taking lives (d. j. caruso, usa 2004)

Veröffentlicht: Juni 29, 2008 in Film
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Im Urlaub, wenn die heimische DVD-Sammlung unerreichbar ist und lediglich die zweifelhaften Verlockungen des Fernsehprogramms zur Verfügung stehen, senkt man ja schon einmal die Ansprüche und schaut sich Filme an, um die man sonst einen großen Bogen gemacht hätte. Im besten Fall erlebt man eine positive Überraschung, nicht selten bestätigt sich jedoch der Verdacht, den man schon vorher hegte. TAKING LIVES, den ich bisher eigentlich noch recht wohlwollend als „unwichtig, aber ansehbar“ vorverurteilt hatte und der nach einer Fußball-Übertragung lockte, ist mit dieser Einschätzung aber eindeutig zu gut weggekommen, wie ich schmerzvoll erfahren musste.

In den USA geht seit nunmehr fast drei Jahrzehnten ein Serienmörder um. Sein Trick: Er nimmt die Identität seines jeweiligen Opfers an und verwischt so seine Spuren. Jetzt scheint er in Montreal zugeschlagen zu haben, wo die toughe FBI-Profilerin Ileana (Angelina Jolie) ermittelt. Der Geschäftsmann Costa (Ethan Hawke) hat den Mörder wie es scheint auf frischer Tat ertappt, ist aber mit dem Leben davongekommen. Wenig später wird sein Geschäft überfallen: Hat der Killer ihn sich als sein nächstes Opfer auserkoren? Ileana setzt Costa als Lockvogel ein, doch natürlich kommt alles ganz, ganz anders …

… und gerade deshalb so vorhersehbar. Schon die Credits enttarnen TAKING LIVES als unbeholfenen SEVEN-Rip-Off, der zwar mit slicken Bildkompositionen aufwartet, aber ansonsten biedersten Kintopp bietet, der sich von ramschigen DTV-Thrillern nur durch das hohe Budget und die großen Namen unterscheidet und der Vergessenheit überantwortet wird, sobald er aus dem Kino verschwunden ist. TAKING LIVES verkörpert all das, was man allgemein meint, wenn man pejorativ von „Hollywood“ spricht: professionell gefertigte Dutzendware ohne Anspruch, Inspiration und Ambition, die 90 Minuten unterhält, dabei aber nicht zu sehr einnimmt, und möglichst wenig mit der Welt, aus der sie stammt, zu tun hat. TAKING LIVES ist ein Film, wie aus dem Dahl’schen Schreibcomputer. Schon der Blick auf die Darsteller und ihre Rollenprofile lässt einen den Handlungsverlauf haargenau vorhersagen: Jolie ist die Heldin, Hawke der männliche Hauptdarsteller, dessen Name zu groß ist, als dass er tatsächlich nur den Hautzeugen spielen würde und der deshalb unschwer als Mörder zu erkennen ist, was sich natürlich erst nach einer Liaison mit der Heldin herausstellt, die wiederum nur Anlass ist, der sparsam eingesetzten Gewalt den sparsam eingesetzten Sex zur Seite zu stellen. Kiefer Sutherland – dessen Jack-Bauer-Gesicht und sein Ruf als enfant terrible ihn als Psychopathen geradezu prädestinieren – ist seinerseits nur dazu da, eine falsche Fährte zu legen: Doch selbst dieser vermeintliche Clou ist billigstes Drehbuchklischee, tausendfach erprobt und deshalb so spontan wie ein Fahrplan.

TAKING LIVES erfordert keinerlei kognitive Leistung und noch nicht einmal ein funktionierendes Kurzzeitgedächtnis. Was passiert, wird schon in der nächsten Szene keine Rolle mehr spielen. Und wenn doch, kann man sich darauf verlassen, dass man per schicker Rückblende noch einmal daran erinnert wird. Filme wie dieser scheinen ja auch in einem Paralleluniversum zu spielen, in dem alles immer auf die denkbar blödeste Art und Weise passiert: Die Superprofilerin erstellt das ihn von jedem Verdacht reinwaschende Persönlichkeitsprofil Costas – der immerhin potenziell ein perfide planender Serienmörder sein könnte – anhand seiner schockierten Reaktion auf ein blutiges Mordwerkzeug und der Tatsache, dass er die falsche Hand benutzt; und jener hoch intelligente Costa, der am Ende nach seiner erfolgreichen Flucht minutiös den Niedergang (Entlassung, Hütte im Schnee, Teekessel auf dem Gasherd) der einst so erfolgreichen FBI-Beamtin verfolgt, fällt doch tatsächlich auf eine Schwangerschaftsbauch-Plastikpotese herein, die sich die geile Jolie unters Wams geschnallt hat und mit der sie ihm suggerieren möchte, der Vater ihrer Leibesfrucht zu sein. Es ist wirklich erstaunlich, dass ein Film, bei dem es doch einzig um das effektive Funktionieren geht, so schlampig ist. Aber wahrscheinlich ist es tatsächlich so, dass bei Produkten dieser Art nur die polierte Oberfläche zählt: Das ewig schmollende Lustmaul der Jolie, ihre kurz freigelegten und perfekt ausgeleuchteten Milchdrüsen leisten wahrlich den Großteil der Arbeit. Sie ist wahrlich jeden Pfennig ihrer Gage wert.

PS Dass Filme nicht immer dort gedreht werden, wo sie spielen, ist bekannt und nicht weiter schlimm. Wenn man allerdings mit dem Chateau Fontenac ausgerechnet das Wahrzeichen von Quebec ins Bild rückt und auf der Tonspur beharrlich von Montreal schwadroniert ist das schon etwas sehr billig. Ein New-York-Film wartet schließlich auch nicht mit Panorama-Aufnahmen der Golden Gate Bridge auf.

PPS Ist es nicht lachhaft, dass ein Film, der sich einen Scheißdreck um Glaubwürdigkeit und Plausibilität schert (Profilerin Jolie sollte mit der THE CELL-Psychologin J. Lo eine Gemeinschaftspraxis eröffnen), dann Tcheky Karyo und Jean-Hugues Anglade in nutzlosen Nebenrollen aufbietet, um Montreal das nötige frankokanadische Flair zu bescheren?

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