the nutty professor (jerry lewis, usa 1963)

Veröffentlicht: März 30, 2008 in Film
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Der Chemieprofessor Dr. Julius Kelp (Jerry Lewis) ist die Lachnummer seiner Uni. Mit einem gigantischen Überbiss, einer reichlich unmännlichen Quäkstimme, einem gerüttelt Maß an Tolpatschigkeit und Unsicherheit ausgestattet, nehmen ihn weder seine Studenten noch sein Vorgesetzter Dr. Harnius Warfield (Del Moore) ernst. Als Kelp sein Herz an die hübsche Studentin Stella Purdy (Stella Stevens) verliert und wiederholt Opfer böser Späße wird, startet er eine große Offensive: Mittels einer selbst gebrauten chemischen Substanz verwandelt er sich in den Obermacho Buddy Love (Jerry Lewis) und wird in kürzester Zeit zum gefeierten Star der Stadt. Leider ist die Wirkung des Mittelchens zeitlich begrenzt …

nuttyprofjune07.jpgLewis’ wohl bekanntester Film bildet bis zu diesem Zeitpunkt den absoluten Höhepunkt seiner Regiearbeit. Ausschlaggebend für den erneuten qualitativen Quantensprung ist diesmal die Abkehr vom Episodischen. Dennoch ist THE NUTTY PROFESSOR keine völlige Abkehr vom bisherigen Erfolgsrezept: Wenn Lewis und seine Kollegen hör- und sichtbar über ihre Darbietung lachen müssen oder bei einer anderen Szene aus ähnlichem Grund vorzeitig geschnitten wird, erkennt man den improvisierten Charakter des Lewis’schen Werks wieder. Auch inhaltlich ist der Komiker sich treu geblieben, reflektiert er mit seinem an Stevensons „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ angelehnten Film doch das (Nicht-)Verhältnis seiner Filmpersona zur Sexualität, das charakteristisch für seine Filme ist. Kelp ist geradezu die Apotheose des Lewis’schen Antihelden, ein liebenswerter Versager, den man trotz seines männlichen Geschlechts wohl am ehesten als asexuell bezeichnen muss. In THE NUTTY PROFESSOR werden diese Charakterzüge konsequent nach außen gekehrt, spiegeln sich in der imposanten Zahnreihe, der dicken Brille, der zerzausten Frisur und der miserablen Körperhaltung. Als sein alter ego Buddy Love wird er dann zu einem wahren Orkan männlicher Libido: großmäulig, aggressiv, chauvinistisch, arrogant. Und das ist vor allem deshalb witzig, weil es dem gewohnten Lewis-Charakter eben völlig entgegensteht. Mit der eindeutigen Sympathieverteilung zugunsten Kelps kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass THE NUTTY PROFESSOR einem Statement gleichkommt, einer Verteidigung des eigenen Erfolgsrezepts. Das ist umso charmanter als Lewis Darbietung in beiden Rollen grandios ist. Wie er gleichzeitig den personifizierten Minderwertigkeistkomplex und dessen komplettes Gegenteil, die amoklaufende Selbstverliebtheit verkörpert, nötigt größten Respekt ab.

Interessant ist auch die ausgeklügelte Farbdramaturgie dieses wunderschönen Films: Die Verwandlung Kelps ist als buchstäbliche Farbexplosion inszeniert, bei der (wie auch an anderer Stelle) die Farben Rot und Blau eine wichtige Rolle spielen. Dies setzt sich am auffälligsten im Interieur eines der wichtigsten Schauplätze des Films fort, dem Tanzlokal „The Purple Pit“, dem Jagdgebiet Buddy Loves, das sich – unschwer am Namen ablesbar ganz in violett gehalten – als Symbiose dieser beiden Farben entpuppt. THE NUTTY PROFESSOR ist inszenatorisch und intellektuell keineswegs zu unterschätzen, auch wenn die „Botschaft“ des Film etwas disneyesk anmuten mag. In Verbindung mit dem in etwas geordnetere Bahnen gelenkten Humor – unvergessliche sind etwa Kelp auf dem Sessel in Warfields Büro, seine spätere Tanzeinlage auf dem Highschool-Ball, Buddy Loves unflätiges Machogehabe sowie Del Moores herrliche Performance – ist THE NUTTY PROFESSOR zweifelsfrei als Klassiker zu bezeichnen, dessen Niveau trotz allen Klamauks Lichtjahre von den Furz- und Dickenwitzen von Shadyacs Eddy-Murphy-Remake entfernt ist.

Kommentare
  1. […] THE BELLBOY und natürlich THE ERRAND BOY, deren episodische Struktur Lewis nach dem narrativen THE NUTTY PROFESSOR auch wieder aufnimmt. In mal längeren, mal kürzeren Sketchen stellt Lewis einmal mehr sein […]

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