the fortune cookie (billy wilder, usa 1966)

Veröffentlicht: Juli 27, 2008 in Film
Schlagwörter:, , ,

Der Kameramann Harry Hinkle (Jack Lemmon) wird während einer Football-Liveübertragung vom Spieler Luther „Boom Boom“ Jackson (Ron Rich) über den Haufen gerannt und erleidet eine Gehirnerschütterung. Sein Schwager, der zwielichtige Anwalt Willie Gingrich (Walter Matthau), sieht die Chance auf das große Geld: Er überredet Harry dazu Lähmungserscheinungen zu simulieren und so ein großes Schmerzensgeld zu erschwindeln. Als Köder fungiert Harrys Exfrau Sandy (Judy West), über die er nie hinweggekommen ist und die sich sofort auf den Weg zu ihm macht, als sie von seinem Unfall erfährt. Doch Harry fühlt sich mit dem Schwindel mehr und mehr unwohl, zumal der schuldbewusste „Boom Boom“ Jackson seine Karriere zugunsten seines „Opfers“ vollkommen vernachlässigt …

THE FORTUNE COOKIE gilt gemeinhin als echter Billy-Wilder-Klassiker, begründete zudem die erfolgreiche Filmpartnerschaft von Lemmon und Matthau, die bis in die späten Neunzigerjahre anhielt, und verschaffte letzterem seinen wohlverdienten Oscar. Insofern ist es wahrscheinlich Ketzerei, wenn ich gestehe, dass mir THE FORTUNE COOKIE zwar gefallen, mich aber keineswegs so umgehauen hat, wie ich das erwartet hatte. Eigentlich ist Wilders Film eher traurig als komisch, streckenweise ziehen einen der Schwindel von Gingrich und Hinkle, die berechnende Geldgier Sandys geradezu herunter, leidet man mit dem armen Footballspieler, der gar nicht weiß, das er einer Betrügerei aufsitzt. Natürlich ist das von Billy Wilder genauso intendiert: Nach dem locker-flockigen KISS ME, STUPID ist THE FORTUNE COOKIE wesentlich ernster, von einer ernst gemeinten Moralität durchzogen und schon ein Vorgeschmack auf das, was etwa mit dem grandiosen AVANTI! einige Jahre später folgen sollte. Vielleicht muss eine weitere Sichtung her, vielleicht ist eine falsche Erwartungshaltung Schuld, dass mich THE FORTUNE COOKIE etwas enttäuscht hat: Ich wollte einfach etwas anderes. Nach dem turbulenten Auftakt verlieren sich nämlich das Tempo, das Wilders Filme sonst immer vorlegen, ebenso wie der Witz zugunsten der Tragik und der Erkenntnis, dass die meisten Menschen vom Geld korrumpiert sind, alles dafür tun würden, um etwas vom Reichtum der anderen abbekommen zu können. Das ist ohne Zweifel höchst kunstvoll, bei aller thematischen Schwere unglaublich leichtfüßig inszeniert und das Zusammenspiel von Lemmon und Matthau ist einfach göttlich. Ein für Wilder ungewöhnlich düsterer, nichtsdestotrotz schöner Film, den ich wohl zu einer anderen Gelegenheit nochmal sehen muss, um ihn so zu würdigen, wie er das ohne Frage verdient hat.

Kommentare
  1. kasparsimir sagt:

    Als ich den Film in meiner cinephilen Hochphase (der Jungend) das erste Mal sah, da hat er mich durch seine Höhen und Tiefen geführt, ohne mich wirklich runterzuziehen. Es wird diese Kraft zum downer gewesen sein, die er sicher entwickeln kann, je nachdem, in welcher Situation wer auf den Film trifft, die mich schlicht gepackt und mitgenommen hatte – ohne mit ein Leids zu tun. Es mag mir auch das Herz aufgegangen sein, der Moral des Films, d.h. einer Moral wie dieser in der Welt begegnen zu können. – Als ich ihn letzthin wiedersah, da ging es mir dann mehr wie dir. Mit einer eher analytischen Herangehensweise – und durch die Jahre abgeklärt – läuft man dem Diskurs des Films in die offenen Arme. Ich will jetzt nicht sagen, da hätte ich dann einen Kloß im Hals gehabt, aber ein Gefühl etwa aus dieser Richtung wird es gewesen sein. – Im einen wie im andren: Man kann von THE FORTUNE COOKIE nicht unberührt bleiben.

  2. funkhundd sagt:

    Ja, es steckt ein beinahe heroischer Zug im FORTUNE COOKIE: Wie Harry Hinkle in der völligen Niederlage – er wird wirtschaftlich ein „Verlierer“ bleiben, in den Augen der weniger moralisch gefestigten Menschen ist er ein Idiot, ein Sonderling – den Triumph und die Freundschaft findet, dass ist wunderschön und hat etwas Erhabenes. Die letzte Szene, in der die beiden „Verlierer“ im nur spärlich beleuchteten Footballstadion wie kleine Kinder mit dem Ball spielen, spricht ja Bände in dieser Hinsicht. Ich merke gerade, wie sehr mir der Film gefallen hat. Ich habe es leider nur nicht so gespürt …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.