Kriminalist, der den eigentlichen Killer – Professor Alden – überführt.

GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT, benannt nach dem Stück „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ aus der Operette „Paganini“ von Franz Lehár, ist einigermaßen kurzweilig – wie könnte es bei einem Episodenfilm auch anders sein -, aber so willkürlich und sinnfrei, dass es kracht. Weder passen die drei Geschichten zusammen – von der oben erwähnten Gemeinsamkeit ihrer Hauptdarsteller mal abgesehen – noch werden sie durch die ebenfalls bescheuerte Rahmenhandlung in irgendeiner sinnstiftenden Form zusammengeführt. Man kann hier wirklich nur mutmaßen, was wirklich für eine Idee hinter dem Film steckte bzw. warum es nicht gelang, einen die drei Episoden überspannenden Bogen zu finden. Als Drehbuchautor fungierte übrigens Rolf Olsen, neben etlichen anderen, z. B. Ernesto Gastaldi, und ich vermute, dass wir ihm die „witzigen“ Sprüche aus Episode zwei zu verdanken haben. Ein Mysterium, dieser Film, aber keins der guten Art.

So lustig die einstigen Erzeugnisse der deutschen Titelschmiede auch immer wieder sind, für Freunde des unterschlagenen und missachteten Films sind sie häufig ein Ärgernis, weil sie das hinter ihnen steckende Werk oft genug diskreditieren. Manchmal allerdings treffen sie voll ins Schwarze und übertrumpfen noch den Originaltitel. Gianfranco Baldanellos räudiger Eurospy-Film etwa hörte in Italien auf den Namen IL RAGGIO INFERNALE, was nicht nur so viel wie, sondern ziemlich genau „Der Höllenstrahl“ bedeutet. Was vielleicht ein origineller Titel für einen satanischen Natursektporno gewesen wäre, mutet in diesem Kontext doch mehr als nur ein wenig einfallslos und generisch an. Da musste mehr gehen! Und so verheißt die Schöpfung der deutschen Verleiher in berückend karger, aber dennoch poetischer Diktion MIKE MORRIS JAGT AGENTEN IN DIE HÖLLE und bringt den infantil-asozialen Charme des Films damit auf den Punkt. „Mike Morris jagt Agenten in die Hölle“: Es ist nur zu gut vorstellbar, dass die Titelfigur von IL RAGGIO INFERNALE diesen Satz in schöner Regelmäßigkeit von den fiesen Bullys auf dem Pausenhof der Agentenschule an den Kopf geworfen bekam, kurz bevor sie ihm das von der Mama mit Liebe geschmierte Wurstbrot entrissen und in den Sand warfen. Sie quälten ihn so lang damit, bis er sich zur Rache in sein Zimmer zurückzog, büffelte und ackerte wie ein Besessener, nächtelang auf dem Schießstand einschloss und die Geheimagentenprüfung zur großen Überraschung seiner Rivalen mit Auszeichnung absolvierte.

Leider, leider stieß dieser Superagent Mike Morris dann aber nicht auf Terence Young, um seine aufregendsten Fälle auf die Leinwand bringen zu lassen, sondern auf Gianfranco Baldanello. Der hatte gerade den Sparstrumpf seines blässlichen, schwer kurzsichtigen Sohnes ausgeraubt, um sich mit billigem Rotwein volllaufen und sich von einer arthritischen Prostituierten mit künstlicher Hüfte einen runterholen zu lassen, und war von Morris‘ Agentenstorys so begeistert, dass er das Geld spontan in die Produktion von IL RAGGIO INFERNALE investierte. Die arthritische Prostituierte, die sich über die finanzielle Zuwendung schon gefreut hatte, vertröstete er kurzerhand damit, dass er ihre schäbige Vorortwohnung als Drehort nutzte.

