schwejks flegeljahre (wolfgang liebeneiner, österreich 1963)

Veröffentlicht: Juli 13, 2008 in Film
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Josef Schwejk (Peter Alexander) vertrödelt sein Leben: Er verkauft streunende Hunde und lebt in den Tag hinein, was seinem Vater, einem Fleischer gar nicht gefällt. Lieber sähe er seinen Sohn in der österreichisch-ungarischen Armee, die ja auch aus ihm einen „echten Mann“ gemacht hat. Josef hat nur wenig Verständnis für Geschrei, bedingungslosen Gehorsam und dafür, sich von „Feinden“ totschießen zu lassen, gegen die er doch gar nichts hat. Trotzdem landet er bald schon in der Kaserne – und schlägt sich mit einer Mischung aus Glück und Bauernschläue durch …

Die Bedeutung, die dem unvollendeten antimilitaristischen und -autoritären Roman „Der brave Soldat Schwejk“, von Jaroslav Hasek zwischen 1921 bis 1923 verfasst, in der Tschechoslowakei zukommt, ist von außen sicher schwer ein-, aber dennoch wohl kaum zu überschätzen. In der Zeit des Prager Frühlings wurde der Schwejk, der sich moralisch nicht immer ganz einwandfrei, aber dennoch stets erfolgreich gegen die Schikanen der Obrigkeiten behauptete, zum wichtigen Symbol des Widerstands. Auch in Liebeneiners Verfilmung von 1963 (1960 hatte Heinz Rühmann den Schwejk in Axel von Ambessers DER BRAVE SOLDAT SCHWEJK gespielt) tritt dieser satirische Zug deutlich zu Tage – Liebeneiner hat sich des Stoffes in den frühen Siebzigerjahren nocheinmal für eine Fernsehserie bedient, die als beste Umsetzung des Romans gilt. Peter Alexander brilliert mit böhmischem Akzent als gutmütiger Schelm, der die Impertinenz der Militärs mit seiner dümmlich-naiven Art fast sokratisch auszuhebeln versteht. Den Schikanen der Vorgesetzten begegnet er mit einer Engelsgeduld, die ihm schon nach kurzer Zeit Arrest einbringen, den er sinnvoll für erfolgreiche Tarock-Partien mit seinem Freund Loschek (Gunther Philipp) nutzt. Seine freundlich-zuverlässige Art weckt schließlich die Aufmerksamkeit Oberleutnant Gustls (Erwin Strahl), der Schwejk als persönlichen Diener einstellt. In Gustls Wohnung gehen die Frauen ein und aus, unter anderem auch das Stubenmädchen Anna (Lotte Ledl), deren Herz Schwejk erobert, die ihn dann aber mit Loschek betrügt. Trotz des Images seines Stars nimmt das romantische Element nie überhand, gehört das Hauptinteresses des Films der amüsanten Bloßstellung der K.U.K.-Autoritäten, die als steife, lebensferne Schreihälse und Menschenschänder gezeichnet werden. Das Militär ist ein Ort, an dem der kleine Mann stets der Verlierer sein muss, während die Vorgesetzten den Ruhm ernten: Als Schwejk bei einer Übung einen Esel und ein Maschinengewehr von den Italienern erbeutet, wird er strafversetzt, Major Hruschkovic (Rudolf Prack) darf sich hingegen einen Orden für den spekatkulären Waffenfang ans Revers heften. Am Ende steht endlich die von allen Beteilgten ersehnte Entlassung Schwejks aus dem Militärdienst, nachdem er eine Munitionsbaracke pünktlich zu dem Zeitpunkt in die Luft gejagt hat, in dem ein General zur Inspektion auftaucht. Auch in dieser Inkarnation, als recht braves Lustspiel, das seinem Star einige Gelegenheit gibt, seine gut geölten Stimmbänder schwingen zu lassen, und das auch die nostalgischen Gefühle eines österreichischen Publikums beschwört, das der „guten alten Zeit“ um Kaiser Franz Josef I. nachtrauert, sollte man die treffende Satire und Kritik von SCHWEJKS FLEGELJAHRE nicht unterschätzen. Eine durch und durch positive Überraschung.

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