black caesar (larry cohen, usa 1973)

Veröffentlicht: August 20, 2008 in Film
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Harlem in den Fünfzigern: Schon als Jugendlicher verdient sich Tommy Gibbs ein paar Dollar mit krummen Geschäften. Als er jedoch an den korrupten Polizisten McKinney (Art Lund) gerät, landet er erst mit gebrochenem Bein im Krankenhaus und anschließend im Knast. Nach 12 Jahren kehrt Tommy als erwachsener Mann (Fred Williamson) mit großen Plänen zurück: Diese sollen ihn nicht nur zum Paten von Harlem machen, sondern auch das Ende von McKinney bringen …

Larry Cohens zweiter Film nach BONE (zu dem ich hier etwas geschrieben habe) teilt mit diesem die schwarze, ambivalent gezeichnete Hauptfigur, lässt sich aber sonst recht eindeutig im Blaxploitation-Genre verorten, während der Vorgänger satirische und surreale Züge aufwies. In BLACK CAESAR erzählt Cohen die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters und nimmt sich somit eines Sujets an, dessen epischem Gehalt er in knapp 90 Minuten kaum gerecht werden kann. BLACK CAESAR (dem Cohen noch das Sequel HELL UP IN HARLEM folgen ließ, bevor er sich mit IT’S ALIVE dem Horrorfilm zuwandte) funktioniert daher auch weniger als lückenlose „Dokumentation“ einer Karriere wie etwa Scorseses GOOD FELLAS, Scotts AMERICAN GANGSTER oder De Palmas SCARFACE, sondern als Ansammlung von Schnappschüssen, die nicht immer ausgewogen ist. Mehr als für den Crimefilm-Aspekt scheint Cohen sich für die psychologische Seite seiner Geschichte interessiert zu haben: Szenen wie jene, in der Tommy mit seinem ihm unbekannten Vater konfrontiert wird, oder die, in der er seine Geliebte kennen lernt (er zwingt sie, eine Musikerin, die Musikuntermalung zu einem von ihm durchgeführten Auftragsmord zu liefern), bleiben im Gedächtnis, weil sie einen starken Kontrast zu den gängigen Plotelementen bildet, mit denen BLACK CAESAR sonst arbeitet. Das kann, muss man man aber nicht als Schwäche betrachten: Stärker als andere Blaxploiter akzentuiert Cohen nämlich die Arbitrarität seiner Geschichte. Tommy ist einer von vielen, die versuchen, ihren Weg nach oben zu machen und dabei zwangsläufig stolpern. Bezeichnend für diese Lesart ist das Finale, in dem der schwer verwundete Tommy nach seinem Triumph über McKinney von Straßenkindern erschlagen und beraubt wird (wie das Sequel mit diesem Faktum umgeht, würde mich mal interessieren). So bleibt die Hauptfigur von BLACK CAESAR trotz aller Psychologisierungen notgedrungen undurchsichtig, sein Erfolg ist weniger auf sein Planungsgeschick zurückzuführen, als vielmehr auf seine Rücksichtslosigkeit und Todessehnsucht – ein starker Kontrast zu den Empowerment-Märchen des Blaxploitation-Kinos, an das hier vor allem James Browns famoser Soundtrack erinnert. Von popkulturellen Paraphernalia, die das Blaxploitation-Genre sonst durchziehen, ist BLACK CAESAR fast gänzlich befreit: Bunte Anzüge und lustige Hüte sucht man vergeblich, die Dialoge sind ebenfalls von berückender Sachlichkeit und auch die Bilder, die New-York-Experte Cohen aus Harlem mitgebracht hat, unterstreichen diesen Eindruck. Der Blaxploitation-Film steht recht häufig in der Kritik, letztlich weiße Vorurteile zu präsentieren und das Ghetto als exotische Parallelwelt zu zeichnen, der sich das überwiegend weiße Publikum im Kinosaal endlich gefahrlos nähern kann, um seine Neugier zu stillen. Eine Ikone wie der kongenial benannte Shaft spiegelte letztlich vor allem die weiße Hausfrauenfantasie (und Männerangst) des gut bestückten schwarzen Sexprotzes wider und konnte nur über Umwege – nämlich Verleugnung – zum „echten“ afroamerikanischen Helden werden. Cohen zeigt mit BLACK CAESAR über weite Strecken wie man solche Untiefen vermeiden kann und legt somit einen der ehrlichsten Blaxploiter überhaupt vor.

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