the vikings (richard fleischer, usa 1958)

Veröffentlicht: Mai 29, 2008 in Film
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Dies ist mein dritter Anlauf, einen Text zu Fleischers Monumentalfilm zu schreiben, der ihm gerecht wird. Nach zwei gescheiterten, nach herkömmlichem Muster strukturierten Versuchen, habe ich nun beschlossen mich dem Film zu nähern, indem ich die Inhaltsangabe, an der ich zuvor immer gescheitert war, einfach wegzulassen. Warum? Zum einen ist die Story von THE VIKINGS zwar nicht übermäßig komplex – es geht um die üblichen Zutaten wie etwa verlorene Söhne, unerwiderte Liebe, unbändigen Hass, Eifersucht, Ehre und Familienzwist -, aber dennoch wendungsreich und breit genug, um alle Bemühungen, eine knappe Zusammenfassung zu schreiben, zu einer Aufgabe herkulischen Ausmaßes anwachsen zu lassen.

Dabei kommt es auf den Inhalt von THE VIKINGS nun wirklich erst in zweiter Instanz an. Denn auch wenn die spartanischen und kargen Settings und Bauten dem finsteren Mittelalter, in dem der Film angesiedelt ist, perfekt entsprechen und von allem Pomp befreit sind, verkörpert er doch perfekt das, was man unter dem Begriff „Monumentalfilm“ zu fassen sucht. THE VIKINGS ist zu allererst ein Bilderrausch. Kameralegende Jack Cardiff fängt die urwüchsige Landschaft Norwegens in prachtvollen, mythisch aufgeladenen Bildern ein, bei denen man oft den Eindruck hat, sie seien tatsächlich durch die Zeit hindurch gefilmt worden. Er langweilt nicht mit nüchterner Authentizität und Faktentreue, vielmehr liegt immer ein leichter Schleier über den Bildern und verwischt die Grenze zwischen Historie und Mythos. Die vier Hauptrollen werden von den Stars Kirk Douglas, Tony Curtis, Janet Leigh und Ernest Borgnine weniger gespielt denn vielmehr verkörpert und vor allem in Kirk Douglas‘ von den Maskenbildnern überzeugend verunstaltetem Gesicht offenbart sich Fleischers Strategie des „totalen Bildes“: Nach der Attacke eines Falken trägt er ein blindes Auge und eine imposante, quer über das Gesicht laufende Narbe zur Schau. In diesem Gesicht spiegelt sich nicht nur die zerklüftete Topologie seiner Heimat und sein gespaltener Charakter – tapferer Krieger auf der einen, unbesonnener Heißsporn und Gewalttäter auf der anderen -, es belegt auch, dass Douglas als Schurke noch um einiges eindrucksvoller wirkt als als strahlender Held.

THE VIKINGS war relativ erfolgreich, initiierte sowohl eine Fernsehserie als auch ein italienisches Rip-off namens GLI INVASORI, das vom Low-Budget-Visionär Mario Bava inszeniert wurde. Während es Bava in seinen Filmen meist gelang, mittels kreativer Kameraarbeit und fantasievoller Beleuchtung enorm wenig nach enorm viel aussehen zu lassen, fällt seine „Hommage“ allerdings deutlich weniger pompös aus als das Original. Wer Bava kennt, weiß, dass das eine unmissverständliche Empfehlung für Fleischers Film ist.

EDIT: September 2011: Ich habe THE VIKINGS erneut gesehen. Der neue Text findet sich hier.

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