Archiv für April, 2008

the stooge (norman taurog, usa 1952)

Veröffentlicht: April 29, 2008 in Film
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New York in den 30er-Jahren: Der Sänger Bill Miller (Dean Martin) ist notorisch erfolglos. Zwar hat er Gold in der Kehle und einen Charme, der Frauenherzen zum Schmelzen bringt, was ihm zum Durchbruch fehlt, ist aber das gewisse Etwas, ein auflockerndes Element in seinem Programm. Sein Manager hat die Lösung: Bill braucht einen „Stooge“, einen scheinbar neutralen Zuschauer, der in Wahrheit jedoch mit dem Künstler unter einer Decke steckt und sich mit ihm in einstudierten Dialogen die Bälle zuspielt. Dieser Stooge ist bald gefunden: Es handelt sich bei ihm um den linkischen Theodore „Ted“ Rogers (Jerry Lewis), dessen komisches Talent die Shows von Bill Miller schon bald zu einem echten Renner macht. Doch Bill will seinen Platz im Rampenlicht nur ungern teilen …

THE STOOGE, die zweite Kollaboration von Dean Martin und Jerry Lewis mit Regisseur Norman Taurog, ist vielleicht nicht der witzigste Film des Duos, ganz sicher aber ihr bis dahin bester. Zum ersten Mal ist es nämlich gelungen die beiden Kunstfiguren in einen narrativen Rahmen einzubetten, der ihrer beider Stärken zur Geltung bringt, ohne den einen zugunsten des anderen zu „opfern“. Das Konzept von THE STOOGE ist dabei bestechend einfach: Im Grunde handelt es sich um einen lupenreinen Metafilm, der das Erfolgsrezept des realen Komikerduos Martin&Lewis zur Ausgangssituation nimmt und reflektiert – und dabei interessanterweise ein Zerwürfnis herbeifabuliert, das nur wenige Jahre später Realität werden sollte (erst nach 20 Jahren der Funkstille gab es Mitte der Siebzigerjahre die Versöhnung bei einem von Frank Sinatra eingefädelten Überraschungsauftritt Dean Martins in einer von Jerry Lewis veranstalteten Fernseh-Wohltätigkeitsveranstaltung – siehe hier). Im Unterschied zu den voherigen Filmen des Duos ist hier Dean Martin die treibende Kraft und das emotionale Zentrum des Films. Er wird zum tragischen Helden, weil seine Defizite – die ihn in den bisherigen Filmen mit Lewis immer wieder an den Rand drängten – ganz explizit thematisiert werden, seine Not somit gerade zur Tugend von THE STOOGE wird: Dean Martin ist (noch) zu perfekt, um unserer vollen Sympathie teilhaftig zu werden. Er ist der Prototyp des von der Muse geküssten Dreamboys und daher vor allem eines: langweilig. Erst in der Paarung mit dem grotesk unattraktiven und tolpatschigen Lewis, einem beinahe geschlechtslosen Kunstwesen, wird Martin lebendig: Zum einen, weil die Vaterrolle, die er fast schon zwangsläufig annehmen muss, ihn zum Sympathieträger macht, zum anderen, weil er, der immer gute Miene zu den Sabotageversuchen Lewis‘ macht, plötzlich als jemand erscheint, der über sich selbst lachen kann. So wie die Paarung mit Lewis Dean Martin zum Superstar machte, wird auch sein alter ego Bill Miller zum Bühnenstar in THE STOOGE. Dass der Clown Ted dennoch viel mehr ist als nur das komische Gegengewicht, wird in THE STOOGE aber ebenso offenkundig: Immer wieder muss Ted für seinen einem guten Gläschen niemals abgeneigten Arbeitgeber in die Bresche springen. Natürlich muss sich der Konflikt zwischen den beiden, der aus dem Neid Bills erwächst, der sich immer noch für den eigentlichen Star hält, am Ende in Wohlgefallen auflösen: Nach einem desaströsen Soloauftritt, erkennt Bill seine Fehler, entschuldigt sich bei seinem Publikum und erkennt Ted endlich als gleichwertigen Partner an. In der Realität war es leider nicht so einfach …

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Bruce Templeton (Rod Taylor) ist Erfinder und mit einem wichtigen Raumfahrtprjoekt betraut. Als er die attraktive Jennifer Nelson (Doris Day) kennen lernt und herausfindet, dass diese ebenfalls für seine Firma arbeitet, stellt er sie als seine persönliche Biografin ein. Es sprühen die Funken, bis Bruce‘ Arbeitgeber den Verdacht äußern, Jennifer könnte eine Spionin der Gegenseite sein …

