the shootist (don siegel, usa 1976)

Veröffentlicht: April 23, 2008 in Film
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Der alternde Revolverheld John B. Books (John Wayne) reitet im Jahr 1901 nach Carson City, um sich dort von seinem Freund Dr. Hostetler (James Stewart) eine Krebsdiagnose bestätigen zu lassen. Mit der Aussicht, nur noch wenige Wochen übrig zu haben, mietet er sich bei der Witwe Bond Rogers (Lauren Bacall) ein. Doch die Anwesenheit einer Wildwest-Legende sorgt für Wirbel in Carson City: Halunken und Taugenichtse sehen ihre Chance gekommen, in die Geschichte einzugehen, weniger Hartgesottene wollen wenigstens etwas Geld aus der Situation pressen, für den um den Ruf seiner Stadt besorgten Sheriff kann Books gar nicht schnell genug den Löffel abgeben. Aber in Books reift mehr und mehr die Idee, sein legendenumwobenes Leben angemessen zu beenden …

Der Spätwestern erzählt ja nicht nur vom Ende einer Epoche, sondern meist auch vom Ende eines Genres, ist somit fast immer auf einer Metaebene angesiedelt. Aber längst nicht in allen Spätwestern wird das so augenfällig wie in Don Siegels THE SHOOTIST, der den Niedergang des Mythos vom Wilden Westen mit dem Ende des wohl berühmtesten Westerndarstellers überhaupt parallel schaltet. John Wayne, drei Jahre vor seinem Tod und schwer gezeichnet vom Magen- und Lungenkrebs, bekommt für seinen letzten Film nicht weniger als ein Denkmal von Siegel errichtet. Der sonst so sachlich-ökonomisch inszenierende Regisseur, der die Grenze zur Kaltschnäuzigkeit mit THE BLACK WINDMILL haarscharf überschritten hatte, ist hier kaum wiederzuerkennen. THE SHOOTIST ist sehr introspektiv und von einem ebenso feinen wie leicht bitteren Humor durchzogen, statt eines klar zu skizzierenden Plots, gibt es lediglich eine Ausgangssituation, die Siegel dann in allen Fassetten ausleuchtet. Nur der Auftakt – eine wunderschöne und immens knackige Montage-Sequenz aus alten Wayne-Filmen, die das Leben von Books illustrieren soll – und der Showdown – Books letztes Duell in einem Saloon – lassen Siegels Handschrift deutlich erkennen. Sonst besticht THE SHOOTIST weniger durch seine Stringenz und Spannungsdramaturgie, sondern eher durch seine Liebe zum Detail und seine Wärme: Man merkt zu jeder Sekunde, wie wichtig den Beteiligten dieser Film war, der dann auch mit zahlreichen spannenden Beobachtungen, Verzeichnungen und Bezügen glänzen kann: Der aus dem Nichts kommende mythische Cowboy aus THE SEARCHERS wird hier in seine sterbliche Hülle zurückgeworfen, der technische Fortschritt wieder einmal mit dem Rückfall in die Barbarei bezahlt, das Volk dürstet nach „wahren“ Geschichten über Mord und Totschlag, auch wenn diese erstunken und erlogen sind, andere feiern sich darauf (und werden dafür gefeiert), jemanden aus 20 Metern erschossen zu haben. Und inmitten dieses Wahnsinns unternimmt Books eine Kutschfahrt mit Bond zwischen den herbstlichen Bäumen am Ufer eines Sees. Frieden.

Es gäbe sicherlich noch so viel mehr zu sagen zu diesem wunderbaren und anrührenden Film, aber vielleicht sollte man ihn sich besser selbst ansehen. Seine Essenz kann man nur schwerlich in Worte fassen. Und worüber man nicht reden kann …

Kommentare
  1. Mr. Majestyk sagt:

    Pure Kinopoesie.
    Für mich der schönste letzte Film, den je ein Star gemacht hat.
    Ein perfekter Abgang.

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