Das ist natürlich alles Quatsch, den ich hier vor allem deshalb niederschreibe, weil ich nach den letzten Eurospyfilmen nicht schon wieder dieselben Phrasen dreschen will, aber wenn man sich Baldanellos Film so anschaut, erscheint meine kleine Erklärung nicht mehr ganz so unplausibel. Wenn der Eurospy-Film auch in seinen preisgünstigsten Inkarnationen doch immer mit dem mondänen Pomp der oberen Zehntausend liebäugelt, seine Protagonisten ölige Weltmännischkeit aus jeder gut gebräunten Pore verströmen lässt und sie, distinguierte Edelfrauen im starken Arm, in der mit feinen Spirituosen gut bestückten ersten Klasse der Nobelairlines an die schönsten Orte der Welt schickt, dann entsendet IL RAGGIO INFERNALE seinen etwas tumben Helden in ranzige Absteigen, in denen trauriger Perserteppich-Imitate auf dem staubigen Fußboden ihrem modrigen Ende entgegenschimmeln, Frauen am Rande des Klimakteriums ihre Betonfrisuren mit Mottenkugelduft bestäuben und verzweifelte Tagelöhner im schlecht sitzenden Anzug aus dem Second-Hand-Laden weit außerhalb ihrer Komfortzone agieren, wenn sie in Unehren ergraute Todesstrahlen-Erfinder aus tristen Heizungskellern entführen. Das erste, was man vom Schauplatz Barcelona sieht, sind die Schornsteine einer rußigen Asbestfabrik, die angeblich beste Bar am Ort macht einen ziemlich wurmstichigen Eindruck.

Das make believe, das sowieso schon die wesentliche Mission des Eurospy-Films ist, weicht hier erst einem „Bittebitte“, wenn da putzige Spielzeugautos als Ersatz für the real deal vom Bordstein (= Klippe) in eine Pfütze (= Ozean) plumpsen oder in einer viel zu langen Einstellung ein Spielzeughubschrauber und ein Spielzeug-U-Boot ein trautes Stelldichein in einer Badewanne feiern, dann schließlich einem „Ach, Scheiß drauf!“. Die letzte halbe Stunde ist ein einziges wüstes Geballer und Gekloppe, jeder vorher noch latent aufrecht erhaltene Eindruck einer Welt der suaven Ritterlichkeit wird mit Verve über Bord geworfen und IL RAGGIO INFERNALE kommt ganz zu sich selbst. Das galt wohl auch für Hauptdarsteller Gordon Scott, dessen vorletzter Film das war und der hier, mit der Stimme Sean Connerys, einige tolldreiste Bonmots zum Besten geben darf.

Mal sehen, wie lange es dauert bis ich mal einen wirklich guten Eurospy-Film erwische. Dieser hier geht schon einmal in die richtige Richtung, allerdings hatte er auch die dankbare Position, nach zwei absoluten Schnarchvehikeln – OK CONNERY und MISTER DYNAMIT – in meinem Heimkino zu starten. Wer den damals gerade 34-jährigen Regisseur Umberto Lenzi kennt, der weiß, dass er eher der Typ für das handfeste Kinohandwerk ist. Sein zweiter Eurospy-Film nach dem im selben Jahr gedrehten A 008 OPERAZIONE STERMINIO ist dann, wenn auch vielleicht nicht gerade als ruppig, so doch als bodenständig zu bezeichnen. Große Reden schwingenden Superschurken mit Weltbeherrschungsfantasien und Science-Fiction-Stützpunkten sucht man hier ebenso vergebens wie fintenreiche Wunderwaffen oder Killer mit Stahlgebiss. Stattdessen begibt sich Secret-Service-Mann Martin Stevens (Roger Browne), genannt Superseven, auf die Spur einer verschwundenen Kamera, deren Zoomobjektiv aus einem brandneuen Metall gefertigt wurde, dass „hundertmal radioaktiver“ ist als Uran, aber für den Menschen völlig ungefährlich. Die Suche nach der Kamera führt ihn erst nach Kairo und dann nach Locarno, begleitet wird er dabei von der schönen Denise (Fabienne Dali), die er ziemlich dreits aufreißt und die ihm dann nicht mehr von der Seite weicht. Die nicht minder attraktive Faddja (Rosalba Neri) kreuzt seinen Weg ebenfalls mehrfach und auch der Schurke Ales (Massimo Serato) ist selten weit entfernt. Es gibt die üblichen Scharaden, Mordanschläge auf mögliche Hinweisgeber, Verwechslungen und Fallen, die Superseven immer mit einem smarten Lächeln überwindet.