Frank Tashlins Komödie verdankt ihren Appeal der Verbindung Bond’scher Spionage-Science-Fiction und der hausmütterlichen All-American-Mom-Persona Doris Days. Die High-Tech-Gimmicks der Bond-Filme gehören hier nicht der Sphäre des Hochverrats an, sondern dem Betätigungsfeld der amerikanischen Familie: So wird Jennifer in Templetons Küche mit einer vollautomatisierten Küchenzeile und einem intelligenten Putzroboter konfrontiert. Und weil Jennifer von diesen harmlosen Erfindungen sichtlich verunsichert wird, wirkt die Idee von Tempeltons Vorgesetzten, die arglose Jennifer könne im Dienste der Russen stehen, umso absurder. Oder wie es Templeton nur wenig charmant ausdrückt: „Sie ist nicht intelligent genug für Spionage!“ Das kann man durchaus auch als Kritik am US-amerikanischen Status Quo lesen, wenn man will. Es gibt Vieles, das THE GLASS BOTTOM BOAT zur Ehre gereicht – Tashlins wunderbare Bildgestaltung (diese Farben!), die Chemie zwischen den Stars Doris Day und Rod Taylor und die herrlichen Auftritte von Dom DeLuise als trotteliger Spion –, dennoch hat der Film mit nicht unerheblichen Pacing-Problemen zu kämpfen: Nach der Exposition will der Film einfach keinen richtigen Zug entwickeln, springt er irgendwie unentschlossen von einer Szene zur nächsten. Da ist es dann umso erstaunlicher, dass die letzten vierzig Minuten, in denen die einzelnen Plotfäden bei einer Party im Hause Templetons zusammengeführt werden, wie aus einem Guss erscheinen und THE GLASS BOTTOM BOAT zu einer famosen Screwball-Komödie machen.

Der Komiker Hap Smith (Jerry Lewis) ist mit seiner Partnerin Betsy (Mona Freeman) auf Erfolgskurs und soll bald am Broadway auftreten, als ihn ein geheimnisvoller Brief zu einer streng geheimen Mission beruft. Urheber des Briefes ist Haps alter Kumpel Chick Allen (Dean Martin), seines Zeichens Fallschirmjäger und nebenbei für die Truppenunterhaltung verantwortlich. Weil sein Chef das Entertainment vollkommen streichen will, muss die nächste Show ein Kracher werden und dafür braucht Chick die Hilfe von Hap, der sich leider vollkommen verplappert und daraufhin unter falschem Namen bei den Fallschirmjägern landet. Es gibt die zu erwartenden Verwicklungen und Verwirrungen …

Nach vier Filmen mit Regisseur Hal Walker markiert diese erste Zusammenarbeit von Jerry Lewis und Dean Martin mit Regisseur Norman Taurog den Beginn der nächsten wichtigen Schaffensperiode: Mit Taurog zusammen realisierten die beiden zwischen 1952 und 1956 insgesamt fünf Filme: JUMPING JACKS, THE STOOGE, LIVING IT UP, YOU’RE NEVER TOO YOUNG und PARDNERS. Taurog hat seinen Platz in filmischen Geschichtsbüchern aber noch aus anderen Gründen sicher: 1931 erhielt er 32-jährig den Regieoscar für SKIPPY und ist somit der jüngste Regisseur, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Nebenbei ist er mit neun (!) gemeinsamen Filmen maßgeblich am filmischen Output Elvis Presleys beteiligt. Man tut Taurog wohl nicht ganz Unrecht, wenn man ihn eher als soliden Handwerker bezeichnet, denn als auteur. Bei JUMPING JACKS beschränkt sich seine Aufgabe dann auch darauf, Jerry Lewis im Zaum zu halten und darauf zu achten, dass der Rote Faden sich zwischen den nur lose verbundenen Comedy- und Gesangseinlagen nicht gänzlich verflüchtigt. Dies gelingt ihm auch ganz gut, dennoch will JUMPING JACKS keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Als Armykomödie hat Taurogs Film in nicht unerheblichem Maße damit zu kämpfen in unmittelbarer Konkurrenz zum ungleich besseren SAILOR BEWARE zu stehen. Lewis‘ Eskapaden, mit deren Niveau seine Kollaborationen mit Dean Martin zu diesem Stadium ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit stehen und fallen, wirken eher müde und festgefahren. Ähnliches gilt für Martins Gesangsnummern: Wenn man ihm keine Frau zum Anschmachten an die Seite stellt, verpufft sein schmieriger Charme im Nichts. JUMPING JACKS ist ganz sicher kein Totalflop, wirkt aber wie eine mit angezogener Handbremse und auf Autopilot inszenierte und gespielte Pflichterfüllung. Für die nächsten Filme mit Taurog ist nach oben noch Luft.

