breakin‘ 2: electric boogaloo (sam firstenberg, usa 1984)

Veröffentlicht: Juli 23, 2008 in Film
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Der Ruhm, den Kelly (Lucinda Dickey), Ozone (Adolfo Quinones) und Turbo (Michael Chambers) mit ihrem Musical „Street Jazz“ am Ende von BREAKIN‘ geerntet haben, ist verflogen. Die beiden Breakdancer engagieren sich nun in dem Jugendheim „Miracles“ für jugendliche Unterprivilegierte, während Kelly auf Geheiß ihrer wohlhabenden Eltern versucht, eine seriöse Tanzkarriere einzuschlagen, auf die sie aber eigentlich keine rechte Lust hat. Als sie ihre Freunde im „Miracles“ besucht, beschließt sie, den beiden bei ihrer Arbeit zu helfen. Denn Probleme bahnen sich an: Die Stadt erklärt das Gebäude als unsicher und will es an einen herzlosen Baulöwen verkaufen, wenn es der Belegschaft nicht gelingt, das Geld für die notwendige Renovierung aufzubringen. Alle Kräfte werden gegen die herrschenden Vorurteile mobilisiert …

Nach dem Erfolg von BREAKIN‘ ließ das Sequel nicht lang auf sich warten. Golan und Globus wussten: Die Geldsegen versprechende Breakdance-Kuh wollte gemolken werden, solange sie noch Milch gab.  So erschien BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO schon ein knappes halbes Jahr nach dem Vorgänger, konnte den Überraschungserfolg aber nicht annähernd wiederholen, spielte weltweit nicht einmal die Hälfte des Gewinnes des ersten Teils ein (der, das muss man sich heute erst einmal auf der Zunge zergehen lassen, sogar einen Klassiker wie THE TERMINATOR an der Kinokasse schlug und am Ende des Jahres 1984 Platz 18 in der US-amerikanischen Kinoauswertung belegte). Sucht man nach Gründen für das einbrechende Interesse, bieten sich gleich mehrere Erklärungen an. So neigte sich der Breakdance-Wahn Ende ’84 bereits seinem Ende zu, war der Mainstream-Konsument von dem nicht eben besonders variabel erscheinenden Tanzstil, der noch kurz zuvor der heißeste Scheiß gewesen war, schon wieder gelangweilt. Und wer weiß schon, ob die Menschen, die für BREAKIN‘ eine Karte gelöst und den Film zum Erfolg gemacht hatten, überhaupt so begeistert waren, dass sie auch das Sequel unbedingt mit ihrem Besuch beehren mussten? Angesichts des doch eher hausbackenen Films durften an dieser Annahme berechtigte Zweifel bestehen.

Aber auch filmimmanent lassen sich durchaus Anhaltspunkte für das Scheitern von BREAKIN‘ 2 finden: War schon BREAKIN‘ mit seiner reichen weißen Heldin, der braven Handlung, der kommerziell-domestizierten Ausrichtung und seiner deutlich an die Schwulenbewegung appellierenden Obertöne nicht gerade der ideale Repräsentant für eine von der Straße kommende Macho-Kultur, so löst sich BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO nun fast vollkommen von seinen Wurzeln. Wo im Vorgänger kleine Tanzeinlagen dominierten, die Handlung in diesen ihre zentralen Wendepunkte hatte und somit der Tanz selbst thematisiert wurde, trägt das Sequel deutlich musicaleskere Züge: Hier wird Handlung getanzt und zwar in großen, ausufernden Massenszenen und schrillbunten Kostümen. Scheinbar vertraute man im Hause Cannon (zu Recht) nicht mehr allein auf die Zugkraft des Modetrends, dem BREAKIN‘ 2 gewidmet war. Es musste alles größer, greller und noch massentauglicher sein. So wird Kelly und Ozone noch eine Liebesgeschichte angedichtet, die jedoch nie wirklich Erfüllung findet. Man hat den Eindruck, die Filmemacher hätten selbst nicht recht an die Möglichkeit dieser (Rassengrenzen überschreitenden) Liebe geglaubt, so wenig überzeugend ist sie im fertigen Film realisiert. Ähnlich verhält es sich mit den Konflikten zwischen Kelly und ihren Eltern, Ozone und Kellys Vater, dem Aufeinanderprall von Arm und Reich generell: Vieles wird angedeutet und aufgebaut, aber nur wenig ein- oder befriedigend aufgelöst. Die meiste Energie ist unübersehbar in die Choreografien geflossen, die dann auch recht ansehnlich geworden sind und aufgrund ihrer gleichmäßigen Verteilung über den Film für Kurzweil sorgen. Für die beste Szene des Films, in der Turbo in seinem Zimmer die Wände rauf und runter und an der Decke entlangtanzt, hatte man sich das drehbare Zimmer vom Set von A NIGHTMARE ON ELM STREET ausgeliehen und somit ein spektakuläres Gimmick zu bieten. Aber es ist eben auch dieses Eventhafte des Films, das ihm letztlich jegliche Credibility raubt, die sein Vorläufer zumindest teilweise hatte.

Regisseur Sam Firstenberg, der im Anschluss an BREAKIN‘ 2 eine beispiellose Karriere als Action-Trash-Lieferant startete, die bis in die Neunzigerjahre reichte (u. a. zeichnete er verantwortlich für AMERICAN NINJA 1 & 2, AVENGING FORCE, DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME, AMERICAN SAMURAI und CYBORG COP 1 & 2), kann man indes keinen Vorwurf machen. Er liefert ansprechende Arbeit ab und ist letztlich Opfer äußerer Umstände. BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO ist somit auch ein recht deutliches Beispiel dafür, was mit Underground-Trends passiert, wenn sie vom Mainstream absorbiert werden: Sie sterben. Daran kann auch ein erneuter Auftritt von Ice-T als Rapper im Manowar-Outfit nichts ändern.

Kommentare
  1. […] im Stich lässt – demnächst fortgesetzt: Die Klassiker WILD STYLE sowie BREAKIN’ und BREAKIN’ 2: ELECTRIC BOOGALOO sind bestellt, außerdem werde ich mit dem abominablen Dipset-/Cam’Ron-Vehikel KILLA […]

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