Invasion of the Body Snatchers (don siegel, usa 1956)

Veröffentlicht: Februar 18, 2008 in Film
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Als der Arzt Dr. Miles J. Bennell (Kevin McCarthy) von einer Tagung in seinen beschaulichen Wohnort Santa Mira zurückkehrt, fallen ihm merkwürdige Veränderungen auf: Vorher florierende Geschäfte sind plötzlich geschlossen, Bürger geben an, ihre Verwandten nicht mehr zu erkennen, Kranke sind über Nacht plötzlich wieder gesund. Die Situation spitzt sich zu, als im Haus von Miles’ Freund und Kollegen Dr. Dan Kauffman (Larry Gates) ein geheimnisvoller Körper auftaucht, der langsam Ähnlichkeiten mit Dan entwickelt …

invasion-of-the-body-snatchers-movie-poster1.jpgINVASION OF THE BODY SNATCHERS ist ein Klassiker des Science-Fiction-Films und speziell des Paranoiakinos der Fünfzigerjahre und als solcher interpretatorisch relativ festgelegt. So wie jedes Kind weiß, dass Godzilla die Inkarnation der Atombombe darstellt, so ist die These, mit INVASION thematisiere Siegel die Angstzustände einer Nation, die sich durch den Kommunismus ernsthaft bedroht sah, längst Allgemeingut. Das Problem der Popularität solcher Deutungen: Sie versperren meist den Film, konkurrierende (und vielleicht bessere) Lesarten werden von vornherein unterdrückt. So auch im Falle von INVASION OF THE BODY SNATCHERS, dessen großes allegorisches Potenzial sich am besten daran ablesen lässt, dass der Film regelmäßig eine Neuinterpretation erfährt – so verfilmte Philip Kaufman den Stoff 1978, Abel Ferrara 1993 und 2007 gab es mit Hirschbiegels THE INVASION ein weiteres Remake. Natürlich bedient Siegel die in den Fünfzigerjahren vorherrschende Angst vor einer Invasion, einer schleichenden Übernahme durch die Kommunisten, doch ist das eher der Köder für die Zuschauer. Zu allererst ist INVASION ganz allgemein ein Film über die Angst vor Entfremdung, Isolation und Heimatverlust. In Siegels Film setzt diese Entfremdung schleichend ein und lässt sich zunächst nicht konkretisieren. Menschen haben lediglich das „Gefühl“, dass etwas nicht mit ihren Verwandten stimmt, und das machen sie bezeichnenderweise daran fest, dass sie bei ihrem Gegenüber „Emotion“ vermissen. Die Invasion äußert sich in einer absoluten Gleichmacherei, die jeden einverleibt, der (noch) anders ist. Hinter der Angst vor dem Konformismus mag man leicht die Angst vor dem Kommunismus vermuten, doch verwandelt sich die amerikanische Kleinstadt keineswegs in ein Klein-Moskau, vielmehr werden lediglich die ihr eh schon eigenen Züge ins Extrem gesteigert: Letztlich kommt auch die Angst vor der Macht des Spießbürgertums zum Ausdruck. INVASION OF THE BODY SNATCHERS beginnt mit dem panischen Bennell und endet mit diesem – dazwischen hören wir seinem Bericht der Ereignisse zu. Schon damit forciert Siegel das Gefühl der Paranoia: Sein Protagonist ist allein mit seiner Angst, muss damit rechnen, für verrückt erklärt zu werden. Die Invasion ist bereits erfolgt, wenn der Film beginnt, ihr Ausgang bleibt im Dunkeln: Der Film schließt genau zu dem Zeitpunkt, in dem die Gefahr beginnt von Santa Mira auf andere Städte überzugreifen. Auch dies ein Zeichen dafür, dass Siegel wohl nicht vor den Russen warnen wollte: Die Invasoren sind ja schon längst unter uns. Mit diesen einfachen Kniffen gelingt es Siegel nicht nur, den Druck auf den Zuschauer immens zu erhöhen, er drängt ihn auch in die Passivität und macht ihn damit ebenfalls zu einem Invasionsopfer. Der zu Beginn noch das amerikanische Kleinstadtidyll einfangende Film wird zusehends dunkler, bedrohliche Elemente, wie etwa schwingende Lampenschirme oder andere Gegenstände dringen in den Bildkader, die den Zuschauer ablenken und irritieren, und so eine Atmosphäre konstanter Anspannung kreieren.

Siegels dreizehnter Spielfilm (dazu gesellen sich noch einige Beiträge zu Fernsehserien) legt Zeugnis von seinem präzisen und klaren Inszenierungsstil ab, der ebenso unaufdringlich wie absolut effektiv ist. Szenen wie jene, in der Bennell und sein Love Interest Becky (Dana Driscoll) eine wie aus dem Nichts entstehende Versammlung der Invasoren beobachten, sind absolutes Gänsehautmaterial, gerade weil sie kein Horrorszenario abbilden, sondern die vermeintliche Normalität nur leicht verzerren: Die Potenz zum Grauen ist schon von Anfang an in ihr angelegt. INVASION OF THE BODY SNATCHERS ist zurecht ein Klassiker, absolut zeitlos und von einer immensen Dichte.

Kommentare
  1. […] obligatorsiche Keilerei hat hier nur wenig mit Kintopp zu tun. Im direkten Vergleich mit Siegels INVASION OF THE BODY SNATCHERS treten zudem auch einige inhaltliche Gemeinsamkeiten hervor. Die Geschichte der Familie, die […]

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