boyz n the hood (john singleton, usa 1991)

Veröffentlicht: August 11, 2008 in Film
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South Central L. A. in den frühen Neunzigern: Auf den Straßen tobt das Verbrechen, dem vor allem die männlichen schwarzen Jugendlichen zum Opfer fallen. In diesem Chaos lebt Tre (Cuba Gooding jr.) bei seinem Vater Furious (Laurence Fishburne), der versucht, seinem Sohn Werte und Verantwortung beizubringen. Mit Erfolg – bis Tres bester Freund Ricky (Morris Chestnut) erschossen wird. Nun bringt ihn die Freundschaft zu Rickys kriminellem Bruder Doughboy (ice Cube) in Gefahr …

In einer Zeit, in der die Rassenproblematik in den USA auf einen neuen, späten Höhepunkt zusteuerte – die L. A. Riots im darauffolgenden Jahr -, traf der gerade 23-jährige Regisseur John Singleton mit seinem aufrüttelnden Blick auf die US-amerikanische Ghettowirklichkeit genau ins Schwarze – und löste heftige Tumulte in den Kinos aus. Tatsächlich ist sein Film von einem gerechten Zorn erfüllt, der von dem treffend benannten Furious Styles verkörpert wird, der Tre und Ricky im Stile eines schwarzen Bürgerrechtlers über die Zustände in den Ghettos aufklärt, ihnen Fakten und Perspektiven bietet. Der geniale Schachzug von Singleton ist jedoch ohne jeden Zweifel die Besetzung des jungen Doughboy mit Ice Cube, der als populärster Rapper dieser Zeit als wichtiges und lautes Sprachrohr der unterprivilegierten Jugend fungierte und hier den Grundstein seiner heute erfolgreichen Karriere als Schauspieler und Produzent legte. Er bringt Authentizität, Autorität und – das ist mir erst jetzt, bei der xten Sichtung in 16 Jahren aufgefallen – eine ebenso verstörende wie mitleiderregende Mischung aus kaltblütigem Killer und traurigem Kind mit, die der zentralen Frage des Films nur zugute kommt: Was ist das für ein Land, das seiner Zukunft beim gegenseitigen Abschlachten zusieht?  Was N.W.A. im selben Jahr auf ihrem kongenialen Album „Efil4zaggin“ mit brachialer Ehrlichkeit zum Ausdruck brachten, nämlich, dass eine ganze Generation vor lauter Langeweile, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit zu brutalen Mördern degeneriert, das „übersetzt“ Singleton gewissermaßen für die breite Masse und liefert damit einen Film ab, der sich auf dem Papier liest wie eine müde Sozialpädagogikstunde. Ein Schicksal, vor dem ihn allerdings die famos aufgelegten Schauspieler retten, die ihren folienhaften Charakteren ein Höchstmaß an Leben einflößen. Das macht BOYZ N THE HOOD auch heute, in einer Zeit, in der er nicht mehr die Aktualität besitzen mag, die er damals hatte (um das genau zu beurteilen, müsste man allerdings die Verbrechensstatistiken der USA studieren), zu einem immens packenden, erschütternden und bewegenden Film, der in seiner Humanität einfordernden Haltung absolut unmissverständlich und kompromisslos bleibt.

Kommentare
  1. […] andere, hauptsächlich schwarze Filmemacher sich mit dem Thema beschäftigt – John Singleton mit BOYZ ‘N THE HOOD und die Hughes Brothers mit MENACE II SOCIETY – und dem Subgenre des Ghetto- oder Gangfilms ihren […]

  2. […] BE A MENACE eine Parodie im Stile der ZAZ-Komödien ab, die sich inhaltlich vor allem an BOYZ N THE HOOD und MENACE II SOCIETY orientiert. Wie auch in den ähnlich gelagerten Wayans-Werken – die […]

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