SUPERSEVEN CHIAMA CAIRO wird selten wirklich spektakulär, vermeidet aber allzu große Blödheiten ebenso wie Langeweile. Es ist immer irgendwas los und manchmal bleibt dann auch was hängen. Sehr putzig fand ich etwa Supersevens Einfall, eine ihm untergejubelte Drogentote als Puppe für eine Museumsausstellung zu tarnen. Die bei ihm eintreffenden Kriminalbeamten tun ihm den Gefallen, den frappierenden Unterschied zwischen zwei Schaufensterpuppen und der deutlich echter aussehenden Toten nicht zu bemerken. Und später gibt es eine niedliche Szene auf einem Campingplatz, auf dem sich die erwachsenen Camper offensichtlich mit einer ziemlich ausufernden Version des Spiels „Schweinchen in der Mitte“ amüsieren. Auffällig ist, dass SUPERSEVEN CHIAMA CAIRO relativ bescheiden daherkommt. Der Eurospy-Film neigt ja eher zu einem gewissen Posertum und sein Charme rührt oft daher, dass Anspruch und Wahrheit ziemlich weit auseinanderklaffen. Lenzi vermeidet hingegen alle sich üblicherweise darbietenden Fettnäpfchen: Sein Film ist von daher selten wirklich bemerkenswert, aber auch wieder ganz clever, seine Limitierungen kommen nicht „billig“ daher, sondern verleihen dem Film so eine Art milden Realismus. Vom Übermenschentum eines James Bond ist Superseven weit entfernt. Er steigt auch schon mal in einem bescheidenen Hotel an der Landstraße ab, wo Urlauber auf der schmalen Terrasse einen Ramazotti unterm Sinalco-Schirm genießen, während der Feierabendverkehr nur wenige Meter entfernt die Straße entlangrollt. Das hat was.

Es war natürlich arg naiv von mir, anzunehmen, dass ausgerechnet Franz Josef Gottlieb einen brauchbaren Eurospy-Film abliefern würde. MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD ist sehr typisch für das filmische Schaffen des Österreichers: Vordergründig bunt, turbulent und witzig, ist sein Bond-Abklatsch seelen- und leblos und noch dazu grauenvoll langweilig. Auch die Besetzung mit Old Shatterhand Lex Barker in der Hauptrolle und einem prominenten Stelldichein deutscher Stars sowie Kurzauftritte von Blacky Fuchsberger, Ralf Wolter und Eddi Arent kann daran nichts ändern. Dabei hatte die Verfilmung eines Romans aus der erfolgreichen Mister-Dynamit-Reihe aus dem Pabel-Verlag eigentlich ein mindestens ebenso lukratives Franchise lostreten sollen. Der Plan scheiterte nicht etwa am kargen Niveau, sondern daran, dass man Barker mit der Gage verprellte: Nachdem der sein Gehalt vor Gericht einklagen musste, hatte er auf weitere Fortsetzungen keine Lust mehr und die MISTER DYNAMIT-Reihe war Geschichte.

Nimmt man den ersten Teil als Orientierungspunkt ist das, wie gesagt, kein Verlust. MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD dreht sich um den Raub einer Atombombe und die sich daran anschließende Erpressung der Vereinigten Staaten durch den italienischen Superschurken und Märklin-Enthusiasten Bardo Baretti (Amedeo Nazzari). Auf ihn angesetzt wird der deutsche BND-Superagent Bob Urban (Lex Barker), der die Bombe finden und sicherstellen soll. Ausgerüstet wird er vom zerstreuten Tüftler Prof. Strahlmann (Eddi Arent), zwischenzeitlich hilft ihm der CIA-Kollege Cliff (Brad Harris), als blonde Verführung agiert Lu Forrester (Maria Perschy). Bardo Baretti sitzt meist an seiner Modelleisenbahn, bevor er dann eine ganze Flasche eines nicht weiter definierten Getränks auf Ex in sich hineinschüttet und sich in einen Teppich einrollt. Auf die Frage, warum er das tut, gibt Gottlieb leider keine Antwort. Anzunehmen, dass er das einfach lustig fand.

