no country for old men (joel & ethan coen, usa 2007)

Veröffentlicht: März 24, 2008 in Film
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Zweitsichtung. Ich hatte hier bereits über den Text geschrieben, nicht ganz unmittelbar nach der ersten Sichtung im Januar, die mich doch etwas ratlos hinterlassen hatte. Nicht, weil ich an der Qualität des (damals noch nicht) Oscar-prämierten Coen-Films gezweifelt hätte, im Gegenteil. Direkt nach dem Film wusste ich, soeben etwas wirklich Großem beigewohnt zu haben, einem Film, wie man ihn nur alle paar Jahrzehnte zu Gesicht bekommt. Leider tat ich mich jedoch immens schwer damit, dies an bestimmten Aspekten des Gesehenen festzumachen. Jetzt, nach der zweiten, etwas distanzierteren Sichtung, habe ich ungefähr eine Ahnung, was den Coens mit NO COUNTRY FOR OLD MEN für ein großer Wurf gelungen ist. Im heutigen Tagesfred habe ich im Überschwang behauptet, dies sei der größte amerikanische Spielfilm der letzten vierzig Jahre. Eine Behauptung, zu der ich absolut stehe, auch wenn mir bewusst ist, dass man eine solche Behauptung ja gar nicht belegen kann. Was ist es, was den Film in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem macht?

nocountry.jpgNO COUNTRY FOR OLD MEN kreuzt die wohl einflussreichsten amerikanischen Filmgenres, mithin die amerikanischsten Genres überhaupt: den (Spät-)Western und den Film Noir, zwei Genres, die sich durch eine streng reglementierte Bilderwelt und einen eng umrissenen Zeichensatz auszeichnen. Es gibt einen alternden Sheriff (Tommy Lee Jones), der wie seine Spätwestern-Kollegen nicht mehr zurechtkommt in einer Welt, die immer verrückter zu werden scheint; es gibt einen Killer (Javier Bardem), der als eine Mischung aus Psychopath, eiskaltem Engel und überirdischem Racheengel erscheint, eine Blutspur durch den Film zieht und den Wanhsinn personalisiert, dem der Sheriff sich sprach- und hilflos gegenübersieht; und es gibt einen Vietnamveteranen (Josh Brolin), der das große Glück in Form eines Koffers voller Drogengeld findet und damit den Killer auf sich zieht. Von der Wüste verlagert sich das Geschehen erst in die Noir-Dunkelheit nächtlicher Motelzimmer und menschenleerer Straßen, dann schließlich in die trügerische Sicherheit von Suburbia. Der Tod ist schneller als die Protagonisten, das Schicksal schlägt brutal und erbarmungslos zu, denn es hat im Killer Anton Chigurh einen äußerst gewissenhaften Stellvertreter. Entscheidungen ziehen meist unmittelbare Konsequenzen nach sich – für alle Beteiligten. Es scheint keinen Ausweg zu geben: Die Frage ist lediglich, wie lange man den Tod auf Distanz halten kann. Eine bittere, trostlose Weltsicht.

Dennoch ist NO COUNTRY FOR OLD MEN ein Film voller Hoffnung. Das Sterben ist kein Zeichen des Niedergangs, sondern eine Begleiterscheinung des Lebens. Das Schicksal kommt wie es kommt: Sich darüber zu beklagen, ist Eitelkeit, wie es eine Figur nennt. Auch die bequeme These des „Zeitenwandels“ gilt nicht: Es ist das Wesen des menschlichen Daseins selbst, das die merkwürdigsten Auswüchse und mithin auch das Grauen erzeugt. Am Schluss, wenn alle tot sind, außer dem alten Sheriff, durch dessen Augen uns die Coens die Welt gezeigt haben, gibt es einen kurzen Monolog voller Trost: Es wird immer jemand da sein, der uns den Weg weist.

Das Große, Einmalige an NO COUNTRY FOR OLD MEN ist seine Universalität, seine Spiritualität: Die Coens haben sich von ihrer Popkultur-Fixierung gelöst und einen Film gemacht, der die Kraft eines Schöpfungsmythos in sich trägt. Dieser Film wird Bestand haben, wenn Anderes längst vergessen ist.

