bob le flambeur (jean-pierre melville, frankreich 1956)

Veröffentlicht: April 23, 2008 in Film
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Vor 20 Jahren hat Bob (Roger Duchesne) sein letztes großes Ding gedreht und ist dafür in den Bau gewandert. Heute ist er geläutert, auch wenn er aufgrund seiner Spielsucht chronisch klamm ist. Mit einem groß angelegten Coup wollen er und seine Kumpels sich noch einmal richtig die Taschen vollmachen: Ein Casino soll ausgeraubt werden. Doch natürlich kommt alles ganz anders …

Melvilles fünfter Spielfilm entstand aufgrund finanzieller Schwierigkeiten über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Dies im Hinterkopf kann man nicht anders als staunen, denn BOB LE FLAMBEUR wirkt atmosphärisch ungemein homogen. Wie man es von Melville kennt ist auch dieser Film nicht unbedingt plot-, sondern vor allem stimmungsorientiert: Die wunderschöne Schwarzweiß-Fototgrafie von Nouvelle-Vague-Stammkraft Henri Decae verortet den ganzen Film im Zwielicht zwischen Tag und Nacht, jener Zwischenwelt, in der die Getriebenen nach Halt suchen, jedoch immer nur wieder ins Leere greifen. Dort, im Vergnügungsviertel Montmartre, lernt Bob ein junges Mädchen kennen. Was sie mitten in der Nacht in dieser Gegend zu suchen habe, fragt er sie, ganz so, als ob er sie auch vor Leuten wie ihm warnen wolle. Doch er nimmt sie mit zu sich nach Hause, wo er ihr seine Slot Machine zeigt, die er in einem Wandschrank stehen hat, und ihr von seinem Vermögen erzählt, das er gar nicht besitzt. Bob ist ein Verlierer, obwohl er alles andere als dumm ist. Aber das Glücksspiel kennt keine Intelligenz. Und als er dann endlich einmal die Glückssträhne hat, auf die er seit Jahren gewartet hat, besiegelt sie auf ganz andere Art und Weise sein Schicksal. Man erkennt in BOB LE FLAMBEUR viele Elemente etwa von LE DOULOS wieder: die Freundschaft zwischen Cop und Gangster, die verräterische Frau, Kumpels und zwielichtige Gesellen, denen man nicht trauen darf, und immer wieder die nächtlichen Straßen und vollgequalmten Hinterzimmer, in denen Männer ihr letztes Hemd beim Kartenspiel verzocken. Was diesen frühen von späteren Melvilles unterscheidet, das ist die Hoffnung, die hier noch irgendwie greifbar scheint. Zwar tappt Bob auch am Ende wieder in die Falle, weil er nunmal der ist, der er ist, doch sein Traum bleibt. Später, etwa in LE CERCLE ROUGE, gibt es auch diesen Traum nicht mehr, geht alles nur noch um die Erfüllung der Rollen, das Spielen des Spiels um des Spiels Willen, ohne jegliche Freude und echte Ambition. Während durch die Adern von Delons Corey Trockeneis fließt, ist Bob ein Mann von Fleisch und Blut, mit Ängsten und Wünschen: Auch deshalb wirft er stets eine Münze mit zwei identischen Seiten.

Kommentare
  1. Ich bin ein Melville fan.

    TV5 French channel jetz 23:37 gucke ich in die roehre.
    „Bob Le Flambuer“

    c’est le vrai cinema. JP Melville

    Ciao Gruessen

    Bangkok Rocks Hanoi Shakes

  2. […] der das hier skizzierte Bild in seinen Filmen nur noch ausarbeiten musste – speziell BOB LE FLAMBEUR als auch LE DOULOS sind ohne GRISBI eigentlich kaum denkbar, aber auch sein „Spätwerk“ […]

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