The Rebel (Vietnam 2006)
Regie: Truc „Charlie“ Nguyen

Nach Thailand erhebt nun auch Vietnam Anspruch auf den verwaisten Martial-Arts-Thron. THE REBEL kommt im Gewand eines ernsten Historienfilms – es geht um die den vietnamesischen Widerstand gegen die französische Kolonialmacht -, der leider trotz schöner Cinematografie immer etwas zu bieder bleibt, um wirklich zu fesseln. Anders verhält es sich da mit den kurzen, aber mitreißenden Fights: Hauptdarsteller Johnny Nguyen zeigt, dass er es mit den Größen des Genres durchaus aufnehmen kann, und die Kamera tut alles, um diese Tatsache einzufangen. Statt mit wüsten Schnitten und ebensolcher Bildführung sind die Actionszenen in THE REBEL sehr naturalistisch eingefangen. So lässt sich jeder Tritt, jede Parade, jeder Konter nachvollziehen; die Dynamik bringen die Schauspieler ins Spiel. Gegenüber einem ONG-BAK, der Thailand vor einigen Jahren quasi über Nacht zum neuen Martial-Arts-Mekka machte, bleibt THE REBEL leider immer im „Rahmen“ – man vermisst das Besondere, den Exzess. Und das Wiedersehen mit 21 JUMP STREET-Star Dustin Nguyen reicht da leider nicht aus. Trotzdem: Ansehnlich.

L Change the World (Japan 2008 )
Regie: Hideo Nakata

Das Spin-Off der erfolgreichen DEATH NOTE-Filme macht es den Zuschauern, die mit jenen nicht vertraut sind, zum Glück nur zu Beginn schwer. Dann emanzipiert sich L CHANGE THE WORLD von seinen Vorgängern und erzählt seine Geschichte um Ls Kampf gegen Terroristen, die die Erde mit einem tödlichen Virus erpressen wollen. Nach einem Auftakt mit Knalleffekt – ein thailändisches Dorf wird mit einer Atombombe ausgelöscht – tritt Regisseur Nakata jeodch beherzt auf die Bremse. L CHANGE THE WORLD ist aufreizend langsam, sein Verzicht auf eye candy und Spezialeffekte ist frappierend. So ist es an Kenichi Matsuyama als Hauptfigur L, das Zuschauerinteresse zu binden. Das gelingt, weil L als eine der schrulligsten Figuren der jüngeren Filmgeschichte bezeichnet werden muss: Das lebensmüde Computer-As, das ohne Unterlass Zucker in sich hineinstopft und unter einer extrem ungesunden Körperhaltung leidet, stellt eine amüsante Überhöhung des jugendlichen Computernerds dar. Wesenszüge, die sonst Gegenstand des Spotts sind, werden hier mystifiziert, förmlich zu Superkräften stilisiert, der Nerd heroisiert. Diese Strategie zieht sich durch den ganzen Film: Das Fantastische und Absurde wird zum Normalen. Das Problem: L CHANGE THE WORLD konzentriert sich so sehr auf seinen Protagonisten, dass man als Zuschauer den Film drumherum vermisst. Die tödliche Bedrohung wird nie wirklich greifbar, der Thrill bleibt somit aus, das Finale ist schlicht und ergreifend antiklimaktisch. Mir hat L CHANGE THE WORLD gefallen, auch wenn es mir nicht gelingt, das stichhaltig zu begründen. Eigenartig.

Kaerlighed pa film (Dänemark 2007)
Regie: Ole Bornedal

Der Fotograf Jonas (Anders W. Berthelsen) ist seit 15 Jahren glücklich mit Mette (Charlotte Fich) verheiratet, beide haben zwei Kinder. Als er aber Zeuge eines Autounfalls wird, in den die junge Julia (Rebecka Hemse) verwickelt ist, verändert er sich. Er besucht die Komapatientin und schlüpft schließlich eher unabsichtlich in die Rolle von deren Freund Sebastian, von dem Julia ihren Eltern so viel erzählt hat. Es entwickelt sich tatsächlich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden: Jonas verlässt seine Frau, will ein neues Leben mit Julia beginnen. Doch dann taucht Sebastian wieder auf und macht sehr deutlich, dass man Beziehungen nicht wechseln kann wie einen Anzug …

