hell is for heroes (don siegel, usa 1962)

Veröffentlicht: Februar 21, 2008 in Film
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Frankreich 1944. Eine amerikanische Einheit wartet auf die bevorstehende Heimkehr. Doch stattdessen werden die Männer noch einmal an die Front berufen. Am nächsten Tag finden sich sechs Mann allein einer deutschen Übermacht gegenüber; sie haben die Aufgabe, die Stellung bis zur Rückkehr der anderen zu halten. Mit einigen Tricks gelingt es den GIs, die Deutschen davon zu überzeugen, dass sie einer großen Armee gegenüberstehen. Als Reese (Steve McQueen) einen Vorstoß gegen einen Bunker anführt, verlieren mehrere Amerikaner ihr Leben. Der Aussicht, sich für sein eigenmächtiges Handeln vor einem Kriegsgericht verantworten zu müssen, beugt Reese bei der Schlacht am nächsten Morgen mit einem selbstmörderischen Vorstoß vor …

51wx550cbml_ss500_.jpgNach FLAMING STAR widmete sich Siegel mit HELL IS FOR HEROES einem düsteren Schwarzweiß-Kriegsfilm. Die Exposition, die sich den Soldaten beim zermürbenden Warten auf den Marschbefehl nach Hause widmet, prägt die Stimmung des ganzen Films: Als sie die Nachricht erhalten, doch noch einmal an die Front zu müssen, sitzen die erschöpften Männer in einer völlig zerbombten Kirche, in ihren verschmutzten grauen Uniformen erinnern sie an leblose Statuen. Es ist klar, was da kommen muss. Die Ereignisse im Hauptteil inszeniert Siegel nach besten aristotelischen Grundsätzen (Einheit von Ort, Zeit und Handlung) ganz im Kontrast zu den zeitgenössischen großen Kriegsepen. Statt eines strahlenden Helden bekommt der Zuschauer mit Reese einen längst gebrochenen Psychopathen vorgesetzt, der sich außerhalb von Schützengräben und Kugelhagel gar nicht mehr zurecht findet. Auch seine Kameraden sind ganz normale Männer, die versuchen müssen, aus der Situation das Beste zu machen. Was für ein Dilemma das bedeutet, verdeutlicht Captain Henshaw (James Coburn) am nachdrücklichsten: Ein ganzes Leben lang war er bemüht, die Dinge zu reparieren und am Laufen zu halten, nun auf einmal soll er genau das Gegenteil tun. Siegels Film gehört – mehr als ein Jahrzehnt, bevor der Kriegsfilm sich mehr und mehr in den Antikriegsfilm verwandelte – zu den desillusionierendsten seiner Zunft. Der Tod kommt schnell und unbarmherzig und Siegel scheut nicht davor zurück, diesen grausamen Tod als solchen darzustellen: Als Private Kolinsky (Mike Kellin) sich einen Bauchschuss einfängt, bricht er in ohrenbetäubendes Geschrei aus. Seine letzten Worte lauten: „Erzählt meiner Frau nicht, dass es so aufgehört hat.“ Ein Heldentod ist hier niemandem vergönnt und auch der Erfolg des „heiteren“ Vexierspiels, dass die GIs für die Deutschen inszenieren, ist nur von kurzer Dauer: Der Krieg ist vor allem eine Materialschlacht, bei der die Quantität entscheidet. Der finale Freitod Reese’ ist dann auch keine Tragödie, sondern die zwangsläufige Erfüllung eines Schicksals. Reese hatte von Beginn an keine Chance, in ein „normales“ Leben zurückzukehren. Nach dem großen Überblick über das Schlachtfeld endet Siegels Film buchstäblich im Nichts: Die Kamera fährt auf die schwarze Bunkeröffnung zu, in die sich Reese mit einem Sprengsatz gestürzt hatte, dann rollen die Credits über das Bild. Gänsehaut.

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