breakin‘ (Joel Silberg, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 20, 2008 in Film
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Kelly (Lucinda Dickey) quält sich in L. A. durch den Tanzkurs des arroganten Franco (Ben Lokey), ohne jedoch den angestrebten Erfolg bei einer Audition zu erzielen. Als sie die beiden Street Dancer Ozone (Adolfo Quinones) und Turbo (Michael Chambers) trifft, die mit großer Leidenschaft und Energie bei der Sache sind, ist sie sofort begeistert. Sie tut sich mit den beiden zusammen und überzeugt ihren Agenten James (Christopher McDonald) davon, ihnen einen Platz bei einem Vortanzen zu verschaffen. Doch die Vorurteile gegen die Tänzer von der Straße sind groß …

Als Breakdance im Zuge der Hip-Hop-Bewegung zum Modetanz der frühen Achtziger wurde, war klar, dass Menahem Golan und Yoram Globus Kapital aus diesem Trend schlagen mussten. Tatsächlich ist BREAKIN‘ einer der erfolgreichsten Filme, den die umtriebige Cannon produzierte. Genauer: Es ist einer der wenigen Filme des Studios, der schon während seines Kinoeinsatzes Gewinn abwarf. Dies ist jedoch weniger auf Silbergs Film selbst zurückzuführen als darauf, dass die Cannon mit BREAKIN‘ genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren – und verglichen mit späteren Megaflops wie COBRA keinen Superstar finanzieren mussten. BREAKIN‘ bedient sich einer sehr gängigen Dramaturgie, hakt die klassischen Eck- und Wendepunkte ab und verlässt sich ansonsten ganz auf das, was die Menschen damals wohl dazu veranlasste, sich diesen Film anzuschauen: die Tanzszenen, die dann auch allesamt erstklassig sind. Zwar nutzt sich der Breakdance-Stil über die Länge von 85 Minuten etwas ab, dennoch kommt ob des hohen Tempos nie echte Langeweile auf. Aus heutiger Perspektive trägt der Nostalgiebonus entscheidend zum Erfolg bei: Die Musik bietet viele Discohits aus den frühen Achtzigern (etwa Rufus‘ und Chaka Khans „Ain’t Nobody“ oder Al Jarreaus „Boogie Down“) sowie den typischen Electro Funk, zu dem die Tänzer agieren, und in zwei der großen Tanzszenen fungiert ein jugendlicher Ice-T als Rapper. Dass BREAKIN‘ zwar innerhalb der Hip-Hop-Szene immer wieder aus komplettistischen Gründen Erwähnung findet, jedoch längst nicht den Status eines WILD STYLE oder KRUSH GROOVE einnimmt, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass BREAKIN‘ kein idealistisch geprägtes Werk eines Überzeugungstäters, sondern von einem Außenstehenden (Silberg hatten Golan und Globus aus Israel mitgebracht) knallhart kalkuliertes Kommerzprodukt ist, aber auch und nicht zuletzt darauf, dass Silbergs Film fast als Schwulenfilm durchgeht, womit er in der homophoben Hip-Hop-Welt naturgemäß einen schlechten Stand hat. Während die adrette Kelly immer züchtig bedeckt ist, offenbaren die männlichen Tänzer in ihren engen Hosen doch mehr als nur einen flüchtigen Blick auf ihre goods, das Imponiergehabe während der Tanz-Battles mutet immer etwas affektiert und weibisch an. Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt: Die zur Schau getragene Mode ist ein echtes Spektakel und eines der Highlights des Films. Hundehalsbänder, Stulpen, Halstücher, zerrissene T-Shirts, fingerlose Handschuhe und lustige Hüte sind schon nicht mehr als Accessoires zu bezeichnen, so lustvoll dominieren sie die Outfits. Das lässt sich resümierend auf den ganzen Film übertragen, dessen routiniert-uninspirierter Kern durch die Verpackung bestimmt und entscheidend aufgewertet wird.

Kommentare
  1. […] Quinones) und Turbo (Michael Chambers) mit ihrem Musical „Street Jazz“ am Ende von BREAKIN’ geerntet haben, ist verflogen. Die beiden Breakdancer engagieren sich nun in dem Jugendheim […]

  2. […] der Mailorder nicht im Stich lässt – demnächst fortgesetzt: Die Klassiker WILD STYLE sowie BREAKIN’ und BREAKIN’ 2: ELECTRIC BOOGALOO sind bestellt, außerdem werde ich mit dem abominablen […]

  3. […] und dann schließlich psychische Probleme mit der Hauptdarstellerin aus dem Cannon-Erfolgsfilm BREAKIN’, die mit ihrer dunklen Lockenpracht als auch ihrem handfesten Malocherjob Assoziationen zu Jennifer […]

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