belly (hype williams, usa 1998)

Veröffentlicht: August 2, 2008 in Film
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Sincere (Nas) und Tommy „Buns“ Bundy (DMX) haben sich mit Raubüberfällen Luxus und Wohlstand erworben. Doch während Sincere mehr und mehr den Ausstieg aus dem Leben des Verbrechers sucht und sich nach dem Sinn seines Daseins fragt, ist Buns ganz der Macht des Dollars erlegen. Er will den nächsten Schritt machen: Und das bedeutet, in den Drogenhandel einzusteigen. Er kontaktiert Lennox (Louie Rankin), einen mächtigen jamaikanischen Drogenkingpin …

Die Voraussetzung dafür, BELLY etwas abgewinnen zu können, ist das Wissen um die Herkunft seines Regisseurs: Hype Williams ist einer der meistbeschäftigten und stilprägendsten Videoclip-Regisseure überhaupt und hat seit den frühen/mittleren Neunzigerjahren unzählige Hip-Hop- und RnB-Videos mit einem unverwechselbaren Look veredelt. Charakteristisch für diesen Look ist u. a. der exzessive Einsatz des Weitwinkelobjektivs. Seine berühmteste Arbeit dürfte wohl der von MAD MAX: BEYOND THUNDERDOME inspirierte Clip zu 2Pacs „California Love“ sein, seinerseits eines der absoluten Meisterwerke dieser noch recht jungen Kunstform. BELLY ist Williams‘ erster und bislang auch einziger Spielfilm und mehr noch als bei anderen Clipregisseuren, denen der Wechsel zum Film gelungen ist, sieht man ihm seine Herkunft jederzeit an, ja macht es eigentlich mehr Sinn, ihn als langes Musikvideo denn als Spielfilm zu betrachten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit Nas und DMX, aber auch mit Nebendarstellern wie T-Boz, Method Man und AZ, zahlreiche Musiker auftreten, mit denen Williams bereits für Videoclips zusammenarbeitete und die eine Hauptattraktion des Films darstellen. Attraktionen: Symptomatisches Phänomen für den ganzen Film. Begegnet man BELLY nämlich mit Ansprüchen an Handlung, Dramaturgie, Schauspielerleistung und Plausibilität, muss das Urteil vernichtend ausfallen. Die Handlung verliert sich nach etwa der Hälfte der Spielzeit und wird trotz ihres epigonalen Charakters vollkommen unnachvollziehbar (was auch an dem Slang liegt, in dem überwiegend gesprochen wird), die Figuren bleiben eindimensionale Schablonen und jeder Versuch, ihnen Leben einzuhauchen, wird von der plumpen, vordergründigen Inszenierung unterminiert. Wenn BELLY in den letzten 30 Minuten auch noch die Transformation vom materialistischen Crimefilm zum elevation predigenden Lehrstück versucht, muss das demzufolge vollkommen in die Hose gehen, und auch der plump gescriptete und von Nas mit nicht einmal der Hälfte der Ausdruckskraft seiner Raps intonierte Voice-over stellt eine schwere Bürde dar. Aber dann sind da diese edel glänzende Oberfläche, der absolute Stilwille, der Drang, auch die unwichtigste Szene noch in ein edles Licht zu tauchen und mit ungewöhnlichen Perspektiven zu adeln, die es einem schwer machen, BELLY rundheraus zu verdammen. Zumal er in dieser Diskrepanz zwischen Form und Inhalt mehr erzählt als seinem Regisseur vermutlich bewusst war. Williams gelingt es nämlich überhaupt nicht, eine Außenperspektive einzunehmen, von der aus seine Botschaft und seine Kritik erst ihre Glaubwürdigkeit bezögen. Er ist in derselben Welt gefangen wie seine Protagonisten, eine Welt materieller Statussymbole und anachronistischen Revierverhaltens. BELLY ist soetwas wie der schwarze AMERICAN PSYCHO, wenn dieser von seinem Titelhelden Patrick Bateman inszeniert worden wäre. Hochgradig fragwürdig, sehenswert aus allen nur denkbaren falschen Gründen.

Nur kurz hat man das Gefühl, dass BELLY ein richtig guter Film werden könnte, nämlich während des unglaublichen, ca. dreiminutigen Intros, das – wäre es ein Videoclip – ganz da oben neben „California Love“ stünde. So bleibt am Ende ein fragwürdiger Film, der aber – wie auch schon FEAR OF A BLACK HAT – als Zeitdokument funktioniert und von einer Zeit erzählt, als der Ostküsten-Hip-Hop eine kommerzielle Macht war und ein mittelmäßig talentierter, aber mit unbeschreiblichem Charisma ausgestatteter DMX Schlagzeilen mit seiner Musik machte und nicht mit seinen schwachsinnigen Konflikten mit dem Gesetz …

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