Kommentare
  1. Därr Kritikärr sagt:

    Große Worte. Ob sie sich bewahrheiten? Ich hoffe es. Genug Leerstellen hat der Film jedenfalls, die der Zuschauer bei jeder Sichtung erneut füllen muss.

    Möchte aber doch zu bedenken geben, daß die Coens mit *The Big Lebowski* schon einmal einen gemeinhin unterschätzten Kommentar zur Lage der amerikanischen Nation gegeben haben. Auch wenn man meistens die Synthese aus Noir und Slacker-Komödie auf seine popkulturellen Referenzen herunterschneidet.

  2. funkhundd sagt:

    Ich meine gerade, dass NO COUNTRY einen viel größeren und universelleren Anspruch hat, als den, sich mit singulären politischen Zuständen zu befassen. Das heißt nicht, dass er unpolitisch ist, sondern dass seine Aussage allgemeiner ist. Ich behaupte, dass ein Chinese den Film genauso verstehen kann wie ein Amerikaner. Das Wissen über kulturelle, historische oder politische Details reichert den Film höchstens an, es füllt ihn aber nicht aus.

  3. Joss sagt:

    „Das Sterben ist kein Zeichen des Niedergangs, sondern eine Begleiterscheinung des Lebens. Das Schicksal kommt wie es kommt: Sich darüber zu beklagen, ist Eitelkeit, wie es eine Figur nennt.“

    Carla Jean sah das anders. Ich glaube, du lässt dich da etwas hinreissen. Das Leben im Rollstuhl fokussiert sich auch bloß für den einen Moment der Unterhaltung auf seinen spirituellen Charakter, das spruchreife Etwas auf dem ein Film dann dahingleitet. Nur weil der Film nicht davon handelt, sondern von Wummen & Wandalen, hebt sich da überhaupt etwas an Hoffnung ab. Voller Hoffnung halte ich aber für ziemlich euphemistisch. Der Zeitenwandel wiederum ist ja keine These, sondern von Ed & Co ausgesprochene Empfindung. Die Zeiten haben sich geändert, man möchte irgendwo jenseitig mit Papi am Lagerfeuer sitzen und Marshmallows rösten. Hoffnung war für mich allein in dieser funktionierenden Partnerschaft von Ed und seiner Frau. Die sind noch da, nicht in Miami Beach.

  4. funkhundd sagt:

    Hallo Joss. Danke für deinen Kommentar. Ja, vielleicht ist meine Wertung etwas zu euphemistisch, dennoch stehe ich größtenteils zu dem, was ich bisher zu dem Film geschrieben habe. Dein Einwand, es hebe sich nur Hoffnung ab, weil der Film von „Wummen&Wandalen“ handelt (was m. E. nur halb richtig ist – er handelt ja auch von dem Versuch, dem Elend zu entkommen), ist ja eigentlich keiner. Schließlich ist genau DAS der Film: Dein Einwand basiert auf einem In-Verhältnis-Setzen mit etwas, was außerhalb des Films liegt. Um das auszuformulieren, was du implizierst: Handelte der Film NICHT von Wummen&Wandalen, wäre das alles eine triste Soße und es gäbe keine Hoffnung. Das ist aber Spekulation, die den Film gar nicht betrifft. Der ist ja nunmal so, wie er ist, mit Wummen&Wandalen und eben dem Aufblitzen der Hoffnung, die nötig ist, um in dieser Welt, in der der Tod jede Sekunde eintreten kann, nicht einfach aufzugeben. Zu zeigen, dass die Zeiten sich NICHT geändert haben, gelingt den Coen Bros. allein durch den Kniff, den Film heimlich, still und leise ins Jahr 1980 zu verlegen. Dass sich seit dem Spätwestern die Vorstellung hält, die Welt befände sich im Niedergang, ist eigentlich die Bestätigung des Gegenteils: Die Menschen sind so. Verändern tut sich nur die Oberfläche.

