the geisha boy (frank tashlin, usa 1958)

Veröffentlicht: März 23, 2008 in Film
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Der gutmütige, aber erfolglose Zauberkünstler Gilbert Wooley (Jerry Lewis) begibt sich im Rahmen eines Unterhaltungsprogramms für GIs nach Japan, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen, im Gepäck seinen treuen Freund und „Arbeitskollegen“ Harry, einen Hasen. In Japan angekommen, lernt Wooley die Japanerin Kimi Sikita (Nobu McCarthy) kennen: Im Schlepptau hat sie den kleinen Waisenjungen Mitsuo Watanabe (Robert Hirano), der Wooley in sein Herz geschlossen hat, seitdem dieser ihm das erste Lachen seit dem Tod seiner Eltern abringen konnte. Nun betrachtet Mitsuo den Entertainer als seinen Vater und weicht ihm nicht mehr von der Seite …

513csl3s5sl_ss500_.jpgMein erster bewusst wahrgenommener Tashlin (dessen Name mir bis vor ein paar Wochen noch völlig unbekannt war) ist ein Fest für die Augen, ein sanftes, aber bestimmtes Kitzeln des Zwerchfells und ein warmes, weiches Tuch, das sich um das Herz legt. Gehört die rasante erste halbe Stunde noch ganz den Clownereien Lewis‘ und dem Hasen Harry, mit dem hier Sachen angestellt werden, die man sich heute beim Film sicherlich nicht mehr erlauben dürfte (er wird ins Wasser geschmissen, in den umöglichsten Stellungen drapiert, verkleidet und angemalt), verschiebt sich der Ton gegen Ende zugunsten des sentimentalen Melodrams. Weil THE GEISHA BOY von Beginn an aber sehr episodenhaft angelegt ist, macht das gar nix, vielmehr erzählt dieser Wandel des Tons auch von dem Reifeprozess, den Wooley durchmachen muss, um am Ende seine ihm „aufgebürdete“ Vaterpflicht mit Freuden anzunehmen. Tashlin, der vor seiner Arbeit beim Spielfilm jahrelang erfolgreich beim Trickfilm – unter anderem für Warner Brothers‘ LOONEY TUNES und MERRY MELODIES – tätig war, pflegt einen sehr grafischen, absurden Humor, der seinem Hauptdarsteller Lewis (mit dem Tashlin insgesamt 8 Filme machte) wie auf den Leib geschneidert ist. Szenen wie jene, in der Wooley an Bord des Flugzeugs einen Karottensalat nach dem anderen bestellt, um seinen geschmuggelten Hasen zu versorgen, und sich vor der attraktiven Stewardess als Vegetarier ausgeben muss, obwohl er doch nach ihrem saftigen Steak lechzt, jene, in der der riesenhafte japanische Baseballspieler Ichiyama in ein Schwimmbecken fällt und daraufhin eine gigantische Flutwelle auslöst, oder die, in der Wooley als Entertainer ins krisengeschüttelte Korea abkommandiert wird, um dort inmitten einschlagender Granaten die Moral der Truppen hochzuhalten, sind einfach pures Gold wert. Hinzu kommen selbstreferenzielle Spielereien wie ein BRIDGE ON THE RIVER KWAI-Zitat oder die Schlussblende, in der Lewis im Stile Bugs Bunnys eine Karotte mampft und die Zuschauer mit dem bekannten „That’s all Folks!“ verabschiedet. THE GEISHA BOY verwandelte mich und meine liebe zora von der ersten Sekunde an in staunende Kinder, verzaubert von der Farbenpracht, den Grimassen und Verrenkungen Lewis‘ und den mit Gags vollgestopften Bildern. Da gibt es keine Hintergedanken, nur das Berauschtsein am Bild, am Augenblick. Jerry Lewis war ein Held meiner Kindheit, den ich in den letzten 25 Jahren vollkommen aus den Augen verloren habe – wie er ja mittlerweile auch auf breiter Front vergessen bzw. totgeschwiegen wird. Nun habe ich ihn wiederentdeckt und mit ihm Frank Tashlin. Es ist so schön, ein Filmfreund zu sein. Schluchz!

Kommentare
  1. […] Filmen diagnostizierte Geschlechtslosigkeit bzw. Doppelgeschlechtlichkeit der Lewis-Figuren – in THE GEISHA BOY resp. ROCK-A-BYE BABY wird er Vater, ohne wirklich Ehemann oder Geschlechtspartner zu werden, in […]

  2. […] CINDERFELLA ist bis auf einige episodische Anwandlungen deutlich handlungsorientierter als etwa THE GEISHA BOY und ROCK-A-BYE BABY; das macht ihn auf der einen Seite als Film „runder“, aber auch […]

  3. […] aber immer rührenden Versuche Claytons, seine Schützlinge zu versorgen, drehen. Gegenüber THE GEISHA BOY, der zwar inhaltlich auch nicht wie aus einem Guss wirkt, aber sich in zwei relativ stringente […]

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