Der Verlauf, den die Geschichte um die gestohlene Atombombe nimmt, ist eigentlich interessant und hätte unter anderen Voraussetzungen Stoff für einen spannenden Film gegeben, aber für einen solchen war Gottlieb der falsche Mann. MISTER DYNAMIT findet nie seinen Rhythmus, scheitert kläglich im Messen an den großen Vorbildern aus Großbritannien und versäumt es, so etwas wie Zug zu entwickeln. Das selbstzweckhafte Location-Hopping ersetzt eine funktionierende Dramaturgie, die Szenen im Strategiezimmer des Weißen Hauses wirken hölzern, Lex Barkers ausgestellte Souveränität erstickt jeden Anflug von Spannung schon im Keim, selbstverliebte Auftritte von Fuchsberger (als Militärpolizist) und Ralf Wolter, der die Zuschauer am Ende im Stile eines Peter Lustig zum Abschalten auffordert, enttarnen das ganze Projekt als zynisches cash grab, das sein Versprechen großen Entertainments nie auch nur annähernd einlösen kann. Man hat während der langen 105 Minuten nie den Eindruck, dass irgendjemand eine echte Idee hatte, die über marktwirtschaftliche Erwägungen hinausging. „Lass mal einen Agentenfilm ins Kino bringen, die sind gerade beliebt und wir verdienen uns damit eine goldene Nase.“ Mehr scheint hinter MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD nicht zu stecken. Schade um die vertane Chance und den Einsatz solcher Schauspieler wie Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Dieter Eppler oder Wolfgang Preiss, die kaum etwas zu tun bekommen und von der Regie komplett im Regen stehen gelassen werden.

Wer sich für die literarischen Ursprünge des Films interessiert und von einem echten Fachmann in die Welt der Mister-Dynamit-Romane entführt werden will, der hat hier die Gelegenheit dazu, einen ausführlichen Text von Kollege Martin Compart zu lesen. Die Zeit ist da in jedem Falle sinnvoller investiert als bei der Sichtung des Films (der tatsächlich eine DVD-Veröffentlichung erfahren hat).

 

IDIOCRACY ist eine ganz klassische Dystopie im Gewand einer Komödie: Er zeichnet eine Zukunft, die als eine überzeichnete Version unserer Gegenwart verstanden werden muss und zielt damit auf einen Bewusstwerdungsprozess ab: „Guck mal, das ist bei uns ja auch schon so!“ oder ähnliche Reaktionen sind das anvisierte Ziel und nicht etwa eine Überraschung. Dass Mike Judges Film in dem knappen Jahrzehnt seit Erscheinen aber noch einmal deutlich näher an unsere Wirklichkeit herangerückt ist als er das damals schon war, darf einen durchaus erschrecken.

Der als idealer Durchschnittsbürger eingeführte Joe Bauers (Luke Wilson) wird aufgrund eben dieser Eigenschaft (und seiner damit einhergehenden Entbehrlichkeit) für ein Experiment verwendet, das gnadenlos schiefgeht: Er soll für ein Jahr eingefroren werden, wacht aber aufgrund einer Panne erst 500 Jahre später auf. Die USA sind vollkommen am Ende: Riesige Müllberge türmen sich auf, die Menschen artikulieren sich nur noch in rudimentären Stammelsätzen und glotzen den ganzen Tag hirnerweichende Fernsehshows. Aus Trinkspendern sprudelt „Brawndo“, eine grüne Limonade, deren Hersteller Wasser erfolgreich vom Markt verdrängt hat – was wiederum eine große Dürre nach sich gezogen hat, Supermärkte haben die Größe von Städten, durch die die Menschen wie die Zombies wanken. Der Präsident ist ein ehemaliger Catcher, der mit markigen Sprüchen auftritt und in der Gegend rumballert, und der gar nicht bemerkenswerte Bauers wird allein aufgrund der Tatsache, dass er in ganzen Sätzen spricht, als Genie angesehen, das die Welt retten soll.

Es ist natürlich die Vereidigung Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten, die dazu geführt hat, dass vieles, was 2006 noch wie eine absurde Überspitzung bestehender Tendenzen anmuten musste, heute von den Nachrichten längst eingeholt worden ist. Ein ehemaliger Catcher als Präsident, der in Stars-and-Stripes-Montur und markigen Sprüchen vor einer grölenden Schar dumpfer Nationalisten aufmarschiert, sich mit großkalibrigen Waffen als Rächer der Enterbten inszeniert, aber leider nicht weiß, dass man Getreide mit Wasser zu versorgen hat, damit es wächst: Das ist eigentlich nur noch ein gradueller Unterschied zum großmäuligen Pleitetycoon Trump, der mit seinen größenwahnsinningen Vulgarismen Waffennarren und Rassisten in ihren Allmachtsfantasien bestätigt, Frauen an die Pussy greift, den Klimawandel verleugnet, dem Kohlebergbau gegen jede ökologische, aber eben auch ökonomische Vernunft zur Renaissance verhelfen will, sich mit Ja-Sagern und anderen Verblendeten umgibt und eigene wirtschaftliche Interessen auf geradezu perverse Art und Weise mit politischen vermischt.

