le choix des armes (Alain Corneau, Frankreich 1981)

Veröffentlicht: März 10, 2008 in Film
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Der cholerische Schwerverbrecher Mickey (Gerard Depardieu) bricht zusammen mit seinem Kumpel Serge (Pierre Forget) aus dem Knast aus. Weil die beiden jedoch vepfiffen wurden, hat Serge wenig später eine Kugel im Kreuz. Die letzte Rettung für die beiden ist der Landsitz von Noel Durieux (Yves Montand), einem ehemaligen Gangsterboss und alten Freund von Serge, der sich nun mit seiner Ehefrau Nicole (Catherine Deneuve) der Pferdezucht widmet und ein bürgerliches, ruhiges Leben führen möchte. Nach dem Eintreffen des unbeherrschten Mickey rückt die Erfüllung dieses Wunsches jedoch in weite Ferne …

a0000844.jpgDie Grundprämisse des Films ist denkbar einfach, der weitere Verlauf des Films scheint anhand der kurzen Zusammenfassung für jeden, der ein paar Gangsterfilme gesehen hat, vorhersagbar zu sein. Doch Alain Corneau weitet diese Prämisse, den Zusammenprall zwischen dem ungebildeten Psychopathen und dem Gentleman-Gangster a. D. zur epischen Tragödie aus, die mit zunehmender Spieldauer eine Komplexität gewinnt, die nur wenige Filme dieser Art für sich beanspruchen können. Nachdem der zentrale Konflikt etabliert ist, verwandelt sich LE CHOIX DES ARMES plötzlich in ein Sozialdrama, das dem Amokläufer Mickey menschliche Konturen verleiht und ihn zum Opfer der äußeren Umstände macht. Der Film begibt sich vom mondänen Landhaus Noels in die tristen, wenig Hoffnung vermittelnden Plattenbausiedlungen am Rande von Paris, in denen Mickey seit seiner Kindheit um Anerkennung gekämpft hat, die ihm jedoch stets versagt blieb. Gleichzeitig zieht die durch seinen Ausbruch augelöste Kettenreaktion immer weitere Kreise, sodass keine der involvierten Personen – neben Mickey und Noel die Polizei, Mickeys Jugendfreund Dany sowie die Gangsterfamilie um Noels ehemaligen Kontrahenten Constantini, die mit Mickey ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen hat – noch in der Lage ist, den Überblick zu behalten, geschweige denn die Auswirkungen der eigenen Handlung vorhersagen zu können. So wird das gesamte Personengefüge kräftig durcheinandergewirbelt, bis sich am Ende plötzlich der junge Polizist in der Position des ungewollten Übeltäters wiederfindet. Parallel zu dieser hoch dramatischen, niemals vorhersehbaren Geschichte erzählt Corneau – wie der Titel schon andeutet – von Waffen. Einmal sitzt der ältere Polizist vor dem Fernseher und sieht einen Bericht über einen aktuell wütenden Bürgerkrieg. Tenor des Berichts: In einer Welt, in der alle Waffen frei verfügbar sind, werden diese irgendwann auch benutzt. Wer in diesem Gefecht die Oberhand behalten wird, ist auch für die teilnehmenden Kräfte indes nicht mehr vorherzusagen. Auch wenn man es an der Oberfläche nicht sieht: Diese Welt befindet sich im Ausnahmezustand, in einem immer währenden Krieg. Anders ist das Bild nicht zu deuten, in dem wir Mickey mit seiner kleinen Tochter am Strand sehen, nachdenklich aufs Meer hinausblickend, während die Festungsanlagen hinter ihm nicht nur an den D-Day erinnern, sondern auch seine eigene Verfassung widerspiegeln: Man muss sich hart machen, um zu überleben.

Alain Corneau ist ein famoser Crime-Film voller Tiefgang und herausragender Bildkompositionen gelungen, der immer wieder überrascht und zwingt, die gewonnenen Eindrücke immer wieder einer Neubewertung zu unterziehen. Das Sahnehäubchen des Films sind aber die vielen faszinierenden Charaktere: Vor allem Depardieu begeistert mit einer sehr ambivalenten Darstellung des Mickey, der sich vom hassenswerten Klotz zum tragischen Helden und schließlich zur Identifikationsfigur mausert. Zusammen mit Yves Montand, der seinem Altgangster monumentale Würde verleiht, bildet er das emotionale Zentrum dieses Films, für den eine Sichtung bei Weitem nicht aureicht.

Kommentare
  1. suyak sagt:

    Bei Depardieu verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen seinem Schauspiel und Privatleben auf bemerkenswerte Weise. Insbesondere seinen Frühwerken haftet sehr seine rauhe Kindheit und Jugend in Chateauroux an. Er selbst sagt, dass er zu Beginn seiner Karriere fast nur als Gangster besetzt worden sei, der er nach eigener Aussage gut hätte werden können, wenn er nicht mit 16 nach Paris gegangen wäre und Schauspielunterricht erhalten hätte. Depardieu ist ein ambivalente Persönlichkeit. Nicht nur im Film. Bei Interesse: Ein Blog von mir dreht sich allein um Monsieur: http://petarou.wordpress.com/

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