  5. Joss sagt:

    „Das ist aber Spekulation, die den Film gar nicht betrifft.“

    Das hieße meinen Einwand, der in der Tat keiner ist, für zu leicht befinden. Die Konstrastfolie ist auch im Film gegenwärtig, der eine Woche alte Kaffee, Eds Wunsch nach einer überschaubaren Marshmallowwelt/Gesellschaft, die beiden (schließlich nur noch eine) glücklichen Partnerschaften, die ausgeschlagenen Warnungen… Wummen & Wandalen meinte keine Abwertung oder gar irgendeinen (blöden) Verbesserungsvorschlag, rein deskriptiv, deine Entwicklung der Implikation vollkommen stimmig. Ich sah den Film trauriger, gebrochener und daher wohl hoffnungsloser als du. Das ist zumal dem Dämon geschuldet, der allem über ist. Die Hinrichtung von Carla Jean, für mich das Finale des Films, hat mich erschüttert. Die Coens entlassen den Zuschauer in eine Welt mit dem Teufel (Unschuldige werden gestraft, weil die unschuldig Schuldigen sich der Fatalität des Bösen nicht beugen), den selbst das Schicksal, Gott oder Zufall, nicht stoppen kann. Deine abschließende Überlegung verstehe ich noch nicht. Die Menschen leben doch, hier wie dort, in einer Gesellschaft und die entwickelt sich und das ist doch nicht nur die Oberfläche? Dem Film wurden mythische Formationen (die Prärie, der Dämon) eingeflochten (oder stärker: zugrundegelegt), aber seine Überzeugungskraft liegt für mich gerade im Sowohl-als-auch. Obwohl wir in einer derart sozial strukturierten Gesellschaft leben, dass soziale Devianzen unseren Alltag prägen (also nicht mehr wie im klassischen Western noch permament diskursiv befehdet und in ferne Reservate oder Tombstones verdrängt werden, dafür sind sie zu gewöhnlich und mächtig geworden), gibt es dennoch etwas darunter/darüber, eben jene Mythen, und die können sich entfesseln wie man es sich schon seit Urzeiten träumt. / Ich habe zu danken, für deine (und natürlich auch Außenseiters) wunderbaren Bemühungen zur Aufarbeitung meiner Spielfilmjugend.

  6. funkhundd sagt:

    Traurig finde ich den Film ja auch – dass ich die Hoffnung stärker betone, liegt vielleicht auch eher in mir als im Film begründet: NO COUNTRY ist ja in seiner Klarheit ein ungemein komplexer und daher auch erst einmal verwirrender Film. Das beweist ja schon unsere Diskussion. Die Hoffnung, die ich sehe, ist durchaus an einen gewissen Fatalismus gekoppelt, da würde ich dir keinesfalls widersprechen. Auch Hoffnung birgt ja die Möglichkeit, dass sie nie erfüllt wird, schon in sich. Dennoch macht Ed ja weiter, knüpft er am Ende eben seine Hoffnung an einen Traum. NO COUNTRY (oder Ed, das lässt sich nicht so einfach trennen) nimmt eine dem Existenzialismus ähnliche Position ein, jedoch ohne dessen Pathos. Es geht irgendwie weiter. Wenn man das nicht glaubt, beendet man sein Leben selbst – das tut ja keiner in NO COUNTRY. Alle glauben bis zum Schluss, das sie lebendig rauskommen. Und Ed überlebt ja auch. Zum Dämon: Ich bin mir da noch nicht ganz im Klaren, ob sein Unfall nicht genau das Gegenteil von dem bedeuten soll, was du darin siehst. Wenn ich dich richtig verstanden habe, siehst du darin ja bestätigt, dass der Dämon nicht aufzuhalten ist. Ich sehe aber darin, dass auch er nicht dem Schicksal enthoben ist. Auch ihn wird es irgendwann treffen. Er hat in diesem Moment einfach nur Glück.

    Zum zweiten Teil: Das, was wir in NO COUNTRY sehen, erzeugt ja keinen Gegenwartspessimismus. Ed spricht zwar über eine neue Qualität des Verbrechens, aber dem wird am Ende durch den Mann im Rollstuhl widersprochen. Die Coens malen ja keine DEATH-WISH-Welt, in der jugendliche Rowdies marodierend durch U-Bahn-Züge streifen und alte Omas belästigen oder zugedröhnt auf der Straße rumliegen. Das Verbrechen in NO COUTRY wirkt sehr singulär, wie eine Zäsur, nicht wie ein Symptom. Die Menschen werden vielleicht nicht mehr mit dem Trommelrevolver erschossen, sondern mit der Maschinenpistole, es geht nicht mehr um die Ehre, sondern um Drogen, aber das sind eben nur oberflächliche Veränderungen. Ich sehe keine Gesellschaftskritik in NO COUNTRY. Er wirkt einer konkreten Zeit ja völlig enthoben. Würde es nicht zweimal ganz explizit gesagt, man könnte gar nicht so genau sagen, wann der Film spielt.