Rockwell Hunter (Tony Randall) arbeitet als Texter in einer Werbeagentur und ist es gewöhnt von den Entscheidungsträgern regelmäßig missachtet und geringgeschätzt zu werden. Als seine Firma um einen wichtigen Kunden kämpft – den Hersteller eines Lippenstifts –, kommt Hunter jedoch der entscheidende Einfall: Als Werbeträgerin soll die gerade aus Liebeskummer in New York weilende Diva Rita Marlowe (Jayne Mansfield) engagiert werden. Mit viel Eigeninitiative gelingt es Rockwell tatsächlich, Marlowe zu gewinnen. Doch dafür muss er als ihr persönlicher Liebhaber fungieren: Es stellt sich heraus, dass der Hollywoodstar ganz genau weiß, wie man das Interesse der Öffentlichkeit gewinnt. Rockwells ordentliches Leben steht bald völlig auf dem Kopf …

Nach THE GIRL CAN’T HELP IT arbeitete Tashlin zum zweiten Mal mit der üppigen Jayne Mansfield zusammen und nutzte ihre Kunstfigur für eine bissige, aber niemals gemeine Komödie über Lebenskonzepte, Materialismus, Gier und Erfolg. Rock Hunter ist dem Erfolg auf den Fersen, nichts wünscht er sich sehnlicher als endlich den Schlüssel zum exklusiven Waschraum der Executives zu erhalten – hier lässt sich schon erahnen, dass der Traum vom Erfolg reichlich leer ist. Als er plötzlich als Liebhaber der Marlowe zur Berühmtheit wird, muss er jedoch schnell erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Seine Verlobte beginnt sich zu verändern, um seiner neuen Flamme Konkurrenz zu machen (herrlich, wie sie die spitzen Kiekser der Mansfield imitiert und auf hohen Hacken mit Tippelschritten durchs Büro stöckelt), er kann kaum noch die Straße überqueren, ohne von hysterischen Teens verfolgt zu werden, und in der Chefetage seiner Firma angelangt, stellt er fest, dass das alles nicht das ist, was er eigentlich wollte. Das ist zugegebenermaßen alles nicht neu, von Tashlin (der das Drehbuch nach einem Bühnenstück selbst adaptierte) aber so dicht gewoben, von den Darstellern, allen voran Jayne Mansfield und Tony Randall, so brilliant gespielt, dass man bereit ist WILL SUCCESS SPOIL ROCK HUNTER? seine „Lebe dein Leben!“-Botschaft wirklich abzunehmen. Mit seinem Thema von Konditionierung und Verführung durch Werbung ist Tashlins Film auch heute noch erstaunlich zeitgemäß. Erstaunlich, wie wenig sich das Spiel von Publicity und Showmanship in den letzten 50 Jahren tatsächlich verändert hat. Als Sahnehäubchen obendrauf gibt es einen kurzen Gastauftritt von Groucho Marx als Ritas ewige Flamme George Schmidlapp. Essenziell!

Dass Frankreich über eine lange Tradition des Gangster- und Crime-Films verfügt, ist kein Geheimnis. Altmeister Jean-Pierre Melville trat in den späten Vierzigerjahren das Erbe amerikanischer Gangsterflicks und des Film Noir an und formte aus den Zutaten ein „Kino der Leere“, das unter anderem John Woo zu seinem Heroic-Bloodshed-Kino inspirierte. Andere Protagonisten des „Polar“, um einen anderen Fachbegriff zu streuen, waren u. a. Henri Verneuil oder Jacques Deray, aber natürlich auch die Protagonisten der Nouvelle Vague: Claude Chabrol, Francois Truffaut, Claude Sautet und andere. Diese große Krimi-Tradition, die auch international einige Wirkung hinterließ, setzt sich heute leider abseits der großen Leinwände und der Aufmerksamkeit der Massen fort. Doch das Aufspüren dieser Titel lohnt sich: Ein Meisterstück des gegenwärtigen Gangsterfilms hat etwa Frédéric Schoendoerffer mit TRUANDS abgelegt, das unter dem Titel CRIME INSIDERS nun in Deutschland auf DVD vorliegt. Auf F.LM kann man meine Rezension zu diesem herausragenden Genrebeitrag lesen, den ich hier noch einmal ausdrücklich empfehlen möchte. Klick hier.