Die Gags auf Kosten des sogenannten Präkariatsfernsehens, zunehmender Verblödung und der Vermengung von Kultur und Markt sind da fast schon ein bisschen billig.  IDIOCRACY ist eben auch ein „Gebrauchsfilm“ für die lustige Runde, bei der man das ein oder andere alkoholische Kaltgetränk zu sich nimmt und die besten Sprüche ins eigene Humorrepertoire aufnimmt. Er fügt sich gut ein in die komödiantische Tradition, die in den letzten 15 Jahren von Leuten wie Judd Apatow, Seth McFarlane, Adam McKay und Konsorten etabliert worden und von den Abgründen der Popkultur gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen ist. Meinen Lieblingsgag gibt es gleich zu Beginn, wenn der Initiator des Einfrierexperiments bei seinem Diavortrag berichtet, dass die weibliche Testperson ein Prostituierte aus dem Stall des Pimps „Upgrayedd“ ist – „the double d stands for a double dose of pimpin'“ – und er in Folge ein bisschen zu viel Begeisterung für die afroamerikanische Zuhälterkultur zeigt. Dieser „Upgrayedd“ tritt als handelnde Person niemals in Erscheinung, nur auf den Fotos des Vortrags, aber Rap-Enthusiasten werden ihn unschwer als Scarface identifizieren, ehemaliges Mitglied der skandalösen Geto Boys und Urgestein des Gangsta-Raps texanischen Ursprungs. Man mag es als Inkonsequenz bewerten, dass IDIOCRACY bei aller Kritik auch ein nicht geringes Maß an Sympathie für die Idioten dieser Welt aufbringt. Ich finde ja, dass ihn das eher auszeichnet als diskreditiert.

 

Das wunderbare Plakatartwork, das ihr oben seht und das international in ähnlichen Ausführungen zur Anwendung kam, ist grob irreführend: Die putzige, glubschäugige Krake, die da die Erdkugel umklammert, ist nämlich mitnichten das titelgebende „Monster from Space“: Bei diesem handelt es sich um eine zumindest optisch eher unspektakuläre „Space Amoeba“, wie sie in anderen Versionen des Films genannt wird, die nach ihrer Landung mit einer Weltraumkapsel in der Nähe einer Pazifikinsel für unerwartete Mutationen sorgt, zu der eben auch die Riesenkrake zählt.

Die Entscheidung, diese Krake aufs Poster zu hieven, war natürlich goldrichtig, denn sie ist der absolute Höhepunkt des Films und Grund genug, sich Ishirô Hondas sonst etwas schnarchigen Kaiju anzusehen. Der Film folgt einer Abordnung japanischer Charaktere, die besagte Pazifikinsel auf ihre Eignung für ein großes Bauprojekt untersuchen sollen und dabei recht schnell auf die Riesenkrake stoßen, die die heidnischen Inselbewohner als „Gezora“ bezeichnen. Als Gezora mit vereinten Kräften besiegt und ins Meer getrieben wird – ja, es handelt sich um eine Krake, die sich auch an Land heimisch fühlt -, wird sie von einer Riesenkrabbe abgelöst, der sich am Ende auch noch eine Riesenschildkröte mit erigierbarem Katapulthals hinzugesellt. Die Spaceamöbe materialisiert sich in der Zwischenzeit in einem der Japaner und kündigt ihre Weltbeherrschungspläne an. Mithilfe von Fledermäusen – Ultraschall! – werden die Monster schließlich in den Wahnsinn und einen Vulkan getrieben.