    Ein HIMMELHUND-Leser bist du!? Es ehrt mich, dass du den Weg auch hierhin gefunden hast!

  7. Därr Kritikärr sagt:

    In der Tat ist die Balance der Unfallszene exzellent. Wie sie an dieser Stelle im Film platziert wurde, wie sie aufgebaut ist. Würde dennoch eher der Sichtweise von Joss zugeneigt sein. Unter anderem, weil die Kinder anfänglich noch den Gegensatz zu den Amerikanern auf der Brücke nach Mexiko darstellten, dann aber durch die Begegnung mit Chigurh kontaminiert wurden.

    Die Allgemeingültigkeit sehe ich dann doch nicht so wie Du. Die Drogen sind nur Mittel, der wahre Fetisch ist bei diesem Film das Geld, das übrigens nicht nur im Koffer in Erscheinung tritt.

  8. funkhundd sagt:

    Aber die Sprache des Geldes ist doch gerade die, die überall verstanden wird.

  9. Därr Kritikärr sagt:

    Schon, aber das ist doch keine Conditio humana. Eher eine dehumanisierende Konditionierung. Fand es ganz groß, wie die Coens hier ungezwungen eine Parabel auf die gegenwärtige Gesellschaft eingeschoben haben.
    Aber vermutlich meinen wir Ähnliches, nur aus unterschiedlichen Bezugssystemen betrachtend.

  10. Joss sagt:

    „ein ungemein komplexer und daher auch erst einmal verwirrender Film“

    Das unterstreiche ich dicke. Voreiliges Verkleistern von Rezeptionsweisen hat dieser Film als letztes verdient.

    „Dennoch macht Ed ja weiter, knüpft er am Ende eben seine Hoffnung an einen Traum.“

    Und die Szene beruht ja auf und in etwas, einer wunderbaren glücklichen Beziehung zweier reifer Menschen. Ed ist der Sympathiebolzen par exellence. Nachdenklich, nüchtern, bescheiden, hellsichtig, trotz seiner Weltsicht nicht larmoyant, er träumt sogar und er kann darüber erzählen… Ein würdiger Gegner für den Dämon, dass Ed (über)lebt, wie er lebt und dass er „weiter macht“, ist wie ein zweiter Anker dieser Story. In der (ersten und zweiten) Wildnis lebt oder stirbt man, so ist das Leben. Ed aber lebt. Allein schon wie er mit seinem geistig etwas schwerfälligen kollegialen Anhängsel umgeht, charakterisiert diese Figur präzise. Hat mich an Paul Newman in Nobody`s Fool erinnert.

    „Wenn ich dich richtig verstanden habe, siehst du darin ja bestätigt, dass der Dämon nicht aufzuhalten ist. Ich sehe aber darin, dass auch er nicht dem Schicksal enthoben ist. Auch ihn wird es irgendwann treffen. Er hat in diesem Moment einfach nur Glück.“

    Auch das ist möglich. Für mich ist er ein (klassischer) Halb-Gott, verwundbar, aber wenn die Regie es so will, unsterblich. Ob sie das will, bleibt offen, sollte offen bleiben. Hier siehst du also mehr Hoffnung als ich, wenn es ihn irgendwann später erwischen wird.

    „Das Verbrechen in NO COUTRY wirkt sehr singulär“

    Das habe ich schon mit der ersten Szene anders gesehn. Kriminalität rahmt das Leben der Menschen, Moss agiert wie ein Profi, kein Bronsen oder Belmondo könnte es cooler machen wie er. Moss weiß (99%ig), worauf er sich einlässt und was das für Konsequenzen haben wird. Verhält man sich so in einer Welt, in der das Verbrechen singulär ist? Lernt man das alles in zwei Jahren Vietnam? Und nicht nur Moss, so ziemlich alle Figuren im Film agieren sehr abgeklärt, kontrolliert, Figuren eines Film Noir. Schließlich stellt der Film durchaus klar, dass es hier um organisiertes Verbrechen geht, das rahmt ihn. Dabei bleibt der Film nicht stehen, und das macht ihn so besonders, das Singuläre liegt für mich in der Figur des Dämon, in Chigurh begründet. Der ist singulär, den wird man nicht so schnell vergessen.

