the flesh and blood show (pete walker, großbritannien 1972)

Veröffentlicht: Juli 27, 2008 in Film
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Eine Gruppe von Schauspielern wird von der so genannten Theater Group 40 engagiert. Die Proben finden in einem verlassenen alten Theater auf dem Pier des verschlafenen Küstenstädtchens Eastcliff statt. Mit den miserablen Rahmenbedingungen finden sich die Schauspieler bereitwillig ab, doch dann beginnen die ersten von ihnen unter mysteriösen Umständen zu verschwinden  …

THE FLESH AND BLOOD SHOW: Der Titel knüpft zum einen an das Paradigma des Grand-Guignol-Theaters an, zum anderen scheint er die eigene Strategie auszudrücken. Die Handlung von Pete Walkers Film erinnert dann auch nicht wenig an die Slasherfilme, die ein knappes halbes Jahrzehnt später mit Carpenters HALLOWEEN populär werden sollten. Eine Gruppe von jungen attraktiven Protagonisten wird einer nach dem anderen ins Jenseits befördert, nachdem sie zuvor reichlich Gelegenheit bekommen hat, ihre nackten Körper zur Schau zu stellen. Nun muss man Walkers Film aber vorwerfen, zwar einiges an „flesh“, sprich: nacktes Fleisch, zu bieten, aber in puncto „blood“ die Erwartungen nicht annähernd erfüllen zu können. Dieses Missverhältnis legt den Schluss nah, dass sein Film eine vorsätzliche Mogelpackung ist. Wer Pete Walker Werk ab den mittleren Siebzigern kennt, der weiß, dass er den Horror meist aus realen, aber satirisch überspitzten Rahmenbedingungen zog und den Zuschauer mit einem ätzenden schwarzen Humor konfrontierte. Ob Rentner aufgrund prekärer sozialer Lage zu Kannibalen mutieren (FRIGHTMARE), verkalkte Konservative mittelalterliche Gefängnisse in der Provinz eröffnen (HOUSE OF WHIPCORD) oder bigotte Priester auf Mordtour gehen (HOUSE OF MORTAL SIN), die britische Gesellschaft kommt bei Walker selten gut weg. Der frühere THE FLESH AND BLOOD SHOW hat demgegenüber mit sozialer Relevanz wenig am Hut und bewandert eher postmodern-selbstreflexive Pfade, wie sie eigentlich erst 30 Jahre später im Horror-Mainstream Einzug hielten. Das beginnt bei der leichten Variation typischer Horrorfilm-Klischees – der Mann, der seine Freundinnen spät in der Nacht mit einem Messer in der Brust erschreckt, ist ein Horrorfilm-Darsteller, der seine Performance erprobt –, erstreckt über Film-im-Film-Passagen und merkwürdige Rückblenden und endet bei der puritanischen Motivation des Killers: Dieser ist ein alt gewordener Shakespeare-Darsteller, der seine ebenfalls schauspielende Gattin mit einem jungen Kollegen erwischte und seither von dem Wahn befallen ist, unzüchtige Schauspieler zu bestrafen. Das führt letztlich zu einer innerfilmischen Paradoxie, weil der „Saubermann“ des Films doch entscheidend zu dessen  Schundigkeit beiträgt. Leider hat Walkers Film mit ganz entscheidenden Mängeln zu kämpfen: THE FLESH AND BLOOD SHOW ist zum einen ungeheuer langatmig und langweilig und zum anderen zu preisgünstig, um die langen, uninteressanten Handlungspassagen mit dem Spekatkel auszugleichen, das er im Titel verspricht. Für den Walker-Komplettisten in der nun vorliegenden deutschen ungeschnittenen und restaurierten DVD-Veröffentlichung von e-m-s sicherlich Pflichtprogramm, dem dieser dann auch – wie ich hier – den ein oder anderen interessanten Aspekt abzugewinnen bereit ist. Das ändert aber nichts daran, dass THE FLESH AND BLOOD SHOW ein Langweiler von einigen Gnaden ist.

Wer sich mit Walkers Werk vertraut machen will, dem seien die folgenden Titel empfohlen (die Links führen zu meinen alten Tagebucheinträgen): FRIGHTMARE, HOUSE OF WHIPCORD, HOUSE OF MORTAL SIN, THE COMEBACK und DIE, SCREAMING MARIANNE.

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