KAERLIGHED PA FILM ist eigentlich zwei Filme: Er beginnt als filmisches Essay über verschiedene Liebes- und Partnerschaftskonzepte und endet als finsterer Thriller. Jonas ist der Prototyp des Mannes in der Midlife-Crisis: Er sieht sein Leben im Alltag verschwinden und vermisst die Aufregung, die Julia in sein Leben zu bringen scheint. Seine Liebe zu ihr ist Projektion: Weil er nichts über sie weiß und sie im Gegenzug sein Geheimnis nicht kennt, wird die Beziehung zu Julia zu einem Spiel mit dem Feuer und damit zum Inbegriff der Unsicherheit, die er in seiner Beziehung so sehr vermisst. Zumindest redet er sich das ein: Eine Szene zu Beginn zeigt sehr deutlich, dass Jonas und Mette sich lieben – nur ist dieses Gefühl eben bereits „gesetzt“. Julia auf der anderen Seite, ein junges Mädchen aus reichem Elternhaus, die vor ihrem Unfall von einem neunmonatigen Asienaufenthalt zurückgekehrt ist, ist das komplette Gegenteil von Jonas. Ihre Beziehung zu Sebastian ist von Spontaneität und Rauschhaftigkeit geprägt: Sie scheint sich in Jonas auch deshalb zu verlieben, weil er das komplette Gegenteil von Sebastian verkörpert und Sicherheit verspricht. Doch die Liebe zwischen Julia und Jonas muss scheitern, weil sie eben auf einem Missverständnis und einer Lüge gründet: Jonas muss erkennen, dass man nicht von einer Beziehung in die nächste springen kann. Ihm kommt dann auch die Vergangenheit in Form des gewissenlosen Sebastian (Nikolaj Lie Kaas) in die Quere, der die Ungewissheit, die so verführerisch schien, zur bitteren Gewissheit macht. Bornedal ist ein erzählerisch, formal und inhaltlich großartiger Film gelungen, der sein Drama allein in den Gesichtern der Schauspieler entfaltet. KAERLIGHED PA FILM geht den bitteren Erkenntnissen nicht aus dem Weg, ist wie das Leben eine mal schmerzvolle, mal wunderschöne Erfahrung – und nicht immer sind die beiden Seiten voneinander zu trennen.

L’auberge Rouge (Frankreich 2007)
Regie: Gèrard Krawczyk

In einem kleinen Gasthaus am Fuß der Alpen hütet Famile Martin (u. a. Christian „Asterix“ Clavier) ein finsteres Geheimnis: Um in der Einöde zu überleben, müssen dann und wann die einkehrenden Gäste gemeuchelt werden. Weil eine neue Handelsstraße das Gasthaus in Kürze isolieren wird, muss ein großer Coup her: Und der naht in Form einer Kutsche reicher Schnösel …

L’AUBERGE ROUGE basiert auf einer Erzählung Balzacs, die bereits bereits in den Fünfzigerjahren mit Fernandel in der Hauptrolle verfilmt wurde. Auch die Neuverfilmung steht trotz des aufpolierten Looks ganz in der Tradition von turbulenten Komödien wie man sie aus Frankreich kennt, man denke etwa an die Filme mit Louis de Funes. So bietet L’AUBERGE ROUGE heitere neunzigminütige Unterhaltung, die angenehm altmodisch daherkommt, ohne altbacken zu sein. Letzten Endes bleibt Krawczyks Film aber immer einen Tick zu brav, um wirklich nachhaltig zu begeistern.

The Rage (USA 2007)
Regie: Robert Kurtzman

Ein ausgesprochen ruppiger DTV-Horrorschinken vom KNB-Effektspezialisten, der trotz vieler, vieler Mängel letztlich das leistet, was so viele Funsplatter-Filme vergeblich versuchen. Es matscht und splattert ohne Unterlass, die Effekte sind zum Großteil handgemacht, der Humor drängt sich nie so weit in den Vordergrund, dass er den Horror neutralisieren würde. Am Schluss, wenn die letzten Überlebenden im Keller des Mad Scientists (Andrew Divoff) herumstolpern und auf zahlreiche blutgierige Mutanten stoßen, fühlt man sich in der Bizarrerie des Settings gar an Rob Zombies ungleich besseren HOUSE OF 1000 CORPSES erinnert. Ein Auge zudrücken muss man bei den mäßigen Darstellern und einigen CGI-Effekten: Man hat aber auch schon weitaus schlechtere gesehen. Natürlich ist THE RAGE objektiv betrachtet der letzte Rotz, der die Nerven dann und wann gehörig überstrapaziert. Aber er will ja auch nicht als Filmkunstwerk in die Geschichte eingehen, sondern als saftiger Schocker. Und das gelingt ihm meines Erachtens nach besser als all den nervtötenden Splatterkomödien und selbsternannten Partyfilmen, die man nun seit 15 Jahren in schöner Regelmäßigkeit über sich ergehen lassen muss.

Kommentare
  1. […] THE WORLD gefallen, auch wenn es mir nicht gelingt, das stichhaltig zu begründen. Eigenartig.“ (funkhundd) „Für Fans, weil der tolle L zurückkehrt und man dem Kerl einfach ewig zuschauen kann. Für […]

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