    „Ich sehe keine Gesellschaftskritik in NO COUNTRY.“

    Das sehe ich wie du, darum ging es den Coens in dem Film nicht.

    „Ein HIMMELHUND-Leser bist du!?“

    Ein Fan, trifft es besser. Manchmal kaufe ich mir die Filme auf DVD und lese unmittelbar davor oder danach euer Gespräch zum Film, so einen Spaß macht das. Ansonsten kannte ich dein Tagebuch in den Filmforen, dass du ein eigenes Blog hast, habe ich erst vor zwei Wochen entdeckt. Was mich umso mehr freut, weil mich die Rechthaberei, die sich um bestimmte Namen und Rezeptionsweisen in den Filmforen ab und an sammelt, ziemlich nervt. Statt in Differenz & Divergenz einen Gewinn zu sehen, geht das dann locker in persönlich werdendes, humorloses Gedisse über, was ich aus meiner distanzierten Sicht nicht so spannend finde.

  11. funkhundd sagt:

    @ Kritikärr

    Ja, vermutlich liegen wir nicht so weit auseinander. Die Parabel auf die gegenwärtige Gesellschaft, wie du es nennst, drängt sich mir einfach nicht so auf. Das heißt ja nicht, dass man das nicht so sehen kann. Zum Geld: Klar, ist es keine conditio humana, es ist aber auch keine ganz neue Erfindung.

    @ Joss

    Zum Verbrechen: Hmm, vielleicht hast du Recht. Möglicherweise ist es einfach die Platzierung des Films in einem eher ländlich-kleinstädtischen Rahmen, die meinen Eindruck, das Verbrechen sei singulär, bestimmt. Für mich war Moss tatsächlich hinreichend als Veteran charakterisiert. Wie routiniert er ist, lässt dann aber tatsächlich tief blicken. Dass ich das trotzdem nicht weiter ausgedeutet habe, liegt wohl im mythischen ursprung der Bilder begründet: Moss ist ein Texaner, ein Cowboy, und ein solcher weiß eben, wie man mit dem Gewehr umgeht, wie man Spuren liest.

    Das organisierte Verbrechen tritt ja sehr zurück. Klar, es ist präsent, aber eben nicht greifbar, und wenn, dann nur kurz und irgendwie seltsam undifferenziert. Der Mann, der Wells anheuert, scheint ein ganz normaler Geschäftsmann zu sein. Welche Funktion hat er? Die mexikanischen Killer, die immer wieder in den Film einbrechen, woher kommen sie? Da existiert offensichtlich eine Welt neben der „normalen“, die aber eben in der Regel nicht sichtbar wird – man beachte etwa den Shootout zwischen Moss und Chigurh, den außer dem innocent bystander, in dessen Auto Moss einsteigt, niemand mitbekommt.

  12. joss sagt:

    „Moss ist ein Texaner, ein Cowboy, und ein solcher weiß eben, wie“

    G.W. Bush auch.

    „Das organisierte Verbrechen tritt ja sehr zurück.“

    Aber wenn du ins Museum gehst, dann doch auch nicht, um dir die Bilderrahmen anzuschauen. Das meinte ich hier mir Rahmung. Die Coens wollten keinen Film a la Traffic, die wollten genau das, was dich hier mit dem Begriff der Spiritualität und mich mit den Mythen umtreibt. Das Verbrechen ist da, gibt den Rahmen, aber es wird in seiner Struktur nicht weiter expliziert, also entweder vorausgesetzt oder beiseite gelassen, um eine Geschichte über… einen alten Mann, das Land und seinen Dämon zu erzählen.

    „man beachte etwa den Shootout zwischen Moss und Chigurh“

    Den werde ich, wie so einiges, auf DVD beachten. Im Kino hat er mich in seiner Machart einfach bloß kalt erwischt und überwältigt.

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