GEZORA, GANIME, KAMEBA besteht zu einem Großteil leider aus dem dramaturgisch wenig erbaulichen Hin-und-Her-Gelatsche auf der Insel, das immer wieder durch die Auftritte der Monster unterbrochen wird. Im Unterschied zu Godzilla und Co. verfügen diese aber nicht über eine echte Identität und da sie es ausschließlich auf die ihnen allein größenmäßig weit unterlegenen Menschen abgesehen haben, es zudem keine Miniaturstädte gibt, die sie plattmachen könnten, sind ihre Attacken nicht gerade als spannend, sondern vor allem als redundant zu bezeichnen. Der Film hätte gut und gern eine halbe Stunde kürzer ausfallen können, ohne dass es ihm wesentlich geschadet hätte. Es ist das elefantenhäutige Krakenmonster Gezora, das ihn sehenswert macht, denn wie das da zwischen den Palmen umherwabbelt, ist schon eine echte Schau. Seine Nachfolger können den Verlust seines Ablebens nicht kompensieren, auch wenn das Krabbenmonster ebenfalls ganz hübsch anzusehen ist. Amüsiert habe ich mich am Schluss nur noch über die englischen Untertitel, die das Wort „bats“ überaus inflationär und in ungeahnten Satzkonstruktionen verwenden. Als Freund oder Sympathisant japanischer Kaijus sollte man GEZORA, GANIME, KAMEBA schon gesehen haben, weil er eben eine seiner schönsten Schöpfungen bereithält, aber den Schwung anderer Titel lässt er schmerzlich vermissen.

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig: So könnte man das Dilemma von OK CONNERY beschreiben, der von Alberto De Martino routiniert inszeniert wurde, die rührenden Naivitäten anderer europäischer Bond-Klone weitestgehend  vermissen lässt – aber eben auch stinklangweilig ist. Interessant ist er zunächst einmal, weil er seinen Rip-off-Status so offensiv angeht wie nur wenige Eurospy-Vehikel, die in den Sechzigerjahren aus den Studios in die Kinosäle katapulltiert wurden: In der Hauptrolle als „Connery“ ist mit Neil Connery niemand Geringeres als der Bruder Seans zu sehen, dem dann auch ständig die große Ähnlichkeit zum Star bescheinigt wird. Als seine Auftraggeber fungieren mit Bernhard Lee und Lois Maxwell der „M“ und Miss Moneypenny aus den Vorbildern: Sie agieren hier zwar unter anderem, nicht Copyright-geschützten Namen, sollen aber unverkennbar dieselben Rollen spielen und belegen das durch ständige Anspielungen. Mit Adolfo Celi als schurkischem Mr. Thai, eines Angehörigen der Verbrecherorganisation „Thanatos“, und Daniela Bianchi sind zwei weitere einstige Bond-Mitwirkende von der Partie und das Titelthema dudelt ebensfalls auf den Spuren der Doppelnull. Will man das Positive hervorkehren, so könnte man sagen, dass OK CONNERY dem Professionalismus der Bond-Filme recht nahe kommt.

„Nahe“ ist in diesem Fall aber auch das Problem, denn so sehr sich De Martino auch müht, großes Kino abzuliefern, es hapert letztlich doch an allen Ecken und Enden. Das beginnt beim Hauptdarsteller, der seinem Bruder zwar ähnlich sieht, aber jegliches Charisma, das es dazu braucht, einen Film zu tragen, vermissen lässt. Das scheinen auch die Verantwortlichen gemerkt zu haben, denn Neil Connery wirkt wie ein Passant in einem Film, in dem er eigentlich die treibende Kraft sein sollte. Die Geschichte um einen Magnetstrahl, mit dessen Hilfe „Thanatos“ alle Maschinen auf der Erde lahmlegen kann, ist umständlich und konfus: Das gilt zwar auch für die Bondfilme, doch diese liefern wenigstens Attraktionen in schneller Folge, die das vergessen lassen. Hier hingegen passiert nix. Wenn zum Showdown dann endlich mal die Schwarte kracht, ist das durchaus hübsch anzusehen, aber zu diesem Zeitpunkt ist alle Geduld schon längst aufgebraucht.

Und genau deshalb geht der Schuss mit der erwähnten „Seriosität“ auch nach hinten los: Wenn OK CONNERY wenigstens schön beknackt wäre, die Distanz zu den Vorbildern mit schlechten Effekte und Pappmaché-Bauten wettmachte und so etwas zum Schmunzeln böte, man bekäme vielleicht kein großes Agentenkino, aber hätte immerhin seinen Spaß. So ermüdet das nicht vorhandene Spektakel schon nach kurzer Zeit: Ich war nach etwa der Hälfte des Films nur noch physisch anwesend, was genau danach noch passiert ist, könnte ich nicht mehr sinnvoll nacherzählen, zu egal war mir das alles. So bleibt am Ende ein Gimmick, das OK CONNERY einen gewissen Kuriositätenbonus verleiht. Es reicht aber, von der Existenz des Films zu wissen, um in munteren Biergesprächen unter Filmfreunden damit aufwarten zu können. Sehen muss man ihn beim besten Willen nicht.