the ladies man (jerry lewis, usa 1961)

Veröffentlicht: März 26, 2008 in Film
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Herbert H. Heebert (Jerry Lewis) hält gerade seinen College-Abschluss in den Händen, da erleidet er ein schweres Trauma: Er beobachtet seine Freundin und potenzielle Ehefrau in spe mit einem anderen Mann. Von diesem Moment an sind Frauen ein rotes Tuch für den gutmütigen Herbert. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Jobsuche, denn die Anwesenheit junger Damen ist ihm ein Gräuel. Umso geschockter ist er, als er bemerkt, dass das Haus von Frau Helen N. Wellenmellon (Helen Traubel), in dem er eine Stelle als Mädchen für alles antritt, ein Wohnheim für alleinstehende Damen ist. Das Chaos ist vorprogrammiert.

ladiesmanad2.jpgLewis’ zweite Regiearbeit lebt zuallererst von seinem wunderbaren Studiosetting: Das dreigeschossige Wohnheim ist im Stile eines Puppenhauses gebaut und ermöglicht spektakuläre Choreografien, Kamerafahrten und -perspektiven. Was in Wes Andersons THE LIFE AQUATIC WITH STEVE ZISSOU nur wenige Sekunden dauert, darauf baut Lewis seinen ganzen Film auf. Kein Wunder, dass sich dieses Setting bei dem kleinen Steppke eingebrannt hat, der ich bei Erstbegegnung mit THE LADIES MAN vor wahrscheinlich über 20 Jahren war – sonst konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Zurück zum Film: Nach THE BELLBOY bleibt sich Lewis weitestgehend treu. Das bedeutet, dass es zwar diesmal eine rudimentäre Handlung gibt, THE LADIES MAN in erster Linie aber wieder als eine Aneinanderreihung von Gags und Sketchen um den schrulligen Herbert funktioniert. Dieser unterscheidet sich nicht wesentlich von den typischen Lewis-Charakteren aus anderen Filmen, ist liebenswert, aber ungeschickt, freundlich, aber nicht gerade intelligent, auf bübische Art charmant, aber nur mäßig attraktiv. Die von mir bereits in anderen Filmen diagnostizierte Geschlechtslosigkeit bzw. Doppelgeschlechtlichkeit der Lewis-Figuren – in THE GEISHA BOY resp. ROCK-A-BYE BABY wird er Vater, ohne wirklich Ehemann oder Geschlechtspartner zu werden, in THE BELLBOY ist er noch nicht einmal ein Individuum und in CINDERFELLA übernimmt er die Rolle eines männlichen Aschenputtels – äußert sich hier etwa darin, dass er in einer kurzen Exposition seine eigene Mutter spielt und am Ende zwar von seinem Trauma geheilt wird, aber dennoch einen sexuellen Nichtangriffspakt mit den Damen beschließt. Es sind diese Übungen in Gender-Bending, die Lewis Filmcharaktere interessant machen und sie von anderen berühmten „Witzfiguren“ unterscheiden. Natürlich sei nicht bestritten, dass es in erster Linie seine Slapstickeinlagen und absurden Einfälle sind, die seine Filme bei allen dramaturgischen Schwächen (eigentlich sind es eher Verweigerungen) zu einem kurzweiligen Vergnügen machen. Und derer gibt es etliche in THE LADIES MAN: Von der Eröffnungsszene in der von durchweg hypernervösen Menschen bevölkerten Heimatstadt Herberts, über seine Konfrontationen mit einem Bett, Glasnippes, einem Fernsehteam oder diversen Kleidungsstücken, bis hin zu dem verzweifelten minutenlangen Versuch, den von ihm zerquetschten Hut eines äußerst unfreundlichen Gangsters wieder herzurichten (göttlich!), gibt es zahlreiche schlicht brillant gespielte und getimte Gags. Seinen Höhepunkt findet das grellbunte Treiben in einer surrealen Tanzszene, bevor THE LADIES MAN ein etwas unmotiviertes Ende nimmt: Irgendwann ist eben einfach Schluss. Trotzdem: Lewis’ Film dürfte ein einmaliges Erlebnis darstellen, für dessen Genuss man kleinliche Ansprüche an einen „runden Film“ ruhig einmal zurückstellen sollte. Hollywood-Star George Raft hat einen schönen Gastauftritt (wie viele andere „Stars“ der damaligen Zeit auch), de er dazu nutzt eine flotte Sohle mit Lewis – dem standesgemäß natürlich die Rolle der Dame zukommt – aufs Parkett legt …

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