ace ventura: pet detective (tom shadyac, usa 1994)

Veröffentlicht: August 4, 2008 in Film
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ACE VENTURA: PET DETECTIVE war einer der großen Box-Office-Überraschungserfolge des Jahres ’94, spielte weltweit mehr als das Zehnfache seiner Produktionskosten wieder ein, öffnete Jim Carrey in Hollywood Tür und Tor und ist somit ein kleines Stück jüngerer Filmgeschichte. Ein denkbar merkwürdiges, wie man nach Sichtung feststellen wird.

Ace Ventura (jim Carrey) ist Tierdetektiv und verdient sich sein Brot, indem er verloren gegangene Tiere wiederfindet. Sein Beruf ist Überzeugungssache: Er liebt Tiere und verachtet, wenn sie menschlicher Gewalt und WIllkür ausgesetzt werden: Da kann er dann schon einmal ausgesprochen ruppig werden. Als das Maskottchen der Miami Dolphins pünktlich zum Super-Bowl-Endspiel verschwindet, ist es an Ace, das Tier ausfindig zu machen …

Etwas persönliche Legendenbildung: Für mich sind mit ACE VENTURA: PET DETECTIVE unauslöschliche Erinnerungen verbunden. Es war 1994, ich war gerade 18 und besuchte mit einem Freund die Vorstellung von NAKED GUN 33 1/3 im mittlerweile geschlossenen Passage-Kino in Krefeld. Im benachbarten Saal sollte später noch die Sneak Preview eines uns unbekannten Films namens ACE VENTURA laufen, den wir spontan nachzuschieben gedachten, nachdem wir des Trailers ansichtig geworden waren. An sich nichts Besonderes, bis auf die Tatsache, dass wir die einzigen in der Sneak Preview bleiben sollten, und der Vorführer uns deshalb sogar anbot, den Film für uns anzuhalten, wenn wir aufs Klo müssten. Wir hatten einen lustigen Abend und ich wage zu behaupten, dass wir das Erlebnis einer einsamen ACE-VENTURA-Kinosichtung nicht mit allzu vielen Menschen teilen müssen. Wer weiß, welche Rolle dieser Film für mich spielen würde, wenn ich ihn erst später, möglicherweise nach Beginn des Carrey-Hypes, gesehen hätte.

Denn man muss ehrlich sein: Als Film betrachtet, ist ACE VENTURA: PET DETECTIVE eine Zumutung und selbst an dem geringeren Anspruch der albernen Komödie gemessen nicht wirklich gelungen. Sein Humor reduziert sich auf Carreys Grimassen und sonstigen Flausen, die mal mehr, mal weniger witzig sind und das Terrain des Körperhumors nie verlassen. Ob man das witzig findet oder für vollkommen hysterisch und niveaulos hält, ist letzen Endes Geschmackssache (ich mag ihn); keinen Anlass zur Diskussion stellt allerdings die Tatsache dar, dass es zwischen Carrey und seinen Mitstreitern überhaupt keine Chemie gibt (Ausnahme ist vielleicht der Kurzauftritt von Udo Kier), ja Carrey mit seinem vollkommen exaltierten Verhalten sogar ein ausgesprochener Fremdkörper in der Welt des Films bleibt. An ein paar Stellen scheint Shadyac zeigen zu wollen, dass Ventura den Clown selbst nur spielt, in Wahrheit ganz normal ist. Aber dieser Ansatz wirkt nur noch befremdlicher, denn warum sollte sich ein erwachsener Mensch dauerhaft benehmen wollen wie eine Comicfigur und sich damit zum Gespött aller ihn umgebenden Menschen machen? Man sieht an ACE VENTURA: PET DETECTIVE deutlich, dass man für den Humor Jim Carreys erst noch die geeignete Form finden musste, die ihn auch innerhalb eines Spielfilms funktionieren ließ. Shadyac scheitert gewissermaßen damit, ihm völligen Freiraum zu geben und alle anderen an der kurzen Leine zu halten. Es entsteht ein Ungleichgewicht, das den Film zu zerreißen droht. Erst mit der Fortsetzung sollte es gelingen, Ace Ventura in einer Welt zu platzieren, innerhalb derer er glaubwürdig wirkte.

Kommentare
  1. […] dieser Gelegenheit um ihre Einschätzung gebeten, warum um alles in der Welt ausgerechnet meine beiden kurzen Einträge zu den Ace-Ventura-Filmen – nette, aber doch auch irgendwie stark in den […]

  2. Thomas Hemsley sagt:

    Du hast also am selben Tag den Niedergang der modernen (ZAZ) Parodie gesehen und den Neubeginn? WOW! Das Ace Ventura natürlich ein Fremdkörper in der Welt der Menschen ist, scheint dir noch nicht in den Sinn gekommen zu sein – es ist also folgerichtig, dass er keine Chemie mit den menschlichen Darstelllern entwickelt.
    Ich vermisse den Jim Carrey der Neunziger, ich finde er hatte das Potential der Jack Nicholson seiner Generation zu werden – in Anbetracht seiner ernsteren Filme könnte man natürlich behaupten, dass er dieses Potential ausgeschöpft hat, aber mir fehlt da seine Wildheit – außer in ME, MYSELF AND IRENE.

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