Endlich habe ich es mal wieder geschafft, eine Rezension zu schreiben, bevor mir der Stapel noch abzuarbeitender DVDs noch über den Kopf hinaus wächst. Auf F.LM kann man hier meinen Text zu den ersten beiden Veröffentlichungen aus der neu erscheinenden Reihe „Der phantastische Film“ lesen. e – m – s hat die britische Verfilmung der Lovecraft-Story „Träume im Hexenhaus“ mit dem schönen Titel DIE HEXE DES GRAFEN DRACULA mit Christopher Lee, Boris Karloff, Barbara Steele und Michael Gough sowie den obskuren Vampir-/Mad-Scientist-Film DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN HÄNDEN ausgegraben und in hübschen Editionen veröffentlicht. Zugreifen lohnt sich.

Der Musikagent Tom Miller (Tom Ewell) wird von dem ehemaligen Gangsterboss Fats Murdock (Edmond O’Brien) engagiert, um dessen Geliebte, die betörende Jerri Jordan (Jayne Mansfield), zum Star zu machen. Nachdem Tom mit ihr bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen hat und die Saat für weitere Schandtaten bereitet hat, muss er feststellen, dass Jerri überhaupt nicht singen kann und auch überhaupt kein Interesse daran hat, berühmt zu werden. Dafür wächst das gegenseitige Interesse aneinander aber ins Unendliche. Der Ärger ist vorprogrammiert.

Grandios! Viel mehr gibt es zu dieser fabelhaften Komödie von Frank Tashlin eigentlich nicht zu sagen. Schon die Eröffnung mit der „Einstellung“ des Bildformats und der Farbe sowie des Tons ist ein gelungener Auftakt, auf den Tashlin ein in dieser Form sicherlich einmaliges Gag- und Musikfeuerwerk folgen lässt. Die witzigsten Szenen hat eindeutig O’Brien als vulgärer und cholerischer Gangsterboss abbekommen, der seine Knasterfahrungen in zahlreichen schwachsinnigen Songtexten festgehalten hat und am Schluss seinen idiotischen Hit „Rock around the Rock Pile“ intonieren darf. Aber auch Tom Ewell, der nur ein Jahr zuvor in THE SEVEN YEAR ITCH den Reizen der Monroe hilflos ausgeliefert war, und sich  sich hier nun der nicht weniger beeindruckenden Mansfield gegenüber sieht, die als Jerri Jordan so viel lieber Hausfrau wäre, anstatt Popstar zu werden, darf sein komisches Talent voll ausspielen. Die Überraschung des Films war für mich aber eindeutig Frau Mansfield, die ich eher als Sternchen mit üppigem Dekolleté und makabrem Abgang (siehe CRASH) abgeheftet hatte, die hier aber einiges an schauspielerischem Geschick offenbart und vor allem unendlich sympathisch wirkt. Abgerundet wird dieser Augenschmaus von einem Film – man wird fast berauscht von den kräftigen Farben, in die Tashlin seine Sets und Schauspieler hüllt – durch die Gastauftritte zahlreicher seinerzeit populärer Rock’n’Roller und Musikstars wie etwa Little Richard, Fats Domino, Gene Vincent, Julie London, Eddie Cochran, Eddie Fontaine, The Platters und vielen anderen. Frank Tashlin offenbart sich einmal mehr als echtes Komödiengenie, dessen Animationsvergangenheit ihn in der Rezeption leider immer etwas einseitig abstempelt. Ständig wird das Cartooneske seiner Komödien betont, seine Bildkompositionen damit zum reinen Gimmick herabgewürdigt, ganz so, als sei Film keine Kunstform, in der die Visualität im Vordergrund stünde. Mit THE GIRL CAN’T HELP IT beweist er durchaus noch einiges mehr: Ein herausragendes Timing und ein beachtliches Einfühlungsvermögen. Riesenfilm! Meisterwerk! Ansehen! Sofort!